Anlass und Ziel
Entlang des ehemaligen Mauerverlaufs soll perspektivisch ein durchgehender Uferweg mit öffentlich gestalteten Freiräumen reaktiviert beziehungsweise neu umgesetzt werden.
Ein Uferweg und die Gestaltung der bereits öffentlich zugänglichen Bereiche würde der Bevölkerung und Ausfluggästen einen attraktiven, landschaftlich reizvollen Freiraum am Wasser erschließen. Im Realisierungsteil sollen drei neue Freiräume am Wasser mit unterschiedlichen Qualitäten entstehen.
Der Wettbewerb soll übertragbare Gestaltungsideen für den gesamten Uferbereich hervorbringen – insbesondere für die Themenfelder Durchwegung, Erleben von Wasser und Landschaft, historische Bezüge, Leitsystem, Bepflanzung und Ausstattung. Dabei sind die Belange des Natur- und Artenschutzes ebenso zu berücksichtigen wie Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität.
Von den Teilnehmenden wurden kreative und zugleich umsetzbare Vorschläge erwartet, die eine Balance zwischen ökologischen, sozialen und gestalterischen Anforderungen herstellen.
In der Vergangenheit wurden mehrere Versuche unternommen, die öffentliche Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Uferbereiche bauleitplanerisch zu sichern. In den Jahren 2009 und 2019 waren Normenkontrollklagen erfolgreich; die jeweiligen Bebauungspläne (B-Plan Nr. 8 „Griebnitzsee“, B-Plan Nr. 125 „Uferzone Griebnitzsee“) wurden damit für unwirksam erklärt. Im September 2021 wurde der Aufstellungsbeschluss für den neuen B-Plan Nr. 174 „Griebnitzseeufer“ gefasst. Im nächsten Schritt wird der Vorentwurf erarbeitet.
Die Ergebnisse des Wettbewerbs sollen anschauliche Bilder einer möglichen Gestaltung der Freiflächen liefern und das abstrakte Planungsrecht für die Öffentlichkeit verständlich und überzeugend unterstützen. Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative und tragfähige Lösungen zu entwickeln, Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu schaffen und den Weg für einen rechtskräftigen Bebauungsplan zu unterstützen.
Nach Abschluss des Verfahrens werden die Ergebnisse öffentlich ausgestellt. Damit wird der Prozess transparent und nachvollziehbar gestaltet – ein wichtiger Schritt hin zu einem gemeinschaftlich getragenen und qualitätvoll gestalteten Freiraum am Ufer des Griebnitzsees.
Das Wettbewerbsgebiet
Das Gebiet liegt im Stadtteil Babelsberg Nord in stadtrandnaher Lage und umfasst rund 5,1 km². Die Bebauung des Südufers geht auf die Villenkolonie Neubabelsberg des späten 19. Jahrhunderts zurück und prägt bis heute das Bild eines hochwertigen, historisch gewachsenen Wohngebiets. Von besonderer Bedeutung ist die Lage östlich der historischen Park- und Gartenanlagen.
Der Griebnitzsee ist ein rund 3 km langer, etwa 250 m breiter und 4 m tiefer See. Die Lage am Wasser bietet eine hohe Aufenthaltsqualität und ist ein unverzichtbarer Teil des Erholungsraums im Stadtgefüge. Im Umfeld steht nur begrenzt öffentlich zugänglicher Grünraum zur Verfügung. Viele Uferabschnitte befinden sich in Privatbesitz oder sind durch diesen blockiert. Hierdurch ist der Zugang zum Wasser eingeschränkt.
Der Berliner Mauerweg folgt dem Verlauf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Am Griebnitzsee verlief die Grenze in der Mitte des Gewässers. Entlang des Weges sind denkmalgeschützte Mauerrelikte erhalten, begleitet von Infostelen mit Fotografien, Texten und Kurzbiografien der Opfer, die an die Zeit der deutschen Teilung, an den Bau und Fall der Berliner Mauer sowie an die Verstorbenen entlang der Grenze erinnern.
Das Wettbewerbsgebiet besteht aus deinem konzeptuellen Ideenteil sowie aus drei Realisierungsflächen:
Der naturnahe Realisierungsteil A liegt im Westen des Wettbewerbsgebiets am südwestlichen Ende des Griebnitzsees. Er erstreckt sich vom Verbindungskanal zur Havel bis auf Höhe des Landesinstituts Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung – Pädagogisches Zentrum Potsdam – und umfasst rund 15.800 m².
Der schmale Realisierungsteil B liegt etwa in der Mitte des Griebnitzsees. Er befindet sich zwischen den Grundstücken der Gebäude Virchowstraße 41 und 43. Dieser öffentliche Zugang zum Ufer ist für Ortsfremde schwer erkennbar. Er umfasst einen Weg, der an der Wasserkante endet. Die 830 m² große Fläche weist ein starkes Gefälle von 8 m auf, das mit einer Treppenanlage überwunden wird.
Der städtisch geprägte Realisierungsteil C liegt im Umfeld des S-Bahnhofs Griebnitzsee und umfasst eine Fläche von rund 3.800 m². Der Höhenunterschied zwischen Ufer- und Straßen-niveau wird mit einer Treppe überwunden. Der S-Bahnhof Griebnitzsee bildet einen wichtigen Umstiegspunkt zwischen S-Bahn, Regionalbahn und Busverkehr.
Aufgabenstellung
Wettbewerbsaufgabe in den Realisierungsteilen ist die Entwicklung von Freiflächengestaltungen für drei ausgewählte Grundstücke (A, B, C) mit unterschiedlichen Funktionen und Charakteren im Hinblick auf ein schlüssiges Gesamtkonzept für das Südufer.
Im Ideenteil steht die in Natur- und Kulturraum eingebundene Erschließung entlang des Ufers im Vordergrund. Angestrebt wird weniger eine intensive Nutzung als eine maßvolle Öffnung für die Bevölkerung. Die Konzepte müssen auf mögliche Sorgen der Anwohnenden (z. B. Lärm, Einblicke, Einbruch) eingehen und Lösungen für eine verträgliche Zugänglichkeit aufzeigen.
Darüber hinaus sind Ideen für ein Leitsystem zu entwickeln, das die Zugänge vom Straßenraum, die Anlegestellen von der Seeseite sowie die Geschichte des Ortes sichtbar machen.
Gesucht werden robuste, zukunftsfähige Gestaltungsideen, die eine zeitgemäße Freiraumqualität bieten, Vorschläge für einen durchgängige Gestaltung schaffen und das Erleben von Wasser, Landschaft und Geschichte ermöglichen.
Art des Verfahrens
Der Wettbewerb wurde als ein VGV-Verfahren mit vorgelagertem nichtoffenen Planungswettbewerb nach RPW 2013 durchgeführt. Dem Wettbewerb ging ein Teilnahmewettbewerb voraus. Der Wettbewerb richtete sich an Landschaftsarchitekten. Eine Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus dem Bereich Szenografie/Design/Kommunikationsdesign/Kunst/vergleichbare Arbeitsfelder sowie Wasserbauingenieurswesen wurde empfohlen.
Das gesamte Wettbewerbsverfahren bleibt bis zum Abschluss anonym. Im Anschluss an das Wettbewerbsverfahren wird gemäß § 14 Abs. 4 Ziff. 8 VgV ein Verhandlungsverfahren durchgeführt.
Ausloberin
Landeshauptstadt Potsdam
Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt
Fachbereich Klima, Umwelt und Grünflächen
Bereich Grünfläche
Hegelallee 6-10, Haus 1
14467 Potsdam
Vorbereitung, Durchführung u. Koordination
gruppe F | Freiraum für alle GmbH
Lützowstraße 102–104
10785 Berlin
Termine
| Ausgabe der Wettbewerbsunterlagen | 12.03.2026 |
| Rückfragenkolloquium | 24.03.2026 |
| Abgabe Wettbewerbsarbeiten | 28.05.2026 |
| Preisgerichtssitzung | 02.07.2026 |
| Ausstellungseröffnung | 26.08.2026 |
Preisgericht
Fachpreisrichtende
Till Rehwaldt, Dresden
Rehwaldt Landschaftsarchitekten
Mitglied im Gestaltungsrat Potsdam
Gero Heck, Berlin
relais Landschaftsarchitekten Heck
Mommsen PartGmbB
Heike Roos, Weimar
RoosGrün Landschaftsarchitektur und
Stadtplanung
Konstanze Wegwerth, Potsdam
AG Protzmann + Wegwerth
Prof. Dr. Axel Klausmeier
Stiftung Berliner Mauer
Prof. Dr. Stefanie Bremer, Bremen
Hochschule Bremen
Mitglied im Gestaltungsrat Potsdam
Rüdiger Dittmar, Leipzig
Amt für Stadtgrün und Gewässer Leipzig
Stellvertretende Fachpreisrichtende
Prof. Karin Flegel, Potsdam
Professorin für Stadtgeschichte Potsdam
Sachpreisrichtende
Bernd Rubelt, Landeshauptstadt Potsdam
Geschäftsbereichsleitung Bauen,
Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt
Elisabeth Hartleb, Landeshauptstadt Potsdam
Uferwegebeauftragte
Lars Eichert
Stadtverordneter Potsdam
Andrea Müller, Landeshauptstadt
Bereichsleitung Stadtraum Südost
Stellvertretende Sachpreisrichtende
Christina Reisse, Landeshauptstadt Potsdam
Arbeitsgruppe kommunale Freianlagen
Das Preisgericht tagte am 02. Juli 2026.
Nach zwei Wertungsrundgängen hat das Preisgericht beschlossen, die in der Auslobung vorgesehene Verteilung der Preisgelder und Rangfolge beizubehalten und einen ersten, zweiten und dritten Preis sowie zwei Anerkennungen zu vergeben. Das Preisgericht hat der Ausloberin empfohlen, die Verfassenden des 1. Preises mit der weiteren Bearbeitung der Planungsaufgabe mit dem Ziel einer Realisierung zu beauftragen.
Wettbewerbsergebnis
1. Preis - Arbeit Nr. 1079 - 31.000 €
bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin
Ulrike Böhm, Katja Benfer, Cyrus Zahiriahi
2. Preis - Arbeit Nr. 1078 - 20.000 €
Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitektur und Stadtplanung, Hannover
Irene Lohaus
Mitarbeitende: Christopher Breuer, Thoms Steinborn, Dea Karaguni
Visualisierung: Paul Trakis
3. Preis - Arbeit Nr. 1072 - 12.000 €
Atelier Loidl GmbH, Berlin
Martin Schmitz
Mitarbeitende: Ziad Sayeed, Josie Moer, Lucas Päth
Szenografie:Holzer Kobler Architekturen, Berlin mit Simone Haar, Janine Aschenbrenner
Visualisierung: Rendercircle, Barcelona, mit Christian Marrero
Anerkennung - Arbeit Nr. 1071 - 8.000 €
POLA Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin
Jörg Michel
Mitarbeitende: Théo Pietronave, Stefan Weber, Frauke Janetzko, Anton Skoruppa,
Fabiha Fairooz, Karen Brix
Anerkennung - Arbeit Nr. 1075 - 8.000 €
Arge JUCA x LAMA (Juca Brücker Fickinger Partnerschaft mbB und Landschaftsmanufaktur), Berlin
Judith Brücker, Katja Erke
Mitarbeitende: Carolin Fickinger, Laura Fuhrmann, Ewa Heider, Thomas Reimann, Milan von Moeller, Maira Kuper
Wettbewerbsteilnehmende
Engere Wahl - Arbeit Nr. 1076
A24 Landschaft Berlin
Jan Grimmek, Steffan Robel
Mitarbeitende: Xinyi Wang, Xuan Yi
Visualisierung: A. Calitz Visual mit Adrian Calitz
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1084
Lml LEVIN MONSIGNY LANDSCHAFTSARCHITEKTEN PartGmbB, Berlin
Axel Hermening
Mitarbeitende: Peter Young, Julia Krajnik, Christiane Wetzel
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1083
Planstatt Senner GmbH, Überlingen
Johann Senner
Mitarbeitende: Thilo Nerger, Hao Ding, Lydra Hoxha, Tatiana Mukhina, Pia Bettancourt, Ezgi Akpinar
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1082
Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten,
Dresden
Ulrich Krüger
Mitarbeitende: Luise Schauer, Pavlina Gleinig, Johannes Werner, Ulrich Stolz
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1081
RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn
Stephan Lenzen
Mitarbeitende: Jialing Zhang, Theresa Herrmann, Sabelo Jeebe
Visualisierung: Christian Marrero
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1080
Rudolph Langner - Station C23, Leipzig
Sigrun Langner
Mitarbeitende: Michael Rudolph, Luisa Mann, Paula Johanna Oeltze, Beatrice Puschkarski, Susanne Heimrich, Till Pulst, Agnes Müller, Lucie Rohe
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1077
YEWO LANDSCAPES GmbH, Wien (AT)
Dominik Scheuch
Mitarbeitende: Nadine Nachmann, Dominic Penker, Anita Damanshokoh, Vera Lenger
Kunst, Architektur, Wissenschaft: Dusts institute, Wien mit Adam Hudec, Natália Štundová
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1074
TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin
Stephan Buddatsch
Mitarbeitende: Vanessa Baltes, Karla Maria Pérez Gomez, Martin Villegas
Wasserbau, Wasserwirtschaft: DAHLEM Beratende Ingenieure GmbH & Co. Wasserwirtschaft KG, Berlin
2. Rundgang - Arbeit Nr. 1073
Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
Franz Reschke
Mitarbeitende: Johanna König, Ana Belusa, Leander Stiemerling, Felix Ridder
Ökologie und Wasserbau: Landschaft Planen Bauen GmbH, Berlin mit Uli Christmann
Beleuchtung: Anselm von Held, Berlin mit Anselm v. Held
Szenografie/Leitsystem: Franke | Steinert GmbH, Berlin mit Frank Steinert
Visualisierung: Pikka pekkane, Berlin mit Claudia Köllner
Downloads
- Flächenkulisse am Griebnitzsee mit Realisierungsteilen A - C
- Wettbewerbsdokumentation Freiflächen am Griebnitzsee Potsdam