1. November 2011, 19 Uhr
Bert Haanstra 1916/1997: Kurzfilme
Spiegel van Holland (9 min.)
Beinahe niemand hatte etwas von Bert Haanstra gehört, bis sein Film „Spiegel van Holland" 1951 auf dem Filmfestival in Cannes den Grand Prix für den besten Kurzfilm gewann. Vermittelt über das Element Wasser lenkt Haanstra den Blick auf eine verträumte Niederlande. Bei den Aufnahmen hielt er die Kamera verkehrt herum und danach stellte er die Bilder im Film wieder aufrecht. Dadurch sehen wir die Wasserkante wie „gewohnt", aber verformt durch die Wellenbewegung des Wassers. „Spiegel van Holland" wurde so ein modern anmutender experimenteller Film.
En de zee was niet meer (Und die See war nicht mehr) (24min.)
Als die Zuiderzee 1932 durch die Vollendung des Abschlussdeichs ins IJsselmeer, einen Binnensee, verwandelt wurde, war das erst der Anfang. Mitte der 50-er Jahre wurde Polder für Polder trockengelegt und weitere Einpolderungen waren in Vorbereitung. Fischerdörfer wie Bunschoten, Spakenburg, Harderwijk, Volendam und Edam gerieten immer mehr in die Klemme. Wenig Wasser zum Fischen würde übrigbleiben und selbst ein Teil der Häfen würde durch den Flevopolder vom Wasser getrennt werden. Die Bewohner sahen ein Ende ihrer Art zu leben kommen. Vom Ministerium für Bildung, Kunst und Wissenschaften erhielt Bert Haanstra den Auftrag festzuhalten, was die Folklore längs des Ijsselmeers ausmachte. Er geriet tief unter den Eindruck der Emotionen, die er bei den Bewohnern des Küstenstreifens antraf und schuf mit „En de zee was niet meer" ein Denkmal dieser untergehenden Kultur.
Delta Phase 1 (20min.)
Das Absperren von Veerse Gat mit einem Senkkasten-Damm war nach dem Bau eines Sturmflutdeiches in der holländischen IJssel das nächste Vorhaben der Deltawerke. Haanstra brachte das Anlegen dieses Dammes auf eine unterkühlte, aber dadurch desto eindringlichere Weise ins Bild. Er zeigte eine Niederlande, die fest entschlossen an ihrer Zukunft wirkt, nicht durch Aufnahmen heroischer Arbeiter vor bewölktem Himmel, sondern durch nüchternes
Registrieren dessen, wie die Fachleute in aller Einfalt ihre Arbeit tun. Das Werk selbst war beeindruckend genug. Haanstra hat zwar auch ein Auge für die Fischer von Veere, die dem Deich weichen mussten, abr in seinem Film wird Zeeland doch eine schöne Zukunft vorgespielt.
Glas (11min.)
Mit „Glas" wurde Haanstra 1959 erster niederländischer Oscar-Gewinner. Dieser „freie" Kurzfilm, in den Glasfabriken von Leerdam und Schiedam aufgenommen, zeigt, wie Glasbläser ihre Arbeit tun. Aber mit den durch Haanstra prächtig montierten Ballett arbeitender Hände und der Aufeinanderfolge mechanischer Bewegungen der Maschinen, ist es vor allem ein filmisches Glanzstück. Dass die Industrie das nicht ohne den Menschen kann, zeigt die Szene, wo wir die Stimme von Haanstra selbst die Flaschen auf einem Fließband zählen hören, bis eine Flasche zerbricht. Eddy van Enden stand hinter der Kamera, die Bilder wurden unterstrichen durch die Jazzmusik von Pim Jacobs. Mehr als 1000 Filmkopien von „Glas" gingen um die Welt und der Film blieb all die Jahre Lehrstoff an Filmakademien in vielen Ländern.
Dazwischen niederländische Leckerbissen.Alle Filme sind in niederländischer Sprache.
Der Eintritt ist frei.
Ort der Veranstaltung:
Jan Bouman Haus
c/o Förderverein zur Pflege niederländischer
Kultur in Potsdam e.V.
Mittelstraße 8
14467 Potsdam
Telefon: 0331 280 37 73
Telefax: 0331 280 58 72
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