Landeshauptstadt veröffentlicht erste Ergebnisse der aktuellen Bürgerumfrage
Pressemitteilung Nr. 54 vom 08.02.2022

Analyse zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben der Potsdamerinnen und Potsdamer

Brandenburger Straße mit St. Peter und Paul Kirche
Brandenburger Straße mit St. Peter und Paul Kirche
Brandenburger Straße mit St. Peter und Paul Kirche. Foto LHP/ Robert Schnabel

Kaum ein Thema hat die Menschen in den vergangenen zwei Jahren so sehr beschäftigt wie die Corona-Pandemie – auch in Potsdam. Erstmals zeigt nun eine Analyse des Bereichs Statistik und Wahlen, wie das pandemische Geschehen die verschiedenen Lebensbereiche der Potsdamerinnen und Potsdamer konkret beeinflusst hat.

Mit der Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ wurden von April bis Juni 2021 valide Daten zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben der Potsdamerinnen und Potsdamer ermittelt. Sie wurden ausgewertet, aufbereitet und jetzt in einem umfangreichen Ergebnisbericht veröffentlicht. „Die Daten geben Aufschluss darüber, wie sich die Wahrnehmung der Lebensqualität in Potsdam verändert hat und wie stark Belastungen und Sorgen in verschiedenen Lebensbereichen erlebt werden. Damit ist eine wichtige Grundlage für die weitere Arbeit in den Fachbereichen in der Verwaltung gelegt: Sie können Problemlagen genauer identifizieren und somit gezielt Unterstützungsangebote für besonders betroffene Gruppen entwickeln“, sagt Dieter Jetschmanegg, Dezernent für Zentrale Verwaltung der Landeshauptstadt Potsdam. Bei den bisherigen statistischen Analysen zu dem Thema Corona-Pandemie hatten vor allem Daten zum Infektionsgeschehen wie Zahlen der Infizierten, Kontaktpersonen, Verstorbenen oder Inzidenzen im Mittelpunkt gestanden.

Um diese Auswirkungen der Corona-Pandemie messbar zu machen, wurden im Fragebogen der 6. Auflage der Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ verschiedene Aspekte des Lebens in Zeiten der Corona-Pandemie aufgegriffen und 20 Fragen formuliert. Dabei ging es unter anderem um die Themen Wohnen, Kinderbetreuung und Homeschooling sowie die Auswirkungen der Pandemie auf Arbeit und Beruf. Ferner wurden die Teilnehmenden zur Zufriedenheit mit Angeboten der Landeshauptstadt Potsdam befragt. Sie gaben auch darüber Auskunft, ob sie sich gegen das Corona-Virus impfen lassen möchten. Des Weiteren wurden Einschätzungen zu verschiedenen Aspekten des Gesundheitszustandes betrachtet; hier liegen auch Vergleichsdaten aus der Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ 2018 vor. Durch das Abfragen sozio-demografischer Merkmale können alle Fragestellungen auch dahingehend analysiert werden, um besonders betroffene Bevölkerungsgruppen zu identifizieren.

Die wichtigsten Ergebnisse
Für Potsdam lässt sich feststellen, dass die Corona-Pandemie erhebliche Einschnitte für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet und sich Kriterien, wenn sie im zeitlichen Vergleich erhoben wurden, zum Teil gravierend verschlechtert haben. Ihre Lebensqualität sehen die Teilnehmenden der Umfrage durch Corona erheblich eingeschränkt. Mit zunehmender Dauer der Pandemie nimmt der Anteil derjenigen, die eine „sehr stark“ verminderte Lebensqualität angeben, sogar weiter zu. Beklagten dies für die erste Welle der Pandemie von März bis Mai 2020 noch 17,4 Prozent, sind es für den Zeitraum April bis Juni 2021 schon 21,8 Prozent. In allen abgefragten Lebensbereichen haben sich die Sorgen, die sich die Teilnehmenden machen, im Vergleich zum Zeitraum vor der Pandemie vergrößert. Nicht nur um die eigene Gesundheit und die von Angehörigen und Freunden sind die Potsdamerinnen und Potsdamer besorgt. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, sich vor Einsamkeit und sozialer Isolation zu fürchten (56,1 Prozent) oder dass persönliche Beziehungen leiden (57,1 Prozent). Darüber hinaus zeigt sich für alle abgefragten Kriterien des Gesundheitszustandes eine deutliche Verschlechterung im Jahr 2021 gegenüber 2018. Zusammengerechnet sind jeweils die Anteile von „sehr gut“ und „gut“ 2021 um mindestens zehn Prozentpunkte kleiner als noch drei Jahre zuvor.

Coronabedingte Umwälzungen im Beruf und im Studium zeigen sich in Potsdam ebenso deutlich: So haben zeitweise drei Viertel der Erwerbstätigen im Homeoffice gearbeitet und mehr als 80 Prozent der Studierenden ihr Studium in Distanz absolviert. Ein Viertel der Haushalte in Potsdam musste coronabedingte Einkommensverluste verkraften. Je höher hierbei das monatliche Haushaltsnettoeinkommen, desto geringer ist der Anteil derjenigen, die Einkommenseinbußen erleiden mussten. Gaben gut ein Drittel (33,7 Prozent) der Teilnehmenden mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1 000 Euro dies an, waren es bei Personen mit 4 000 Euro und mehr etwas weniger als ein Viertel (23,9 Prozent).

Hervorzuheben sind die Teilnehmenden mit schul- oder betreuungspflichtigen Kindern, die besonders unter Corona zu leiden haben. Mehr als 80 Prozent von ihnen empfanden die Situation der Schließung von Schulen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung als Belastung. Aufgefangen wurden die Betreuungslücken vorwiegend von den Frauen. Aufgeschlüsselt nach dem Merkmal Geschlecht übernahmen sie mit 24,6 Prozent die tägliche Betreuung der Kinder parallel zur Erwerbstätigkeitsausübung im Homeoffice doppelt so häufig wie Männer mit 12,1 Prozent. Sie erlebten folglich die Betreuungssituation während der coronabedingten Schließungen belastender als Männer. Bezüglich der für das Homeschooling geeigneten Ausstattung der Haushalte geben 95,9 Prozent der befragten Eltern mit schulpflichtigen Kindern an, dass ihr Kind über einen Internetzugang verfügt. 94,9 Prozent haben Zugang zu einem PC, Laptop, Notebook oder Tablet und 71,5 Prozent leben mit einer Person zusammen, die ihnen in einigen Fächern Unterstützung und Hilfe bieten kann. Es kann festgestellt werden, dass Teilnehmende mit Migrationshintergrund das Vorhandensein all dieser Möglichkeiten häufiger verneinen als Personen ohne Migrationshintergrund.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus den Umfrageergebnissen ist, dass es vor allem die Jüngeren sind, bei denen die Belastungen stark gestiegen sind. Je jünger die Umfrageteilnehmenden, desto häufiger geben sie die Einschränkung ihrer Lebensqualität mit „sehr stark“ an. Beim allgemeinen Wohlbefinden und der seelischen Verfassung erzielt die jüngste Altersgruppe ebenfalls die schlechtesten Ergebnisse. Auch der Rückgang bei der sozialen Eingebundenheit im Vergleich zur Bürgerumfrage 2018 ist bei den unter 25-Jährigen beachtlich: Schätzten damals noch 76,4 Prozent diese als mindestens „gut“ ein, waren es bei der diesjährigen Bürgerumfrage 38,4 Prozent. Es ist auch die jüngste Altersgruppe, die am ehesten befürchtet, einsam oder sozial isoliert zu sein (41,5 Prozent) oder sich am häufigsten große Sorgen um die Gesundheit von Angehörigen und Freunden macht (46,9 Prozent).

Zum Erhebungszeitpunkt gaben 84,2 Prozent der Teilnehmenden an, entweder bereits geimpft worden zu sein oder sich impfen lassen zu wollen.

Der vollständige Bericht
Der Bericht enthält die Ergebnisse aller Fragestellungen zum Thema Corona aus der Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ 2021 und steht unter www.potsdam.de/umfrage zur Verfügung. Die Ergebnisse aller anderen Themenkomplexe der Bürgerumfrage werden gesondert veröffentlicht.

Die Beteiligung
Erfreulich ist die hohe Beteiligung an der Bürgerumfrage „Leben in Potsdam“ 2021: Insgesamt 2471 der zufällig ausgewählten Angeschriebenen haben den Fragebogen beantwortet, was einer Rücklaufquote von 44,7 Prozent entspricht. Damit wurde der bisherige Spitzenwert von 43,5 Prozent, der bei der Premiere der Bürgerumfrage im Jahr 2013 aufgestellt wurde, übertroffen. Auch die Online-Beteiligung verzeichnet einen neuen Höchstwert: Erstmals hat mehr als ein Viertel der Teilnehmenden (25,8 Prozent) den Fragebogen digital ausgefüllt.