Kleine Kinder. Große Entwicklung.

Medienprävention von Anfang an.

Die ersten Lebensjahre brauchen vor allem eines: echte Begegnung.

Kuscheln, sprechen, spielen, entdecken, bewegen, staunen, streiten und sich wieder vertragen – all das hilft Kindern, ihre Welt zu verstehen und sich selbst zu entwickeln.

Digitale Medien gehören heute zum Familienalltag. Die Frage ist deshalb nicht nur, ob ein Kind Medien nutzt, sondern vor allem: Wann, wie, wie lange – und was braucht ein Kind in diesem Alter wirklich? Dabei spielt auch die Mediennutzung der Eltern eine bedeutsame Rolle, da sie den gemeinsamen Familienalltag und die Möglichkeiten für Aufmerksamkeit und Interaktion mit dem Kind mitprägt. 

Unser Anliegen ist es, Eltern, Familien und Fachkräfte dabei zu unterstützen, einen gesunden und entwicklungsförderlichen Umgang mit digitalen Medien von Anfang an zu gestalten.

Denn Medienprävention beginnt nicht mit dem ersten Smartphone. Sie beginnt im Säuglingsalter.


0–5 Jahre: Was Kinder jetzt brauchen

👶 0–3 Jahre

Möglichst medienfrei aufwachsen

Für Kinder unter drei Jahren empfehlen die aktuellen fachlichen Einschätzungen, auf digitale Medien zu verzichten.

In diesem Alter lernen Kinder vor allem über ihre unmittelbare Umgebung: über Bewegung, Sprache, Blickkontakt, Berührung, Spiel und die gemeinsame Aufmerksamkeit mit vertrauten Erwachsenen.

Das Wichtigste für kleine Kinder ist nicht der Bildschirm – sondern der Mensch dahinter. Gerade in den ersten Lebensjahren sind gemeinsame Momente, Blickkontakt, Spiel sowie sprachlicher und emotionaler Austausch wichtige Erfahrungen für die kindliche Entwicklung.

Das bedeutet im Alltag:

  • gemeinsam anschauen und erzählen statt Videos abspielen
  • vorlesen, singen und miteinander sprechen
  • frei spielen und die Umgebung entdecken
  • bewegen, klettern, matschen, bauen und ausprobieren
  • Langeweile zulassen
  • digitale Medien nicht als regelmäßigen „Babysitter“, zur Beruhigung oder Belohnung einsetzen

🧒 4–5 Jahre

Wenig, gemeinsam und gut begleitet

Ab dem Vorschulalter kann es Situationen geben, in denen digitale Medien sinnvoll eingesetzt werden. Entscheidend sind dabei klare Grenzen, eine bewusste Auswahl und die gemeinsame Nutzung (z.B. Lern- und Wissenssendungen – Die Sendung mit dem Elefanten, Anna und die wilden Tiere).

Die aktuelle Stellungnahme der kinder- und jugendpsychiatrischen Fachgesellschaften empfiehlt für 4- bis 5-Jährige maximal 30 Minuten Medienzeit pro Tag. 

Nicht jede Bildschirmzeit ist gleich. Aber keine Bildschirmzeit ersetzt das echte Leben.

Für den Alltag ergibt sich daraus:

  • Inhalte gemeinsam auswählen
  • möglichst gemeinsam schauen oder spielen
  • vorher festlegen, wann Schluss ist
  • keine Medien beim Essen
  • medienfreie Zeiten und Orte schaffen
  • ausreichend Zeit für Schlaf, Bewegung, Spiel und soziale Kontakte lassen

Was Kinder unter fünf Jahren besonders brauchen

👀 Nähe statt Dauerbeschallung

Kinder entwickeln sich in Beziehungen. Blickkontakt, Sprache, gemeinsame Aufmerksamkeit und feinfühlige Reaktionen der Bezugspersonen sind zentrale Bausteine früher Entwicklung.

🗣️ Sprache statt Bildschirm

Kinder lernen Sprache besonders intensiv im Austausch mit anderen Menschen. Ein Bildschirm kann diesen Dialog nicht ersetzen.

Reden Sie mit Ihrem Kind. Hören Sie ihm zu. Antworten Sie. Erzählen Sie Geschichten.

🏃 Bewegung statt Sitzen

Kleine Kinder wollen ihren Körper entdecken. Rennen, Klettern, Balancieren, Greifen und Spielen fördern Entwicklung und Selbstständigkeit.

🧸 kreatives Spiel statt Fernsehkonsum

Freies Spiel braucht nicht viel. Ein Karton, Wasser, Bauklötze, Knete oder ein Bilderbuch können mehr Raum für eigene Ideen geben als ein reizintensiver Kinderfilm.

😴 Schlaf braucht Schutz

Medien sollten nicht zum festen Einschlafhelfer werden. Ein verlässliches Abendritual (z.B. Gute-Nacht-Geschichte) ohne Bildschirm schafft Orientierung und hilft dabei, den Übergang in die Nachtruhe zu gestalten.


Medien sind Teil des Alltags.

Wissen darüber, wie Medien wirken können, hilft Eltern, ihre Nutzung bewusst und passend zum Entwicklungsalter ihres Kindes zu gestalten.

Eltern müssen nicht perfekt sein.

Viele Familien kennen Situationen wie:

„Nur noch ein Video!“
„Ohne Handy beim Essen gibt es Streit.“
„Ich brauche gerade fünf Minuten Ruhe.“

Das ist kein Zeichen schlechten Elternseins. Familienalltag kann anstrengend sein.

Medienprävention bedeutet deshalb nicht, Eltern mit Verboten und Schuldgefühlen zu überhäufen.

Es geht darum, Familien zu stärken und ihnen praktikable Alternativen an die Hand zu geben.


5 Impulse für Familien und den gesellschaftlichen Umgang mit Medien

1. Bildschirmfreie Zeiten

Legen Sie Zeiten fest, in denen digitale Medien Pause haben – zum Beispiel beim Essen, beim Spielen und vor dem Schlafengehen.

2. Bildschirmfreie Orte

Schaffen Sie Räume, in denen Medien keine Rolle spielen. 

3. Gemeinsam statt allein

Wenn Vorschulkinder digitale Medien nutzen, begleiten Sie sie. Sprechen Sie über das Gesehene und helfen Sie beim Einordnen.

4. Erst das echte Leben

Bevor der Bildschirm zum Einsatz kommt, überlegen Sie:
Was braucht mein Kind gerade wirklich?
Nähe? Bewegung? Ruhe? Aufmerksamkeit? Spiel? Schlaf?

Den Alltag bewusst medienfrei gestalten – und Kindern Raum geben, eigene Wege im Umgang mit Langeweile, Wartezeiten und kleinen Frustrationen zu entwickeln. 

Langeweile als wertvollen Erfahrungsraum ermöglichen – Medien nicht als selbstverständliche Alltagsbeschäftigung nutzen.

5. Eltern sind Vorbilder

„Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun.“ (Jesper Juul, Familientherapeut)

Kinder beobachten, wie Erwachsene mit dem Smartphone umgehen. Auch der eigene Medienkonsum der Eltern spielt dabei eine Rolle – etwa, wenn das Smartphone im Alltag als Möglichkeit zur Entspannung oder kurzen Auszeit genutzt wird.

Auch wir dürfen das Handy weglegen.


Wenn Medien zum Streitpunkt werden

Ihr Kind wird wütend, wenn das Tablet ausgeschaltet wird?

Das ist zunächst keine Katastrophe.

Begrenzungen können für Kinder schwierig sein. Wichtig ist, dass Erwachsene ruhig und verlässlich bleiben.

Ankündigen. Begrenzen. Begleiten. Aushalten.

Hilfreich können feste Rituale sein:

„Noch fünf Minuten, dann machen wir das Tablet aus.“

„Das Video ist zu Ende. Jetzt gehen wir gemeinsam ins Bad.“

„Du bist gerade richtig sauer. Ich bleibe bei dir.“

Grenzen müssen nicht hart sein, um klar zu sein.


Und was ist mit dem Smartphone von Eltern, älteren Geschwistern und allen anderen Erwachsenen im Umfeld von Kindern?

Medienprävention beginnt auch bei uns Erwachsenen.

Auch im Alltag entstehen viele kleine Momente gemeinsamer Aufmerksamkeit. Wenn Erwachsene dabei wiederholt durch die eigene Smartphone-Nutzung abgelenkt sind, können Gelegenheiten für Blickkontakt, Austausch und Interaktion mit dem Kind verloren gehen. Gerade für kleine Kinder sind solche Momente bedeutsam.


Sie haben Fragen zur Mediennutzung Ihres Kindes oder wünschen sich Unterstützung bei einer konkreten Situation? 

Bei den folgenden Anlaufstellen finden Sie fachkundige Beratung und individuelle Unterstützung rund um Medien im Familienalltag: 

 

- Familienmedienberatung der Medienwerkstatt Potsdam im fjs e.V. 

Schilfhof 28a, 14478 Potsdam

Tel: 0331 810140
E-Mail: beratung@medienwerkstatt-potsdam.de

Internet: https://fame.medienwerkstatt-potsdam.de/ 

 

- Fachstelle für Konsumkompetenz Potsdam

Friedrich-Engels-Str. 22
14473 Potsdam
033128791258

chillout@chillout-pdm.de 

https://chillout-pdm.de/fachstelle-konsumkompetenz/angebote/beratung 

 

- Eltern-Medien-Beratung

Schulstraße 9 im Haus der Jugend

14482 Potsdam

info@eltern-medien-beratung.de
0331-951 3170

https://eltern-medien-beratung.de/

 

Quellen: 

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ). (2023). S2k-Leitlinie: Leitlinie zur   Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend (1. Aufl.). AWMF-Register Nr. 027-075. AWMF-Leitlinie

 

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (DGKJP), Berufsverband der Kinder- und Jugendpsychiater, Psychosomatiker und Psychotherapeuten e. V. (BKJPP), & Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie e. V. (BAG-KJPP). (2026). Nutzung digitaler Medien und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Gemeinsame Stellungnahme der Fachverbände.