Pressemitteilung Nr. 402 vom 09.09.2026 Auftakt zum Tag des offenen Denkmals 2026 auf dem Telegrafenberg

Heiko Türk und Dr. Viviane Taubert vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, Lisa-Katharina Gagel von der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam und Dr. Thomas Drachenberg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege
© LHP/ Juliane Güldner

Unter dem bundesweiten Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz lädt die Landeshauptstadt Potsdam am Sonntag, 13. September, zum Tag des offenen Denkmals ein. Insgesamt 60 historische Orte, darunter Wohnhäuser, Villen, Kirchen, Museen und Parks, öffnen ihre Türen. Viele dieser Denkmale sind sonst für die Öffentlichkeit verschlossen. Der Aktionstag rückt Meisterwerke der Technik, historische Verkehrswege und soziale Drehkreuze in den Fokus, die seit Jahrhunderten Bewegung, Austausch und Identität stiften.

Heute informierte Lisa-Katharina Gagel von der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam vorab über die diesjährigen Teilnehmer. Das Motto lenkt den Blick in diesem Jahr besonders auf die Vielfalt der technischen Denkmale in der Landeshauptstadt Potsdam. Mit dabei sind geschichtsträchtige Orte wie der Kontrollturm der ehemaligen Grenzübergangsstelle Nedlitz (GÜSt), das Potsdamer Wasserwerk, die Bahnhöfe Potsdam-Charlottenhof und Satzkorn sowie der liebevoll revitalisierte Bürgerbahnhof im Park Sanssouci. Der Große Refraktor Potsdam und der Optische Telegraph | Station 4 auf dem Telegraphenberg sind neben dem historischen Helmertturm und dem Meridian- und Breitenhaus geöffnet. Auch bewegliche Denkmale erwecken Geschichte zum Leben: Neben dem historischen Schlepp-Lastkahn „Sturmvogel“ laden maritime und schienengebundene Raritäten zu Ausflügen ein. Rundfahrten mit der Miniaturfregatte „Royal Louise“ ab ihrem Liegeplatz an der Glienicker Brücke oder mit dem Lindner-Motorwagen Nr. 9 aus dem Jahr 1907 zwischen Platz der Einheit und Glienicker Brücke bieten Einblicke in vergangene Zeiten.

Mit Blick auf den historischen Helmertturm sowie das Meridian- und das Breitenhaus auf dem Telegrafenberg berichtete Dr. Viviane Taubert, Fachreferentin für Industrie- und Technikdenkmalpflege am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM), beim Ortsgespräch zum aktuellen Stand der Baumaßnahmen: „Der Helmertturm ist sowohl technisch als auch baukünstlerisch ein herausragendes Denkmal in Brandenburg. Seine wechselvolle Geschichte veranschaulicht, wie flexibel er immer wieder an unterschiedliche Forschungstätigkeiten angepasst wurde. Durch die Sanierung wird sein ursprüngliches Erscheinungsbild mit einer zukunftsweisenden Nutzung verbunden. Diese Veränderungen waren und sind möglich, weil seine konstruktive Integrität über alle Nutzungen hinweg erhalten blieb.“

Lars-Christian Klinnert, Vorstandsmitglied des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung, erläuterte die langfristige wissenschaftliche Perspektive des Turmes und seine Reaktivierung für die moderne Forschung. Seit 2023 wird das Technikdenkmal umfassend saniert, um künftig wieder für die Satellitenbeobachtung genutzt zu werden. Durch die Errichtung einer neuen Kuppel für zeitgemäße Instrumente wird die historische Substanz langfristig gesichert und erneut mit aktiver Forschung verknüpft.

Als der Beobachtungsturm 1893 eingeweiht wurde, gab es weltweit keine vergleichbare geodätische Forschungsinstitution mit einer derartigen Ausstattung. Der Turm war Teil des Ensembles für astronomisch-geodätische Winkelmessungen am Königlich Preußischen Geodätischen Institut Potsdam. Was Greenwich für die Zeitrechnung ist, bedeutete der Helmertturm für den Raum: Wer Land vermessen wollte, musste sich an diesem Potsdamer Fundamentalpunkt orientieren. Seinen heutigen Namen erhielt der Turm 1924 zu Ehren von Prof. Dr. Friedrich Robert Helmert, einem deutschen Geodäten, der die Erdmessung an der Schnittstelle zu Astronomie und Geophysik nachhaltig prägte. Nach Jahren des Stillstands steht der einstige Nullpunkt der preußisch-deutschen Landesvermessung nun vor einer wissenschaftlichen und baulichen Wiedergeburt.

Eröffnung und Programm des Denkmaltages
Die offizielle Eröffnung des Denkmaltages findet am 13. September um 10 Uhr im Hans-Meier-Welcker-Saal im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Haus 12, Zeppelinstraße 127-128, statt. Auf dem Gelände befindet sich die Villa Ingenheim, die beispielhaft für das diesjährige Motto steht und Architekturgeschichte mit gesellschaftlicher Infrastruktur verbindet. Bei der feierlichen Eröffnung wird über den wechselvollen Weg des heutigen Bundeswehr-Dienstsitzes berichtet. Im Anschluss startet um 11:30 Uhr die erste Führung durch den Park, die um 13:30 Uhr wiederholt wird.

Ein vielseitiges Programm aus Führungen, Vorträgen, kreativen Kinderaktionen und Livemusik lädt zum Entdecken ein. Zudem bietet der Aktionstag Raum, um direkt mit Denkmaleigentümern ins Gespräch zu kommen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Der Besuch der Denkmale und die dazugehörigen Angebote sind kostenfrei (kostenpflichtige Spezialangebote sind gesondert gekennzeichnet). Spenden zum Erhalt der Denkmale sind vor Ort erwünscht.

Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 bundesweit durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert und findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im September statt.
Das vollständige Potsdamer Programm für dieses Jahr mit allen 60 Orten, detaillierten Öffnungszeiten und Angeboten steht online im städtischen Veranstaltungskalender zur Verfügung unter potsdam.de/de/tag-des-offenen-denkmals. 

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