Verfasser: Johann Senner
Mitarbeitende: Thilo Nerger, Hao Ding, Lydra Hoxha, Tatiana Mukhina, Pia Bettancourt, Ezgi Akpinar
Erläuterungstext
Projekttitel „ZEITSCHICHTEN IM FLUSS – Rhythmus aus Natur, Geschichte und urbanem Leben“
Leitidee:
Der Entwurf formt die Freiflächen am Griebnitzsee zu einer fließenden, barrierefreien Landschaftssequenz, die historische Tiefe mit zeitgemäßer urbaner Freiraumqualität verbindet. Im Zentrum des Ideenteils steht die konsequente Stärkung der räumlichen und funktionalen Konnektivität (Kopplung). Durch das Schließen bestehender Fragmente wird der Berliner Mauerweg als durchgängiges, flanierbares Band reaktiviert.
Gleichzeitig erfolgt eine ganzheitliche funktionale Integration: Die unterschiedlichen Ansprüche von sanftem Tourismus, Alltagserholung und jugendlicher Aneignung werden räumlich entflochten und synergetisch gebündelt.
Ein wesentlicher Pfeiler des Entwurfs ist die aktive ökologische Transformation: Statt rein bewahrendem Naturschutz setzt das Konzept auf produktive Ökosystemleistungen, die das Mikroklima regulieren und den aquatischen Naturraum resilienter gestalten. Das Ergebnis ist ein nachhaltiger, multifunktionaler und hochattraktiver Landschaftsraum, der als identitätsstiftender Ankerpunkt für Potsdam strahlt. Ein einheitlicher Kanon aus nachhaltigen Stadtmöbeln sowie strategisch platzierte Mobilitätshubs (Fahrrad- und E-Scooter-Stationen) an den Hauptzugängen garantieren eine fahrradberuhigte, fußgängerfreundliche Promenade.
Realisierungsteil A: Das inklusive Landschaftsfenster
Der Auftakt des Realisierungsteils A versteht sich als inklusiver, demokratischer Raum für alle Bürger*innen. Bereits beim Betreten des Areals empfängt ein markanter, solitärer Gruß-Baum die Besuchenden und inszeniert im Zusammenspiel mit einer bewussten räumlichen Weitung eine offene Sichtachse über die Wasserfläche. Durch diese städtebauliche Neuordnung wird die funktionale Flexibilität maximiert und die Aufenthaltsqualität signifikant gesteigert.
Im Zentrum dieser Komposition lädt eine großzügige Liegewiese unter neu gepflanzten, im Frühjahr blühenden Kirschbäumen zum Picknicken und Verweilen ein, während ergonomisch geschwungene Sonnendecks auf der Rasenfläche das entspannte Genießen des Panoramas ermöglichen. Weit auskragende, langgestreckte Wasserstege führen die Besuchenden direkt auf den See und eröffnen spektakuläre Blickbeziehungen zum gegenüberliegenden Ufer.
Um diesen Raum für alle gleichermaßen erlebbar zu machen, wird die ehemals steile Böschung in eine sanfte, topografisch komfortable Geländemodellierung überführt, die einen mühelosen, barrierefreien Zugang zum Wasser erlaubt, während am Hauptzugang ein geordnetes Angebot an Fahrrad- und E-Scooter-Stellplätzen für eine saubere Entflechtung der Verkehrsströme sorgt.
Aus ökologischer Sicht werden der wertvolle alte Baumbestand sowie die bestehenden Biotope strikt geschützt. Eine neu etablierte, schilfbasierte Ufer- und Röhrichtvegetation dient als natürliche Filterzone, die durch ihr hohes Retentions- und Reinigungspotenzial einen aktiven Beitrag zur biologischen Wasserreinigung leistet und das aquatische Ökosystem nachhaltig stärkt. Als dramatischer Wendepunkt der Bewegung schließt sich im Norden eine dicht eingegrünte „Secret Terrace“ an – ein intimer Rückzugsort, der als kontemplativer, grüner Winkel das räumliche Erlebnis des Uferwegs harmonisch abrundet.
Realisierungsteil B: Die historische Schwelle
Obwohl die physische Berliner Mauer an dieser Stelle gewichen ist, wird ihre historische Dimension im Realisierungsteil B als prägendes Palimpsest feinsinnig ablesbar gemacht. Die Treppenanlage zum Ufer erhält eine spezifische, kontrastierende Materialität im Bodenbelag, die exakt den ehemaligen Verlauf der Grenzanlagen nachzeichnet. Flankiert von prägnanten Erläuterungsstelen wird der alltägliche Abstieg so zu einem lehrreichen und würdevollen Erinnerungsraum transformiert.
Gleichzeitig erfolgt eine intensive wasserseitige Aktivierung: Im flachen Uferbereich wird die bestehende Steganlage funktional erweitert und skulptural aufgewertet, sodass sie durch integrierte Sitzelemente und erweiterte Plattformen eine hohe Aufenthaltsdichte direkt über dem Wasserspiegel generiert und den geschichtsträchtigen Ort mit neuem urbanen Leben füllt.
Realisierungsteil C: Urbanes Uferplateau & Maritimer Treffpunkt
Der Realisierungsteil C zeichnet sich durch eine dynamische Erschließung aus, deren geschwungene, fließende Linienführung der Wege die hohe funktionale Dichte dieses wichtigen Knotenpunkts mühelos bewältigt. Besuchende können das Ufer wahlweise über eine großzügige, sanft geneigte Rampe (Slow-Motion-Weg) oder über eine direkte Treppenanlage (Fast-Track-Weg) barrierefrei erreichen, was die Kontinuität und Attraktivität des Uferwegs nachhaltig stärkt.
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Universität, dem S-Bahnhof Griebnitzsee sowie der angrenzenden Gastronomie und Hotellerie ist dieser Bereich stark hochfrequentiert; der Entwurf reagiert auf diese urbane Frequenz mit einem maximalen Angebot an flexiblen Sitz- und Verweiltreppen.
Die großzügigen Aussichtsstiege am Wasser bieten viel Raum zum Flanieren, wobei ein Teilbereich bewusst als temporärer Mini-Anleger konzipiert ist, der den Anwohnern das kurzzeitige Festmachen von Kleinbooten erlaubt. Während der linke Flügel des Plateaus für einen direkten, flexiblen Zugang zur Wasserlinie bewusst offen und unmöbliert bleibt, bildet das intensiv ausgeformte Wassergarten-Ensemble ein besonderes gestalterisches Highlight. Mit seiner wechselnden Blütenpracht und den feuchtigkeitsliebenden Staudenstrukturen fungiert er als visueller Ankerpunkt, der den urbanen Platzraum harmonisiert und das Wohlbefinden der Menschen steigert.
Das Regenwassermanagement wird naturnah im Sinne der Schwammstadt umgesetzt: Niederschläge werden über wasserdurchlässige Beläge, Versickerung in Grünflächen sowie eine ausgeprägte, bepflanzte Übergangszone zwischen Wasser und Land zurückgehalten, gefiltert und verzögert abgeleitet. Feuchteliebende Pflanzen stabilisieren das Ufer, verbessern die Wasserqualität und setzen zugleich gestalterische Akzente, während gezielte Öffnungen Sichtbeziehungen ermöglichen. Ergänzend dienen extensiv gestaltete Uferbereiche und multifunktionale Aufenthaltsflächen als Retentionsräume, insbesondere zur Pufferung von Starkregen. Hochwasserereignisse (HQ100) sind vor allem im Hinblick auf Erosionsschutz und die Widerstandsfähigkeit geplanter Holzstrukturen zu berücksichtigen.
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