Pressemitteilung Nr. 223 vom 22.05.2026 Landeshauptstadt veröffentlicht neues Mitgrationsmonitoring

Bericht zeigt Fortschritte bei Integration und gesellschaftlicher Teilhabe aber auch bestehende Herausforderungen
Eingang Edisonallee
© Landeshauptstadt Potsdam/ Robert Schnabel

Die Landeshauptstadt Potsdam legt das neue Migrationsmonitoring vor. Der Bericht gibt einen umfassenden Überblick über zentrale Entwicklungen der Stadtgesellschaft in den Bereichen Bevölkerung, Bildung, Arbeit, Wohnen, Teilhabe und Verwaltung. Er zeigt sowohl die wachsende Vielfalt der Stadtgesellschaft als auch bestehende Herausforderungen bei Integration, Teilhabe und Chancengleichheit auf. Ein besonderer Fokus des diesjährigen Monitorings liegt auf langfristigen Entwicklungen seit den 1990er Jahren sowie auf den Auswirkungen aktueller Fluchtmigration, insbesondere infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Dr. Amanda Palenberg, Beauftragte für Integration und Migration der Landeshauptstadt Potsdam, sagt dazu: „Das Monitoring macht deutlich: Potsdam ist in den vergangenen Jahren vielfältiger geworden und der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist kontinuierlich gestiegen. Migration und Vielfalt prägen Potsdam längst dauerhaft. Unser Bericht zeigt, wie sich die Stadtgesellschaft verändert, wo Fortschritte erreicht wurden und in welchen Bereichen weiterhin Handlungsbedarf besteht.“

Aktuell leben rund 37.450 Menschen mit Migrationshintergrund in Potsdam. Rund 20 Prozent der Stadtbevölkerung und damit fast jede fünfte Person in der Landeshauptstadt hat eine eigene oder familiäre Migrationserfahrung. Im Jahr 2010 lag dieser Anteil noch bei 7,5 Prozent. Die Zahl der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stieg seit 1991 von rund 1.100 auf mehr als 25.000 Personen an.

Dabei prägen vor allem internationale Fluchtbewegungen sowie die zunehmende Internationalisierung des Wissenschafts- und Hochschulstandorts Potsdam. Besonders stark gewachsen sind in den vergangenen Jahren die Gruppen aus der Ukraine und Syrien.

Der Bericht dokumentiert sowohl positive Entwicklungen als auch bestehende Herausforderungen. Die Zahl der Einbürgerungen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht: Allein 2025 wurden 639 Einbürgerungen abgeschlossen – mehr als viermal so viele wie noch 2016.

Auch die internationale Vielfalt an Hochschulen und Forschungseinrichtungen wächst kontinuierlich: Im Wintersemester 2024/25 waren insgesamt 7.015 internationale Studierende an Potsdamer Hochschulen eingeschrieben – das entspricht 23,1 Prozent aller Studierenden. 2015/16 lag der Anteil noch bei rund 10 Prozent.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Ungleichheiten beim Zugang zu Bildung, Wohnraum und Arbeitsmarkt. Das Monitoring zeigt, dass migrantische Haushalte häufiger stark von Mietkosten belastet sind: 40 Prozent der Haushalte mit Migrationshintergrund wenden mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Miete auf, bei nichtmigrantischen Haushalten sind es 31,1 Prozent. Auch im Bildungssystem bestehen Unterschiede fort. Deutsche Kinder besuchen laut Bericht fast doppelt so häufig ein Gymnasium wie nichtdeutsche Kinder, die häufiger an Gesamt- oder Oberschulen vertreten sind. Der Bericht verweist zudem darauf, dass soziale Herkunft, Sprachbarrieren und strukturelle Benachteiligungen weiterhin Einfluss auf Bildungs- und Erwerbschancen haben.

Deutlich wird auch, dass Menschen mit Migrationsgeschichte in politischen Gremien und Teilen der Verwaltung weiterhin unterrepräsentiert sind: Obwohl rund 20 Prozent der Potsdamer Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben, verfügen in der Stadtverordnetenversammlung lediglich drei von 56 Mitgliedern über eine entsprechende Biografie. Das entspricht einem Anteil von 5,4 Prozent.

Auch Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen bleiben ein relevantes Thema. Nach Angaben der Opferperspektive wurden 2024 in Potsdam 21 rechte Angriffe registriert – fast doppelt so viele wie in den Jahren 2022 und 2023 mit jeweils elf Fällen. Rassismus war dabei mit elf Fällen das häufigste Tatmotiv.


Das Migrationsmonitoring dient als Grundlage für kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse. Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig sichtbar zu machen und eine faktenbasierte Integrations- und Teilhabepolitik zu unterstützen.

Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit dem Bereich Statistik und Wahlen und unter Beteiligung weiterer Organisationseinheiten der Stadtverwaltung erarbeitet und um weitere Inhalte aus Wissenschaft und Fachdiskursen ergänzt.

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