Verfasser: Stephan Buddatsch
Mitarbeitende: Vanessa Baltes, Karla Maria Pérez Gomez, Martin Villegas
Wasserbau und Wasserwirtschaft: DAHLEM Beratende Ingenieure GmbH & Co., Berlin
Erläuterungstext
Konzept
Entlang des Griebnitzseeufers entsteht ein Band mit ruhigen, naturnahen Aufenthaltsorten, im Wechsel mit aktiven Erlebnisbereichen. Es dient der Wiederherstellung der ursprünglich durchgehenden Wegeverbindung am Ufer. An drei ausgewählten Uferabschnitten mit unterschiedlichem Charakter werden beispielhafte Lösungen für die Umsetzung der zukünftigen Ufergestaltung aufgezeigt. Durch eine behutsame Gestaltung des Bestands werden die vorhandenen landschaftlichen Struk¬turen erhalten, gezielt ergänzt und der Charakter sowie die Geschichte des Ortes betont. Bei der Ufernutzung wird auf eine sensible Balance zwischen privaten Gärten und öffentlich zugänglichen Uferabschnitten geachtet.
Wesentliches Thema ist das Element Wasser und der Wassersport auf dem Griebnitzsee.
Umgang mit der vorhandenen Topographie
Das Gelände ist von Topographie geprägt. Die angrenzenden Villengrundstücke und die Erschließungsstraßen liegen gegenüber dem Ufer deutlich erhöht. Treppen und Rampen werden als besondere Gestaltungselemente inszeniert und führen zum Wasser. Die „Blaue Spur“, ein Leitsystem, markiert die Zugänge. Geneigte Rasen- und Wiesenflächen können zum Picknicken und als Liegewiesen genutzt werden. Die Gestaltung spielt mit der Topographie und integriert neue Nutzungen in das bestehende Gelände.
Materialien/ Oberflächen
Der Entwurf sieht einen zurückhaltenden Materialeinsatz und einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand vor. Prägendes Element sind Holzkonstruktionen. Stege, Podeste und Sitzelemente verbinden die Bereiche harmonisch miteinander und schaffen verschiedene Aufenthaltsorte und Nutzungsmöglichkeiten. Hauptwegeabschnitte mit stark bewegter Topographie werden aus Asphalt mit Possehlbeschichtung ausgebildet. Die landschaftlich geprägten Uferwege werden mit wassergebundener Decke befestigt. Die seitlichen Wegeeinfassungen bestehen aus einem Doppelläufer aus Großsteinpflaster. Analog dem Mauerweg werden punktuelle Metallmarkierungen mit der Bezeichnung „Postenweg“ integriert.
Ausbildung der Ufer
Das bestehende Ufer wird soweit wie möglich erhalten. Im Bereich C sowie am zukünftigen Sportbootanleger ist eine Erneuerung der Ufereinfassung mit Spundwand und Wasserbausteinen vorgesehen. Im Bereich A und B werden punktuelle Stege in den Flachwasserbereich geführt.
Leitsystem
Das Leitsystem, die „Blaue Spur“, erscheint entlang des Uferwegs als wiederkehrende Installation aus 2 bis 3 Meter hohen, blauen Metallstelen. Die Farbgebung verweist mit „Preußisch Blau“ auf die historische Identität Potsdams und die benachbarten preußischen Schlossanlagen (Schloss Babelsberg). Gleichzeitig bildet Blau einen Kontrast zur orangefar-benen Kennzeichnung des Berliner Mauerwegs, der abschnittsweise mit dem Uferweg zusammenfällt. Verschiedene Höhen und Ausrichtungen der Stelen erinnern an Wellenbewegungen. Die Elemente werden durch Textfelder oder Informationstafeln ergänzt und markieren Zugänge, Aufenthaltsorte und Blickpunkte entlang des Weges. Sie dienen zugleich als Merkzeichen Richtung See und markieren Anlegemöglichkeiten für Boote und SUPs.
Bepflanzung und Ausstattung
Es wird eine strukturreiche Bepflanzung aus heimischen, standortgerechten Arten verwendet, die sich in den einzelnen Abschnitten wiederholt. In ufernahen Bereichen bis in die Flachwasserzone finden sich Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) und Wasserdost (Eupatorium cannabinum). An Gehölzübergängen und Waldrandbereichen bestehen die Stauden- und Gehölzrandpflanzungen aus Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Kriechendem Günsel (Ajuga reptans), Großer Sternmiere (Stellaria holostea), Wald-Segge (Carex sylvatica), Akeleien (Aquilegia), Nesselblättriger Glockenblume (Campanula trachelium), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Gefleckter Taubnessel (Lamium maculatum), Knotigem Braunwurz (Scrophularia nodosa) und Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Hartriegel (Cornus), Schneeball (Viburnum) und verschiedene kleinwüchsige Weidenarten setzten Akzente am Ufer.
Teil A
Im Nord-Westen bildet ein naturnaher Uferpark mit weiten Lichtungen und Blickbeziehungen zum Griebnitzsee den Auftakt. Stegartige Holzplattformen führen im Zickzack durch einen ausgelichteten Baumhain parallel zum Ufer. Sie dienen als alternativer Weg, Sitz-, Spiel- und Liegefläche sowie als Aufenthaltsort für verschiedene Nutzungen. Punktuell ergänzte Rückenlehnen und Picknicktische bieten Aufenthaltsmöglichkeiten für jedes Alter.
An einer Stelle führt die Holzplattform aus dem schattigen Waldhain hinaus über das Wasser und eröffnet einen freien Blick auf den Griebnitzsee. Dieser Bereich dient zugleich als Aussichtspunkt und Anlegestelle für den Wassersport.
Die bestehende Lichtung im westlichen Bereich bleibt erhalten und wird durch Waldvergissmeinnicht an den Rändern akzentuiert. Ergänzend entsteht zwischen den Bäumen eine gestufte Unterpflanzung aus heimischen Schatten- und Waldsaumarten. Während die Pflanzung am See niedrig und locker bleibt, verdichtet sie sich im mittleren Bereich zu einer robusten Krautschicht und bildet zur Liegewiese hin einen strukturreichen Saum mit einzelnen Strauchgruppen. Damit werden Laufwege gelenkt, offene Bodenstellen geschlossen und zusätzliche Lebensräume für Insekten sowie boden- und buschbrütende Vogelarten geschaffen, ohne die Offenheit der Rasenflächen und die Blickbeziehungen zum Wasser zu beeinträchtigen.
Teil B
Teilbereich B inszeniert den bisher unscheinbaren Zugang zum Seeufer. Eine Abfolge von blauen Stelen markiert den Weg und führt die Besucher zum Wasser. Dort entsteht ein ruhiger Aufenthaltsbereich mit Sitzmöglichkeiten und vorgelagerten Pflanzflächen. Ein Steg mit Stufen führt auf eine Plattform mit Sitzkante auf dem Wasser.
Teil C
Hier entsteht ein Eingangsplatz im Übergang zu S-Bahn. Ein dient als Treffpunkt und Wartebereich. Eine bestehende Treppe, begleitet von japanischen Zierkirschen, führt zu einem weiteren neuen Platz am Wasser. Eine zweistufige Sitzanlage verblendet die bestehende Mauer und bietet Aufenthaltsmöglichkeiten. Entlang des Ufers angeordnete Callisthenics- Elemente und Hängematten sollen vor allem Jugendliche und Studenten ansprechen.
Am Eingangsplatz werden ergänzende Baumpflanzungen aus Zierkirschen und Gleditschien sowie ein naturnahes Gräser- und Staudenbeet vorgesehen.
Die Uferkante wird in diesem Abschnitt erneuert. Neben dem zu erhaltenden Anlegesteg werden Holzplattformen ergänzt, die als Aufenthaltsbereiche sowie als Anlegestelle für Boote dienen. Die Oberfläche besteht aus Natursteinpflaster und wassergebundener Decke.
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