Verfasser: Ulrich Krüger
Mitarbeitende: Luise Schauer, Pavlina Gleinig, Johannes Werner, Ulrich Stolz
Erläuterungstext
Ab ans Wasser – Griebnitzsee erleben auf Wasserwegen und historischen Pfaden
Der Entwurf versteht den Griebnitzsee als einen Erinnerungs- und Naturraum, der durch behutsame Eingriffe erlebbar gemacht wird. Vorgelagerte Holzplattformen „treiben“ wie Fragmente über dem Wasser und verbinden symbolisch die beiden Ufer der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Über farbige Stege sind sie mit dem Land verbunden und schaffen punktuelle Zugänge zum Wasser, ohne die sensiblen Uferbereiche flächig zu überformen.
Die Plattformen bilden identitätsstiftende Ankerpunkte entlang des Sees. Vertikale „Leuchttürme“ markieren diese Orte weithin sichtbar und dienen als Orientierungselemente auf dem Wasser und entlang des Ufers. Gleichzeitig entsteht ein fein abgestimmtes Nebeneinander von Naturraum, Erinnerungskultur und Aufenthalt. Der Entwurf stärkt die landschaftliche Eigenart des Griebnitzsees und macht sowohl die Geschichte des Ortes als auch die besondere Beziehung zwischen Stadt, Wasser und Natur erlebbar.
Gestaltung und Nutzungsverteilung
Die Gestaltung folgt dem Prinzip einer konzentrierten Zugänglichkeit. Aktive Nutzungsbereiche werden gezielt über Stege und klar definierte Uferzugänge erschlossen, während große zusammenhängende Naturbereiche bewusst freigehalten werden. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aufenthalt, Bewegung und Rückzug.
Die Wasserwanderwege werden als besondere Qualität des Griebnitzsees gestärkt und ausgebaut. Sie bilden gleichzeitig eine alternative Wegeführung zum derzeit unterbrochenen Uferweg. Insgesamt entstehen drei unterschiedliche Erschließungsebenen: die Wasserwanderrouten auf dem See, der historische Ufer- und Postenweg entlang des ehemaligen Grenzstreifens sowie ein Weg entlang der Villen auf der oberen Straße, welcher immer wieder ans Wasser führt.
Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Bestand
Der Entwurf verfolgt einen sensiblen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand. Vorhandene Strukturen, Wege, Vegetationsflächen und historische Elemente werden weitgehend erhalten, ergänzt und in die neue Gestaltung integriert. Ziel ist es, die unterschiedlichen Zeitschichten des Ortes sichtbar zu belassen und behutsam weiterzuerzählen.
Im Bearbeitungsbereich C wird der bestehende Anleger in eine größere Aufenthaltsplattform integriert, wobei die für die Schifffahrt notwendigen Elemente bestehen bleiben. Die historische Treppenanlage bleibt erhalten und wird durch gezielte Öffnungen in der Mauer barrierearm erschlossen. Auch die japanischen Zierkirschen als symbolträchtige Schenkung bleiben erhalten; einzelne Exemplare werden durch Großbaumverpflanzungen neu positioniert und dadurch stärker inszeniert.
Klimaanpassung und Biodiversität
Der wertvolle Baumbestand bleibt bis auf wenige notwendige Eingriffe erhalten und bildet die Grundlage eines klimaresilienten Freiraums. Durch die Sicherung und Ergänzung bestehender Grünstrukturen werden die positiven mikroklimatischen Effekte der Vegetation langfristig gesichert und gestärkt.
Besonders die Uferzonen werden als sensible Naturräume entwickelt. Eine klare Zonierung trennt ökologisch hochwertige Bereiche von intensiv genutzten Aufenthaltsflächen. Dem Ufer vorgelagerte bepflanzte Inseln dienen als Wellenbrecher, schützen vor Erosion und schaffen zugleich Rückzugs-, Brut- und Versteckmöglichkeiten für Tiere.
Ansaatflächen mit standortangepasstem Regionalsaatgut erhöhen zusätzlich die Biodiversität und fördern robuste, pflegearme Vegetationsstrukturen. Ergänzende Neupflanzungen erfolgen gezielt mit klimaresilienten Arten, um die Widerstandsfähigkeit des Freiraums gegenüber zukünftigen klimatischen Veränderungen dauerhaft zu sichern.
Entwässerung und Regenwassermanagement
Anfallendes Niederschlagswasser wird weitgehend vor Ort zurückgehalten. Große Teile des Regenwassers versickern direkt über offene und wasserdurchlässige Oberflächen. Ergänzend wird ein Teil des Wassers in Zisternen gespeichert und zur Bewässerung der Vegetationsflächen genutzt. Dadurch wird der natürliche Wasserkreislauf gestärkt und die Belastung der Kanalisation reduziert.
Materialien und Pflanzenverwendung
Grundlage des Materialkonzeptes ist der Erhalt und die Wiederverwendung vorhandener Materialien. Rückgebautes Material wird nach Möglichkeit vor Ort weiterverwendet und in neue Gestaltungselemente integriert.
Die neuen Materialien sind robust, langlebig und nachhaltig. Holzplattformen schaffen eine warme und naturnahe Atmosphäre auf dem Wasser, während Stahlkonstruktionen eine dauerhafte und designprägende Ergänzung bilden. Sämtliche neuen Wegeoberflächen werden offenporig beziehungsweise wasserdurchlässig ausgebildet.
Die bestehende Vegetation bleibt bis auf minimalte Eingriffe erhalten und wird durch klimaangepasste Gehölze ergänzt. Unterschiedliche Regionalsaatgutmischungen reagieren auf die jeweiligen Standortbedingungen, fördern die Artenvielfalt und reduzieren gleichzeitig den langfristigen Pflegeaufwand.
Leitsystem und Erinnerungskultur
Das Leitsystem verbindet Orientierung, Geschichte und Landschaft zu einem zusammenhängenden Erlebnisraum. Entlang der oberen Wegeführung markieren farbige Stahlplatten die Zugänge zum Wasser und weisen zugleich auf Sackgassen oder Durchwegungen hin. Ergänzende Informationstafeln greifen im gleichen Farbkanon historische Themen sowie die bedeutenden Villenstandorte auf, entlang des Ufers informieren sie zudem über verschiedene Naturräume.
Im ehemaligen Grenzstreifen bleibt die Geschichte des Ortes bewusst ablesbar. Ein Band aus Cortenstahl zeichnet den Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer nach. Ergänzende Stelen im Format von Mauerscheiben verweisen auf die historische Bedeutung des Ortes und schaffen punktuelle Erinnerungsorte entlang des Weges.
Auf dem Wasser dienen die Holzplattformen als klar erkennbare Ankerpunkte für Paddler und Wasserwandernde. Die zugehörigen „Leuchttürme“ sind durch ihre Farbgebung den jeweiligen Anlegepunkten zugeordnet und bereits aus größerer Entfernung sichtbar. Als zurückhaltend beleuchtete Farbpunkte geben sie Orientierung in den Abendstunden, ohne Flora und Fauna durch starke Lichtemissionen zu beeinträchtigen.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Durch die Konzentration der Eingriffe auf wenige, präzise gesetzte Maßnahmen sowie den weitgehenden Erhalt bestehender Strukturen werden die verfügbaren Mittel gezielt in hochwertige und langlebige Bauteile investiert. Robuste Materialien und eine reduzierte Formensprache sichern eine wirtschaftliche Umsetzung und langfristige Beständigkeit.
Pflegearme Vegetationsflächen wie Blumenwiesen und extensive Ansaaten reduzieren dauerhaft die Unterhaltskosten gegenüber intensiv zu pflegenden Pflanzungen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Klimaanpassung.
Barrierefreiheit
Die Zugänge zum Wasser werden nach Möglichkeit barrierearm gestaltet und mit gut nutzbaren Oberflächen ausgestattet. Insbesondere im Bereich C – zwischen Bahnhof und Schiffsanleger – wurde aufgrund der hohen Besucherfrequenz eine barrierearme Erschließung des Ufers vorgesehen.
Die dort angeordnete Rampe verbessert zugleich die Zugänglichkeit für Wassersportlerinnen und Wassersportler sowie die Nutzbarkeit für ansässige Bootsverleiher. Damit entsteht ein inklusiver und für unterschiedliche Nutzergruppen zugänglicher Freiraum am Wasser.
Downloads
- Ansichten der Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten