Pressemitteilung Nr. 465 vom 13.10.2026 Bedarfsgerechte Angebote, wohnortnahe Versorgung und langfristige Sicherung der Bildungsstandorte

Verwaltung stellt Entwurf der Integrierten Kita- und Schulentwicklungsplanung für Potsdam vor // Entscheidung im Dezember 2026
Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule
© Landeshauptstadt Potsdam / Paul Hesse

Die Landeshauptstadt Potsdam richtet ihre Kita- und Schulentwicklungsplanung an den veränderten demografischen Rahmenbedingungen aus. Rückläufige Geburtenzahlen und perspektivisch sinkende Schülerzahlen erfordern eine Anpassung der bisherigen Planungen. In der vierten Sitzung der Arbeitsgruppe Integrierte Kita- und Schulentwicklungsplanung (AG IKSEP) hat die Stadtverwaltung heute die zentralen Ergebnisse des Verwaltungsentwurfs vorgestellt. Ziel ist es, auch künftig ein bedarfsgerechtes, vielfältiges und wohnortnahes Bildungs- und Betreuungsangebot in Potsdam sicherzustellen und gleichzeitig vorhandene Kapazitäten optimierter zu nutzen.

„Die demografische Entwicklung stellt uns vor neue Herausforderungen, eröffnet aber auch Chancen, unsere Bildungslandschaft zukunftsfest aufzustellen. Unser Ziel ist es, die hohe Qualität und Vielfalt der Potsdamer Kita- und Schullandschaft zu erhalten, bestehende Standorte sinnvoll weiterzuentwickeln und dort zu investieren, wo tatsächlich Bedarf besteht. Dabei geht es nicht allein um Zahlen und Kapazitäten, sondern vor allem um gute Bildungsbedingungen für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt“, erklärt der Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Torsten Wiegel

Mit der integrierten Kita- und Schulentwicklungsplanung verfolgt die Landeshauptstadt Potsdam das Ziel, die Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur aufeinander abgestimmt, für die Zielgruppen geeignet und vorausschauend zu entwickeln. Dabei werden sowohl die gesamtstädtische Bevölkerungsentwicklung als auch die unterschiedlichen Bedarfe und Entwicklungen in den einzelnen Planungsräumen berücksichtigt. Der Erarbeitung gingen umfangreiche Beteiligungsprozesse voraus. Im Bereich der Kindertagesbetreuung wurden unter anderem Kita-Träger, der Kitaelternbeirat und die Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII einbezogen. Im schulischen Bereich fanden Abstimmungen unter anderem mit den Schulen, dem Staatlichen Schulamt, dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport sowie dem Kreisschulbeirat statt. Die Ergebnisse der vierten AG IKSEP und die Rückmeldungen aus den bisherigen Beteiligungsverfahren bilden eine wesentliche Grundlage für die weiteren Gespräche. 

Nach der geplanten Einbringung in die unterschiedlichen Gremien im November soll der Stadtverordnetenversammlung im Dezember 2026 die integrierte Kita- und Schulentwicklungsplanung vorgelegt werden. Mit der Einbringung in die Gremien wird ein der umfangreicher Beteiligungs- und Anhörungsprozess fortgeführt.  

Kindertagesbetreuung: Kapazitäten bedarfsgerecht anpassen

Die deutlich rückläufigen Geburtenzahlen führen dazu, dass der Bedarf an Krippen- und Kindergartenplätzen geringer ausfällt als bisher prognostiziert. Die Landeshauptstadt reagiert darauf mit einer schrittweisen und standortbezogenen Anpassung der Betreuungskapazitäten an den Bedarf. Die aktuellen Berechnungen zeigen darüber hinaus ein zeitweiliges Anpassungspotenzial von rund 1.200 Plätzen in Krippe und Kindergarten bis 2031. Langfristig wird bis 2040 von einem Anpassungspotenzial von rund 900 Plätzen ausgegangen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Entwicklung der Betreuungskapazitäten auch über den aktuellen Planungszeitraum hinaus kontinuierlich überprüft werden muss. Im Ergebnis sollen bis zum Jahr 2031 insgesamt 1.030 Krippen- und Kindergartenplätze reduziert werden. Im Kindergartenbereich soll die Zahl der Plätze von derzeit 7.451 um 700 auf 6.751 sinken. Im Krippenbereich ist eine Reduzierung um 330 Plätze von 4.153 auf 3.823 vorgesehen. Die entsprechenden Maßnahmen wurden standortbezogen mit den jeweiligen Einrichtungsträgern besprochen.

Dabei verfolgt die Stadt ausdrücklich das Ziel, das Platzangebot bedarfsgerecht anzupassen, statt Kapazitäten pauschal abzubauen. Die wohnortnahe Versorgung, die Vielfalt der Träger und pädagogischen Konzepte sowie das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern sollen weiterhin gewährleistet bleiben. Um auf Schwankungen bei den Kinderzahlen und unvorhergesehene Bedarfe reagieren zu können, sieht die Planung zudem einen Kapazitätspuffer von zehn Prozent vor.

„Wir stehen vor der Aufgabe, unsere Betreuungslandschaft verantwortungsvoll an die sinkenden Kinderzahlen anzupassen. Unser Ziel ist es, diesen Veränderungsprozess aktiv und vorausschauend zu steuern und unkontrollierte Kita-Schließungen zu verhindern. Dabei ist uns wichtig, gemeinsam mit den Trägern tragfähige Lösungen zu entwickeln und die Auswirkungen für Kinder, Familien und Beschäftigte so gering wie möglich zu halten. Wir wollen auch künftig ein vielfältiges Angebot gewährleisten, das den unterschiedlichen Bedürfnissen der Familien gerecht wird und eine verlässliche Betreuung ermöglicht“, sagt Alexandra Mebus-Haarhoff, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie der Landeshauptstadt Potsdam.

Die Anpassung der Betreuungskapazitäten erfolgt auf Grundlage einheitlicher Kriterien und unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation in den Standorten und Stadtteilen. Maßgeblich sind insbesondere der tatsächliche Betreuungsbedarf im Planungsraum, die vorhandenen Kapazitäten, die Angebote in benachbarten Planungsräumen sowie deren Erreichbarkeit.

Bei der Entscheidung über einzelne Einrichtungen werden darüber hinaus die tatsächliche Inanspruchnahme und Auslastung, die Träger- und Konzeptvielfalt, das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, der bauliche Zustand der Einrichtungen sowie die relativen Betriebskosten berücksichtigt.

Im Verwaltungsentwurf der IKSEP 2027 bis 2031 sind folgende Schließungen beziehungsweise Zusammenlegungen von Einrichtungen vorgesehen:

  • Aki Butzemannhaus: Schließung zum 31. Dezember 2026
  • Kita klEinstein: Schließung zum 31. Dezember 2026
  • Kita Villa Kunterbunt: Schließung zum 31. Juli 2027
  • Kita Tönemaler: Schließung zum 31. Juli 2027
  • Kita am Heiligen See: Schließung zum 31. Juli 2027
  • Kita Jagdschloss: Schließung zum 31. Juli 2027
  • Krippe Schiller Sternchen: Schließung zum 31. Juli 2027
  • Evangelische Kita an der Nuthe: Schließung und Zusammenlegung mit der Kita Regenbogenland zum 31. Juli 2027
  • Hort Sausewind: Schließung und Zusammenlegung mit dem Hort am Nuthepark zum 28. Februar 2027
  • Hort Flitzpiepen: Schließung zum Schuljahr 2027/2028
  • Hort Gutenbergstraße: Schließung und Zusammenlegung mit dem Hort Sonnenschein zum Schuljahr 2030/2031

Trotz vorhandener gesamtstädtischer Kapazitätsreserven werden Neubauten und Ersatzneubauten auch künftig erforderlich sein. Dies gilt insbesondere für neue Wohngebiete sowie Stadtteile, in denen die wohnortnahe Betreuung nicht ausreichend gesichert ist. 

Die vorgesehenen Maßnahmen sind Bestandteil des Verwaltungsentwurfs und stehen unter dem Vorbehalt der politischen Beschlussfassung. Die Stadt setzt bei der weiteren Umsetzung auf eine enge Abstimmung mit den betroffenen Trägern und eine transparente Kommunikation mit den Familien.

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen soll auch das bisherige Ziel - langfristig in jedem Sozialraum mindestens eine Kindertagesstätte, einen Hortstandort und eine Kindertagespflegestelle in kommunaler Trägerschaft vorzuhalten – nicht weiter verfolgt werden. Mit der Inbetriebnahme der kommunalen Kita und des Hortes in Krampnitz sind derzeit keine weiteren Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft vorgesehen.

Auch die Hortplanung wird an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Sie berücksichtigt sowohl die perspektivisch rückläufigen Grundschülerzahlen als auch den ab dem Schuljahr 2026/2027 schrittweise eingeführten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder.

Eltern und Sorgeberechtigte, die von den Veränderungen in der Kindertagesbetreuung betroffen sind, werden über den jeweiligen Träger der Einrichtung informiert. Darüber hinaus steht der Betreuungsplatzservice Kita-Tipp unter anderem bei Fragen zu den Themen Kita-Platzbedarfe, Kita-Wechsel, konzeptionelle Vorstellungen, Information zu Elternbeiträgen kita-tipp@Rathaus.potsdam.de und Telefon 0331 289 2242 beratend zur Seite. 

Grundschulen: Wohnortnahe Standorte erhalten und pädagogische Angebote stärken

Der Rückgang der Geburtenzahlen wird sich ab dem Jahr 2027 zunehmend auch im Grundschulbereich bemerkbar machen. Nach dem Höchststand von rund 9.500 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2024/2025 wird ein deutlicher Rückgang der Schülerzahlen erwartet. Bis zum Schuljahr 2031/2032 könnte dieser bis zu 21 Prozent betragen.

Ziel der Schulentwicklungsplanung ist es, die schulischen Kapazitäten bedarfsgerecht anzupassen und zugleich das bestehende wohnortnahe Grundschulnetz langfristig zu sichern. Hierzu sollen ab dem Jahr 2027 in zahlreichen Planungsräumen die Zügigkeiten, also die Anzahl der parallel geführten Klassen je Jahrgang, schrittweise an die rückläufigen Schülerzahlen angepasst werden. Damit sollen Überkapazitäten reduziert und die bestehenden Grundschulstandorte auch bei sinkenden Schülerzahlen langfristig erhalten werden. Die dadurch schrittweise freiwerdenden Raumkapazitäten sollen vorrangig den Grundschulen zugutekommen, um bestehende Raumdefizite auszugleichen und die räumlichen Voraussetzungen für gute pädagogische Lernbedingungen zu verbessern.

Eine wesentliche Veränderung ist am Standort Humboldtring vorgesehen. Die dortige Grundschule soll fast vollständig in die Modulanlage am Humboldtring 19a umziehen. Die dadurch freiwerdenden Räumlichkeiten können anschließend für die Erweiterung der Gesamtschule Peter Joseph Lenné genutzt werden.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Fontane-Oberschule: Zum Schuljahr 2028/2029 soll deren Primarstufe geschlossen und gleichzeitig die Primarstufe der Universitätsschule am Standort neu gegründet werden.

Freiwerdende Raumkapazitäten sollen zudem daraufhin geprüft werden, ob sie für eine Verbesserung der pädagogischen Lernbedingungen genutzt werden können. Dazu zählen insbesondere zusätzliche Unterstützungsangebote wie Lerngruppen Plus und kooperative temporäre Lerngruppen für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Förderbedarfen.

Weiterführende Schulen: Bestehende Standorte sichern und Kapazitäten besser nutzen

Für die weiterführenden Schulen sieht der Verwaltungsentwurf vor, sämtliche Schulstandorte und Schulformen grundsätzlich zu erhalten. Gleichzeitig muss die Nachfrage nach Schulplätzen in der Sekundarstufe I bis mindestens 2031 abgesichert werden.

Aufgrund der aktuellen Potsdamer Bevölkerungsstruktur in der Altersgruppe ist in den nächsten Jahren ein weiterer Anstieg der Schülerzahlen in der Sekundarstufe I zu erwarten: von rund 7.250 im Schuljahr 2025/2026 auf voraussichtlich 8.050 im Schuljahr 2031/2032. Das entspricht einem Zuwachs von rund 11 Prozent. Nach diesem Höchststand wird der Bedarf in Sekundarstufe I voraussichtlich wieder zurückgehen. Für das Schuljahr 2035/2036 werden rund 7.500 und für 2040/2041 rund 6.600 Schülerinnen und Schüler erwartet.

Zur Deckung der Nachfrage sollen unter anderem zeitlich befristet zusätzliche Klassen an bestehenden Gymnasien eingerichtet werden. Dafür können auch freiwerdende Raumkapazitäten an Grundschulen mitgenutzt werden. An Gesamtschulen sollen vorhandene bauliche Möglichkeiten für eine Erhöhung der Zügigkeiten ausgeschöpft werden.

Konkret sieht der Entwurf folgende Entwicklungen vor:

  • Gesamtschule Peter Joseph Lenné: Erweiterung auf fünf Züge ab dem Schuljahr 2028/2029 mit der Option eines gymnasialen Hybridzuges
  • Theodor-Fontane-Oberschule: Verlagerung der Sekundarstufe I an den Standort Jägerallee und dortige zweizügige Fortführung. Damit werden zugleich vorhandene Raumkapazitäten am Standort besser ausgelastet.
  • Universitätsschule: Errichtung eines Schulzentrums am Standort Zum Teufelssee ab dem Schuljahr 2028/2029 mit zwei Zügen im Primarbereich, vier Zügen in der Sekundarstufe I und drei Zügen in der gymnasialen Oberstufe. Die Umsetzung steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch das Land Brandenburg.
  • Nord-Gymnasium: Perspektivischer Umzug an den Jungfernsee.
  • Gymnasium Clara Immerwahr: Verbleib am Standort Brunnenviertel im Planungszeitraum

Darüber hinaus soll im Planungszeitraum die Entwicklung weiterer Schulzentren geprüft werden.

Auf die bislang vorgesehenen Schulneubauten in Golm und Waldstadt Süd soll angesichts der veränderten Bedarfsentwicklung verzichtet werden. In Golm soll jedoch eine Fläche für einen Schulstandort gesichert werden, um auch künftig auf neue Bedarfe reagieren zu können.

„Wir müssen heute die richtigen Entscheidungen für die Bildungsinfrastruktur von morgen treffen. Das bedeutet, bestehende Schulen zu stärken, Raumkapazitäten intelligent zu nutzen und zugleich Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft offenzuhalten. Gerade angesichts begrenzter finanzieller und baulicher Ressourcen ist es wichtig, Investitionen konsequent am tatsächlichen Bedarf auszurichten“, sagt der Bildungsbeigeordnete Torsten Wiegel.

Förderschulen: Unterstützungsangebote weiterentwickeln

Auch die schulischen Angebote für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarfen sind Bestandteil der integrierten Planung. Für die Förderschulstandorte Bisamkiez und An der Alten Zauche ist die Erarbeitung eines gemeinsamen Standortkonzeptes vorgesehen. Dabei sollen auch Möglichkeiten einer Grundschulnutzung sowie die Unterbringung von Wohnheimen betrachtet werden. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit zusätzliche Lerngruppen Plus und kooperative temporäre Lerngruppen an Grundschulen eingerichtet werden können. Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarfen ab der Klassenstufe 7 sollen die Beschulungs- und Unterstützungsangebote weiterentwickelt werden.