Am 3. Oktober 2026, zum Tag der Deutschen Einheit, lädt die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße auch in diesem Jahr wieder zum traditionellen Tag der offenen Tür mit einem vielfältigen, kostenfreien Programm ein.
In stündlichen Kurzführungen lernen die Besucher:innen den ehemaligen Haft- und Justizort kennen. Mitten im Potsdamer Stadtzentrum gelegen, erinnert die Gedenkstätte Lindenstraße in einem ehemaligen Gefängnis- und Gerichtsgebäude an politische Verfolgung und Haft sowohl in der NS-Diktatur, der sowjetischen Besatzungszone und der DDR, aber auch an die Überwindung der SED-Diktatur durch die Friedliche Revolution 1989/90.
Die neue Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“ richtet den Blick auf die Frage, wie sich politische Haft auch nach dem Haftende auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen auswirkte. In einer Dialogführung mit dem Zeitzeugen Bernd Richter um 11 Uhr, einer Sonderführung durch die Ausstellung “Leben nach der Haft” um 12 Uhr sowie einem Mehrgenerationengespräch mit der Zeitzeugen-Familie Kurth um 15 Uhr, gewähren ehemalige Inhaftierte Einblicke in ihr jeweils persönliches Leben nach der Haft. Das Ausstellungsprojekt ist in Kooperation mit dem Menschenrechtszentrums Cottbus e.V. entstanden und wird gefördert durch die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD).
Es besteht zudem die Möglichkeit, das neues Bildungsprojekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ kennenzulernen. Bei einem offenen Workshop um 13 Uhr untersuchen Teilnehmende anhand biografischer Quellen und persönlicher Geschichten die Lebensrealitäten von Menschen mit Migrationsgeschichte, Juden und Jüdinnen und queeren Menschen in der DDR und gehen der Frage nach, wie vielfältig war die Gesellschaft in der DDR und welche Erfahrungen wurden dabei lange wenig sichtbar?
Das Projekt ist eines von 33 Projekten, die Teil der zweiten Förderrunde von „JUGEND erinnert“ in der Förderlinie SED-Unrecht sind. Die Förderlinie wird durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur umgesetzt.
Auch in diesem Jahr bieten Mitarbeitende der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) zwischen 11-15 Uhr eine Beratung für Betroffene und Angehörige politischer Verfolgung an.
Bei Kaffee und Kuchen können die Besucher:innen außerdem mit Zeitzeug:innen, mit Mitarbeitenden der Gedenkstätte Lindenstraße und mit Mitgliedern der Fördergemeinschaft »Lindenstraße 54« ins Gespräch kommen.
Der Eintritt in die Gedenkstätte und zu den Veranstaltungen ist an diesem Tag kostenfrei, ein Guide in Deutscher Gebärdensprache sowie ein Audioguide in den Sprachen Deutsch, Deutsche Leichte Sprache, Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Dänisch stehen ganztägig kostenfrei zur Verfügung.
Alle Angebote im Überblick
10-18 Uhr: Freier Eintritt und kostenfreie Audioguides & Guides in DGS
Der Audioguide ist in verschiedenen Sprachen (Deutsch, Deutsche Leichte Sprache, DGS, Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch und Dänisch) ganztägig verfügbar. Alle Angebote am Tag der offenen Tür sind kostenfrei.
10 Uhr: Inklusive Tastführung - Geschichte in Händen halten
In der Tastführung erkunden die Teilnehmer:innen die Geschichte des Hauses über ihre Hände – sie ertasten zum Beispiel Wände und Gitter, Schlösser und Anstaltskleidung. Die Führung steht Besucher:innen mit und ohne Sehbehinderungen offen. Für Menschen mit schwererer Sehbehinderung empfehlen wir die Anwesenheit einer Begleitperson. Die Teilnehmer:innen müssen im Rahmen der Führung Treppen steigen. Sitzgelegenheiten stehen zur Verfügung.
11 Uhr: Dialogführung mit dem Zeitzeugen Bernd Richter & Co-Kuratorin Martina Reimann zur Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“
Die Sonderausstellung fragt nach den Auswirkungen von politischer Haft im Leben der Betroffenen nach ihrer Entlassung. In der Dialogführung gibt Bernd Richter persönliche Einblicke in sein Leben nach der Haft. Er ist einer von 20 ehemaligen politischen Häftlingen, deren Geschichte in die Sonderausstellung erzählt wird. Dabei ist das Reden über die Haft für Bernd Richter nicht leicht: „Ich merke, dass ich im Sprechen verkrampfe. Das zeigt mir, dass man nach außen hin locker rüberkommt, aber innen drin ist es doch eine Situation, die mich noch gefangen hält.“ Diese und andere Folgen der Haft, aber auch seine persönlichen Aufarbeitungsstrategien, reflektiert er im Gespräch mit Kuratorin Martina Reimann.
11-17 Uhr: Stündliche Kurzführungen zur Geschichte des ehemaligen Haft- und Justizortes
Jeweils zur vollen Stunde erhalten die Besucher:innen in einer 30-minütigen Kurzführung einen Überblick über den ehemaligen Haft- und Justizort, entweder thematisch ausgerichtet auf die NS-Zeit 1933-1945, in der das Haus ein Gefängnis für politisch und rassistisch Verfolgte sowie ab 1934 Sitz eines Erbgesundheitsgerichts war oder thematisch fokussiert auf den Zeitraum 1952-1989, als das Haus als Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit der DDR für den Bezirk Potsdam diente.
11-15 Uhr: Beratung für Betroffene und Angehörige politischer Verfolgung
mit Mitarbeitenden der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD)
12 Uhr: Führung durch die neue Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“
Die Führung gibt vertiefende Einblicke in die neue Sonderausstellung, die den Blick auf die Frage richtet, wie sich politische Haft auch nach dem Haftende auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen auswirkte.
13 Uhr: Offener Workshop: „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“
Wie vielfältig war die Gesellschaft in der DDR und welche Erfahrungen wurden dabei lange wenig sichtbar? In einem kurzen Geschichtslabor gehen die Teilnehmenden anhand biografischer Quellen und persönlicher Geschichten den Lebensrealitäten von Menschen mit Migrationsgeschichte, Juden und Jüdinnen und queeren Menschen in der DDR nach. Gemeinsam werden Fragen nach Zugehörigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Vielfalt untersucht und mit der Frage verbunden, welche Bedeutung diese Erfahrungen für unsere Gegenwart haben.
15 Uhr: Mehrgenerationengespräch mit der Zeitzeugen-Familie Kurth im Rahmen der neuen Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“
Zu den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die in der neuen Sonderausstellung vorgestellt werden, gehört auch die Familie Kurth. Im Gespräch geben sie Einblicke in die Ereignisse des Jahres 1984. Claus Kurth und seine Frau gerieten ins Visier der Staatssicherheit, weil sie einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Die Verhaftung traf die Familie unerwartet. Vater und Tochter erzählen von der Heimunterbringung der Kinder direkt nach der Inhaftierung der Eltern, der Zeit der Trennung und vom Moment des Wiedersehens nach der Haft. Sie blicken zurück auf 40 Jahre familiären Austauschs, die seitdem vergangen sind und auf die gemeinsame Verarbeitung, bei der auch die Besuche ehemaliger Haftorte eine Rolle spielen.
Aufgrund der begrenzten Platzmöglichkeiten ist eine Anmeldung zum Mehrgenerationengespräch erwünscht unter info@gedenkstaette-lindenstrasse.de.
Eintritt
Veranstaltungsort
Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße
Lindenstraße 54
14467 Potsdam
Deutschland