Zwölf barocke Gläser aus einer privaten Sammlung gehören seit kurzem zum Bestand des Potsdam Museums. Der Förderverein des Potsdam-Museums e.V. hat sechs der kostbaren Objekte aus der Sammlung des Ehepaars Hannelore und Lothar Franze erworben und dem Museum übergeben. Weitere Gläser aus der Sammlung konnte das Potsdam Museum direkt ankaufen. Damit wird ein bedeutendes Kapitel der Potsdamer Stadt- und Kulturgeschichte dauerhaft am historischen Entstehungsort bewahrt.
Das Sammlerehepaar hatte dem Förderverein angeboten, die über Jahre auf Aktionen erworbenen Gläser als Konvolut für das Museum anzukaufen. Familie Franze war es ein besonderes Anliegen, dass die Gefäße in ihrer Heimatstadt Potsdam verbleiben – dort, wo sie im 17. und 18. Jahrhundert hergestellt wurden. Der Förderverein konnte mit Unterstützung seiner Mitglieder die erforderliche hohe Summe für den Ankauf aufbringen und so den Erhalt der Objekte für Potsdam ermöglichen.
Die Potsdamer Glashütte geht auf eine kurfürstliche Gründung zurück. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ 1674 einen ersten Standort in Drewitz bei Potsdam anlegen, wenige Jahre später erfolgte eine Erweiterung auf dem Hakendamm, nur wenige Kilometer vom Potsdamer Stadtschloss entfernt (heute verlaufen hier die Schienen der Bahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin). Aus sächsischen Diensten warb der Kurfürst den Alchemisten Johann Kunckel ab. Dieser stellte mit unternehmerischem Geschick prachtvolle Hohlgefäße für den Hof her. Auf der Pfaueninsel legte Kunckel später den Grundstein für eine Revolution in der Glasherstellung. Als erstem Glasexperten seit der Antike gelang ihm die Herstellung von Goldrubinglas.
Bei den neu erworbenen Objekten handelt es sich um kunstvoll geschliffene und geschliffene Becher und Pokale mit Wappen, Herrscherporträts und Genreszenen. Ein ganz besonderes Stück ist ein sogenanntes Koppchen (eine henkellose Tasse) mit Unterschale aus Goldrubinglas, deren Produktion Johann Kunckel zugeschrieben werden kann. Ein in der Werkstatt von Gottfried Spiller geschnittener Becher mit dem brandenburgisch-preußischen Wappen und den kurfürstlichen Insignien von Friedrich III. (ab 1701 König Friedrich I.) sowie eine große Vierkantflasche aus der Hauskellerei von König Friedrich Wilhelm II. bilden weitere Highlights des Erwerbs.
Die Schenkung und den Ankauf nahm das Potsdam Museum zum Anlass, den Bereich zum Potsdamer Glas in der Ständigen Ausstellung des Potsdam Museums neu zu gestalten. Oliver Wenske entwarf eine an Grafiken aus Johann Kunckels „Ars Vitraria experimentalis oder Vollkommene Glasmacherkunst“ orientierte Gestaltung, die den Farbton des im 17. Jahrhundert begehrten Goldrubinglases aufnimmt. Ein eigens für die Präsentation erworbenes Beleuchtungssystem lässt die kostbaren Gefäße wie in einer Schatzkammer erstrahlen.
„Die barocken Potsdamer Gläser erzählen ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte. Sie stehen für die Innovationskraft und das handwerkliche Können Potsdams im 17. und 18. Jahrhundert. Mein besonderer Dank gilt dem Förderverein und den privaten Sammelnden, die mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben, dass diese wertvollen Zeugnisse unserer Geschichte dauerhaft in Potsdam bewahrt und in einem neu gestalteten Ausstellungsbereich angemessen präsentiert werden können“, sagt Torsten Wiegel, Beigeordneter für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Landeshauptstadt Potsdam.
„Für das Potsdam Museum ist dieser Sammlungszuwachs ein Glücksfall. Er wäre ohne das außergewöhnliche private Engagement die großzügige Unterstützung des Fördervereins nicht möglich gewesen. Sie haben dazu beigetragen, dass bedeutende Zeugnisse der Potsdamer Glaskunst dauerhaft an ihren historischen Entstehungsort zurückkehren und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben“, ergänzt Hannes Wittenberg, stellv. Direktor des Potsdam Museums.
Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums e.V., dankte dem Sammlerehepaar Franze im Namen des Vorstands für das Angebot, die über Jahre zusammengetragene Sammlung als Konvolut für das Museum erwerben zu können. „Das ist ein großer Vertrauensbeweis gegenüber Verein und Museum. Wir bedanken uns auch bei den 26 Spenderinnen und Spendern aus den Reihen unseres Vereins, die den Ankauf überhaupt erst möglich gemacht haben und die sich mit uns gemeinsam über die öffentliche Präsentation der Gläser in der Ständigen Ausstellung freuen.“
Uta Kumlehn, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sammlungsleiterin Bildende Kunst bis 1850 und Angewandte Kunst, berichtet von der hohen Qualität der Stücke: „Die neu erworbenen Gläser gehören zu den qualitätvollsten Zeugnissen der barocken Potsdamer Glaskunst. Sie dokumentieren eindrucksvoll das hohe handwerkliche und künstlerische Niveau der hiesigen Glashütten und spiegeln zugleich die höfische Repräsentationskultur ihrer Zeit wider. Mit diesen Erwerbungen konnten wir die Sammlung gezielt erweitern und wichtige Facetten der Potsdamer Glasgeschichte ergänzen.“
Die neu erworbenen Gläser werden durch ausgewählte, bereits seit längerem in der Museumssammlung vorhandene Objekte sowie zwei Dauerleihgaben der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt – Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) ergänzt. Alle im Museum präsentierten Gläser sind online über den Auftritt des Potsdam Museums bei www.museum-digital.de abrufbar.
Eine Publikation von Lothar Franze informiert über die gestalterischen und historischen Hintergründe der Gläser. Die Broschüre „Die ‚Hakendammische Hütte‘ an der Nuthe“ ist für 12,90 Euro im Museumsshop erhältlich.