Die Beauftragte für Menschen mit Behinderung der Landeshauptstadt Potsdam, Dr. Tina Denninger, hat in der Stadtverordnetenversammlung am 23. September ihren aktuellen Jahresbericht vorgestellt. Der jährliche Bericht zeigt sowohl Fortschritte bei der Umsetzung von Inklusion als auch bestehende Barrieren im Alltag von Menschen mit Behinderung. Im Mittelpunkt stehen unter anderem der Lokale Teilhabeplan, die Situation von Familien mit Kindern mit Behinderung, barrierefreie Kommunikation sowie die Teilhabe am Arbeitsleben.
„Inklusion entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern im Alltag. Entscheidend ist, ob Menschen tatsächlich teilhaben können – in der Schule, am Arbeitsplatz, unterwegs und in ihrer Freizeit. Der Bericht zeigt, wo Potsdam bereits vorangekommen ist und wo wir weiter an konkreten Verbesserungen arbeiten müssen“, sagt Dr. Tina Denninger.
Zum Jahresende 2025 lebten in Potsdam rund 25.500 Menschen mit einem amtlich festgestellten Grad der Behinderung von mindestens 20, darunter rund 15.100 Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50. Die Zahlen bilden jedoch nicht alle Menschen mit Behinderung ab, da nicht jede Behinderung statistisch erfasst wird. Zudem geht die Wirkmacht einer inklusiven Gesellschaft und barrierefreien Stadt weit über die Bewohnenden von Potsdam hinaus. Barrierefreiheit stärkt unter anderem einen inklusiven Tourismus und ist damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Ein zentraler Schwerpunkt des Berichts ist der im Juli 2026 beschlossene Lokale Teilhabeplan. Mit 83 konkreten Maßnahmen soll Inklusion stärker als gesamtstädtische und fachbereichsübergreifende Aufgabe verankert werden.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei Familien mit Kindern mit Behinderung. Unterstützungsleistungen wie Eingliederungshilfe, Schule, Schulassistenz, Schülerbeförderung, Ferienbetreuung und Jugendhilfe müssen besser ineinandergreifen. Der Bericht greift deshalb die Schülerbeförderung als konkretes Beispiel auf. Gemeinsam mit den zuständigen Fachbereichen sollen transparente Entscheidungskriterien, Qualitätsstandards und barrierefreie Beschwerdewege weiterentwickelt werden. Insgesamt wird der inklusive Kinderschutz im Bericht stärker in den Blick genommen. Schutzkonzepte müssen die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen, die Gefährdungen nicht oder nur eingeschränkt mitteilen können.
Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt bleibt für die Beauftragte ein wichtiges Thema. Mit dem Netzwerk Arbeit inklusiv, der Wirtschaftsförderung und weiteren Beteiligten wurden Begegnungs- und Erprobungsformate geschaffen, darunter der inklusive Kaffeeklatsch, der am 17. September 2026 in der IHK stattfand. Gleichzeitig bestehen weiterhin Übergangshürden zwischen Schule, Ausbildung, Werkstatt für Menschen mit Behinderung und allgemeinem Arbeitsmarkt. Auch die Landeshauptstadt Potsdam als Arbeitgeberin hat sich konkrete Maßnahmen vorgenommen. Aktuell wurde ein Kooperationsvertrag für Praktikums- und Ausbildungsplätze von Menschen mit Behinderung unterzeichnet und es läuft die Besetzung des Inklusionsmanagements.
Eine neu gegründete Fokusgruppe mit gehörlosen und schwerhörigen Menschen hat konkrete Barrieren im Austausch mit der Verwaltung benannt. Neue Formate wie der Potsdamer Gebärdentreff schaffen Raum für Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis. Gleichzeitig sollen die Perspektiven gehörloser und schwerhöriger Menschen im konkreten Verwaltungshandeln stärker mitgedacht werden. Dazu gehört auch die Nutzung vorhandener Möglichkeiten für Deutsche Gebärdensprache. Für die Stadtverordnetenversammlung stehen beispielsweise Mittel für Gebärdensprachdolmetschungen zur Verfügung, die noch stärker in Anspruch genommen werden sollten. Dr. Tina Denninger setzt sich dafür ein, diese Angebote stärker zu nutzen, dafür zu werben und Teilhabe auch im politischen Raum selbstverständlich zu machen.
„Offenheit und Austausch sind wichtige Voraussetzungen für gelingende Inklusion. Wir müssen Barrieren ansprechen können, auch wenn sie innerhalb unserer eigenen Strukturen liegen, und bereit sein, daraus konkrete Veränderungen abzuleiten. Menschen müssen wissen, wohin sie sich wenden können und darauf vertrauen können, dass ihre Anliegen ernst genommen und bearbeitet werden. Inklusion ist eine gemeinsame Aufgabe und lebt davon, dass wir miteinander im Gespräch bleiben“, sagt Dr. Tina Denninger.
Der vollständige Jahresbericht der Beauftragten für Menschen mit Behinderung ist unter www.potsdam.de/jahresbericht-der-beauftragten-fuer-menschen-mit-behinde… zu finden.