Auch wenn Potsdam als eine der sichersten Städte Deutschlands gilt, wurden vermehrt Gewalttaten gemeldet, an denen junge Menschen beteiligt oder betroffen waren. Das sorgt für Verunsicherung und viele Fragen.
Wir als Landeshauptstadt Potsdam und auch die Polizei nehmen die Vorfälle sehr ernst. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet und bereits mehrere Tatverdächtige identifiziert. Einige befinden sich in Haft.
Wir haben ebenfalls verschiedene Maßnahmen gestartet:
- Wir haben eine Taskforce eingerichtet.
- Unser Ordnungsamt kontrolliert verstärkt Orte, an denen es häufiger Probleme gibt.
- Gemeinsam mit der Polizei tauschen wir uns noch enger aus, um schneller reagieren zu können.
- Jugendclubs und andere Einrichtungen bekommen feste Meldewege. So können sie gefährliche Situationen schneller weitergeben.
- Und wir zeigen dir, worauf du achten solltest und wo du Hilfe bekommst.
Ziel ist es, weitere Gewalttaten zu verhindern und dafür zu sorgen, dass sich junge Menschen in Potsdam sicher fühlen können.
Du hast von Gewalt unter Jugendlichen in Potsdam gehört? Du fühlst dich manchmal unsicher, wenn du unterwegs bist? Oder du möchtest wissen, was du tun kannst, wenn du selbst Gewalt erlebst oder etwas beobachtest?
Hier findest du Antworten auf wichtige Fragen, Tipps für deinen Alltag und Kontakte zu Menschen, die dir helfen können.
Fragen, Antworten, Tipps und Kontakte, damit du dich sicher fühlst.
Worauf sollte ich achten, wenn ich unterwegs bin?
Du sollst dich in Potsdam frei bewegen und mit deinen Freundinnen und Freunden eine gute Zeit haben können. Ein paar Tipps können dir helfen, dich sicherer zu fühlen.
- Gemeinsam unterwegs sein: Besonders abends kann es hilfreich sein, zusammen nach Hause zu gehen.
- Aufmerksam bleiben: Schau, was um dich herum passiert. Braucht jemand Hilfe? Fühlt sich eine Situation unangenehm an?
- Auf dein Bauchgefühl hören: Wenn dir etwas komisch vorkommt, darfst du jederzeit gehen, Abstand halten oder dir Hilfe holen.
- Aufeinander achten: Wenn ihr Alkohol oder andere Substanzen konsumiert, achtet auf eure Grenzen und unterstützt euch gegenseitig.
- Konflikten aus dem Weg gehen: Lass dich nicht provozieren. Abstand zu halten ist kein Zeichen von Schwäche.
- Bist Du allein unterwegs? Nutze eine Heimweg-App, mit der Du Deinen Standort mit Freunden oder Familienmitgliedern teilen kannst.
Und ganz wichtig: Auch wenn du diese Tipps nicht befolgst, bist du niemals selbst schuld, wenn dir jemand Gewalt antut.
Wie kann ich eine Party sicher organisieren?
Du planst eine Geburtstagsfeier oder eine Party mit Freundinnen und Freunden? Dann lohnt es sich, vorher ein paar Dinge zu klären.
In Potsdam wurde auch von Übergriffen bei privaten Feiern berichtet. Dabei gibt es Hinweise, dass Unbekannte über soziale Medien von Partys erfahren haben.
Deshalb solltest du Folgendes beachten:
- Teile den Partyort nicht öffentlich. Verschicke Adresse und Standort nur an eingeladene Gäste. Achte auch auf Standortfunktionen in Apps wie Snapchat.
- Organisiert euch gemeinsam. Überlege mit Freundinnen und Freunden, wer bei Problemen helfen kann.
- Wählt einen gut erreichbaren Ort. Ideal ist es, wenn alle sicher mit Bus oder Bahn an- und abreisen können.
- Sorgt für gute Beleuchtung. So fühlen sich eure Gäste wohler und ihr behaltet leichter den Überblick.
- Denkt an Wasser und alkoholfreie Getränke. Achtet aufeinander und holt Hilfe, wenn es jemandem schlecht geht.
- Überlegt, wen ihr im Notfall anrufen könnt. Das können ältere Geschwister, Eltern oder andere Vertrauenspersonen sein.
Wenn unbekannte Personen auftauchen, müsst ihr sie nicht hereinlassen. Versucht aber nicht, aggressive Personen selbst hinauszuwerfen. Holt Unterstützung und ruft bei Gefahr die Polizei unter 110.
Was mache ich, wenn ich Gewalt erlebe?
Bring dich in Sicherheit.
Entferne dich möglichst schnell aus der Situation. Geh an einen belebten Ort, in ein Geschäft oder wende dich an das Fahrpersonal in Bus oder Bahn.
Ruf die Polizei unter 110.
Auch wenn die Täter schon weg sind, ist ein schneller Anruf wichtig. Bei schweren Verletzungen oder medizinischen Notfällen ruf zusätzlich die 112.
Lass Verletzungen untersuchen.
Auch kleinere Verletzungen solltest du ärztlich anschauen lassen. Ein ärztlicher Bericht kann später als Beweis helfen.
Halte fest, was passiert ist.
Notiere Ort, Uhrzeit, Ablauf und alles, woran du dich erinnerst. Sichere Nachrichten oder Screenshots, wenn du welche hast.
Sprich mit jemandem.
Vertraue dich Freundinnen und Freunden, deiner Familie, der Schulsozialarbeit oder einer Beratungsstelle an. Du musst damit nicht allein bleiben.
Erstatte Anzeige.
Das geht auch noch Tage nach dem Vorfall. Du kannst dir vorher Unterstützung holen.
Was kann ich tun, wenn ich beobachte, dass jemand angegriffen wird?
Wenn du Gewalt beobachtest, kannst du viel bewirken. Du musst dich dafür aber nicht selbst in Gefahr bringen.
So kannst du helfen:
- Ruf bei akuter Gefahr die Polizei unter 110. Sag, wo du bist, was passiert und ob jemand verletzt ist.
- Hol andere Menschen dazu. Sprich zum Beispiel Mitarbeitende in einem Geschäft oder andere Erwachsene gezielt an.
- Mach auf die Situation aufmerksam, wenn das gefahrlos möglich ist.
- Greif nicht körperlich ein und provoziere die angreifenden Personen nicht.
- Frag die betroffene Person, ob sie Hilfe braucht, sobald es sicher ist.
- Bleib nach Möglichkeit als Zeugin oder Zeuge vor Ort.
- Bitte filme keine Gewalttaten, um sie im Internet zu teilen. Solche Aufnahmen können Betroffene zusätzlich verletzen. Wenn du bereits Aufnahmen hast, die als Beweise wichtig sein könnten, gib sie der Polizei und veröffentliche sie nicht.
Wo bekomme ich Hilfe?
Egal, ob du selbst Gewalt erlebt, etwas beobachtet hast oder dir Sorgen um jemanden machst: Es gibt Menschen, die dir zuhören und dich unterstützen.
Polizei und Rettungsdienst
- Bei akuter Gefahr: 110
- Bei medizinischen Notfällen: 112
Nummer gegen Kummer
Du möchtest anonym mit jemandem reden? Hier findest du ein offenes Ohr.
116 111 – kostenlos und anonym.
Opferhilfe Land Brandenburg e. V.
Beratung und Begleitung nach Gewalttaten, Raub oder sexualisierter Gewalt
www.opferhilfe-brandenburg.de
Telefon: 0331 280 27 25
Mail: potsdam@opferhilfe-brandenburg.de
WEISSER RING
Unterstützung für Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind
potsdam-stadt-brandenburg.weisser-ring.de
Telefon: 0151/55164716
Mail: pdm@mail.weisser-ring.de
Opferperspektive e. V.
Beratung nach rechter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt
www.opferperspektive.de
Telefon: 0331 8170000
Mail: info@opferperspektive.de
Weitere Hilfsangebote
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016
- Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 99 00
- Elterntelefon: 0800 111 0 550
Warum sollte ich Gewalt bei der Polizei melden?
Vielleicht fragst du dich, ob eine Anzeige überhaupt etwas bringt. Die Antwort: Ja, denn jede Meldung kann helfen, Gewalt sichtbar zu machen.
Wenn die Polizei von einer Straftat erfährt, kann sie ermitteln, Beweise sichern und versuchen, die Verantwortlichen zu finden.
Außerdem wird durch Meldungen deutlicher, wo und wie häufig Gewalt passiert. So können Polizei und Stadt gezielter reagieren.
Auch wenn der Vorfall schon länger zurückliegt, kann eine Anzeige noch sinnvoll sein.
Was passiert, wenn ich eine Anzeige erstatte?
Eine Strafanzeige bedeutet, dass du der Polizei mitteilst, dass möglicherweise eine Straftat passiert ist.
Du kannst eine Anzeige persönlich bei der Polizei oder online erstatten. Dafür musst du nicht selbst Opfer der Straftat sein.
Bist Du selbst Opfer, kannst Du mit dem Opferschutzbeauftragten der Polizei sprechen. Diese sind im sachgerechten Umgang mit Opfern besonders geschult und kooperieren eng mit spezialisierten Einrichtungen und Vereinen der Opferhilfe.
Die Polizei nimmt deine Angaben auf, prüft den Sachverhalt und ermittelt, wenn der Verdacht auf eine Straftat besteht. Dabei kann es sein, dass du später noch einmal Fragen beantworten musst.
Nicht jede Anzeige führt zu einer Gerichtsverhandlung. Gerade bei Jugendlichen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, auf Straftaten zu reagieren. Dabei geht es auch darum, weitere Straftaten zu verhindern.
Du möchtest mehr wissen? Hier finden du mehr Informationen für Zeuginnen und Zeugen: zeugeninfo.de
Was ist, wenn ich Angst habe, zur Polizei zu gehen?
Es ist verständlich, wenn du dir Sorgen machst, was nach einer Anzeige passiert. Vielleicht hast du Angst vor Drohungen oder davor, dass die Täter erfahren, wer du bist.
Du kannst dich zunächst an eine Beratungsstelle wenden. Dort kannst du über deine Situation sprechen und gemeinsam überlegen, welche Schritte für dich infrage kommen.
Wenn du dich bedroht fühlst, sag das der Polizei ausdrücklich. Sie kann mit dir besprechen, welche Schutzmöglichkeiten es gibt.
Bei akuter Gefahr ruf immer die 110.