Sie ist außergewöhnlich, unverwechselbar und inzwischen in immer mehr Regionen Brandenburgs zu Hause: die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Die Fangschrecke breitet sich weiter aus. Darum rufen das Naturkundemuseum Potsdam und die Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg alle Naturinteressierten wieder dazu auf, ihre Beobachtungen über die Plattform www.gottesanbeterin-gesucht.de zu melden.
Die Europäische Gottesanbeterin gehört zu den auffälligsten Insekten Mitteleuropas. Charakteristisch sind ihre kräftigen Fangbeine, mit denen sie blitzschnell Beute ergreifen kann, sowie ihre Fähigkeit, nahezu regungslos auf Pflanzen zu verharren und auf vorbeikommende Beutetiere zu warten. Die wärmeliebende Art bevorzugt sonnige, trockene Lebensräume wie Trockenrasen, Brachen und strukturreiche Gärten. „Die Gottesanbeterin eignet sich besonders gut, um die Ausbreitung wärmeliebender Arten zu untersuchen. Durch ihre auffällige Erscheinung ist sie leicht zu erkennen und liefert uns wertvolle Hinweise darauf, wie sich Arten infolge veränderter Umweltbedingungen neue Lebensräume erschließen“, erklärt Dr. Dirk Berger, Entomologe und Sammlungs- und Ausstellungskonservator des Naturkundemuseums Potsdam.
Die Gottesanbeterin kam ursprünglich nicht in Brandenburg vor. Erstmals wurde sie hier 2007 nachgewiesen. Seitdem breitet sich die Art Schritt für Schritt weiter nach Norden aus. Heute ist sie in weiten Teilen Brandenburgs etabliert und wurde inzwischen auch aus allen Berliner Bezirken gemeldet. Besonders viele Nachweise stammen aus wärmebegünstigten Regionen, doch auch aus dem Norden Brandenburgs liegen inzwischen erste Funde vor.
Jetzt im Sommer stehen die Chancen besonders gut, eine Gottesanbeterin zu entdecken. Die Tiere, die zwischen Mai und Juni schlüpfen, sind inzwischen deutlich größer und häufiger sichtbar. Neben den noch flügellosen Jungtieren, auch Nymphen genannt, können bereits die ersten erwachsenen, geflügelten Insekten beobachtet werden. In den nächsten Wochen werden die meisten Tiere ausgewachsen sein. Das Naturkundemuseum Potsdam und die Mantidenfreunde Berlin-Brandenburg freuen sich über jede Meldung – auch über Beobachtungen aus vergangenen Jahren, denn jede Sichtung trägt dazu bei, die Ausbreitung dieser besonderen Insektenart besser zu erforschen.
Wer eine Gottesanbeterin entdeckt, kann die Beobachtung unkompliziert über die Online-Plattform melden: Einfach ein Foto hochladen, den Fundort auf der Karte auswählen und einige Angaben ergänzen – schon fließt die Beobachtung in das Forschungsprojekt ein. Nach der Überprüfung durch das Projektteam wird die Meldung freigeschaltet und erscheint in der öffentlichen Verbreitungskarte. „Jede einzelne Beobachtung hilft uns, die weitere Ausbreitung der Art besser zu verstehen. Im vergangenen Jahr wurden im Meldeportal insgesamt 13.943 Beobachtungen erfasst – ein neuer Höchststand seit Beginn der Erfassung. Wir hoffen, diesen Wert in diesem Jahr erneut zu erreichen“, erklärt Dr. Dirk Berger.
Seit dem Start der Meldeplattform im Jahr 2023 wurden bereits mehr als 28.500 Beobachtungen aus ganz Deutschland erfasst, davon fast 23.000 aus Berlin und Brandenburg.
In Brandenburg führt der Landkreis Teltow-Fläming die Statistik mit mehr als 3.600 gemeldeten Beobachtungen an. Dahinter folgen Potsdam-Mittelmark mit über 3.200 und Dahme-Spreewald mit 2.307 Meldungen. Auch in Potsdam wurden bereits 1.291 Gottesanbeterinnen erfasst. Damit liegt die Landeshauptstadt hinter dem Landkreis Oder-Spree mit 1.906 Meldungen auf Platz fünf der Brandenburger Rangliste.
Das Naturkundemuseum Potsdam, Breite Straße 13, ist von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Jeden ersten Montag im Monat ist das Museum ebenfalls geöffnet. Dann gibt es 50 Prozent Rabatt auf den Eintrittspreis. Weitere Informationen unter www.naturkundemuseum-potsdam.de.