Pressemitteilung Nr. 477 vom 21.10.2026 Landeshauptstadt schließt das Jahr 2024 mit erheblichem Defizit ab

Bürgermeister Burkhard Exner legt Jahresabschluss vor: -45,5 Millionen Euro Fehlbetrag / Auch für 2025 zweistelliges Millionendefizit erwartet
Bürgermeister Burkhard Exner bei der Vorstellung des Jahresberichts 2024
© Landeshauptstadt Potsdam/Juliane Güldner

Die Landeshauptstadt Potsdam steht vor massiven finanziellen Herausforderungen. Am 4. November 2026 bringt Bürgermeister und Kämmerer Burkhard Exner den geprüften und festgestellten Jahresabschluss für das Jahr 2024 in die Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung ein. Die Zahlen zeigen eine drastische Ausweitung des Defizits im Vergleich zum Vorjahr: Potsdam schließt das Haushaltsjahr 2024 mit einem Jahresfehlbetrag von rund -45,5 Millionen Euro ab (2023: -6,69 Millionen Euro). Auch für das Jahr 2025 zeichnet sich keine Besserung ab. Hier wird nach einem vorläufigen Jahresabschluss ein Verlust von voraussichtlich rund -52 Millionen Euro erwartet.

Bundesweiter Trend trifft auch Potsdam mit voller Wucht

Die Kommunalhaushalte in ganz Deutschland befinden sich derzeit in einer schweren Krise mit Gesamtfehlbeträgen von über 30 Milliarden EUR p.a. Diese bundesweite Entwicklung spiegelt sich gleichermaßen im Ergebnistrend und im Liquiditätsverlauf der Landeshauptstadt Potsdam wider. Dazu Burkhard Exner: „Die bereits in Vorjahren einsetzende Entwicklung einer immer weiter aufgehenden Schere zwischen Aufwendungen und Erträgen verschärft sich auch für Potsdam zunehmend, wobei unsere Rücklagen schlicht endlich sind.“

Das deutlich negative Jahresergebnis für 2024 geht im Wesentlichen auf die „laufende Verwaltungstätigkeit“ und deren Entwicklung zurück – ein zentraler Indikator für die finanzielle Stabilität des täglichen Verwaltungshandelns. Die regulären Erträge können die laufenden Kosten bei Weitem nicht mehr decken. Im Jahr 2024 standen dabei Aufwendungen von rund 1.089,5 Millionen Euro lediglich Erträge in Höhe von rund 1.032,0 Millionen Euro gegenüber. Das daraus resultierende Defizit im laufenden Verwaltungsbetrieb beläuft sich insgesamt auf rund -57,5 Millionen Euro. Damit hat sich der Fehlbetrag in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht (2023: -13,5 Millionen Euro). Zwar schlossen das Finanzergebnis (rund 10,1 Millionen Euro) und das außerordentliche Ergebnis (rund 1,9 Millionen Euro) positiv ab, sie konnten den negativen Trend der laufenden Verwaltungstätigkeit jedoch nicht ausgleichen.

Transferaufwendungen und Sonderbelastungen als Haupttreiber

Während die Aufwendungen in fast allen Bereichen gestiegen sind, bleiben die Transferaufwendungen der größte Belastungsfaktor mit hoher Steigerungsdynamik. Sie verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von rund 45,4 Millionen Euro (10,6 Prozent). Darin enthalten sind die Transferaufwendungen für die „Sozialen Hilfen“, die sogar um 15,3 Prozent auf 116,78 Millionen Euro anstiegen.

Zudem belasten kontinuierliche Sonderzahlungen das städtische Gesamtergebnis erheblich und entziehen finanzielle Mittel für wichtige Zukunftsinvestitionen: So entsteht durch den Betrauungsakt beziehungsweise den Verlustausgleich für die Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH ein Aufwand von 20,0 Millionen Euro. Darüber hinaus muss das Defizit in den Bereichen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung in Höhe von rund 13,4 Millionen Euro aus allgemeinen städtischen Eigenmitteln ausgeglichen werden. Diese zusätzlichen finanziellen Belastungen entziehen dringend benötigte Liquidität und reduzieren die verfügbaren Mittel für wichtige Zukunftsinvestitionen und andere zentrale Vorhaben der Landeshauptstadt.

Zwar konnten bei den Erträgen moderate Zuwächse erzielt werden – etwa beim Gemeindeanteil an der Einkommensteuer (rund +11,7 Millionen Euro) und bei der Gewerbesteuer (rund +3,9 Millionen Euro brutto) –, diese reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um die massiven Ausgabensteigerungen aufzufangen.

Ausblick auf 2025 – Besserung nicht in Sicht

Für das Jahr 2025 verschärft sich die Lage weiter. Kämmerer Burkhard Exner erklärt: „Für das Jahr 2025 müssen wir mit einem weiteren zweistelligen Millionenverlust von voraussichtlich rund -52 Millionen Euro rechnen, im Vergleich zu einem geplanten Defizit von rund -31 Millionen Euro. Gleichzeitig schrumpfen unsere verfügbaren liquiden Mittel drastisch.“ Zum 31. Dezember 2025 betrugen diese noch rund 124 Millionen Euro, was nahezu einer Halbierung im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Damit sinken auch die Eigenmittel für notwendige Investitionen kontinuierlich. Zurzeit ist die Landeshauptstadt sogar wieder auf Kassenkredite angewiesen (per 13. Oktober 2026: 13 Millionen Euro).

Die anhaltende Schere zwischen Aufwendungen und Erträgen verdeutlicht ein langfristiges, strukturelles Finanzierungsproblem der Kommunen, welches sich nach Prognosen der Kommunalen Spitzenverbände weiter zuspitzen wird. Um dieser Entwicklung aktiv gegenzusteuern, hat die Landeshauptstadt Potsdam bereits reagiert. Seit 2025 werden wieder Konsolidierungsprogramme aufgelegt, die weiter fortentwickelt und erheblich verstärkt werden müssen. Die seit dem 01.Oktober 2026 verhängte Haushaltssperre stellt hierbei einen weiteren schmerzhaften, aber unumgänglichen Schritt dar, um die Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig zu sichern. Letztlich wird es aber bei allen erforderlichen Anstrengungen der Kommunen auch darauf ankommen, dass Bund und Länder die föderalen Finanzsysteme einer wirksamen Reform unterziehen, insbesondere durch eine konsequente Umsetzung des Konnexitätsprinzips, und Soforthilfen etwa für kommunale Großkrankenhäuser vorsehen.

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