Potsdamer Mitte

Flyer Potsdamer Mitte

Der einzigartige barocke Stadtkern um den Alten Markt wurde im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört und zu DDR-Zeiten städtebaulich stark überformt. Nach umfangreichen Abrissmaßnahmen des verbliebenen Gebäudebestandes in der Nachkriegszeit blieben die Planungen für ein neues „sozialistisches Stadtzentrum“ jedoch bis zur politischen Wende 1989 unvollendet. Bereits 1990 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild. 1999 wurde das Sanierungsgebiet "Potsdamer Mitte" förmlich festgesetzt und damit die Umsetzung der Planungsziele zur Wiedergewinnung der historischen Stadtmitte im Rahmen der Städtebauförderung ermöglicht. Seitdem ist Potsdams alte / neue Mitte einer der bedeutendsten Transformationsräume der Stadt.

Wesentlicher Impuls der städtebaulichen Entwicklung war die Entscheidung des Brandenburgischen Landtages 2005, entsprechend eines Bürgervotums den Neubau des Landtags auf dem Grundriss des 1945 und 1959/60 zerstörten Potsdamer Stadtschlosses am Alten Markt zu errichten. Die Gestaltung des Landtagsneubaus in der äußeren Gestalt des ehemaligen Stadtschlosses wurde durch private Spenden ermöglicht. Nach dreijähriger Bauzeit wurde der Landtagsneubau mit der historischen Fassade unter Verwendung erhaltener Figuren und Schmuckelemente und dem ehemaligen Kupferdach Ende 2013 fertig gestellt. Seit Januar 2014 tagt der Brandenburgische Landtag in seinem neuen Domizil, das auch der interessierten Öffentlichkeit offen steht.

Vis-á-vis am Alten Markt, hat sich im sanierten und umgebauten Alten Rathaus das Potsdam Museum seit seiner Eröffnung am neuen Standort im August 2012 hervorragend etabliert.

BLOCK I
Die erstmalige Wiederbebauung der östlichen Platzkante des Alten Marktes seit ihrer Zerstörung durch Bomben im April 1945 ist ein weiterer wesentlicher Meilenstein zur Wiedergewinnung der historischen Mitte Potsdams. Am Ufer der Alten Fahrt sind bis 2016 auf 8 Grundstücken ein Kunstmuseum sowie Wohn- und Geschäftshäuser privater Bauherren im Wechselspiel zwischen Rekonstruktion und zeitgenössischer Architektur entstanden. Die Bauherren waren als Sieger aus dem zweistufigen Bieterwettbewerb zum Verkauf der städtischen Grundstücke hervorgegangen. Grundlage des Verfahrens bildete das 2010 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossene Integrierte Leitbautenkonzept. Als Konkretisierung der Sanierungsziele formuliert es Gestaltungs-, Nutzungs-, Vermarktungs- und Verkehrsanforderungen der künftigen baulichen Entwicklung für den Bereich um den Alten Markt.

Das Palais Barberini (ehemals ein Nachbau des gleichnamigen Palazzo in Rom) wurde durch das Berlin/Münchner Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht zum Alten Markt hin als einziger "Leitbau" entsprechend seinem 1945 fast völlig zerstörten Vorbild wiederhergestellt. Der Bauherr Prof. Hasso Plattner hat hier 2017 das Museum Barberini eröffnet und seine umfangreiche private Kunstsammlung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die benachbarten Gebäude, ehemals Nachbildungen des Palazzo Chiricati von Palladio in Vicenza (Humboldtstraße 4) und des Palazzo Pompei von Sanmicheli in Verona (Humboldtstraße 3), erhielten entsprechend dem Leitbautenkonzept zum Alten Markt hin wieder ihre historische Fassaden. Zur Havelseite hin präsentieren sich die Gebäude dagegen in zeitgenössischer Architektur, geplant durch die Potsdamer Architekturbüros Vangeistenmarfels sowie Bernd Redlich. Den Auftakt der Haveluferbebauung an der Langen Brücke bildet das im September 2015 fertiggestellte moderne Geschäftshaus "HQ Humboldt Quartier" das durch die Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht geplant wurde. Auf der anderen Seite des Museums Barberini, Richtung Altes Rathaus, entstehen derzeit moderne Gebäude in zeitgenössischer Architektur nach den Planungen der Architekturbüros Dietz Joppien (Brauerstraße 1), Prof. Franco Stella (Brauerstraße 2), Nalbach&Nalbach (Brauerstraße 3) und nps tschoban voss (Brauerstaße 4 / Versailler Platz). 2016/17 wurden die letzten Gebäude fertiggestellt.

BLOCK II
Die Straßenkreuzung Schwertfegerstraße / Friedrich-Ebert-Straße / Erika-Wolf-Straße war historisch mit vier Gebäuden bebaut, die jeweils eine „konkave Ecke“ besitzen. Der sogenannte „Achteckenplatz“ – in Wahrheit kein Platz sondern eine Kreuzung – findet gestalterische Vorbilder in Rom und in Palermo. 
Nur eines der historischen Gebäude hat die Zeit überdauert. An der Ecke Schwertfegerstraße gegenüber entstand ab 2018 das „Musikerhaus“ neu. Hinter der historisch erscheinenden aber neu gebauten Fassade befinden sich Wohnungen, die jeweils ein schallentkoppeltes Musikzimmer besitzen.
Die beiden auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindlichen „Achteckenhäuser“ werden zeitgenössisch interpretiert mit sogenannten „Gestaltvorgaben“ gebaut. Dies liegt vor allem daran, da die Straßenbreite um mehr als 10m gegenüber dem historischen Grundriss aufgeweitet wurde. Dadurch stehen die Häuser nicht auf der historischen Stelle. In Block III hat die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft Karl Marx das Wohn- und Geschäftshaus 2024 fertiggestellt. In Block IV beginnt der Bau ab 2026 und knüpft mit der Fertigstellung in 2027 an die einstige Gestaltung des Ensembles an.
Als Nachfolger des früher mit einem Schmuckgiebel versehenen Gebäudes „Zum Einsiedler“ steht das 2023 fertiggestellte neue „Haus Einsiedel“ an der Ecke Schloßstraße / Friedrich-Ebert-Straße. Im Erdgeschoss befindet sich die Mittelbrandenburgische Sparkasse, in den oberen Geschossen sind Wohnungen.

Direkt daneben in der Schloßstraße steht das neue Synagogeenzentrum Potsdam.
Nach einem intensiven und mehr als zehnjährigen Prozess wurde der Gestaltungsentwurf des Architekten Jost Haberland verwirklicht. Die Errichtung der Synagoge ist ein Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam dort präsent sein wird, wo es hingehört: An einen prominenten Ort, in ein identitätsstiftendes, jüdisches, sakrales Gebäude. Jüdisches Leben im Herzen der Stadt wird sich dort wieder entfalten können.
Der Grundstein wurde am 08. November 2021 gelegt. Der Bau wurde durch das Land Brandenburg finanziert und 2024 fertiggestellt. Trägerin des Gebäudes für die kommenden drei Jahre ist die Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Im Sommer 2024 wurde das „Synagogenzentrum Potsdam“ in einem kooperativen Nutzungskonzept an vier Potsdamer Gemeinden übergeben. 

BLOCK III
2017 wurden bei einem Interessenbekundungsverfahren aus 82 Bewerbern und 220 Konzeptideen 43 Konzepte von 25 Bewerbern zu weiteren Bearbeitung ausgewählt. Im Oktober 2017 reichten dann 21 Bewerber 37 Bau- und Nutzungskonzepte ein. Daraus hat eine Auswahlkommission im März 2018 für neun Baulose jeweils einen Bestbieter ausgewählt.

Neben privaten Bauherren haben in Block III die beiden Potsdamer Wohnungsgenossenschaften „PWG 1956“ und „Karl Marx“ neu gebaut. Die insgesamt 14 Gebäude wurden von sechs Bauherren errichtet. Es sind knapp 100 Wohnungen entstanden, davon 19 mit Mietpreis- und Belegungsbindungen mit Mitteln der Wohnraumförderung des Landes Brandenburg und weitere 62 Wohnungen mit Mietpreisbindungen 10 % unter dem Mietspiegel.

Die beiden südlichen Eckgebäude des Blocks in Richtung Alter Markt und Steubenplatz haben sogenannte Leitfassaden bekommen. Diese haben das historische Aussehen der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Vorgängergebäude als Erinnerungsarchitektur. Die beiden nördlichen Eckgebäude haben sogenannte „Gestaltungsvorgaben“ und erinnern in ihrer Grundgestaltung an den jeweilig historischen Vorgängerbau, sind aber keine detailgetreue Nachempfindung des Originals. Alle Gebäude dazwischen sind zeitgenössische Architekturentwürfe, die sich optisch in diesen Stadtbereich eingliedern. Jedoch ist deutlich zu erkennen, dass es sich um Neubauten handelt. 
Architektonisches Highlight und auch eine besondere Nutzung findet sich in der Erika-Wolf-Straße mit dem nur sieben Meter breiten Gebäude „Haus für Musik“. Die besondere äußere Gestaltung der „Sterne“ ist eine Interpretation des gestalterisch prägenden Motivs einer Stern- / oder Wabenkonstruktion (je nach Blickwinkel), welche sich am Gebäude des bis 2018 abgerissenen Gebäudes der ehem. Fachhochschule / Lehrerbildungsinstitut der DDR befand.

Am 02. September 2021 wurde symbolisch der Grundstein für den Block III gelegt. Im Herbst 2021 war Baubeginn. Die ersten gewerblichen Mieter*innen konnten im März 2024 einziehen. Seit Juli 2024 wohnen die ersten Menschen im neuen Quartier.

BLOCK IV
Am 5. September 2013 wurden mit der Eröffnung des Bildungsforums die langjährigen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der alten Stadt- und Landesbibliothek abgeschlossen. In dem Gebäude befindet sich seitdem auch die Volkshochschule, ein Jahr später kam noch die Wissenschaftsetage hinzu. Vom 1974 erbauten Bibliotheksgebäude blieb die Stahl-Beton-Konstruktion erhalten. Denkmalgeschützte Sgraffitos sind im Inneren neu positioniert worden. Der Innenbereich wurde mit Glas überdacht und so ein großer, heller Raum im Erdgeschoss geschaffen. In dem Gebäude befinden sich heute auch die Volkshochschule und die Wissenschaftsetage mit dem Potsdam Lab als Zentrum für Design Thinking, Wissenstransfer und Beteiligung.

Die künftigen zwölf neuen Gebäude im Block IV werden von vier Bauherren gebaut: Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ProPotsdam wird westlich des Bildungsforums Neubauten mit mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen sowie Flächen für ergänzende Nutzungen aus dem Bildungsforum errichten. Östlich baut das Land Brandenburg mit dem Studierendenwerk West:Brandenburg ein neues innerstädtisches Studierendenwohnheim mit 80 Betten.

Im Mai 2021 wurden in einem Auswahlverfahren für die beiden südlichen Grundstücke entlang der Erika-Wolf-Straße (historisch Schwertfegerstraße) aus zwölf Bewerbungen zwei Konzepte ausgewählt. Auch diese beiden Bauherren haben sich verpflichtet, einen Teil der entstehenden Wohnungen als mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnraum für 30 Jahre anzubieten.
Baubeginn des ersten Bauloses war 2025. Die ersten Häuser sollen ab 2026 bezogen werden. Die anderen folgen sukzessive.

BLOCK V
2021 hat die Stadtverordnetenversammlung den Abriss des ehem. Wohnhauses Am Alten Markt 10 – umgangssprachlich „Staudenhofwohnhaus“ – bestätigt. 

Bebauungsstruktur, Nutzung und Gestaltung der Neubebauung richten sich nach den Vorgaben des Integrierten Leitbautenkonzepts für die Potsdamer Mitte. Das Gebäude an der Südwestecke des Blocks zum Alten Markt wird mit der historischen Fassade des Vorgängerbaus entstehen (eine sogenannte „Leitfassade“). Vorbild für das historische Haus war ein Entwurf des italienischen Architekten Palladio für den „Palazzo Giulio Capra“ in Vicenza, der jedoch nicht gebaut wurde. 
Die künftige Bebauung soll hauptsächlich bedarfsgerechten und vor allem bezahlbaren Wohnraum bieten. Dazu wird geprüft, welche Wohnungsgrößen und -schnitte besonders benötigt werden. Um vor allem bezahlbare Mieten zu ermöglichen, sollen Mittel der Wohnraumförderung des Landes Brandenburg genutzt werden.

Ab 2026 sollen in einem Architekturwettbewerb parzellengenau die besten Fassadenentwürfe für alle Häuser ausgewählt werden.

 

ÖFFENTLICHE RÄUME

Angesichts der oben beschriebenen grundsätzlichen Veränderungen der stadträumlichen Rahmenbedingungen wurde für den bereits 2001 zur BUGA angelegten Lustgarten, dem ältesten und zentralsten Garten Potsdams, 2014/15 im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung eine interdisziplinäre Planungswerkstatt durchgeführt. In einem intensiven Diskussionsprozess zwischen Fachexperten und Öffentlichkeit wurden Visionen zur langfristigen Weiterentwicklung des Lustgartens erarbeitet. Die Visionen wurden im sogenannten Masterplan Lustgarten zusammengefasst. Entscheidungen dazu, wie mit dem ehemaligen Interhotel, und heutigen Hotel Mercure südlich des Landtages umgegangen werden soll, sollen jedoch erst getroffen werden, wenn das 17-geschossige Gebäude in seiner derzeitigen Nutzung nicht weiterverfolgt wird.

Im Zuge des Neubaus des Brandenburger Landtages wurden auch die umliegenden öffentlichen Plätze und Straßen von Grund auf erneuert. Wesentliche Maßnahmen waren der Umbau der Friedrich-Ebert-Straße, einschließlich Verlegung der Tramtrasse mit dem Neubau einer ÖPNV-Brücke inkl. Fuß- und Radweg 2013, der Neubau der Humboldt- und der Brauerstraße sowie der Umbau der Breiten Straße zwischen Dortustraße und Schloßstraße. Mit der Erneuerung und Neugestaltung der Straßenräume konnte, trotz des hohen Verkehrsaufkommens in der Potsdamer Mitte bedingt durch den Verlauf der Bundesstraßen, die Nutzungs- und Aufenthaltsqualität der Straßenräume für alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern erheblich verbessert werden. 
2025 konnte die Sanierung der denkmalgeschützten Spornstraße mit historischem Lesesteinpflaster abgeschlossen werden. Die Neugestaltung inkl. Erneuerung und Ausbau der Werner-Seelenbinder-Straße und die neuen Straßen im Bereich des Alten Markts (Anna-Flügge-Straße, Erika-Wolf-Straße, Alter Markt und Anna-Zielenziger-Straße) dauern an.

Ziel der Sanierungsmaßnahme war auch die Wiederherstellung und Neugestaltung der Plantageals eine der drei historischen großen Stadtplätze in der Potsdamer Innenstadt (Bassinplatz, Platz der Einheit (hist. Wilhelmplatz), Plantage). Um 1720 als Exerzierplatz genutzt und 1850 nach Plänen von Peter Josef Lenné umgestaltet, wurde der Platz in den 1960er Jahren durch die Rechnerhalle des Rechenzentrums überbaut und in seiner Größe nahezu halbiert. Später wurde ein Schotterspielfeld angelegt. 

Die Neugestaltung erfolgte auf Grundlage eines 2016 durchgeführten freiraumplanerischen Realisierungs- und Ideenwettbewerbs. Ziel des Wettbewerbs war die Wiederherstellung der innerstädtischen Platzanlage mit Spiel-, Sport und Bewegungsangeboten Dabei sollten auch notwendige Schulsportflächen für die nahe gelegene Max-Dortu-Grundschule integriert werden. 

Sieger des Wettbewerbes wurde hutterreimann Landschaftsarchitekten (Berlin). Der Entwurf vereint die historischen Gestaltungsmerkmale von Peter Joseph Lenné mit modernen, an die Bedürfnisse der heutigen Nutzer angepassten Elemente. Gerahmt von einem Parkrundweg befinden sich im inneren Flächen für den Schul- und Freizeitsport, ein Spielbereich sowie die kleine Plantage mit zahlreichen Bäumen und Staudenpflanzungen, die zu jeder Jahreszeit ein abwechslungsreiches Bild zeigen. Die Umsetzung erfolgte ab 2018 in zwei Bauabschnitten. Die noch fehlenden Flächen werden nach Fertigstellung des Kreativ Quartiers (ab 2026) hergestellt. 
Im Vorfeld des Wettbewerbs und während der Bauarbeiten fand eine Kinder- und Jugendbeteiligung statt. Die Kinder konnten ihre Wünsche einbringen und viele der Wünsche wurden auch realisiert, so der Abakus in Anlehnung an das Rechenzentrum, Wiesenkissen, Basketballkörbe, Hängematten und Trampoline. Das denkmalgeschützte Glockenspiel und die Formsteinmauer der Künstler Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht wurde in die Planung integriert. Heute erfreuen sich die Neue Plantage und vor allem der Kinderspielbereich großer Beliebtheit.

Zur Neugestaltung des Otto-Braun-Platzes und der öffentlichen Uferpromenade (Adolph-Miete-Ufer) entlang der Alten Fahrt wurde 2014 ein landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerbs ausgelobt. Die Umsetzung des Siegerentwurfs des Büros SINAI wurde Ende 2015 abgeschlossen. 2026 wird zum 10-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Versailles der Versailler Platz eingeweiht. Potsdam ist die einzige Partnerstadt Versailles' und wird insbesondere durch den Freundeskreis Potsdam-Versailles durch regelmäßigen Austausch mit Leben gefüllt.

 

ZWISCHEN NEUER MARKT UND PLANTAGE
Im Westen der Potsdamer Mitte, zwischen Yorckstraße, Dortustraße, Werner-Seelenbinder-Straße und Neuem Markt, erfolgte ebenfalls eine grundlegende Neuordnung angelehnt an den historischen Stadtgrundriss. Die historisch erhaltene Bausubstanz in der Siefertstraße, Schloßstraße und rund um den Neuen Markt wurde saniert und Baulücken zum Teil durch Neubebauung ergänzt. Das Gebäude Am Neuen Markt 5 ist eine freie Adaption des Vorbilds Pallazzo Thieme in Vicenza nach dem Entwurf von Nicola Fortmann-Drühe. Der Neue Markt lässt sich heute als barocker Stadtplatz in seiner weitgehend historischen Gestalt erleben. 

Auch der erhaltene historische Kutschpferdestall einschließlich Schmiede und Manage wurde restauriert und 2003 und 2019 um gewerblich genutzte Neubauten ergänzt. Gemeinsam umrahmen die Gebäude heute wieder den Kutschstallhof, unter dessen Platzfläche 2003 eine Tiefgarage errichtet wurde. Heute hat das Brandenburg Museum für Zukunft, Gegenwart und Geschichte im Kutschpferdestall seinen Sitz.

In der Yorckstraße wurde 2014 bis 2016 Potsdams größtes Bürgerhaus mit Palastarchitektur saniert: Das denkmalgeschützte Brocke‘sche Palais wurde östlich und westlich um Stadthäuser und rückwärtig um weitere Wohngebäude ergänzt (Nöfer Architekten Berlin). Darüber hinaus entstand in diesem Zusammenhang der 1. Bauabschnitt des Langen Stalls. Die viergeschossige Bebauung entlang der Neuen Plantage beruht auf dem Siegerentwurf eines 2012 durchgeführten städtebaulich-freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs zur Entwicklung des Areals der ehemaligen Feuerwache (Architekt Stephan Höhne). Zielstellung des Ideenwettbewerbs war die Entwicklung eines innerstädtischen Wohnquartiers mit gewerblicher Unterlagerung in den Erdgeschossen. Dabei sollte bewusst der Bezug zum historischen Langen Stall, einem 166m langen Reit- und Exerzierhaus mit steilem 12m hohen Satteldach, hergestellt werden, welcher den östlichen Rahmen der Plantage bildete. Es blieb bei der Umsetzung des 1. Bauabschnitts des Langen Stalls nach dem Entwurf von Höhne.

Räume für Kreative und Kulturschaffende
Der Abriss der ehemaligen Hauptfeuerwache in der Werner-Seelenbinder-Straße erfolgte 2016-2017 nach der Nutzungsaufgabe und Verlagerung in die Holzmarktstraße. Die Ordnungsmaßnahme, einschließlich Rückbau von Leitungen, wurde 2021 abgeschlossen und somit Baufreiheit für das Kreativ Quartier und die Neue Plantage geschaffen. 

Mangels bezahlbarer Räume für die Kultur‐ und Kreativwirtschaft in Potsdam hatte sich die Landeshauptstadt im Jahr 2015 entschieden, im ehemaligen Verwaltungsgebäude des Rechenzentrums bis zu seinem geplanten Rückbau eine Zwischennutzung für Kultur‐ und Kreativschaffende zu ermöglichen. Das Rechenzentrum entwickelte sich schnell zu einem Ort der Begegnung und Kreativität in der Innenstadt. Die Kulturschaffenden und Kreativen haben sich etabliert und sollen auch langfristig einen Standort an der Neuen Plantage in der Potsdamer Mitte haben. Deshalb wurde im Jahr 2018, basierend auf einem von Verwaltung, Vertretern der Kultur‐ und Kreativwirtschaft, Politik und des Sanierungsträgers Potsdam gemeinsam durchgeführten Szenarioworkshop zur Strategieentwicklung für die Kultur‐ und Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte, die Entwicklung des Kreativ Quartier Potsdam

Nach der Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie erfolgte 2019 der Verkauf des ca. 1 ha großen Grundstücks. Den Zuschlag bekam die Glockenweiß GmbH mit dem städtebaulichen Konzept „Village“ des niederländischen Architekturbüros MVRDV. Gewinner des während des Dialog‐ und Werkstattverfahrens 2020 durchgeführten Architekturwettbewerbs zur weiteren Qualifizierung des „Village“-Konzeptes wurde das Architekturbüro &MICA. Der Entwurf wird seit 2021 umgesetzt. Die Fertigstellung und Innutzungnahme des Kreativ Quartiers ist im Jahr 2026 vorgesehen. Insgesamt entstehen sieben Gebäude mit ca. 25.000 qm Mietfläche, davon 15.000 qm mit einer Nutzungsbindung für die Kultur‐ und Kreativwirtschaft. Etwa 8.600 qm Mietfläche werden zu einer durchschnittlichen Anfangsnettokaltmiete von 9 Euro angeboten. Mit dem Kreativ Quartier wird ein wichtiger Impuls für eine lebendige Potsdamer Innenstadt zwischen Plantage und Neuem Markt gegeben. Um das Kreativ Quartier auch planungsrechtlich zu ermöglichen, wurde der rechtsgültige Bebauungsplan Nr. 1 „Neuer Markt / Plantage“ geändert. 

Städtebaulich wird sich das Kreativ Quartier behutsam in seine Umgebung einfügen, historische Bezüge zu benachbarten Denkmalen aufnehmen und die historische geschlossene Blockrandbebauung wiederherstellen. Die im Hof liegenden Gebäude erhalten zeitgemäße abwechslungsreiche Fassaden und Dachformen. Das Gebäude des Langen Stalls nimmt mit seiner großen Dachfläche zur Plantage bewusst Bezug auf den historischen Vorgängerbau. Durch den Langen Stall wird es zwei Zugänge ins Quartier geben. Durch eine zentrale Halle hindurch wird man zum zentral gelegenen Quartiersplatz gelangen. Ein offener Durchgang im nördlichen Bereich ermöglicht den öffentlichen Zugang von der Plantage über den Kutschstallhof und den Neuen Markt bis zum Alten Markt.

Um die Sanierungsziele im Bereich der Plantage zu realisieren, erfolgte neben der Feuerwache abschnittsweise auch der Rückbau des ehemaligen Rechenzentrums. Von dem ursprünglich 1969-1971 errichteten und aus drei Gebäudeteilen bestehenden Rechenzentrum, steht nach dem Rückbau des Kantinengebäudes (2005) und der ehemaligen Rechnerhalle (2019) lediglich noch das ehemalige Verwaltungsgebäude mit dem denkmalgeschützten Mosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos" des Künstlers Fritz Eisel. Das Verwaltungsgebäude wird seit 2015 als Kreativhaus von Kreativen und Kulturschaffenden zwischengenutzt. Teile der Kulturschaffenden betrachten das Rechenzentrum als etabliert – und so wurden Forderungen nach einem Erhalt des Gebäudes lauter. Das Verwaltungsgebäude steht jedoch in unmittelbarer Nähe zum wiedererrichteten Garnisonkirchturm und auf einem Teil der Fläche des ehemaligen Kirchenschiffs der Garnisonkirche.

Garnisonkirche
Bestrebungen zum Wiederaufbau, der 1945 ausgebrannten und 1968 gesprengten Garnisonkirche gab es bereits in den 1980er Jahren. 2004 gründete sich die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche und 2008 die Stiftung Garnisonkirche Potsdam. 2017 erfolgte nach dem Entwurf von Hilmer & Sattler und Albrecht Architekten schließlich der Baustart für den Turm in seiner historischen barocken Fassade. Im August 2024 wurde der Turm eröffnet. Um seine abschließende Höhe von 88,5 m zu erreichen, wird noch die Turmhaube separat errichtet und auf den Turm gesetzt. Dann erhält auch der in einer Vitrine an der Breiten Straße ausgestellte Turmschmuck (Wetterfahne) wieder seinen Platz. 

 

Weitere Informationen zur Potsdamer Mitte erhalten Sie auf den Seiten des Sanierungsträgers unter www.potsdamermitte.de.

Im Sanierungsgebiet Potsdamer Mitte gelten folgende rechtskräftige Bebauungspläne. Die Bebauungspläne können im Bereich Stadterneuerung eingesehen und erläutert werden.

Kontakt:

Herr Beyer, Bereich Stadtraum Mitte
Kontaktdaten

Herr Ohst, Bereich Stadtraum Mitte
Kontaktdaten

Engagement für Potsdam

Viele Freunde und Förderer Potsdams haben an der Rückgewinnung der historischen Schönheit ihren Anteil geleistet. In Potsdam ist ein neues Bürgerverständnis entstanden und einher damit geht ein breites Bürgerengagement. Viele spendeten und spenden immer wieder für die Vorhaben in der Historischen Mitte. Unterstützen auch Sie die ehrenamtliche Arbeit der Fördervereine und zahlreichen Initiativen.

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