Pressemitteilung Nr. 209 vom 13.05.2026 „Platz____ für Neues? Visionen für den Alten Markt 1945–2025“

Potsdam Museum eröffnet große Sonderausstellung zur wechselvollen Geschichte der Stadtmitte
v.l. Dr. Thomas Steller, Dr. Uta Kumlehn, Dr. Wenke Nitz
© Landeshauptstadt Potsdam

Mit der Sonderausstellung „Platz___ für Neues? Visionen für den Alten Markt 1945–2025“ widmet sich das Potsdam Museum erstmals umfassend der Geschichte und den Gestaltungsentwürfen für das Herz der Stadt. Vom 16. Mai bis zum 25. Oktober 2026 werden Visionen, Konflikte und Realitäten rund um den Alten Markt in einer vielschichtigen Präsentation zusammengeführt.

„Bis zu seiner Zerstörung 1945 war der historische Alte Markt die belebte Mitte Potsdams und ein städtebauliches Kleinod im italienischen Stil, das europaweit seinesgleichen suchte. Wir erzählen die wechselvolle Nachkriegsgeschichte des Alten Marktes aus dem vielleicht authentischsten Ort, den es dafür gibt – dem Alten Rathaus selbst. Unser Haus ist nicht nur Erzähler, sondern Zeuge, Anrainer und Mitspieler dieser 80 Jahre. Wer bei uns durch die Tür tritt, steht schon mitten in der Ausstellung", sagt Thomas Steller, Direktor des Potsdam Museums. „In den vergangenen 80 Jahren nach seiner Zerstörung ist kaum ein Ort in Potsdam so stark verändert worden und so umstritten gewesen. Die Ausstellung macht diesen Wandel sichtbar und lädt dazu ein, den Platz und den Stadtraum insgesamt als Spiegel und Austragungsort gesellschaftlicher, politischer und städtebaulicher Aushandlungsprozesse zu begreifen“.

80 Jahre Planung, Streit und Veränderung

Ausgangspunkt ist die Zerstörung des Alten Marktes im April 1945. In der Folge entstand eine Projektionsfläche für unterschiedlichste Visionen – vom Wiederaufbau des historischen Ensembles bis hin zu radikal modernen Stadtentwürfen. Sieben Wettbewerbe zwischen 1952 und 1976 zeugen von der intensiven Suche nach einer neuen Mitte. Doch Mangel an allem Notwendigen und komplizierte Planverfahren verhinderten viele Bauvorhaben. Den 1989 schließlich begonnenen Theaterbau holten die gesellschaftlichen Veränderungen der Friedlichen Revolution ein – der Rohbau wurde 1991 wieder abgerissen. Nach 1990 setzte eine Neuausrichtung ein. Mit der Annäherung an das historische Stadtbild begann ein Transformationsprozess, der in der Stadtgesellschaft intensiv und kontrovers diskutiert wurde.

Einblicke in Planungsprozesse und Perspektiven

„Die Ausstellung vereint erstmals bislang unveröffentlichte Architekturzeichnungen, Modelle und Planungsunterlagen mit Fotografien, Bodenfunden und Objekten der Alltagskultur. Die Gäste sind eingeladen, selbst aktiv zu werden: An interaktiven Werkstatttischen lassen sich Planungen vergleichen und eigene Positionen entwickeln“, erklärt Wenke Nitz, Kuratorin der Ausstellung und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Potsdam Museums.

„Gut vierzig Werke der bildenden Kunst eröffnen darüber hinaus einen künstlerischen Blick auf den Alten Markt von 1945 bis in die Gegenwart. Sie verdichten Perspektiven oder machen sie sichtbar“, ergänzt Uta Kumlehn, ebenfalls Kuratorin der Ausstellung und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Potsdam Museums.

Filmische Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Beteiligten an Planungsprozessen ergänzen die Ausstellung ebenso wie Kurzfilme und Filmausschnitte, die sich dem Alten Markt über die Zeit hinweg widmen. Finden sich die Entwürfe und Visionen auf Planungstischen, so leitet ein Zeitstrahl durch die jeweilige Realität der Stadtgestaltung. Dort werden die Abrisse historischer Bausubstanz in der Mitte ebenso wie die Neubauten im Zeichen der sozialistischen Umgestaltung, etwa die spätere Bebauung mit Fachhochschule und Staudenhof thematisiert. Auch die Entwicklungen nach dem 1990 beschlossenen Paradigmenwechsel hin zu einem am historischen Vorbild orientierten Stadtbild zeichnet der Zeitstrahl nach: beispielsweise den Wiederaufbau des Fortunaportals, die Rekonstruktion des Stadtschlosses als Sitz des Brandenburgischen Landtags, die Eröffnung des Museums Barberini und die Neubebauung westlich der Nikolaikirche.

Stimmen der Stadt und Blick in die Zukunft

Die Sonderausstellung „Platz für Neues?“ versteht sich nicht nur als Rückblick, sondern als Einladung zum Austausch: Wie viel Vergangenheit braucht die Stadt von morgen? Und wie kann der Alte Markt als lebendiges Zentrum weiterentwickelt werden? Die Ausstellung möchte damit auch einen Beitrag zur stärkeren Aneignung des Platzes durch die städtische Öffentlichkeit leisten.
Rund 300 Stimmen aus der Potsdamer Stadtgesellschaft gaben im Rahmen der 2025 erfolgten Marktgespräche bereits Einblicke in die Frage, welche Bedeutung der „neue alte“ Alte Markt heute hat – und welche Erwartungen mit ihm verbunden sind. Themen wie Nutzung, Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Besuchenden sind in der Ausstellung eingeladen, ihre Meinung zu diesen Themen zu hinterlassen und Anregungen zu geben.

„Indem wir die Visionen und Streitlinien des Alten Marktes mit den Stimmen der Potsdamerinnen und Potsdamer zusammenführen, entwickeln wir das Museum als offenen Ort für alle, mit allen, als Labor der Stadtgesellschaft, an dem aus Beteiligung ein Diskursangebot zur Gegenwart wird“, erläutert Birgit-Katharine Seemann, Fachbereichsleiterin Kultur und Museum der Landeshauptstadt Potsdam.

Begleitprogramm und digitale Erweiterung: PotsdamHistory App

Begleitend bietet das Potsdam Museum ein Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Familienangeboten, einer Filmvorführung mit Gespräch sowie mehreren Vorträgen zu verschiedenen Themen. Zwei davon greifen zentrale Fragen auf: Während die Kuratorin Wenke Nitz in ihrem Bildervortrag am 18. Juni 2026 anhand von Wettbewerbsentwürfen und privaten Visionen den Wandel der Stadtgestaltung beleuchtet, widmet sich der Architekturhistoriker Christian Klusemann („Das andere Potsdam“) am 25. Juni 2026 der Frage, inwieweit Bauten der Ostmoderne nach 1990 in die Gestaltung der Potsdamer Mitte hätten integriert werden können.
Zudem wurde die PotsdamHistory App um die Kategorie „Rund um den Alten Markt“ erweitert. Der Architekturhistoriker Thomas Sander hat hierfür 30 reich bebilderte Beiträge zur Bau- und Nutzungsgeschichte der Gebäude vor und nach 1945 verfasst.

Starke Partner für ein komplexes Thema

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Dokumentation Stadtentwicklung und dem Bereich Stadtplanung der Landeshauptstadt Potsdam. Die Sanierungsträger Potsdam GmbH sowie zahlreiche private und institutionelle Leihgeberinnen und Leihgeber sowie Spenderinnen und Spender unterstützten das Projekt maßgeblich. Ein Dank gilt den Mitarbeitenden des Stadtarchivs Potsdam, des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, des IRS Erkner, der Akademie der Künste und des Bundesarchivs sowie den Spenderinnen und Spendern des Fördervereins Potsdam-Museum e.V. und allen Leihgebenden.

Eröffnungswochenende am Internationalen Museumstag

Zum Auftakt der Ausstellung kann diese am Internationalen Museumssonntag am 17. Mai 2026 kostenfrei besucht werden. An diesem Tag können Besucherinnen und Besucher zwischen 14 und 16 Uhr mit den Kuratorinnen ins Gespräch kommen.

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