Baumlehrpfad wächst weiter: Zum Tag des Baumes erhält Maulbeerbaum neues Informationsschild. Eröffnung gemeinsam mit Stiftungsgeschäftsführer René Schreiter und Museumsdirektor Dr. Jobst Pfaender sowie den Jugendlichen, die den Baum zwei Jahre zuvor gepflanzt haben. Foto: Landeshauptstadt Potsdam/ Anne Vierling-La Ruffa
Anlässlich des morgigen bundesweiten Tag des Baumes wird der Baumlehrpfad im Innenhof zwischen Naturkundemuseum Potsdam und dem ehemaligen Großen Militärwaisenhaus um eine Station erweitert: Ein Weißer Maulbeerbaum (Morus alba) erhält zwei neue Informationstafeln und wird offiziell in den Lehrpfad integriert. Der Baum gehört zu insgesamt sechs Exemplaren, die Jugendliche der GFB-Wohngruppe „JoJo“ anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Stiftung Großes Waisenhaus 2024 pflanzten. Diese Jugendlichen sind Teil einer betreuten Wohngemeinschaft aus Märkisch-Oderland. Die Einweihung erfolgte heute gemeinsam mit Stiftungsgeschäftsführer René Schreiter und Museumsdirektor Dr. Jobst Pfaender. Der Baumlehrpfad umfasst derzeit 17 Bäume und vermittelt anschaulich Wissen über einheimische und exotische Arten – von ihrer Herkunft über biologische Besonderheiten bis hin zu ihrer Nutzung durch den Menschen.
Die Weiße Maulbeere stammt ursprünglich aus China und wurde im 18. Jahrhundert gezielt nach Preußen gebracht. Unter Friedrich II. sollte so eine eigene Seidenproduktion aufgebaut werden – auch rund um Potsdam entstanden Maulbeerplantagen. Im 18. Jahrhundert prägten Maulbeerbäume sogar das Stadtbild: Sie standen in Alleen, auf Plätzen und auch auf Schulhöfen. Noch heute erinnert etwa die Maulbeerallee im Park Sanssouci an diese Zeit. Auch das Große Militärwaisenhaus war eng in diese Entwicklung eingebunden. Bereits ab 1749 wurden eigene Seidenraupen gezüchtet und Seide hergestellt. Für die Aufzucht der Maulbeerbäume schenkte König Friedrich II. dem Waisenhaus eine größere Fläche für Plantagen in der Saarmunder Heide – zeitweise mit mehreren tausend Bäumen. Die Pflege der Plantagen und die Versorgung der Seidenraupen gehörten damals auch zum Alltag der Kinder des Waisenhauses. Das ambitionierte Projekt erwies sich jedoch als schwierig: Ungünstige Böden und die Entfernung der Anbauflächen erschwerten den Betrieb, sodass die Plantagen Ende des 18. Jahrhunderts wieder aufgegeben wurden. „Die Maulbeerbäume stehen für eine lange Geschichte, die mehr als zwei Generationen von Kindern im Waisenhaus geprägt hat. Heute verbinden wir damit unseren Auftrag, die Erinnerung an diese für die jungen Menschen sehr leidvolle Zeit wachzuhalten und der heutigen Jugend Einblicke in das Leben vor 200 Jahren zu ermöglichen“, sagt Stiftungsgeschäftsführer René Schreiter. Weitere Aspekte zur Geschichte bietet das Waisenhaus-Museum, das am Tag der Einweihung geöffnet ist.
Der Baumlehrpfad wurde 2012 auf Initiative des Naturkundlichen Museumsvereins Brandenburg e.V. in Kooperation mit dem NABU, dem Naturkundemuseum Potsdam und der Stiftung Großes Waisenhaus eingerichtet. Ziel war es, die botanische Vielfalt im Herzen der Stadt erlebbar zu machen. Im frei zugänglichen Innenhof zwischen Naturkundemuseum, Haus der Natur und Waisenhaus wachsen zahlreiche heimische sowie kulturhistorisch bedeutende Baumarten, darunter Esskastanie, Spitz-Ahorn, Winter-Linde oder Götterbaum. Anschauliche Informationstafeln vermitteln wissenschaftlich fundiertes Wissen zu fast 20 Arten. „Der Baumlehrpfad macht sichtbar, wie wichtig Bäume für unser Leben sind – für Klima, Luftqualität und das Stadtbild. Denn nur was man kennt, lernt man auch zu schätzen und zu schützen“, betont Museumsdirektor Dr. Pfaender.
Naturkundemuseum Potsdam
Breite Straße 13
14467 Potsdam
www.naturkundemuseum-potsdam.de
Öffnungszeiten Naturkundemuseum Potsdam
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Öffnungszeiten Waisenhaus-Museum
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