Sabine Hornig (*1964) lebt und arbeitet in Berlin, wo sie Bildhauerei und Fotografie studierte. In ihren multidisziplinären Arbeiten setzt sie sich intensiv mit Fragen von Raum, Perspektive und Erinnerung auseinander. Dabei untersucht sie insbesondere architektonische Strukturen und urbane Situationen, die sie durch Überlagerungen und Perspektivwechsel neu erfahrbar macht. Ihre konzeptionell geprägte Arbeit verbindet eine präzise Formensprache mit gesellschaftlichen und philosophischen Fragestellungen rund um Identität, Pluralität und das menschliche Miteinander.
Für den Potsdamer „Walk of Modern Art“ hat sie die Skulptur „Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde“ eigens für den Standort am Uferweg der Alten Fahrt entwickelt. Die Skulptur verschränkt zwei in der Höhe aufgestellte und sich kreuzende Cortenstahlplatten in deren Oberflächen mit positiv und negativ ausgeschnittenen Buchstaben ein zentrales Zitat der politischen Theoretikerin Hannah Arendt eingelassen ist: „Nicht der Mensch bewohnt diesen Planeten, sondern Menschen. Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde.“ ( H. Arendt, "Vom Leben des Geistes I")
Das Thema der Pluralität findet dabei sowohl in der inhaltlichen Aussage als auch in der formalen Gestaltung des Werkes Ausdruck. Ausgehend von Arendts Gedanken versteht Hornig Pluralität als eine Voraussetzung für ein offenes Denken, das sich gegen autoritäre Eindimensionalität richtet. Die zunächst geschlossenen Stahlplatten werden durch ihre kreuzende und nach oben offener Anordnung zu einer vielschichtigen räumlichen Form. Was zunächst als einfache geometrische Struktur erscheint, eröffnet sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder neu. Durch seine Platzierung am stark frequentierten Uferweg der Alten Fahrt wird das Werk unmittelbar Teil des alltäglichen Stadtraums. Spaziergängerinnen und Spaziergänger begegnen der Skulptur auf dem Weg entlang der Havel oder zur Freundschaftsinsel und werden eingeladen, den vertrauten Ort aus wechselnden Perspektiven wahrzunehmen. So verbindet Hornigs Arbeit räumliche und ästhetische Erfahrung mit einer gesellschaftlichen Fragestellung: Wie lässt sich das Zusammenleben vieler unterschiedlicher Menschen denken und gestalten?
Mit „Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde“ erhält der Potsdamer „Walk of Modern Art“ einen neuen markanten Ort des Innehaltens und des Austauschs – und zugleich ein Werk, das die Bedeutung von Pluralität und Vielstimmigkeit im öffentlichen Raum sichtbar macht.
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Alte Fahrt
14467 Potsdam
Deutschland