In der Paul-Neumann-Straße 64 in Babelsberg erinnert seit heute ein neuer Stolperstein an Charlotte Lewin, geborene Zade, die unter der NS-Herrschaft verfolgt, entrechtet und ermordet wurde. Charlotte Lewin war Lehrerin am Nowaweser Mädchen-Lyzeum. Sie engagierte sich als Sozialdemokratin und war Mitglied der Genossenschaft Gewoba Babelsberg. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie 1933 von den Nationalsozialisten denunziert. Sie erhielt Berufsverbot und war gezwungen, unter bescheidenen Umständen in Berlin zu leben. Die Nationalsozialisten deportierten sie schließlich nach Auschwitz, wo sie am 20. Februar 1943 ermordet wurde.
„Stolpersteine holen die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zurück in unseren Alltag und in unsere Nachbarschaften. Der Stein für Charlotte Lewin erinnert an eine engagierte Lehrerin und Sozialdemokratin, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurde. Ihr Schicksal mahnt uns, wachsam gegenüber Antisemitismus und Ausgrenzung zu bleiben“, sagt Torsten Wiegel, Beigeordneter für Bildung, Kultur, Jugend und Sport.
Die Verlegung übernahm der Künstler und Initiator des Stolpersteinprojekts, Gunter Demnig, persönlich. Initiiert wurde der Stolperstein für Charlotte Lewin von der Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V., die auch ihre Biografie erforscht und erschlossen hat.
Das Stolpersteinprojekt wurde 1996 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Seither wurden in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern mehr als 120.000 Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, vor allem an Menschen jüdischer Herkunft.
In Potsdam werden die Messingtafeln auf Betonwürfeln seit 2008 verlegt. Inzwischen gibt es rund 80 Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet. Mit jeder Verlegung sind intensive Recherchen verbunden: Schülerinnen und Schüler Potsdamer Schulen sowie Geschichtsinteressierte arbeiten die Biografien der Opfer auf und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.
Das Stolpersteinprojekt wird über Spenden finanziert. Engagierte Bürgerinnen und Bürger reinigen regelmäßig die Steine und sorgen dafür, dass die Inschriften sichtbar bleiben.