Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt Claudia Sprengel
Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam, Claudia Sprengel, hat heute Abend ihren aktuellen Jahresbericht der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Der Bericht macht deutlich: Potsdamerinnen bewerten ihre Lebensqualität insgesamt positiv und fühlen sich besonders stark mit ihrer Stadt verbunden. So zeigen die Ergebnisse der Umfrage „Leben in Potsdam 2023“ eine hohe Identifikation sowohl mit der Gesamtstadt als auch mit dem eigenen Stadtteil und der unmittelbaren Nachbarschaft. Diese Verbundenheit stellt ein großes Potenzial für Engagement, Beteiligung und soziale Stabilität dar. Gleichzeitig bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen.
Gleichstellungsplan und Verwaltungsstrukturen
Ein Schwerpunkt des Berichts ist die Umsetzung des gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellungsplans. Der Erstellungsprozess hat unter anderem ein verwaltungsinternes Gender-Data-Gap sichtbar gemacht: Relevante Daten sind vorhanden, werden jedoch bislang nicht systematisch geschlechterdifferenziert ausgewertet. Zudem zeigt sich eine deutliche horizontale Segregation zwischen weiblich und männlich geprägten Berufsgruppen innerhalb der Stadtverwaltung. Hier besteht weiterer Analyse- und Handlungsbedarf. „Berufe haben kein Geschlecht. Dennoch zeigt die nach wie vor stark unterschiedliche Bewertung und Bezahlung bestimmter Tätigkeiten, welche gesellschaftliche Bedeutung sozialen Berufen zugeschrieben wird. Weiblich geprägte Berufsbilder müssen insgesamt aufgewertet werden – das ist kein Phänomen, das allein die Verwaltung betrifft“, betont Claudia Sprengel.
Anti-Sexismus, Frauenwochen und öffentliche Debatte
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der gesamtgesellschaftlichen Anti-Sexismusarbeit. Potsdam wurde 2025 als Modellkommune im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ ausgewählt. So haben Aktionstage und Kooperationen mit der Clubszene Handlungsbedarfe im Bereich Schutz vor sexualisierter Belästigung sichtbar gemacht.
Die Brandenburgischen Frauenwochen 2026, dieses Jahr unter dem Motto „WTF – Wut trifft Feminismus“, leisten hierzu mit rund 35 Veranstaltungen in Potsdam einen wichtigen Beitrag. Gleichzeitig wird die Projektförderung durch rückläufige Landesmittel zunehmend schwieriger.
Bedeutung von Wohnraum für Gewaltschutz und Alleinerziehende
Im Bereich Gewaltschutz zeigt der Bericht, dass sich die Verweildauer von Frauen in Schutzeinrichtungen aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes verlängert. Trotz politischen Willens stehen weiterhin nicht ausreichend Schutzplätze zur Verfügung.
„Wohnraum ist ein wichtiger Schlüssel zur Gleichstellung. Der Zugang zu bezahlbarem und sicherem Wohnraum verbindet viele Lebenslagen – ist Gewalt- und Armutsprävention“, betont Sprengel.
Auch Alleinerziehende sind besonders betroffen von der angespannten Wohnraumsituation in Potsdam. Als Gruppe, die besonders stark von Armut bedroht ist, bleiben Alleinerziehende eine zentrale Zielgruppe. Der 2025 erstmals durchgeführte Aktionstag bestätigte den hohen Bedarf; eine Wiederholung ist für 2027 vorgesehen.
Auch im Bereich queeres Leben wurden wichtige Schritte umgesetzt: Der Aktionsplan „Queeres Potsdam 2025“ konnte weitgehend realisiert werden, Fördermittel wurden gezielt für Projekte zur Sichtbarkeit und Sensibilisierung eingesetzt. Zudem haben seit Einführung neuer gesetzlicher Regelungen mehr als 200 Personen in Potsdam ihren Geschlechtseintrag geändert – ein Hinweis auf fortbestehenden Anpassungsbedarf in Verwaltungsstrukturen.
Appell an die Stadtverordneten
Die Gleichstellungsbeauftragte rief die Stadtverordneten dazu auf, Gleichstellungspolitik weiterhin als Kernaufgabe kommunaler Demokratie zu verstehen. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und erstarkender rechtspopulistischer Strömungen sei es essenziell, Vielfalt, Teilhabe und die Sichtbarkeit von Frauen und queeren Menschen aktiv zu sichern.
„Kommunalpolitik trägt Verantwortung dafür, dass Potsdam ein sicherer Ort für alle bleibt – unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität oder Lebensweise“, so Sprengel.
Die Gleichstellungsbeauftragte lud zugleich alle Interessierten ein, die Veranstaltungen der Brandenburgischen Frauenwochen zu besuchen und sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen.
Der Bericht der Gleichstellungsbeauftragten ist online abrufbar.