Pressemitteilung Nr. 185 vom 29.04.2026 Kinderschutzbericht 2025: steigende Fallzahlen, gezielte Maßnahmen und gestärkte Netzwerke

Kinderschutzbericht 2024
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Die Landeshauptstadt Potsdam hat heute den aktuellen Kinderschutzbericht für das Jahr 2025 vorgestellt. Der Kinderschutzbericht gibt einen umfassenden Überblick über Entwicklungen, Herausforderungen und Fortschritte im Kinderschutz. Der Bericht 2025 zeigt, dass die Zahl der wahrgenommenen und bearbeiteten Kinderschutzfälle in Potsdam gestiegen ist. Gleichzeitig hat die Landeshauptstadt Potsdam mit organisatorischen, fachlichen und infrastrukturellen Maßnahmen reagiert, um den Kinderschutz, die Frühen Hilfen und die Unterstützung betroffener Kinder, Jugendlicher und Familien weiter zu verbessern.

Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie, Alexandra Mebus-Haarhoff, sagt dazu: „Jede einzelne Fallzahl steht für ein Kind, eine Familie und oft eine sehr belastende Situation. Die zunehmende Zahl an Verfahren und Inobhutnahmen macht aber auch sichtbar, wie wachsam und konsequent in Potsdam hingeschaut und gehandelt wird. Mit dem neuen Kinderschutzteam und dem weiteren Ausbau unserer Netzwerke geben wir darauf die richtigen strukturellen Antworten. Unser Ziel bleibt, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu erreichen, Familien wirksam zu unterstützen und ihnen verlässliche Hilfen anzubieten.“

Im Jahr 2025 wurden durch die Fachkräfte des Jugendamtes insgesamt 358 Kinderschutzverfahren zur Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung abgeschlossen. Das sind 77 Verfahren mehr als im Vorjahr. In 186 Fällen wurde eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, also neun Fälle mehr als im Berichtsjahr 2024. Somit wird deutlich: Die Anforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe bleiben hoch, gleichzeitig konnten wichtige strukturelle Verbesserungen umgesetzt werden.

Bei den Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen zeigt sich eine veränderte Entwicklung: Die Fachkräfte des Jugendamtes führten im vergangenen Jahr 201 Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen im Potsdamer Stadtgebiet durch, was einen spürbaren Anstieg von 80 Fällen bedeutet. Gleichzeitig ist die Zahl der Inobhutnahmen unbegleiteter ausländischer Minderjähriger weiter rückläufig. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle im Potsdamer Stadtgebiet in Obhut genommenen Kinder auch in der Landeshauptstadt ansässig sind. Die Fallzahlen umfassen also auch Kinder und Jugendliche aus anderen Zuständigkeitsbereichen.

In diesem Zusammenhang macht Alexandra Mebus-Haarhoff deutlich: „Der Kinderschutzbericht beschreibt Entwicklungen, ohne Ursachen zu bewerten. Steigende Fallzahlen könnten mit dem Wachstum der 12- bis 19-Jährigen sowie einer höheren Sensibilisierung von Fachkräften zusammenhängen. Entscheidend bleibt, dass Hinweise aus dem Umfeld der Kinder eingehen, damit das Hilfesystem rechtzeitig greifen kann.“

Kinder und Jugendliche mit Behinderung sind überproportional häufig von Gewalt, Vernachlässigung und Ausgrenzung betroffen. Im vergangenen Jahr waren dies insgesamt 34 Kinder und Jugendliche und damit vier Fälle mehr als 2024. Darunter mussten 28 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen werden. Ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen war die Eröffnung einer spezifischen Krisen- und Clearingstelle im Januar 2026. Die Einrichtung hält sechs Plätze für die Inobhutnahme und das anschließende Clearingverfahren für Kinder und Jugendliche bereit.

Um auf die gestiegenen Fallzahlen zu reagieren, hat die Landeshauptstadt Potsdam ihre Strukturen im Kinderschutz weiter ausgebaut. Eine zentrale Maßnahme war die Einrichtung eines Kinderschutzteams innerhalb des Jugendamtes im Januar 2025. Das derzeit sieben Mitarbeitende umfassende Team soll sukzessive auf elf Personen ausgebaut werden. Damit wurde eine zentrale Struktur geschaffen, um komplexe Fälle noch gezielter zu bearbeiten. Das Kindeschutzteam unterstützt Fachkräfte des Allgemeinen Sozialen Dienstes unter anderem bei der Erstellung von Risikobewertungen, der Durchführung von Kinderschutzverfahren und der Einleitung von Schutzmaßnehmen.

Ergänzend dazu wurde das Angebot der Fachberatung im Kinderschutz durch Einrichtungen oder Personen, die beruflich mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt stehen, weiterhin sehr gut angenommen. Die Zahl der Beratungen erreichte mit 363 Fachberatungen (Vgl. 2024: 355) sogar den höchsten Stand seit Einführung der Maßnahme. Vordergründig nutzen die Fachkräfte von Schulen, der Schulsozialarbeit und von Kindertageseinrichtungen in Potsdam das Beratungsangebot.

Auch die Angebote der Frühen Hilfen – darunter Frühberatung, Familienhebammen sowie Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende – werden von Familien weiterhin gut angenommen. Um diese Präventions- und Unterstützungsarbeit langfristig zu stärken, ist ein Zentrum für Frühe Hilfen angedacht.

Ein wesentlicher Baustein im Kinderschutz bleibt die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Kooperation, fachlicher Austausch und Qualitätsentwicklung konnten im vergangenen Jahr weiter verstetigt werden. Auch der Fachkreis Frühe Hilfen und Kinderschutz Potsdam tagte regelmäßig und bot zahlreiche Fortbildungen für Fachkräfte an.

Der Kinderschutzbericht erscheint bereits zum elften Mal und ist ein wichtiges städtisches Monitoring- und Steuerungsinstrument der Landeshauptstadt Potsdam. Am 21. Mai wird der aktuelle Bericht dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt. 

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