Der Aufbau der Potsdamer Wohnraumagentur nimmt konkrete Formen an: Ab dem kommenden Jahr soll sie dazu beitragen, schrittweise vorhandenen Wohnraum besser nutzbar zu machen und so den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Im Jahr 2030 will die Landeshauptstadt Potsdam auf diese Weise in rund 200 Fällen Wohnraum mobilisieren. Langfristig will sie mithilfe der Wohnraumagentur Wohnraum in Höhe von etwa einem Drittel des bisherigen jährlichen Neubauvolumens erschließen.
„Potsdam soll eine lebenswerte Stadt für alle sein. Entscheidend dafür ist, dass Wohnen bezahlbar bleibt – und zwar unabhängig vom Einkommen. Dafür bauen wir neue Wohnungen, schützen den Bestand und gehen mit der Wohnraumagentur nun einen neuen Weg, um die Potenziale des bereits vorhandenen Wohnraums auszuschöpfen. Denn der günstigste, schnellste und klimafreundlichste Wohnraum ist der, der schon existiert. Perspektivisch wollen wir mithilfe der Agentur zusätzlichen Wohnraum im Umfang eines Drittels des jährlichen Neubauvolumens aktivieren. Denn für den angespannten Potsdamer Wohnungsmarkt gibt es nicht die eine Lösung – deshalb nutzen wir alle kommunalen Spielräume“, sagt Oberbürgermeisterin Noosha Aubel.
Die Wohnraumagentur richtet sich an Menschen, die über ungenutzten Platz verfügen – beispielsweise über ein ehemaliges Kinderzimmer oder eine Einliegerwohnung ¬– und ihre Wohnsituation verändern möchten. Die Landeshauptstadt unterstützt sie dabei mit Beratung, Vermittlung und praktischer Begleitung. Die Angebote setzen sich aus vier Modulen zusammen: dem Angebot „Azubiwohnen/Wohnen für Hilfe“, einer Umbauberatung, dem Angebot „Sicheres Vermieten“ sowie Umzugskonzepten.
Das Modul „Azubiwohnen/Wohnen für Hilfe“ bringt Auszubildende und ältere Menschen zusammen. Die Umbauberatung unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer, die beispielsweise durch einen zweiten Eingang, ein zweites Bad oder eine Wohnungsteilung zusätzlichen Wohnraum schaffen möchten. Mit dem Angebot „Sicheres Vermieten“ unterstützt die Stadt private Vermieterinnen und Vermieter, die vorhandene Wohnungen bislang wegen möglicher Risiken nicht vermieten. Vorgesehen sind eine Mietgarantie, die Begleitung des Mietverhältnisses und ein Renovierungszuschuss. Im Gegenzug verpflichten sich die Vermietenden, den Wohnraum zehn Jahre lang Menschen mit dringendem Bedarf zur Verfügung zu stellen. Eine Orientierungsberatung bündelt die verschiedenen Angebote. Ergänzend entwickelt die Wohnraumagentur Umzugskonzepte: Sie berät Wohnungsunternehmen zu internen Wohnungswechseln, und entwickelt seniorengerechte Wohnungen als Alternative für das zu groß gewordenen Haus oder die zu groß gewordene Wohnung.
„Mit der Wohnraumagentur verbinden wir Wohnungspolitik mit sozialer Unterstützung. Sie schafft verlässliche und freiwillige Angebote für Menschen, die ihre Wohnsituation verändern möchten, um individuell zu beraten und die passenden Möglichkeiten aufzuzeigen und deren Umsetzung zu begleiten. Dass dieser Ansatz funktionieren kann, zeigen einerseits Erfolgsmodelle bundesweit und international von Ludwigsfelde bis Großbritannien, andererseits bereits bestehende Angebote in Potsdam – etwa das Projekt ‚Wohnen für Hilfe‘ des Studierendenwerks West:Brandenburg oder der Wohnflächenbonus der ProPotsdam. An diese Erfahrungen wollen wir anknüpfen“, sagt Dr. Daniel Fuhrhop, Wohnraumreferent der Landeshauptstadt Potsdam, der den Aufbau der Wohnraumagentur verantwortet.
Der Aufbau der Wohnraumagentur erfolgt in zwei Schritten mit je zwei Modulen. Starten wird er im kommenden Jahr mit dem Angebot „Azubiwohnen/Wohnen für Hilfe“ und der Umbauberatung. Im Jahr 2028 folgen „Sicheres Vermieten“ sowie die Orientierungsberatung und die Entwicklung von Umzugskonzepten. Für den Betrieb der Wohnraumagentur sind vier Vollzeitstellen vorgesehen, für die möglichst bestehende oder bereits beschlossene Personalstellen eingesetzt werden sollen. Die Landeshauptstadt Potsdam wird die Wirkung der einzelnen Angebote von Beginn an regelmäßig messen und kommunizieren.