Bericht der Gleichstellungsbeauftragten 2026

Gleichstellungsplan, Antisexismus und queere Teilhabe im Fokus
Die Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt Claudia Sprengel sitzt auf einer braunen Brank, im Hintergrund ist eine grüne Hecke
© Robert Schnabel / LHP

Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt Claudia Sprengel

Am 4. März 2026 hat die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam, Claudia Sprengel, ihren aktuellen Jahresbericht in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt.

Lebensqualität und Verbundenheit in Potsdam

Die Ergebnisse der Umfrage „Leben in Potsdam 2023“ zeigen: Potsdamerinnen bewerten ihre Lebensqualität insgesamt positiv und fühlen sich stark mit ihrer Stadt verbunden – sowohl mit der Gesamtstadt als auch mit dem eigenen Stadtteil und der unmittelbaren Nachbarschaft.

Diese enge Verbundenheit ist ein wichtiges Potenzial für Engagement, Beteiligung und soziale Stabilität. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass weiterhin strukturelle Herausforderungen bestehen.

Gleichstellungsplan als verbindliche Grundlage

Ein zentraler Schwerpunkt ist die Umsetzung des gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellungsplans. Dieser ist keine freiwillige Maßnahme, sondern verbindliche Steuerungsgrundlage gemäß Landesgleichstellungsgesetz.

Im Erstellungsprozess wurde unter anderem ein verwaltungsinternes Gender-Data-Gap sichtbar: Zwar liegen relevante Daten vor, sie werden jedoch bislang nicht systematisch geschlechterdifferenziert ausgewertet. Zudem zeigt sich eine deutliche horizontale Segregation zwischen weiblich und männlich geprägten Berufsgruppen innerhalb der Stadtverwaltung.

Antisexismusarbeit und öffentliche Debatte

Potsdam wurde 2025 als Modellkommune im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ ausgewählt. Aktionstage und Kooperationen – unter anderem mit der Clubszene – haben Handlungsbedarfe im Bereich Schutz vor sexualisierter Belästigung sichtbar gemacht.

Die Brandenburgischen Frauenwochen 2026 unter dem Motto „WTF – Wut trifft Feminismus“ tragen mit rund 35 Veranstaltungen in Potsdam wesentlich zur öffentlichen Debatte bei. Gleichzeitig erschweren rückläufige Landesmittel die Projektförderung.

„Frauen und Wut werden gesellschaftlich noch immer zu selten zusammengedacht. Dabei ist Wut über Ungerechtigkeit legitim – und sie kann solidarisches Handeln und demokratische Veränderung anstoßen“, so Sprengel.

Gewaltschutz und soziale Teilhabe

Im Bereich Gewaltschutz zeigt sich, dass sich die Verweildauer von Frauen in Schutzeinrichtungen aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes verlängert. Trotz politischen Willens stehen weiterhin nicht ausreichend Schutzplätze zur Verfügung.

Alleinerziehende bleiben eine zentrale Zielgruppe gleichstellungspolitischer Arbeit, da sie überdurchschnittlich von Armutsrisiken betroffen sind. Der 2025 erstmals durchgeführte Aktionstag für Alleinerziehende bestätigte den hohen Bedarf an Austausch- und Unterstützungsangeboten. Eine Wiederholung ist für 2027 vorgesehen.

Queeres Leben in Potsdam

Der Aktionsplan „Queeres Potsdam 2025“ wurde in weiten Teilen umgesetzt. Fördermittel konnten gezielt für Projekte zur Sichtbarkeit und Sensibilisierung eingesetzt werden.

Seit Einführung neuer gesetzlicher Regelungen haben zudem über 200 Personen in Potsdam eine Änderung ihres Geschlechtseintrags erklärt – ein deutlicher Hinweis auf die Relevanz geschlechtlicher Selbstbestimmung und den Anpassungsbedarf in Verwaltungsstrukturen.

Verantwortung der Kommunalpolitik

Die Gleichstellungsbeauftragte ruft die Stadtverordneten dazu auf, Gleichstellung weiterhin als Kernaufgabe kommunaler Demokratie zu begreifen. „Kommunalpolitik trägt Verantwortung dafür, dass Potsdam ein sicherer Ort für alle bleibt – unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität oder Lebensweise.“

Den Bericht finden Sie hier im Download Bereich. 

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