2. Wertungsrundgang

Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH (Arbeit Nr. 1073)

Verfasser: Franz Reschke
Mitarbeitende: Johanna König, Ana Belusa, Leander Stiemerling, Felix Ridder
Ökologie und Wasserbau: Landschaft Planen Bauen GmbH - Berlin, Uli Christmann 
Beleuchtung: Anselm von Held - Berlin, Anselm v. Held
Szenografie/Leitsystem: Franke | Steinert GmbH - Berlin, Frank Steinert
Visualisierung: Pikka pekkane - Berlin, Claudia Köllner

Erläuterungstext

"Fenster zum See" – Freiflächen am Griebnitzsee, Potsdam

Perspektive aus dem Wettbewerbsergebnis für Griebnitzsee
© Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH

Annäherung und Leitbild

Bei der Gestaltung der öffentlichen Freiräume am Ufer des Griebnitzsees gilt es verschiedene, maßgebliche Aspekte zu berücksichtigen und trotz ihrer scheinbaren Widersprüchlichkeit zusammenzuführen: Erholungsnutzung, Ökologie und Geschichtserleben. Die Vergangenheit und Gegenwart des Ortes ist allein in den letzten 100 Jahren sehr vielschichtig – Enteignung, Mauerbau und Nachwendezeit. Die Zukunft ist es voraussichtlich ebenfalls, in Zeiten des Klimawandels und der immer intensiveren Beanspruchung knapper werdender Freiräume. Die Wegeführung auf der Trasse des ehemaligen Postenweges minimiert die Eingriffe in den wertvollen Bestand. Die neuen platz- und parkartigen Uferzugänge bündeln die Nutzung. Weite Teile der Uferlinie bleiben unberührt und werden vor einer Übernutzung geschützt. Ergänzt wird dies durch eine erzählerische Ebene der Geschichtsvermittlung.Ausgehend vom dichten Grün entlang des Ufers entsteht eine Sequenz von charakteristischen, sich zum See hin öffnenden, Freiräumen. Der Blick auf den See, das Verweilen auf der Wiese, der Zugang zum Wasser - wird durch den Kontrast zur Dichte der rahmenden Vegetation inszeniert. Entlang des Spazierweges staffelt sich das Bild - vom Hang über die differenzierte Uferzone zur Weite des Sees.

Uferwiese und Postenweg (A)

Die vorhandene Situation an der Wasserstraße besitzt großes Potential hinsichtlich der Schaffung eines attraktiven Freiraums am Ufer und der Verknüpfung mit dem Park Babelsberg gesehen. Durch die selektive und behutsame Entnahme aufgewachsener Gehölze und der Strauchschicht im Uferbereich wird der Blick auf den See deutlich freigestellt. Östlich und westlich bleibt die Strauchschicht erhalten und rahmt den Blick (siehe Abschnitt Ökologie). Die rückwärtig gelegene Wegetrasse des ehemaligen Postenweges, ergänzt um zwei schwellenlose Stichwege (zum Park Babelsberg mit ca. 5% Gefälle bzw. mit ca. 3-4% Gefälle zum Ufer und Anleger) bildet einen Rahmen für das großzügig geöffnete ‚Fenster zum See’. Am Weg angelagert ist ein naturnaher Spielbereich vorgesehen. Das Spielangebot besetzt den schmalen wegbegleitenden Streifen und vermittelt zu den zu schützenden Flächen in der Böschung. Gestalterisch und thematisch passt es sich in den landschaftlichen und naturnahen Bestand ein – unbearbeitete, geschälte Stämme fügen sich zu einer frei interpretierbaren und sehr gut bespielbaren Struktur – halb Nest, halb Höhle, halb Schilfgürtel im Wind... Zwischen Spielbereich und der Uferwiese ist ein beidseitig nutzbarer Bankstandort vorgesehen, der auf kurzem Weg für alle Flanierenden sehr gut erreichbar ist (siehe Abschnitt Details). Darüber hinaus erfolgt eine zurückhaltende wegbegleitende Ausstattung. Die Lage der Vorderlandmauer wird als Plattenband in der Wiese nachgezeichnet und bildet so einen erzählerischen Pfad durch die teils höheren Wieseninseln. Im Nordwesten wird eine schwellenlose Wegeverbindung zum Park Babelsberg herausgearbeitet. Auf der bestehenden Spundwand lädt eine Sitzstufe und ein weiterer Bankstandort zum Ausblicken ein. Das Entrée an der Wasserstraße wird mit einem Pflasterteppich und durch einen Hauptverteiler des Leitsystems (siehe Abschnitt Szenografie) markiert.

Stichweg und Anleger (B)

Der Zugang zum Ufer ist an der Virchowstraße mehr oder weniger unscheinbar. Die Situation besitzt jedoch, am See angekommen, große Qualität. Es werden hier wenige, präzise Maßnahmen vorgeschlagen: Verbesserung der Auffindbarkeit durch ein Ortsschild (‚Villa Goldschmidt‘) und die Gestaltung der Gehweg-Oberflächen hinführend zu einer klar erkennbaren Entréesituation. Der weiterführende Wege- und Treppenlauf bleibt erhalten und wird nur partiell ertüchtigt. Am Ufer bietet der neu errichtete Steg sehr hohe Aufenthaltsqualität und einen weiten Ausblick ohne verstellendes Geländer wasserseitig (durch eine vorgelagerte Sitzstufe) sowie einen direkten Wasserzugang für Sportboote. Die Neupflanzung einer Weide im Nahbereich des Steges, lässt dieses langfristig zu einem besonderen Ort werden.

Platz am Ufer  (C)

Der Platz am Ufer, direkt am Schiffsanleger und direkt am S-Bahnhof Griebnitzsee, bildet einen hochattraktiven Zugang zum See und den Freiräumen entlang des Ufers. Im Bestand bietet der Platz zwar Aufenthalt, aber ‚er erzählt‘ nur bedingt von seiner besonderen Lage direkt auf dem Mauerstreifen. Das Potential Besucher:innen hier mehr über die Geschichte mitzugeben, soll an dieser über eine Freiraumausstellung genutzt werden (siehe auch Abschnitt Szenografie). Die Ausstellung besetzt die rückwärtige Seite des Platzes, der sich ziemlich exakt zwischen der Lage der ehemaligen Vorder- und Hinterlandmauer aufspannt. Die Informationsträger sind dabei unter Augenhöhe gestaltet um den Blick auf den See freizuhalten. Drei neugepflanzte Prunus spenden dem leicht changierenden Belagsteppich aus gebrauchtem und gesägtem Natursteinpflaster und den seeseitig gestellten Bänken attraktiven Schatten . Der Platz wird durch die ergänzende Möblierung, die vertiefende Mauer-Ausstellung und den Versatz des Uferweges an dieser Stelle zur ‚Pause am Fenster‘ – der Blick wendet sich dem See zu. Drei auf der Spundwand aufgesetzte Sitzstufen lassen eine attraktive Situation direkt am Ufer entstehen. Links und rechts des Platzes wird das Ufer ökologisch aufgewertet (siehe Abschnitt Ökologie). Ebenso zur besseren Einbindung und Wahrnehmbarkeit des Platzes trägt die Gestaltung des straßenseitigen Entrées bei. Ein Hauptverteiler empfängt und ein Bankstandort mit sehr gutem Ausblick lädt auch oberhalb der Böschung zur Pause ein. Die Treppe wird erhalten, die Böschung wird um wenige Meter nach Norden verlängert was zu einem verringerten Anteil versiegelter Fläche führt. Der Steg der Schifffahrt wird verbessert angebunden, eine Anpassung der Brüstung an dieser Stelle wäre zu empfehlen.

Details, Bauweisen und Wirtschaftlichkeit

Die teils steilen Parkwege (im Bereich A) werden im Sinne einer ganzjährigen Begeh- und Berollbarkeit als robuste und dauerhafte Asphaltoberfläche ausgeführt bzw. erhalten. Die straßenseitigen Entrées sowie die Bankstandorte sind mit Naturstein gepflastert vorgesehen. Diese setzen Aufenthalt und Bewegung klar strukturiert voneinander ab. Es wird eine robuste und gleichzeitig hochwertige Parkmöblierung basierend auf dem Profil der Potsdamer Bank vorgeschlagen. Diese wird für die verschiedenen Situationen, wie z.B. Spiel, Weg, Platz und Ufer, ausdifferenziert - teils beidseitig, abschnittsweise mit Rückenlehne, unterschiedliche Sitzhöhen. Die Belange der Barrierefreiheit werden berücksichtigt – einschränkend ist dabei die in Teilen nur bedingt veränderliche starke Topografie. An den Übergängen zu Verkehrsflächen erfolgt eine Hinweisgebung taktil und visuell durch die gepflasterten Oberflächen. Fahrradmobilität werden an den einzelnen Ankunftsorten und Einstiegsbereichen in den ufernahen Bereichen auf dem oberen (Stadt-)niveau vorgesehen. Das Budget scheint für die Umsetzung der ersten Maßnahmen in den drei Teilbereichen knapp, aber grundsätzlich ausreichend, wobei bzgl. der Spundwände oder der Gründung der Steganlagen eine belastbare Aussage nur basierend auf weiteren Untersuchungen möglich ist. Bzgl. des Postenweges sollte angestrebt werden, weite Teile der Deckschicht mindestens aber der Tragschicht im Bestand zu erhalten und weiter zu nutzen. Weiterführender Leitgedanke ist es ‚einfach und vernünftig‘ zu bauen und den ressourcenbezogenen Fußabdruck gering zu halten, den Bestand wo möglich und sinnvoll zu integrieren (Mauern und Stufen) sowie mit anfallenden Erdmassen vor Ort umzugehen.

Ökologie und Ressourcen

Die ökologische Konzeption ist integraler Bestandteil des Entwurfes für die öffentlichen Uferfreiräume. Es werden dabei drei wesentliche Schwerpunktbereiche und Themen unterschieden: Flachwasserzonen, Ufermauern und  Böschungsbereiche. Die Flachwasserzonen von Stillgewässern sind ein Hotspot der Biodiversität – so auch am Griebnitzsee. Derzeit weisen die Uferzonen im Wettbewerbsgebiet infolge von Wellenschlag und hoher Nutzungsintensität eine nur begrenzte Naturnähe auf. Der Entwurf sieht dem Ufer vorgelagerte Holzpfahlreihen vor. Diese werden als Pfahlpakete von der Wasserseite eingebaut. Die dadurch entstehenden Flachwasserzonen zwischen Pfahlreihen und aktueller Uferlinie gestalten sich künftig störungsarm (kein Wellenschlag, nicht für Boote erreichbar). Mittels Sand- und Kies-Einbringung werden abwechslungsreiche Flachwasserzonen mit wenigen Dezimetern Wassertiefe hergestellt. Hier sollen Röhrichtbestände durch Initialpflanzungen mit Schilf und Rohrkolben entwickelt werden. Diese Röhrichte stellen wertvolle Kleinhabitate für Jungfische, Brutvögel etc. dar und sorgen auch für eine visuelle Bereicherung. Zudem wird mit der Maßnahme eine fortschreitende Ufererosion verhindert. Die Maßnahmen sind vollumfänglich außerhalb der durch die Schifffahrt genutzten Bereiche vorgesehen. Die bestehenden Spundwände am Ufer im Teilbereich A und C sind gegenwärtig ökologisch wie auch visuell geringwertig. Eine Aufwertung der Wände erfolgt durch eine Begrünung mittels Anbringung von Pflanzkästen. Diese werden so angebracht, dass sie im Kontakt mit der Mittelwasserlinie des Sees stehen. In der Folge bilden sich Wurzelbärte im Wasser aus, die als Mikrohabitat von Fischen und Makrozoobenthos-Organismen genutzt werden. Zudem nutzen Fische die Kästen gerne als Unterstand. Die Bepflanzung erfolgt mit ansprechenden Feuchtstauden wie z.B. Blutweiderich. Spundwandkästen wurden bereits am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal installiert und haben sich im Zuge eines begleitenden Monitorings als ökologisch zielführend erwiesen. Auch für die Steganlage im Bereich B sind ähnliche Maßnahmen sehr gut denkbar. Die mit Laubgehölzen bestockten Böschungen im Bereich A sind aufgrund ihrer starken Neigung empfindlich gegen Übernutzung und Trittbelastungen. Hangparallel angeordnete Schichtholzhecken übernehmen eine Lenkungsfunktion und halten Besucher:innen und deren Hunde davon ab, die Böschungen „querfeldein“ zu betreten. Durch die Verringerung der Trittbelastungen nehmen Bodenverdichtungen ab und die Ausbildung einer naturnahen Krautschicht wird begünstigt. Dadurch können die Böden Niederschlagswasser (v.a. bei Starkregen) besser aufnehmen und die Resilienz der Gehölzbestände wird verbessert. Durch die hangparallele Anordnung wird zudem Falllaub im Hang festgehalten und so der Humusgehalt der Böden vergrößert. Die Schichtholzhecken fungieren als eigene Habitatstruktur, indem sie Nahrung für xylobionte Käfer, Pilze etc. sowie Deckung für Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien bieten. Darüber hinaus wird der wertvolle Baum- und Vegetationsbestand in den drei Teilbereichen weitgehend integriert jund differenziert ergänzt und entwickelt. Der Unterhalt der Wiesenflächen im Bereich A ist extensiv vorgesehen.

Szenografie

Die Freiräume am Ufer des Griebnitzsees sind gleichermaßen Erholungsort und Ausflugsziel der Potsdamer und Berliner Stadtbevölkerung sowie authentisches Zeugnis und erzählerischer Ort der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte für Besuchende aus dem In- und Ausland. Der öffentliche Freiraum bietet die Möglichkeit, zukünftig ‚mehr‘ von dieser Geschichte zu vermitteln. Als Einstieg und zentralem Anlauf- bzw. Informationspunkt ist eine kompakte Freiluftausstellung auf dem Platz am Ufer (S-Griebnitzsee) geplant. Diese ist aus allen Richtungen von weitem sichtbar und durch die an dieser Stelle längere Verweilzeit (Pause, Wartezeit Schifffahrt) gut nutzbar. Wegbegleitend und an den verschiedenen geschichtsrelevanten Orten werden Hinweisschilder – und tafeln eingesetzt. Die Informationsträger bestehen aus gefaltetem Stahl, als Stele oder Pult. Sie sind skalierbar und erlauben so eine Anpassung an ein weiter zu konkretisierendes kuratorisches Konzept. Das Ausstellungsmobiliar ist lackiert gefertigt und wird im Siebdruckverfahren bedruckt. Die Farbigkeit entsteht durch die Materialeigenschaften. Der Siebdruck ist in schwarz geplant. Die Ausstellung wird gestalterisch nach Kriterien des "Design for All“ konzipiert. Für alle Zielgruppen wird ein Angebot gemacht.

Beleuchtung

Die Platzsituation am Schiffsanleger wird, wie auch ggf. weitere urbane Situationen am Ufer zukünftig beleuchtet. Die dabei vorgesehene LED-Technik ist zurückhaltend, langlebig, wartungsarm und energieeffizient. Durch präzise Lichtoptiken werden Lichtemissionen in den Himmel reduziert. Durch die warme Lichtfarbe mit geringem Blauanteil wird die Beeinträchtigung von Insekten minimiert. In der Nacht wird die Beleuchtungsstärke auf ein Mindestmaß reduziert.
Untersuchung Wegeführung im Bereich der Privatgrundstücke - Anhand von vier Beispielen wurde die Einbindung eines geplanten Uferweges im Bereich der Privatgrundstücke skizzenhaft untersucht. Es sind für die Grundstückseinfriedung Heckenpflanzungen mit einer Höhe bis 170 cm und uferseitig transparente Zäune Höhe bis 120 cm oder flache Hecken vorgesehen. Diese können und werden sich durch die weiterführende gärtnerische Gestaltung der Privatgrundstücke sehr gut integrieren. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen entstehen bei einem Neubau des Uferweges nur geringfügige visuelle Beeinträchtigungen des Blicks auf den Griebnitzsee. Durch die geringe Wegebreite mit Bankettstreifen wird die Zerschneidung zusätzlich minimiert. Auf Geländemodellierungen wird verzichtet um weitere Eingriffe in die privaten Grundstücke zu vermeiden.

Der Arbeitstitel ‘Fenster zum See’ beschreibt die Freiräume am Ufer des Griebnitzsees in ihrem Facettenreichtum und in ihrer Nutzungsoffenheit. Eine große Qualität im Bestand und ein noch größeres Potential für die Potsdamer Stadtgesellschaft der Zukunft. Er beschreibt das Wechselspiel der Weite des Horizonts über dem See und der Dichte des Grüns und Baumbestands an seinem Ufer, nahezu nahtlos anknüpfend an den Park Babelsberg. Die neuen Stege, Stufen und Zugänge zum See, die präzise und behutsam aus dem Bestand entwickelten Situationen und Ausblicke am Ufer werden zu einer Sequenz atmosphärischer und erzählerischer Orte verknüpft. Die neuere Geschichte ist Teil der vielschichtigen Erzählung wie auch die ökologische Aufwertung der Uferlinie. Die Freiräume sind für Alle - für den gemeinschaftlichen Alltag der Bürgerinnen und Bürger, für die Besucherinnen und Besucher auf den Spuren der Berliner Mauer, für Fisch- und Vogelfreundinnen und Vogelfreunde.

lml LEVIN MONSIGNY LANDSCHAFTS-ARCHITEKTEN PartGmbB, Berlin (Arbeit Nr. 1084)

Verfasser: Axel Hermening
Mitarbeitende: Peter Young, Julia Krajnik, Christiane Wetzel

Erläuterungstext

Das Südufer des Griebnitzsees besitzt als ehemaliger Grenzraum zwischen Berlin und Potsdam eine besondere landschaftliche, historische und stadträumliche Bedeutung. Der Entwurf versteht diesen sensiblen Uferbereich als offenen Landschaftsraum, der Naturerlebnis, öffentliche Zugänglichkeit und Erinnerungskultur miteinander verbindet. Beispielhaft für die Realisierungsteile ist die Entwicklung einer durchgängigen, atmosphärisch vielfältigen Uferlandschaft mit behutsam eingefügten Aufenthaltsorten am und auf dem Wasser, die ökologische Qualitäten stärkt und zugleich neue Räume für Begegnung, Bewegung und Aufenthalt schafft. Durch zurückhaltende Eingriffe, naturnahe Gestaltung und die behutsame Einbindung historischer Spuren entsteht ein identitätsstiftender Freiraum, der die besondere Atmosphäre des Ortes bewahrt und zukunftsfähig weiterentwickelt.

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee lml LEVIN MONSIGNY LANDSCHAFTS-ARCHITEKTEN
© lml LEVIN MONSIGNY LANDSCHAFTS-ARCHITEKTEN PartGmbB, Berlin

Ideenteil

Der alte Postenweg erhält eine Ergänzung mit einem neuen Gestaltungsmotiv. Ein 1m breiter Streifen aus großformatigen Betonplatten schließt auf der Seeseite an den Asphaltweg an. In einigen Abschnitten werden Lochplatten verlegt, die auf die Anmutung der ursprünglichen Befestigung des Postenweges anspielen. 
Das bereits vorhandene Motiv der Zierkirschenanpflanzungen wird aufgenommen und zur Akzentuierung und zum Wiedererkennungsmerkmal der Wasserzugänge und des Uferwegs weiterentwickelt. Des Weiteren orientieren sich die Stauden-und Gräserpflanzungen, die an den Übergängen der Uferzugänge in den Stadtraum angeordnet werden an der Farbe blau, bläuliche Gräser werden durch wenige Arten blühender Stauden, wie beispielsweise Perovskia (Blaurute) ergänzt.
Dementsprechend ist der östliche Zugang an der Stubenrauchstraße umfassend zu qualifizieren und räumlich von den weiträumigen benachbarten Grundstückszufahrten abzugrenzen. Die sporadisch vorhandenen Zierkirschen werden ergänzt und mit Hecken und Staudenpflanzungen zur landschaftsarchitektonischen Raumbildung gesetzt. Das Uferwegeleitsystem erhält einen prominenten Standort  an Stubenrauchstraße. Der Uferabschnitt hinter dem Mauersegment erhält einen Wasserzugang mit einem Steg auf die Wasserfläche, um die Aufenthaltsqualität auch im Zusammenhang mit dem Spielplatz zu erhöhen.

Die Anbindung des Teilbereichs A an den Babelsberger Park erfolgt unmittelbar entlang des Kanalufers. Im Bereich der historischen Babelsberger Schlossbrücke wird ein an Stahlseilen hängender Steg sensibel an die bestehende Brückenkonstruktion befestigt und ermöglicht eine direkte, wassernahe Wegeführung. Im weiteren Verlauf schließt die Verbindung über einzelne in die Topografie integrierte Treppenstufen an den Parkeingang an der Lankestraße an.

Teilbereich A 

Angrenzend an die Babelsberger Parklandschaft bleibt im Teilbereich A als westlicher Auftakt des Uferraums am Griebnitzsee der prägende naturnahe Charakter erhalten und wird behutsam für die Nutzung erschlossen. Ausgehend vom alten Postenweg führen filigrane Stegkonstruktionen als prägende Gestaltungs- und Nutzungselemente behutsam auf die Wasserfläche hinaus. So wird das Wasser unmittelbar erlebbar, während die natürliche Ufersituation weitgehend unberührt bleibt.
Ein abwechslungsreiches Spiel aus Holzplattformen schafft vielseitige Aufenthaltsangebote für Wasserwanderer und Parkbesucher, ohne die bestehende Uferlinie zu beeinträchtigen. Die Stege und Holzdecks erhalten unterschiedliche Möblierungen, die sich aus der Gestaltung der hölzernen Steglamellen entwickeln. Neben Sitzpodesten entstehen Bank-Tisch-Kombinationen und Sonnenliegen mit unmittelbarem Bezug zum Wasser.
Landseitig ergänzen eine möblierte, überdachte Plattform, eine Sitzskulptur sowie zwei ufernahe Schaukeln das Angebot. Einzelne, entlang der Wege platzierte Bänke fügen sich zurückhaltend in den Landschaftsraum ein und laden zum Verweilen mit Blick auf Wasser und Ufer ein.

Teilbereich B 

Auf der Wasserfläche im Bereich B entsteht in Verlängerung der bestehenden Treppe ein kurzer schwimmender Steg, der das komfortable Zuwasserlassen von Booten und Paddle-Boards ermöglicht. Seitlich ergänzt eine kleine Plattform das Wassererlebnis. Sie dient Wasserwanderern als unkomplizierte Anlegestelle und bietet zugleich einen Ort zum Aufenthalt und Sonnenbaden. 
Um diesen zurückhaltenden Zugang zum Wasser im Stadtraum besser sichtbar zu machen, wird der begleitende Saum aus blauen Stauden- und Gräserpflanzungen bis an den öffentlichen Gehweg herangeführt. So entsteht eine vegetative Geste, die den Zugang räumlich fasst und seine Präsenz im Straßenraum stärkt. Das Motiv der Kirschbäume, das bereits den Spielplatz auf der gegenüberliegenden Straßenseite prägt, wird aufgegriffen und im Längsparkstreifen der Virchowstraße ergänzt. 
Der Betonplattenstreifen, der sonst den Postenweg akzentuiert schneidet hier wahrnehmbar in den Gehwegbereich. Gemeinsam mit der Stele des Uferleitsystems entsteht so ein markanter Auftakt zum Wasserzugang.

Teilbereich C 

Im Gegensatz zum naturnah geprägten Teilbereich A zeichnet sich dieser Abschnitt durch einen urbanen, lebendigen Charakter mit direkter Anbindung an den S-Bahnhof Griebnitzsee und den Schiffsanleger aus. Die Nähe zu Ankunft, Aufenthalt und Bewegung prägt den Ort und verleiht ihm eine offene, belebte Atmosphäre am Wasser.
In Weiterführung des Themas von Stegen und Plattformen ergänzen zwei neue Elemente den Uferraum und intensivieren das Wasser- und Naturerlebnis. Östlich der bestehenden Anlegestelle entsteht ein zusätzlicher Steg als neues Angebot für Wasserwanderer, der ein bequemes und sicheres Einsetzen von Booten und Paddle-Boards ermöglicht und zugleich die vorhandene Uferbefestigung schützt.
Westlich schließt ein neues, schwimmendes Holzdeck an, das über eine großzügige Sitzstufenanlage mit dem Uferplatz verbunden wird. Holzpodeste und Sonnenliegen schaffen vielfältige Aufenthaltsorte direkt am Wasser und laden zum Verweilen ein – mit weitem Blick über den Griebnitzsee.
Der Platz selbst vermittelt zwischen den unterschiedlichen Wegebeziehungen des alten Postenwegs und dem Treppenzugang und bildet einen lebendigen Knotenpunkt am Ufer. Eine Staudenpflanzung akzentuiert den urbanen Charakter des Ortes und schafft zugleich einen gestalterischen Übergang zur neuen Figur des Balkons entlang der Rudolf-Breitscheid-Straße sowie zum S-Bahnhof. Das Motiv der Kirschbaumpflanzungen wird auch hier weiterentwickelt.

Animal Aided Design

Naturnähe und ökologische Qualitäten bilden einen zentralen Baustein der klimaangepassten Freiraumplanung. Insbesondere im Teilbereich A sollen diese Potenziale gezielt gestärkt und weiterentwickelt werden. Gerade in einem naturnahen Uferpark bietet dieser Ansatz besondere Chancen, da Wasser, Vegetation, Übergangszonen und unterschiedliche Mikrohabitate hier auf engem Raum zusammentreffen und vielfältige Lebensräume ausbilden können.
Die geplanten Maßnahmen beziehen sowohl die Land- als auch die Wasserbereiche mit ein. Eine wesentliche Maßnahme stellen die leicht aufgeständerten Gitterroststege dar, welche die Holzplattformen und Aufenthaltsbereiche am Ufer anbinden. Durch ihre filigrane Konstruktion ermöglichen sie einen minimalen Eingriff in sensible Uferzonen und erhalten zugleich die Durchlässigkeit für Vegetation, Wasserbewegung und Kleintiere.
Im unmittelbaren Uferbereich werden flache Uferzonen und bestehende Röhrichtbereiche erhalten, ergänzt und ökologisch aufgewertet. An künstlichen Uferbefestigungen werden naturnahe „Vertical Wetlands“ als lineare Minimalhabitate entwickelt, die zusätzliche Lebensräume für wassergebundene Pflanzen- und Tierarten schaffen. Ergänzend werden an den Ankerketten der Stegkonstruktionen Unterwasserstrukturen ausgebildet, sodass ober- und unterhalb der Wasseroberfläche neue Habitatstrukturen für Fauna und Flora entstehen.
Landseitig ergänzen Benjeshecken, Steinhaufen, Nisthilfen sowie Rückzugsräume für Vogel- und Fledermausarten das ökologische Konzept. Mehrschichtige Vegetationsstrukturen, offene Sandlinsen und feuchte Senken fördern zusätzlich die Biodiversität und schaffen differenzierte Mikrohabitate. Gleichzeitig erfährt das Ufer durch die naturnahe Gestaltung auch atmosphärisch und gestalterisch eine deutliche Aufwertung.
Zur Förderung des Umweltbewusstseins wird das Leitsystem des Uferwegs um ein integriertes Informations- und Darstellungskonzept ergänzt, das ökologische Zusammenhänge, Lebensräume und Artenvielfalt für Besucherinnen und Besucher anschaulich vermittelt.

Schwimmende Stege und Holzplattformen

Die schwimmenden Stege und Holzplattformen sind als robuste, zurückhaltend gestaltete Elemente konzipiert, die den unmittelbaren Zugang zum Wasser ermöglichen und sich zugleich sensibel in den Uferraum einfügen.
Zum Festmachen von Booten sind in die Holzdeckfläche bündig eingelassene, versenkbare Klampen vorgesehen. Diese schließen im nicht genutzten Zustand eben mit der Oberfläche ab und minimieren so Stolperstellen auf den Deckflächen. Seitlich der für das Ein- und Aussetzen von Booten vorgesehenen Stege werden Kielrollen als Sliphilfe integriert. Diese ermöglichen ein materialschonendes Handling von Booten und schonen die vorhandene Uferbefestigung.
Um darüber hinaus der hohen Nutzungsnachfrage aus dem Bootsverleih am S-Bahnhof Griebnitzsee zu entsprechen, wird eine zusätzliche Einstiegshilfe installiert, um dem hohen Nutzungsaufkommen gerecht zu werden. Über eine Stahlkonstruktion mit Haltearmen können Boote komfortabel zu Wasser gelassen und wieder aufgenommen werden. Das Absenken und Anheben erfolgt über ein einfaches Kettenmechanismus-System.
Für die Konstruktion der schwimmenden Stege und Plattformen wird ein modulares Pontonsystem vorgesehen. Die Dimensionierung orientiert sich an den Standardmodulen marktüblicher Hersteller. Die Schwimmkörper bestehen aus recycelbarem Polyethylen mit UV-Stabilisierung sowie hoher Frost- und Witterungsbeständigkeit. Auf den Pontons wird eine Rahmenkonstruktion mit Holzdeckaufbau montiert. Die Verankerung der Anlage erfolgt über Ankerketten am Gewässergrund. Diese Bauweise ermöglicht eine wirtschaftliche Herstellung, flexible Montage sowie einen vergleichsweise geringen Eingriff in das Gewässer.
Die landseitigen Stegabschnitte werden als leicht über dem Gelände schwebende Konstruktionen ausgebildet. Vorgesehen ist eine Gitterrostkonstruktion mit entsprechender Unterkonstruktion aus feuerverzinktem Stahl. Die Treppenanlagen werden aus Betonblockstufen hergestellt und in die Böschungsbereiche integriert. Der Materialwechsel zwischen Stahl, Holz und Beton macht konstruktiv die Übergänge zwischen Gelände, Uferkante und Wasserfläche ablesbar.

Mobiliarfamilie

Neben den Stegen und Plattformen, den wiederkehrenden Vegetationsbildern sowie dem historischen Postenweg bildet das Freiraummobiliar ein wesentliches verbindendes Gestaltungselement entlang des Griebnitzseeufers. Es verknüpft die unterschiedlichen Uferbereiche miteinander und schafft eine gemeinsame gestalterische Identität über den gesamten Landschaftsraum hinweg.
Hierfür werden zwei aufeinander abgestimmte Möblierungsfamilien entwickelt, die auf die jeweiligen räumlichen Besonderheiten reagieren. Die landseitigen Elemente erhalten einen robusten, naturnahen Ausdruck und fügen sich selbstverständlich in den Landschaftsraum ein. Demgegenüber wirken die Möblierungen auf den Stegen und Plattformen leichter und filigraner. Sie entwickeln sich aus der linearen Struktur der Holzlamellen und erscheinen wie selbstverständlich aus der Deckfläche heraus modelliert.
Innerhalb beider Systeme entsteht ein vielfältiges Angebot unterschiedlicher Aufenthaltsformen. Neben Bänken und einfachen Sitzpodesten ergänzen Bank-Tisch-Kombinationen, Sonnenliegen und skulpturale Sitzlandschaften das Nutzungsspektrum. Schaukeln und ein überdachter Aufenthaltsort setzen zusätzliche Akzente und schaffen Orte des Verweilens, der Begegnung und der unmittelbaren Landschaftswahrnehmung am Wasser.

Uferleitsystem

Inhalte zu verschiedenen Informationssträngen werden transportiert, neben der Erinnerungskultur, werden die Wassererlebnis und Aufenthaltsangebote genauso ins Leitsystem aufgenommen wie Informationen zur Naturerfahrung und dem Animal Design.
Das Uferleitsystem am südlichen Griebnitzsee orientiert sich gestalterisch am bestehenden Leitsystem des Mauerwegs und entwickelt daraus eine eigenständige, ortsspezifische Weiterführung. Wiederkehrendes Element ist die Kombination aus Cortenstahl und dem Komplementärblauton zum Orange des Mauerwegfarbtons, der als Leitfarbe den Bezug zum Wasser aufnimmt und die Informationsorte im Freiraum sichtbar markiert.
Die Stelen begleiten den Weg und markieren wichtige Zugänge als zurückhaltende, prägnante Orientierungselemente und bündeln unterschiedliche inhaltliche Ebenen des Ortes. Neben Themen der Erinnerungskultur vermitteln sie Informationen zu Wassererlebnis und Aufenthaltsangeboten ebenso wie Hinweise zu landschaftlichen Besonderheiten oder Naturbeobachtung und Animal Aided Design. So verbindet das Leitsystem Orientierung, Information und atmosphärische Inszenierung und macht die unterschiedlichen Geschichten und Qualitäten des Uferraums entlang des Weges erlebbar.

Ideenteil Typologien A bis D

Die besonderen Anforderungen an den Uferweg im Bereich der privaten Gärten resultieren vor allem aus dem Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Nutzung einerseits und dem Ruhe- und Sicherheitsbedürfnis der privaten Eigentümer andererseits. Hinzu kommt das Interesse beider Gruppen an einem möglichst attraktiven Landschafts- und Ufererlebnis, das Ausblicke zulässt, aber auch Sichtschutz bietet, ohne monoton zu sein.
Bei den Typologien A und B, bei denen sich die Einfriedungen beidseitig des Weges befinden, soll die Gestaltung der Einfriedung einem Wechsel von dichterer Bepflanzung im Bereich privater Sitz- und Aufenthaltsbereiche und einer eher lichten, zurückgesetzten und freien Pflanzung in anderen Bereichen folgen. So lässt sich eine monotone Tunnelwirkung des Uferwegs umgehen. Gleichzeitig können so Ausblicke auf die Wasserfläche gestaltet werden, ohne die Privatheit der Eigentümer einzuschränken. Die wegbegleitenden Zaunanlagen sollen dabei möglichst filigran sein und nicht höher als bis knapp über Kopfhöhe reichen, ohne das Sicherheitsbedürfnis einzuschränken. Attraktive Ausblicke aus den höhergelegenen privaten Gartenbereichen auf den Griebnitzsee werden so offen gehalten. Idealerweise wird dies erreicht, ohne dass der Einschnitt des Uferwegs wahrgenommen wird. An besonderen Orten, öffentlichen Zugängen und Aufweitungen entstehen differenzierte Aufenthaltsmöglichkeiten am und auf dem Wasser, die das attraktive Erholungs- und Ufererlebnis möglich machen.

Typologie A

Ein transparenter Zaun wird beidseits des Uferwegs auf einem niedrigen Sockel platziert. Die Tore auf der Land- und der Uferseite werden nicht in der direkten Achse zwischen Gebäude und Steg platziert, sondern am Grundstücksrand. Eine uferseitige Terrasse wird abgewandt und blickgeschützt vom Tor angeordnet. Der Uferweg entlang des flach ansteigenden Grundstücks wird nur in Teilbereichen mit einer Hecke eingefasst, überwiegend wachsen die Gehölze frei und sind landschaftlich angeordnet. Verschiedene Sitzbereiche lassen sich leicht und geschützt integrieren. Eine Schmuckpflanzung schirmt die Terrasse vor öffentlichen Blicken ab und ermöglicht gleichzeitig einen attraktiven Blick auf den See.

Typologie B

Ein transparenter Zaun wird beidseits des Uferwegs auf einem niedrigen Sockel platziert. Die Tore auf der Land- und der Uferseite werden nicht in der direkten Achse zwischen Gebäude und Bootshaus platziert, sondern am Grundstücksrand. Eine uferseitige Terrasse kann blickgeschützt vom Tor dem Bootshaus zugeordnet werden. Der Uferweg entlang des steil ansteigenden Grundstücks wird nur in Teilbereichen als Hecke eingefasst, überwiegend wachsen die Gehölze frei und sind landschaftlich angeordnet. Sitzbereiche lassen sich durch eine Hangmodellierung integrieren.  Eine Schmuckpflanzung schirmt die Terrasse vor öffentlichen Blicken ab und ermöglicht gleichzeitig einen attraktiven Blick über das Bootshaus auf den See.

Typologie C

Der Uferstreifen wird naturnah ohne Aufenthaltsbereiche gestaltet. Landseitig wird der transparente Zaun auf einem niedrigen Sockel platziert. Das Gartentor wird nicht in der Gebäudeachse platziert, sondern am Grundstücksrand. Eine landschaftliche, frei wachsende Gehölzpflanzung begleitet den Uferweg entlang des steil ansteigenden Grundstücks. Einzelne Heckenkörper staffeln sich versetzt den Hang hinauf und können verschiedene Gartenbereiche vor Einsicht schützen. Eine Schmuckpflanzung schirmt die Terrasse vor öffentlichen Blicken ab und ermöglicht gleichzeitig einen attraktiven Blick auf den See.

Typologie D

Der Uferweg verläuft direkt oberhalb der Uferspundwand.  Dieser vorgelagert werden Vertical Wetlands. Dabei handelt es sich um künstlich geschaffene, lineare Minimalhabitate. Auf diese Weise entstehen sowohl oberhalb als auch unterhalb der Wasseroberfläche neue Lebensräume für Fauna und Flora. Auch gestalterisch erfährt das Ufer in diesen Bereichen damit eine große Aufwertung. 
Landseitig wird der transparente Zaun auf einem niedrigen Sockel platziert. Das Gartentor wird nicht in der Gebäudeachse platziert, sondern am Grundstücksrand. Eine landschaftliche, frei wachsende Gehölzpflanzung begleitet den Uferweg entlang des steil ansteigenden Grundstücks. Aufgrund der Wasserlage des Uferwegs sind der private Gartenbereich und der Abstand zu Aufenthaltsbereichen größer als in den anderen Typologien. Der landseitige steile Anstieg erhöht zudem den Sichtschutz auf die privaten Berieche. Einzelne Heckenkörper staffeln sich versetzt den Hang hinauf und können verschiedene Gartenbereiche vor Einsicht schützen. Eine Schmuckpflanzung schirmt die Terrasse vor öffentlichen Blicken ab und ermöglicht gleichzeitig einen attraktiven Blick auf den See.

Planstatt Senner GmbH, Überlingen (Arbeit Nr. 1083)

Verfasser: Johann Senner
Mitarbeitende: Thilo Nerger, Hao Ding, Lydra Hoxha, Tatiana Mukhina, Pia Bettancourt, Ezgi Akpinar

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee
© Planstatt Senner GmbH

Projekttitel „ZEITSCHICHTEN IM FLUSS – Rhythmus aus Natur, Geschichte und urbanem Leben“
Leitidee:

Der Entwurf formt die Freiflächen am Griebnitzsee zu einer fließenden, barrierefreien Landschaftssequenz, die historische Tiefe mit zeitgemäßer urbaner Freiraumqualität verbindet. Im Zentrum des Ideenteils steht die konsequente Stärkung der räumlichen und funktionalen Konnektivität (Kopplung). Durch das Schließen bestehender Fragmente wird der Berliner Mauerweg als durchgängiges, flanierbares Band reaktiviert.
Gleichzeitig erfolgt eine ganzheitliche funktionale Integration: Die unterschiedlichen Ansprüche von sanftem Tourismus, Alltagserholung und jugendlicher Aneignung werden räumlich entflochten und synergetisch gebündelt.
Ein wesentlicher Pfeiler des Entwurfs ist die aktive ökologische Transformation: Statt rein bewahrendem Naturschutz setzt das Konzept auf produktive Ökosystemleistungen, die das Mikroklima regulieren und den aquatischen Naturraum resilienter gestalten. Das Ergebnis ist ein nachhaltiger, multifunktionaler und hochattraktiver Landschaftsraum, der als identitätsstiftender Ankerpunkt für Potsdam strahlt. Ein einheitlicher Kanon aus nachhaltigen Stadtmöbeln sowie strategisch platzierte Mobilitätshubs (Fahrrad- und E-Scooter-Stationen) an den Hauptzugängen garantieren eine fahrradberuhigte, fußgängerfreundliche Promenade.

Realisierungsteil A: Das inklusive Landschaftsfenster

Der Auftakt des Realisierungsteils A versteht sich als inklusiver, demokratischer Raum für alle Bürger*innen. Bereits beim Betreten des Areals empfängt ein markanter, solitärer Gruß-Baum die Besuchenden und inszeniert im Zusammenspiel mit einer bewussten räumlichen Weitung eine offene Sichtachse über die Wasserfläche. Durch diese städtebauliche Neuordnung wird die funktionale Flexibilität maximiert und die Aufenthaltsqualität signifikant gesteigert.
Im Zentrum dieser Komposition lädt eine großzügige Liegewiese unter neu gepflanzten, im Frühjahr blühenden Kirschbäumen zum Picknicken und Verweilen ein, während ergonomisch geschwungene Sonnendecks auf der Rasenfläche das entspannte Genießen des Panoramas ermöglichen. Weit auskragende, langgestreckte Wasserstege führen die Besuchenden direkt auf den See und eröffnen spektakuläre Blickbeziehungen zum gegenüberliegenden Ufer.
Um diesen Raum für alle gleichermaßen erlebbar zu machen, wird die ehemals steile Böschung in eine sanfte, topografisch komfortable Geländemodellierung überführt, die einen mühelosen, barrierefreien Zugang zum Wasser erlaubt, während am Hauptzugang ein geordnetes Angebot an Fahrrad- und E-Scooter-Stellplätzen für eine saubere Entflechtung der Verkehrsströme sorgt.
Aus ökologischer Sicht werden der wertvolle alte Baumbestand sowie die bestehenden Biotope strikt geschützt. Eine neu etablierte, schilfbasierte Ufer- und Röhrichtvegetation dient als natürliche Filterzone, die durch ihr hohes Retentions- und Reinigungspotenzial einen aktiven Beitrag zur biologischen Wasserreinigung leistet und das aquatische Ökosystem nachhaltig stärkt. Als dramatischer Wendepunkt der Bewegung schließt sich im Norden eine dicht eingegrünte „Secret Terrace“ an – ein intimer Rückzugsort, der als kontemplativer, grüner Winkel das räumliche Erlebnis des Uferwegs harmonisch abrundet.

Realisierungsteil B: Die historische Schwelle

Obwohl die physische Berliner Mauer an dieser Stelle gewichen ist, wird ihre historische Dimension im Realisierungsteil B als prägendes Palimpsest feinsinnig ablesbar gemacht. Die Treppenanlage zum Ufer erhält eine spezifische, kontrastierende Materialität im Bodenbelag, die exakt den ehemaligen Verlauf der Grenzanlagen nachzeichnet. Flankiert von prägnanten Erläuterungsstelen wird der alltägliche Abstieg so zu einem lehrreichen und würdevollen Erinnerungsraum transformiert.
Gleichzeitig erfolgt eine intensive wasserseitige Aktivierung: Im flachen Uferbereich wird die bestehende Steganlage funktional erweitert und skulptural aufgewertet, sodass sie durch integrierte Sitzelemente und erweiterte Plattformen eine hohe Aufenthaltsdichte direkt über dem Wasserspiegel generiert und den geschichtsträchtigen Ort mit neuem urbanen Leben füllt.

Realisierungsteil C: Urbanes Uferplateau & Maritimer Treffpunkt

Der Realisierungsteil C zeichnet sich durch eine dynamische Erschließung aus, deren geschwungene, fließende Linienführung der Wege die hohe funktionale Dichte dieses wichtigen Knotenpunkts mühelos bewältigt. Besuchende können das Ufer wahlweise über eine großzügige, sanft geneigte Rampe (Slow-Motion-Weg) oder über eine direkte Treppenanlage (Fast-Track-Weg) barrierefrei erreichen, was die Kontinuität und Attraktivität des Uferwegs nachhaltig stärkt.
Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Universität, dem S-Bahnhof Griebnitzsee sowie der angrenzenden Gastronomie und Hotellerie ist dieser Bereich stark hochfrequentiert; der Entwurf reagiert auf diese urbane Frequenz mit einem maximalen Angebot an flexiblen Sitz- und Verweiltreppen.
Die großzügigen Aussichtsstiege am Wasser bieten viel Raum zum Flanieren, wobei ein Teilbereich bewusst als temporärer Mini-Anleger konzipiert ist, der den Anwohnern das kurzzeitige Festmachen von Kleinbooten erlaubt. Während der linke Flügel des Plateaus für einen direkten, flexiblen Zugang zur Wasserlinie bewusst offen und unmöbliert bleibt, bildet das intensiv ausgeformte Wassergarten-Ensemble ein besonderes gestalterisches Highlight. Mit seiner wechselnden Blütenpracht und den feuchtigkeitsliebenden Staudenstrukturen fungiert er als visueller Ankerpunkt, der den urbanen Platzraum harmonisiert und das Wohlbefinden der Menschen steigert.

Das Regenwassermanagement wird naturnah im Sinne der Schwammstadt umgesetzt: Niederschläge werden über wasserdurchlässige Beläge, Versickerung in Grünflächen sowie eine ausgeprägte, bepflanzte Übergangszone zwischen Wasser und Land zurückgehalten, gefiltert und verzögert abgeleitet. Feuchteliebende Pflanzen stabilisieren das Ufer, verbessern die Wasserqualität und setzen zugleich gestalterische Akzente, während gezielte Öffnungen Sichtbeziehungen ermöglichen. Ergänzend dienen extensiv gestaltete Uferbereiche und multifunktionale Aufenthaltsflächen als Retentionsräume, insbesondere zur Pufferung von Starkregen. Hochwasserereignisse (HQ100) sind vor allem im Hinblick auf Erosionsschutz und die Widerstandsfähigkeit geplanter Holzstrukturen zu berücksichtigen.

ArRMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (Arbeit Nr. 1081)

Verfasser: Stephan Lenzen
Mitarbeitende: Jialing Zhang, Theresa Herrmann, Sabelo Jeebe
Visualisierung: Christian Marrero

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee ArRMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
© ArRMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

Offenes Ufer: Zwischen See und Garten
Leitidee und Entwurfsidee

Der Entwurf versteht das Südufer des Griebnitzsees als einen Raum, dessen Geschichte noch nicht abgeschlossen ist. Wer heute durch die Lücken des Uferwegs läuft, erlebt unmittelbar die Folgen von Teilung, Privatisierung und ungelöstem Konflikt. Das Konzept nimmt diese Realität als Ausgangspunkt und entwickelt daraus eine räumliche und inhaltliche Strategie in zwei Ebenen: einen qualitätvoll gestalteten Weg auf den verfügbaren öffentlichen Flächen sowie einen Ideenteil, der exemplarische Lösungen für die hypothetische Durchquerung privater Ufergrundstücke aufzeigt.
Im Ideenteil werden vier topografische Typologien entwickelt, die das Grundprinzip des eingebetteten Hohlwegs variieren: der Weg legt sich in das Gelände, schützt die Privatheit der Eigentümer und erhält gleichzeitig die Sichtbeziehung vom Wohnhaus zum See. Die Trockensteinmauer als gemeinsames Material verbindet alle Typologien und ist zugleich ökologischer Lebensraum. Auf Abschnitten ohne realisierbare Erschließung verbleibt der Bestand, versehen mit einem klaren Hinweissystem: das neue Material kommuniziert Öffentlichkeit, der Bestand kennzeichnet die Lücke.

Typologien des Ideenteils

Typologie A — Hohlwegwirkung durch Aufschüttung

Wo das Gelände keine natürliche Stufe bietet, wird die Hohlwegwirkung durch leichte Aufschüttung auf der Hausseite hergestellt. Der Hausgarten liegt nach der Maßnahme höher als der Weg – der Eigentümer schaut über den Weg hinweg zum See, die Sichtbeziehung wird gegenüber dem Istzustand sogar verbessert. Eine Trockensteinmauer fasst die Aufschüttung zur Wegseite und bildet eine präzise, begrünbare Kante. Zum Wasser hin bilden sich abwechselnde Sichtfenster vom Weg oder durch Vegetation blickgeschützte Zonen am privaten Ufer.

Typologie B — Hohlweg durch natürlichen Höhenversatz

Der Weg wird in den bestehenden Geländeversatz eingeschnitten. Die natürliche Topografie erzeugt die Hohlwegwirkung ohne zusätzliche Aufschüttung oder bauliche Eingriffe. Der Passant bewegt sich unterhalb des Grundstücksniveaus – kein Einblick in den privaten Garten, kein Sichtschutz erforderlich. Die Sichtachse vom Wohnhaus über den eingeschnittenen Weg hinweg zum See bleibt vollständig erhalten. Der Hohlweg wird durch Trockensteinmauern abgefangen. Wechselseitig entstehen zum Wasser hin Blickfenster oder für die Privateigentümer durch Vegetation Blickgeschützte Zonen.

Typologie C — Weg an der Grundstückskante mit Höhenversatz

Der Weg verläuft nicht durch das Grundstück, sondern an dessen Kante – zwischen privatem Garten und öffentlichem Ufersaum. Der vorhandene Höhenversatz schafft eine natürliche Trennung der Ebenen ohne zusätzliche Abschirmung. Eine Trockensteinmauer stützt die Geländekante zur Grundstücksseite. Je nach wunsch können Benjeshecken oder Wildobsthecken zusätzliche Abschirmung bieten. Unterhalb des Weges entfaltet sich der öffentliche Ufersaum als naturnahe Zone – Bewegungsraum oben, Aufenthalts- und Naturraum unten. Dies ist die räumlich reichste der vier Situationen.

Typologie D — Weg direkt an der Uferkante ohne Puffer

Die räumlich engste Situation: kein öffentlicher Ufersaum, kein Vegetationspuffer, das Privatgrundstück grenzt unmittelbar an. Der Weg verläuft direkt am Wasser auf der Spundwand. Es grenzt eine flache Trockensteinmauer als abgrenzende Struktur an. Diese kann entweder durch Benjeshecken oder Wildhecken als klare Grenze zum Privatgarten genutzt werden. Alternativ wird auf Privatseite ein wenige Meter breiter dichter Vegetationsstreifen als zusätzlicher Puffer angelegt. Auch hier kann eine leichte Geländeaufschüttung für einen Panorama- bzw. Terrasseneffekt im Privatgarten mit Blick auf den See sorgen.

Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Bestand

Der historische Postenweg wird als bedeutendes Zeugnis der deutschen Teilung substanzschonend in die Wegeführung integriert. Bestehende Biotopstrukturen, Schilfgürtel und Altbaumbestand bleiben erhalten. Eingriffe beschränken sich auf das konzeptionell notwendige Minimum. Trockensteinmauern, heller Asphalt und standortgerechte Staudenpflanzungen sichern einen dauerhaft robusten und pflegearmen Betrieb.

Klimaanpassung und Entwässerung

Der Uferweg wird in hellem Asphalt ausgeführt, der über begrünte Bankettstreifen beidseitig in angrenzende Grünflächen entwässert. Auf technische Entwässerungssysteme wird vollständig verzichtet. Die helle Oberfläche nutzt den Albedo-Effekt zur Reduzierung der Wärmebelastung und verbessert das Mikroklima entlang des Ufers. Der erhaltene Altbaumbestand sichert Verschattung und Verdunstungsleistung. Trockensteinmauern speichern Wärme und geben sie verzögert ab. Pflanzungen erfolgen ausschließlich mit klimaangepassten, regionalen Arten.

Gestaltung und Nutzungsverteilung

Die drei Realisierungsbereiche bilden ein abgestuftes System: Realisierungsteil A als ruhiger, naturhafter Auftakt mit aneigenbarer Uferwiese, Wanderrastplatz und Wasserzugang, Realisierungsteil B als punktueller Wasserzugang mit Aufenthaltssteg und Wassersportzugang, Realisierungsteil C als urbaner Aufenthaltsbereich mit Hangterrasse, Treppenpromenade und direktem Seezugang am S-Bahnhof. Jugendliche und Studierende werden als wichtige Zielgruppe insbesondere in Realisierungsteil C durch informelle Sitzstufen und offene Rasenflächen adressiert.

Materialien und Pflanzenverwendung

Der Uferweg erhält einen hellen Asphaltbelag, der sich klar vom ungestalteten Bestand abhebt und damit als Leitsystem funktioniert. Stützelemente werden als Trockensteinmauern aus regionalem Naturstein ausgeführt. Möblierung in dunkelgrau pulverbeschichtetem Stahl mit Sitzflächen aus thermisch behandelter Robinie. Pflanzungen folgen dem Leitbild der standorttypischen Ufervegetation: Röhricht, Uferstauden, Gehölzsäume aus regionaler Herkunft. Maulbeerbäume als lebendige Marker der vorindustriellen Nutzungsgeschichte.

Leitsystem

Das Informations- und Leitsystem entwickelt eine Systemfamilie aus fünf Zeitschichten, die jeweils durch eine spezifische Materialkombination und Leitfarbe unterschieden werden: Eichenholz und Beige für die Lennézeit, Gusseisen und Dunkelgrün für die Villenkolonie, schwarzmatter Stahl für die NS-Zeit, Cortenstahl und Rot-Orange für den DDR-Grenzraum, weißer Stahl und Blau für die Nachwendezeit. Allen Elementen gemeinsam sind ein standardisierter Infowürfel auf Augenhöhe und eine einheitliche Schrifttype. Die Zeitschichten werden nicht chronologisch entlang des Weges angeordnet, sondern ortsspezifisch dort verortet, wo ein räumlicher und dokumentarischer Bezug besteht. Das System schließt an die Gestaltleitlinien des Berliner Mauerwegs an und ergänzt den bestehenden Potsdamer Informationspfad.

Realisierungsetappen

Das Konzept folgt einer etappenweisen Entwicklungslogik, die auf die fragmentierte Eigentumssituation reagiert. In einem ersten Schritt werden die drei Realisierungsbereiche als qualitätvolle, eigenständige Uferorte mit direktem Seezugang ausgebaut. Sie bilden die Anker des Gesamtsystems und schaffen unmittelbar erlebbare Qualität, unabhängig vom Fortschritt der Gesamterschließung.
Wo öffentliche Grundstücke eine durchgehende Wegeführung bereits heute ermöglichen, werden diese Abschnitte als vollwertige Teilstrecken ausgebaut und mit den Realisierungsbereichen zu erlebbaren Schlaufen verknüpft – Routen, die vom Straßenraum ans Wasser und wieder zurückführen, ohne in einer Sackgasse zu enden. Abschnitte, die durch private Grundstücke blockiert werden und keine solche Schlaufenführung erlauben, werden bewusst aus der Gestaltung ausgenommen. Sackgassen, die lediglich auf eine Barriere zuführen, werden nicht realisiert, da sie Frustration erzeugen und dem Gesamtkonzept schaden. Die unvermeidbaren Lücken im Uferverlauf werden stattdessen über den angrenzenden Straßenraum – Rudolf-Breitscheid-Straße, Karl-Marx-Straße, Virchowstraße – als Ausweichroute abgedeckt und durch das Leitsystem klar kommuniziert.
Mit dem Fortschritt des B-Planverfahrens und der schrittweisen Öffnung weiterer Uferabschnitte können bestehende Schlaufen zu durchgehenden Wegabschnitten weiterentwickelt werden. Das Konzept ist so angelegt, dass jede Etappe für sich vollständig und qualitätvoll ist – nicht als Fragment eines unfertigen Ganzen, sondern als eigenständiger öffentlicher Raum am Wasser.

Barrierearmut

Die topografische Situation des Südufers erlaubt keine vollständige Barrierefreiheit entlang des gesamten Uferwegs. Das Konzept maximiert Barrierearmut an den flacheren Zugängen im Westen und Osten des Plangebiets. Realisierungsteil C wird als urban geprägter, treppenerschlossener Ort konzipiert, dessen räumlicher Charakter durch eine Rampenanlage nicht zumutbar beeinträchtigt werden dürfte. Alle Wegoberflächen werden erschütterungsarm, eben und trittsicher ausgeführt.

Rudolph Langner - Station C23, Leipzig (Arbeit Nr. 1080)

Verfasserin: Sigrun Langner
Mitarbeitende: Michael Rudolph, Luisa Mann, Paula Johanna Oeltze, Beatrice Puschkarski, Susanne Heimrich, Till Pulst, Agnes Müller, Lucie Rohe

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee Rudolph Langner - Station C23
© Rudolph Langner - Station C23

Leitidee/Entwurfsidee

Das Ufer des Griebnitzsees wird als vielschichtig geprägte Kulturlandschaft verstanden - historische, ökologische und landschaftskulturelle Schichten  überlagen sich an diesem  Ort. Wir schlagen vor, prägende Spuren dieser Schichten auszuarbeiten und sichtbar zu machen: Der historische Grenzverlauf mit dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Vorlandmauer und Hinterlandmauer zieht sich durch das gesamte Wettbewerbsgebiet, er wird kartiert und an einigen Stellen räumlich lesbar gemacht.

Das naturschutzfachlich wertvolle Seeufer wird auf vielfältige Weise ökologisch aufgewertet, um die Artenvielfalt und den Strukturreichtum zu stärken. Es soll eine durchgehend hohe ökologische Qualität entlang des gesamten Ufers erreicht werden und die Vielfalt wasserbezogener Habitate zwischen Land und Wasser befördert werden. Punktuelle Erschließung und Zugänge ermöglichen gezielte Ausblicke und das Erleben der ökologisch wertvollen und sensiblen Uferbereiche. Für die drei Realisierungsbereiche schlagen wir jeweils neue Zugänge zum See vor: die neue Wegespange mit Griebnitzseebalkon und Kleinem Seeblick, der Seeblick am Mauerweg, und die Seeterrasse am Bahnhof Griebnitzsee. Im Bereich des ehemaligen Grenzstreifens entlang des Ufers  werden zeitgeschichtliche Spuren der deutsch-deutschen Teilung partiell durch Stahlbänder nachgezeichnet und Geschichte am authentischen Ort räumlich erfahrbar sowie historische Schichten durch Hintergrundinformationen im Raum ablesbar.

Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Bestand

Der Bestand wird in allen Teilbereichen so weit wie möglich erhalten und in die Neugestaltung integriert: 
Im Teil A wird der ehemalige Postenweg als historisches Relikt erhalten und kann weiter genutzt werden; im steilen Zugangsbereich zum Griebnitzseebalkon wird er durch eine flache Treppe ergänzt, um eine komfortable Erschließung des Seeufers zu ermöglichen. Weiterhin werden hier die bestehenden Waldwege behutsam so umgebaut und ergänzt, dass eine zumindest barrierearme Erschließung ermöglicht wird. Der Baumbestand wird weitgehend erhalten und partiell nur am Ufer, sowie als Sichtachse von der Karl-Marx-Straße aus, etwas ausgelichtet, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, und um von der Straße aus einen Blick über den See zu ermöglichen. Die ausgelichteten Bereiche werden mit standortgerechten Wildstauden- und Wiesenmischungen bepflanzt und tragen so zur Erhöhung der Artenvielfalt und des Strukturreichtums bei.

Der Treppenweg im Teil B wird im Bestand erhalten, der Weg wird als Steg mit Stufen auf das Wasser hinaus verlängert, ergänzt durch einfache gefaltete stählerne Informationstafeln, welche den Weg partiell überspannen und somit einen besonderen Raum schaffen, der durch seine Geschlossenheit einen Eindruck von Enge und Begrenztheit erfahrbar macht, und Informationen über die Zeitgeschichte dieses Ortes anschaulich vermittelt.

Der grundsätzliche räumliche Charakter im Teil C wird erhalten und behutsam weiterentwickelt: die Treppe mit den Kirschbäumen wird erhalten, der Platz vor der Anlegestelle in seinen Dimensionen aufgegriffen, jedoch als „Seeterrasse“ neu definiert und zum See hin erweitert - die Kante zum Ufer wird durch Sitzstufen und eine flache Plattform direkt am Wasser ergänzt, so dass nun ein direkter Zugang zum See und das Anlegen von kleinen Booten ermöglicht wird. Die baufällige bestehende Mauer wird zugunsten der Stufen entfernt. Der Baumbestand wird weitgehend erhalten, ein großer mehrstämmiger Bestandsbaum wird in die Gestaltung integriert. Der Anlegesteg der Stern- und Kreisschifffahrt wird unverändert erhalten.

Das Vegetationskonzept basiert auf einer Erhöhung der Arten- und Strukturvielfalt in allen Teilbereichen, die Auswahl der Baumaterialien bevorzugt solche mit möglichst günstiger Klimabilanz. Die Entwicklung vielfältiger uferbezogener Habitatstrukturen wird durch das Einbringen von Strukturen wie Unterwassergärten, vertical wetlands oder Röhrichinseln unterstützt.

Klimaanpassung

Mit der Neugestaltung können Aspekte einer klimaangepassten Gestaltung umgesetzt werden: helle Oberflächenbeläge bei befestigten Flächen zur Erhöhung der Albedo, Neupflanzung von robusten, trockenheitsresistenten Bäumen und Gehölzen, artenreiche Stauden- und Wiesenmischungen, Versickerung der Niederschlagswasser vor Ort, Verwendung von Baumaterialien mit möglichst geringer Klimabilanz.

Gestaltung und Nutzungsverteilung

Im Teilbereich A bildet der erhaltene Postenweg die historische Spur und den Auftakt des langfristig angestrebten durchgehenden Uferweges. Ein „neuer Uferweg“ führt von der „Wasserstraße“ zunächst mit flachen Treppen parallel zum bestehenden steilen Postenweg, dann flacher in wassergebundener Decke zum Seeufer. Der „neue Uferweg“ bildet drei Spangen aus, die sich als Stege und Aufenthaltsorte am Wasser über die die Uferkante hinausschieben und vielfältige Blickbeziehungen über den Griebnitzsee erlauben. Die ersten beiden Stege - der „Griebnitzseebalkon“ umschließen eine geschützte Bucht mit Liegewiese unter Bestandsbäumen, an der Seeseite eingefasst mit einer Sitzstufe. Am östlichen Ende des Teilbereichs bildet der „Kleine Seeblick“ den Übergang zur Treppe Richtung Karl-Marx-Straße, und perspektivisch den weiterführenden Anschluss an den Uferweg. Die bestehenden Pfade im Wald werden behutsam zu schmalen, barrierearmen Wegen ausgebaut, ein zusätzlicher Wegeabschnitt erlaubt den Zugang zum Wasser ohne Stufen. Der Verlauf des ehemaligen Grenzstreifens wird an einigen Stellen durch ein Rohstahlband sichtbar gemacht, in den Hangbereichen schneidet dieses in das Gelände ein und symbolisiert damit den Einschnitt, den die Grenzanlagen in der Stadt- und Kulturlandschaft verursachten. Im flachen Gelände zeigt es sich in kurzen Abschnitten als niedrige vertikale Kante oder in Wegebeläge eingebettete Intarsie. Im östlichen Teil wird die Linie durch ein einfaches, gefaltetes Dach in Stahlkonstruktion aufgenommen, es dient als Unterstand für (Wasser-) Wanderer und Informationspunkt in diesem Abschnitt des Uferwegs.

Im Teil B wird der bestehende Treppenweg mit einer leichten Stahlkonstruktion als Informationsträger und Überdachung überbaut, welche den ehemaligen Grenzstreifen abbilden. Der abgetreppte Steg erlaubt das Sitzen am Wasser mit Blick über den See und dient als Anlegestelle und Wasserwanderrastplatz.

Im Teil C wird der „Wasserbalkon“ als städtischer Freiraum entwickelt, steinerne Oberflächen und die Sitzstufen zum Wasser ermöglichen Aufenthalt und Treffpunkt, und bieten so auch einen großzügigen Vorplatz für größere Gruppen an der Anlegestelle. Stufen zum Wasser dienen gleichzeitig als Anlegestelle für kleine Freizeitboote. Auch hier wird der ehemalige Grenzstreifen sichtbar gemacht: im Hangbereich als Cortenstahlkante, symbolisch das Gelände zerschneidend, und im Boden als flache Intarsie.

Entwässerung und Regenwassermanagement

Die Entwässerung der wenigen voll versiegelten, sowie der teilversiegelten Oberflächen erfolgt vollständig in die umgebenden Grünflächen. Auf Grund des geeigneten Bodens und des geringen angestrebten Versiegelungsgrades sind keine besonderen Maßnahmen zur Regenwasserbewirtschaftung erforderlich.

Verwendete Materialien und Pflanzenverwendung

Die neuen Wege und kleinen Platzflächen werden überwiegend aus wassergebundener Decke hergestellt, die Stege als Stahlkonstruktion. Der Platz an der Anlegestelle im Teil C wird aus Natursteinpflaster im Passeverband gestaltet, um eine ausreichend Robustheit für die Nutzung zu erhalten. Einfassungen, Treppen und Sitzstufen werden ebenfalls aus Naturstein hergestellt. Üblicherweise vor Ort verwendete Steinsorten kommen hier zum Einsatz, und sorgen für eine langlebige, pflegearme und wertige Gestaltung.

In allen Teilbereichen wird eine artenreiche und standortangepasste Bepflanzung zur Erhöhung der Strukturvielfalt angestrebt, sowohl für Stauden als auch Gehölze. Die unterschiedlichen kleinräumigen Standortbedingungen erlauben hier eine hohe Vielfalt: Litoral mit Röhrichtzone, Schwimmblattzone, Schilf und Uferstauden, in den trockenen Hangbereichen und unter dem alten Baumbestand entsprechender Unterwuchs mit halb-/schattenverträglichen Wildstaudenmischungen und Wiesenansaaten.

Neupflanzungen für Bäume orientieren sich an den Standortbedingungen und dienen gleichzeitig auch als Blickfang und Markierung für die neuen Wege- und Blickbeziehungen am und zum See, geeignet sind hier in den Uferlagen Quercus robur, Alnus glutinosa, Salix alba und Salix fragilis (diese auch zur Uferbefestigung), in den höher gelegenen Hangbereichen auch Quercus petraea und Acer pseudoplatanus.

Leitsystem

Das Leitsystem orientiert sich am bestehenden Material- und Farbspektrum des Mauerweges, bildet aber eine eigenständige Gestaltung. Rostfarbener Corten- oder Rohstahl wird für die Markierung des ehemaligen Grenzstreifens verwendet, hiervon abgeleitet sind Stelen, Sitzkanten, Schilder und kleine Überdachungen, sowie Markierungen im Wasser. Das Leitsystem findet sich an allen Zugängen von der Stadt aus, sowie als Markierung im Wasser für Wasserwanderer. Es dient als Orientierungshilfe und gleichzeitig Informationsträger zur Geschichtsvermittlung im gesamten Plangebiet.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Der Kostenrahmen kann eingehalten werden. Die Wege- und Platzflächen entsprechen üblichen Standards. Vegetationsflächen sowie Verbesserungen des Ufers werden überwiegend extensiv mit ökologischem Schwerpunkt hergestellt. Intensive Interventionen sind lediglich für den „Griebnitzseebalkon“ in Teil A, sowie an der „Seeterrasse“ in Teil C vorgesehen. Die Pflege der Wiesen, Staudenfluren und Gehölze ist ganz überwiegend extensiv, ausgenommen die Liegewiese und der Hang an der Seeterrasse mit den bestehenden Kirschbäumen.

Barrierefreiheit

Im Teil A kann weitgehende Barrierefreiheit durch das Hinzufügen eines maximal 6% Steigung aufweisenden Weges erreicht werden, welcher an die „Wasserstraße“ und die bestehenden, auszubauenden Pfade im Hangbereich anschließt. Entlang des steilsten Abschnittes des ehemaligen Postenweges wird eine neue, flache Treppe geführt, welche eine komfortable Begehbarkeit des Steilabschnitts ermöglicht. Alle übrigen Wege in Teil A  sind barrierefrei. In den Teilen B und C bleibt die Barrierefreiheit eingeschränkt, da die bestehenden Stufenanlagen nicht verändert werden.

TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin (Arbeit Nr. 1074)

Verfasser: Stephan Buddatsch
Mitarbeitende: Vanessa Baltes, Karla Maria Pérez Gomez, Martin Villegas
Wasserbau: DAHLEM Beratende Ingenieure GmbH & Co.
Wasserwirtschaft: Wasserwirtschaft KG, Berlin

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee TOPOS Stadtplanung
© TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung

Konzept 

Entlang des Griebnitzseeufers entsteht ein Band mit ruhigen, naturnahen Aufenthaltsorten, im Wechsel mit aktiven Erlebnisbereichen. Es dient der Wiederherstellung der ursprünglich durchgehenden Wegeverbindung am Ufer. An drei ausgewählten Uferabschnitten mit unterschiedlichem Charakter werden beispielhafte Lösungen für die Umsetzung der zukünftigen Ufergestaltung aufgezeigt. Durch eine behutsame Gestaltung des Bestands werden die vorhandenen landschaftlichen Struk¬turen erhalten, gezielt ergänzt und der Charakter sowie die Geschichte des Ortes betont. Bei der Ufernutzung wird auf eine sensible Balance zwischen privaten Gärten und öffentlich zugänglichen Uferabschnitten geachtet.
Wesentliches Thema ist das Element Wasser und der Wassersport auf dem Griebnitzsee.

Umgang mit der vorhandenen Topographie

Das Gelände ist von Topographie geprägt. Die angrenzenden Villengrundstücke und die Erschließungsstraßen liegen gegenüber dem Ufer deutlich erhöht. Treppen und Rampen werden als besondere Gestaltungselemente inszeniert und führen zum Wasser. Die „Blaue Spur“, ein Leitsystem, markiert die Zugänge. Geneigte Rasen- und Wiesenflächen können zum Picknicken und als Liegewiesen genutzt werden. Die Gestaltung spielt mit der Topographie und integriert neue Nutzungen in das bestehende Gelände.

Materialien/ Oberflächen

Der Entwurf sieht einen zurückhaltenden Materialeinsatz und einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand vor. Prägendes Element sind Holzkonstruktionen. Stege, Podeste und Sitzelemente verbinden die Bereiche harmonisch miteinander und schaffen verschiedene Aufenthaltsorte und Nutzungsmöglichkeiten. Hauptwegeabschnitte mit stark bewegter Topographie werden aus Asphalt mit Possehlbeschichtung ausgebildet. Die landschaftlich geprägten Uferwege werden mit wassergebundener Decke befestigt. Die seitlichen Wegeeinfassungen bestehen aus einem Doppelläufer aus Großsteinpflaster. Analog dem Mauerweg werden punktuelle Metallmarkierungen mit der Bezeichnung „Postenweg“ integriert.

Ausbildung der Ufer

Das bestehende Ufer wird soweit wie möglich erhalten. Im Bereich C sowie am zukünftigen Sportbootanleger ist eine Erneuerung der Ufereinfassung mit Spundwand und Wasserbausteinen vorgesehen. Im Bereich A und B werden punktuelle Stege in den Flachwasserbereich geführt.

Leitsystem 

Das Leitsystem, die „Blaue Spur“, erscheint entlang des Uferwegs als wiederkehrende Installation aus 2 bis 3 Meter hohen, blauen Metallstelen. Die Farbgebung verweist mit „Preußisch Blau“ auf die historische Identität Potsdams und die benachbarten preußischen Schlossanlagen (Schloss Babelsberg). Gleichzeitig bildet Blau einen Kontrast zur orangefar-benen Kennzeichnung des Berliner Mauerwegs, der abschnittsweise mit dem Uferweg zusammenfällt. Verschiedene Höhen und Ausrichtungen der Stelen erinnern an Wellenbewegungen. Die Elemente werden durch Textfelder oder Informationstafeln ergänzt und markieren Zugänge, Aufenthaltsorte und Blickpunkte entlang des Weges. Sie dienen zugleich als Merkzeichen Richtung See und markieren Anlegemöglichkeiten für Boote und SUPs.

Bepflanzung und Ausstattung

Es wird eine strukturreiche Bepflanzung aus heimischen, standortgerechten Arten verwendet, die sich in den einzelnen Abschnitten wiederholt. In ufernahen Bereichen bis in die Flachwasserzone finden sich Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris) und Wasserdost (Eupatorium cannabinum). An Gehölzübergängen und Waldrandbereichen bestehen die Stauden- und Gehölzrandpflanzungen aus Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Kriechendem Günsel (Ajuga reptans), Großer Sternmiere (Stellaria holostea), Wald-Segge (Carex sylvatica), Akeleien (Aquilegia), Nesselblättriger Glockenblume (Campanula trachelium), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Gefleckter Taubnessel (Lamium maculatum), Knotigem Braunwurz (Scrophularia nodosa) und Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata). Hartriegel (Cornus), Schneeball (Viburnum) und verschiedene kleinwüchsige Weidenarten setzten Akzente am Ufer.

Teil A 

Im Nord-Westen bildet ein naturnaher Uferpark mit weiten Lichtungen und Blickbeziehungen zum Griebnitzsee den Auftakt. Stegartige Holzplattformen führen im Zickzack durch einen ausgelichteten Baumhain parallel zum Ufer. Sie dienen als alternativer Weg, Sitz-, Spiel- und Liegefläche sowie als Aufenthaltsort für verschiedene Nutzungen. Punktuell ergänzte Rückenlehnen und Picknicktische bieten Aufenthaltsmöglichkeiten für jedes Alter. 
An einer Stelle führt die Holzplattform aus dem schattigen Waldhain hinaus über das Wasser und eröffnet einen freien Blick auf den Griebnitzsee. Dieser Bereich dient zugleich als Aussichtspunkt und Anlegestelle für den Wassersport. 
Die bestehende Lichtung im westlichen Bereich bleibt erhalten und wird durch Waldvergissmeinnicht an den Rändern akzentuiert. Ergänzend entsteht zwischen den Bäumen eine gestufte Unterpflanzung aus heimischen Schatten- und Waldsaumarten. Während die Pflanzung am See niedrig und locker bleibt, verdichtet sie sich im mittleren Bereich zu einer robusten Krautschicht und bildet zur Liegewiese hin einen strukturreichen Saum mit einzelnen Strauchgruppen. Damit werden Laufwege gelenkt, offene Bodenstellen geschlossen und zusätzliche Lebensräume für Insekten sowie boden- und buschbrütende Vogelarten geschaffen, ohne die Offenheit der Rasenflächen und die Blickbeziehungen zum Wasser zu beeinträchtigen.

Teil B 

Teilbereich B inszeniert den bisher unscheinbaren Zugang zum Seeufer. Eine Abfolge von blauen Stelen markiert den Weg und führt die Besucher zum Wasser. Dort entsteht ein ruhiger Aufenthaltsbereich mit Sitzmöglichkeiten und vorgelagerten Pflanzflächen. Ein Steg mit Stufen führt auf eine Plattform mit Sitzkante auf dem Wasser.

Teil C 

Hier entsteht ein Eingangsplatz im Übergang zu S-Bahn. Ein dient als Treffpunkt und Wartebereich. Eine bestehende Treppe, begleitet von japanischen Zierkirschen, führt zu einem weiteren neuen Platz am Wasser. Eine zweistufige Sitzanlage verblendet die bestehende Mauer und bietet Aufenthaltsmöglichkeiten. Entlang des Ufers angeordnete Callisthenics- Elemente und Hängematten sollen vor allem Jugendliche und Studenten ansprechen.
Am Eingangsplatz werden ergänzende Baumpflanzungen aus Zierkirschen und Gleditschien sowie ein naturnahes Gräser- und Staudenbeet vorgesehen.
Die Uferkante wird in diesem Abschnitt erneuert. Neben dem zu erhaltenden Anlegesteg werden Holzplattformen ergänzt, die als Aufenthaltsbereiche sowie als Anlegestelle für Boote dienen. Die Oberfläche besteht aus Natursteinpflaster und wassergebundener Decke.

Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten, Dresden (Arbeit Nr. 1082)

Verfasser: Ulrich Krüger
Mitarbeitende: Luise Schauer, Pavlina Gleinig, Johannes Werner, Ulrich Stolz

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten
© Ulrich Krüger Landschaftsarchitekten

Ab ans Wasser – Griebnitzsee erleben auf Wasserwegen und historischen Pfaden
Der Entwurf versteht den Griebnitzsee als einen Erinnerungs- und Naturraum, der durch behutsame Eingriffe erlebbar gemacht wird. Vorgelagerte Holzplattformen „treiben“ wie Fragmente über dem Wasser und verbinden symbolisch die beiden Ufer der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Über farbige Stege sind sie mit dem Land verbunden und schaffen punktuelle Zugänge zum Wasser, ohne die sensiblen Uferbereiche flächig zu überformen.
Die Plattformen bilden identitätsstiftende Ankerpunkte entlang des Sees. Vertikale „Leuchttürme“ markieren diese Orte weithin sichtbar und dienen als Orientierungselemente auf dem Wasser und entlang des Ufers. Gleichzeitig entsteht ein fein abgestimmtes Nebeneinander von Naturraum, Erinnerungskultur und Aufenthalt. Der Entwurf stärkt die landschaftliche Eigenart des Griebnitzsees und macht sowohl die Geschichte des Ortes als auch die besondere Beziehung zwischen Stadt, Wasser und Natur erlebbar.

Gestaltung und Nutzungsverteilung

Die Gestaltung folgt dem Prinzip einer konzentrierten Zugänglichkeit. Aktive Nutzungsbereiche werden gezielt über Stege und klar definierte Uferzugänge erschlossen, während große zusammenhängende Naturbereiche bewusst freigehalten werden. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aufenthalt, Bewegung und Rückzug.
Die Wasserwanderwege werden als besondere Qualität des Griebnitzsees gestärkt und ausgebaut. Sie bilden gleichzeitig eine alternative Wegeführung zum derzeit unterbrochenen Uferweg. Insgesamt entstehen drei unterschiedliche Erschließungsebenen: die Wasserwanderrouten auf dem See, der historische Ufer- und Postenweg entlang des ehemaligen Grenzstreifens sowie ein Weg entlang der Villen auf der oberen Straße, welcher immer wieder ans Wasser führt.

Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Bestand

Der Entwurf verfolgt einen sensiblen und ressourcenschonenden Umgang mit dem Bestand. Vorhandene Strukturen, Wege, Vegetationsflächen und historische Elemente werden weitgehend erhalten, ergänzt und in die neue Gestaltung integriert. Ziel ist es, die unterschiedlichen Zeitschichten des Ortes sichtbar zu belassen und behutsam weiterzuerzählen.
Im Bearbeitungsbereich C wird der bestehende Anleger in eine größere Aufenthaltsplattform integriert, wobei die für die Schifffahrt notwendigen Elemente bestehen bleiben. Die historische Treppenanlage bleibt erhalten und wird durch gezielte Öffnungen in der Mauer barrierearm erschlossen. Auch die japanischen Zierkirschen als symbolträchtige Schenkung bleiben erhalten; einzelne Exemplare werden durch Großbaumverpflanzungen neu positioniert und dadurch stärker inszeniert.

Klimaanpassung und Biodiversität

Der wertvolle Baumbestand bleibt bis auf wenige notwendige Eingriffe erhalten und bildet die Grundlage eines klimaresilienten Freiraums. Durch die Sicherung und Ergänzung bestehender Grünstrukturen werden die positiven mikroklimatischen Effekte der Vegetation langfristig gesichert und gestärkt.
Besonders die Uferzonen werden als sensible Naturräume entwickelt. Eine klare Zonierung trennt ökologisch hochwertige Bereiche von intensiv genutzten Aufenthaltsflächen. Dem Ufer vorgelagerte bepflanzte Inseln dienen als Wellenbrecher, schützen vor Erosion und schaffen zugleich Rückzugs-, Brut- und Versteckmöglichkeiten für Tiere.
Ansaatflächen mit standortangepasstem Regionalsaatgut erhöhen zusätzlich die Biodiversität und fördern robuste, pflegearme Vegetationsstrukturen. Ergänzende Neupflanzungen erfolgen gezielt mit klimaresilienten Arten, um die Widerstandsfähigkeit des Freiraums gegenüber zukünftigen klimatischen Veränderungen dauerhaft zu sichern.

Entwässerung und Regenwassermanagement

Anfallendes Niederschlagswasser wird weitgehend vor Ort zurückgehalten. Große Teile des Regenwassers versickern direkt über offene und wasserdurchlässige Oberflächen. Ergänzend wird ein Teil des Wassers in Zisternen gespeichert und zur Bewässerung der Vegetationsflächen genutzt. Dadurch wird der natürliche Wasserkreislauf gestärkt und die Belastung der Kanalisation reduziert.

Materialien und Pflanzenverwendung

Grundlage des Materialkonzeptes ist der Erhalt und die Wiederverwendung vorhandener Materialien. Rückgebautes Material wird nach Möglichkeit vor Ort weiterverwendet und in neue Gestaltungselemente integriert.
Die neuen Materialien sind robust, langlebig und nachhaltig. Holzplattformen schaffen eine warme und naturnahe Atmosphäre auf dem Wasser, während Stahlkonstruktionen eine dauerhafte und designprägende Ergänzung bilden. Sämtliche neuen Wegeoberflächen werden offenporig beziehungsweise wasserdurchlässig ausgebildet.
Die bestehende Vegetation bleibt bis auf minimalte Eingriffe erhalten und wird durch klimaangepasste Gehölze ergänzt. Unterschiedliche Regionalsaatgutmischungen reagieren auf die jeweiligen Standortbedingungen, fördern die Artenvielfalt und reduzieren gleichzeitig den langfristigen Pflegeaufwand.

Leitsystem und Erinnerungskultur

Das Leitsystem verbindet Orientierung, Geschichte und Landschaft zu einem zusammenhängenden Erlebnisraum. Entlang der oberen Wegeführung markieren farbige Stahlplatten die Zugänge zum Wasser und weisen zugleich auf Sackgassen oder Durchwegungen hin. Ergänzende Informationstafeln greifen im gleichen Farbkanon historische Themen sowie die bedeutenden Villenstandorte auf, entlang des Ufers informieren sie zudem über verschiedene Naturräume.
Im ehemaligen Grenzstreifen bleibt die Geschichte des Ortes bewusst ablesbar. Ein Band aus Cortenstahl zeichnet den Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer nach. Ergänzende Stelen im Format von Mauerscheiben verweisen auf die historische Bedeutung des Ortes und schaffen punktuelle Erinnerungsorte entlang des Weges.
Auf dem Wasser dienen die Holzplattformen als klar erkennbare Ankerpunkte für Paddler und Wasserwandernde. Die zugehörigen „Leuchttürme“ sind durch ihre Farbgebung den jeweiligen Anlegepunkten zugeordnet und bereits aus größerer Entfernung sichtbar. Als zurückhaltend beleuchtete Farbpunkte geben sie Orientierung in den Abendstunden, ohne Flora und Fauna durch starke Lichtemissionen zu beeinträchtigen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Durch die Konzentration der Eingriffe auf wenige, präzise gesetzte Maßnahmen sowie den weitgehenden Erhalt bestehender Strukturen werden die verfügbaren Mittel gezielt in hochwertige und langlebige Bauteile investiert. Robuste Materialien und eine reduzierte Formensprache sichern eine wirtschaftliche Umsetzung und langfristige Beständigkeit.
Pflegearme Vegetationsflächen wie Blumenwiesen und extensive Ansaaten reduzieren dauerhaft die Unterhaltskosten gegenüber intensiv zu pflegenden Pflanzungen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und Klimaanpassung.

Barrierefreiheit

Die Zugänge zum Wasser werden nach Möglichkeit barrierearm gestaltet und mit gut nutzbaren Oberflächen ausgestattet. Insbesondere im Bereich C – zwischen Bahnhof und Schiffsanleger – wurde aufgrund der hohen Besucherfrequenz eine barrierearme Erschließung des Ufers vorgesehen.
Die dort angeordnete Rampe verbessert zugleich die Zugänglichkeit für Wassersportlerinnen und Wassersportler sowie die Nutzbarkeit für ansässige Bootsverleiher. Damit entsteht ein inklusiver und für unterschiedliche Nutzergruppen zugänglicher Freiraum am Wasser.

YEWO LANDSCAPES GmbH, Wien (AT) (Arbeit Nr. 1077)

Verfasser: Dominik Scheuch
Mitarbeitende: Nadine Nachmann, Dominic Penker, Anita Damanshokoh, Vera Lenger
Kunst, Architektur: Dusts institute - Wien
Wissenschaft: Adam Hudec, Natália Štundová

Erläuterungstext

2. Wertungsrundgang Perspektive Wettbewerb Griebnitzsee YEWO LANDSCAPES GmbH
© YEWO LANDSCAPES GmbH

SEE/QUENZEN
Neue Formen und Sequenzen einer gemeinsamen Landschaft

Das Nutzungs- und Gestaltungskonzept versteht den Griebnitzsee nicht als lineare Promenade, sondern als vielschichtigen Raum des Zusammenlebens, in dem unterschiedliche Lebensformen, Erinnerungen und Nutzungen miteinander koexistieren. Ausgehend von den historischen und räumlichen Spannungen des Ortes – zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, ökologischer Sensibilität und ehemaliger Grenzlandschaft – entwickelt der Entwurf eine neue Form von Kontinuität, die nicht auf physischer Durchgängigkeit basiert, sondern auf Beziehungen, Sichtbarkeit und gegenseitigem Respekt. Durch minimalinvasive Interventionen, barrierearme Wege und ein farbiges Leitsystem entsteht eine visuelle Vernetzung, die Orientierung schafft und zugleich ökologische sowie historische Zusammenhänge vermittelt. So werden vielfältige Lebensräume nicht überformt, sondern bewusst lesbar gemacht und in ihrer Eigenheit anerkannt. Anstelle eines homogenen Uferwegs entwirft das Projekt eine Abfolge sensibler Situationen und Raumsequenzen, die den Ort als gemeinschaftliche Landschaft mit kollektiver Verantwortung begreifen, in dem Menschen und andere Lebewesen gleichermaßen ihren Platz finden.

Im Kontext des Griebnitzsees, einer Landschaft, die von der Geschichte als Grenze, von privaten Lebensräumen und einem äußerst vielfältigem Ökosystem geprägt ist, betrachtet der Entwurf die aktuellen Unterbrechungen und Teilabschnitte des Uferwegs nicht als räumliche Hürden, die zwingend überbrückt und verbunden werden müssen, sondern als Chancen, eine neue Typologie des öffentlichen Raums, der Landschaft und dessen Erlebnis zu schaffen. Anstatt privaten Grundstücken öffentliche Zugänglichkeit aufzuzwingen, respektiert das Projekt bestehende Eigentumsstrukturen und verwandelt jede „Sackgasse“ des Uferwegs in eine einzigartige räumliche Situation des Perspektivenwechsels: einen Ort der Pause, der Beobachtung, der Biodiversität oder des kollektiven Gedächtnisses. Jeder Perspektivenwechsel wird somit zum Erlebnispunkt und lädt ein, die Umgebung aus neuen Blickwinkeln zu erkunden. Die jeweiligen Interventionen orientieren sich direkt zum Wasser hin oder auf das Wasser hinaus und schaffen Räume zum Verweilen, Beobachten und Erleben des Sees. Besonders ist die immer spürbare und unmittelbare physischer Nähe zum Wasser.

Der Entwurf definiert somit die Bedeutung der Sackgasse neu und gestaltet sie als neue Erlebnispunkte. Anstatt ein Scheitern oder eine Unterbrechung darzustellen, wird jeder Erlebnispunkt zu einem Moment der Intensivierung für Begegnung, ökologisches Bewusstsein oder für das Zusammenleben verschiedener Lebewesen oder Naturwelten. Die Erlebnispunkte reagieren auf den spezifischen ökologischen Charakter seines Standorts und werden Teil eines größeren Ökosystems entlang des Seeufers. Einige Erlebnispunkte sind für die Beobachtung von Wasservögeln konzipiert, andere zeigen die Vielfalt der Ufervegetation, Lebensräume oder Mikrohabitate. Die ökologischen Ränder des Sees werden so bewusst durch subtile Gestaltungsgesten hervorgehoben, die die Aufmerksamkeit auf den Reichtum dieser Lebensräume und Übergangszonen lenken, ohne deren bestehende Bedingungen zu stören. Auf diese Weise unterstützt der Entwurf die ökologischen Ziele für den Landschaftsraum: den Schutz der Uferlebensräume, die Förderung der Biodiversität und Erhaltung des natürlichen Charakters des Gebiets, ohne den Druck auf die empfindlichen Uferzonen zu erhöhen oder private Zonen zu stören.

Ein zentraler Aspekt des Konzepts, um dem Anspruch einer linearen Vernetzung über den gesamten Uferverlauf gerecht zu werden, ist die Neuinterpretation der ehemaligen Berliner Mauer. Anstatt die Mauer in ihrer Logik als harte Barriere zu rekonstruieren, wird ein minimalintensives und partizipatives System der Pflege für den ehemaligen Mauerverlauf implementiert. Der damalige Todesstreifen verwandelt sich immer weiter zunehmend zum Lebensstreifen und wird mit einem Blühkorridor aus saisonal wechselnden Staudengewächsen – der „Mauerblume“ – visuell in den Fokus gerückt. Um als durchgehendes Gestaltungselement wirken zu können, sind die Bewohner:innen angrenzender Privatgrundstücke eingeladen, sich freiwillig an dem Projekt zu beteiligen, indem sie diese spezifische Form der gärtnerischen Ausgestaltung auf ihren eigenen Grundstücken umsetzen, und so aktiver Teil der Neukonzipierung des Griebnitzseeufers werden. Auf diese Weise wird die historische Grenze von einem Instrument der Trennung und Kontrolle in einen Raum der Zusammenarbeit und kollektiven Pflege verwandelt. Der Anspruch eines räumlich durchgehenden Uferwegs wird symbolisch, ökologisch und sozial umgesetzt und es entsteht eine neue Form der Kontinuität, jene einer die auf gemeinsamer Verantwortung für Landschaft und Erinnerung basiert.

Die Formensprache aller gestalterischen Elemente, speziell aber jener von neuen Wegeverbindungen und Erlebnisorten, stehen bewusst im Kontrast zur historischen Linearität sowohl der Mauer als auch der Uferlinie. Während die Mauer Starrheit, Kontrolle und Trennung verkörperte, nehmen die neuen Erlebnisorte einen organischen Charakter an und reagieren auf Vegetation, Topografie und bestehende ökologische Prozesse. Die Implementierung von Stegen erweist sich zum Schutz des ökologischen Bestands als logisch und zielführend. Naturräumliche Bestände (Bäume, Wiesen, Ufermauern, Gesteine, etc.) werden nicht verändert oder massiv gestört. Die unterschiedlichen Stegkonstruktionen bestehen aus Holz werden durch Handläufe – „Wegbegleiter“ – oder anderen Details in einem warmen und kräftigem Orangeton akzentuiert, wodurch ein visueller Kontrast innerhalb der Landschaft entsteht, insbesondere im Winter, wenn die Uferlandschaft und Vegetation optisch zurückhaltender und monochrom wirken. So sind die Erlebnisorte auch aus der Ferne und speziell vom Wasser aus erkennbar und ergeben ein zusammenhängendes Gefüge.

Die zentralen räumlichen Elemente und Steganlagen werden in den Realisierungsteilen umgesetzt, wenngleich ein kreisförmiger Steg im Realisierungsteil B einen speziellen Fokus bildet. Diese kreisförmige Struktur fungiert sowohl als symbolischer als auch als räumlicher Anker für die gesamte Interventionsstrategie. Als ausragender Steg bildet er die Blickbeziehung zu allen weiteren Uferabschnitten des Sees auf, verbindet die Punkte auf visueller Basis und schafft zugleich Orientierung. Auf dem Steg platzierte Ferngläser unterstützen diesen Blick auf die verschiedenen anderen Erlebnisorte und Interventionen. Das Beobachten wird so zu einem aktiven Instrument zur Interpretation der Landschaft. Die Besucher:innen werden nicht durch eine kontinuierliche lineare Bewegung geführt, sondern durch eine Abfolge visueller Beziehungen und Entdeckungen quer durch das Gebiet. Mit kuratierten Informationstafeln, ist der Bereich zugleich auch pädagogischer Treffpunkt, der informelle Begegnungen, ökologische Beobachtung und die Auseinandersetzung mit der Seelandschaft unterstützt. Dieser Ort, sowie auch an den anderen beiden Realisierungsbereichen, bietet Raum und Atmosphäre für (temporäre) Kunstinstallationen, die als jährlich wechselnde Elemente immer neue Attraktionen schaffen. Lokale Kunstschaffende werden dazu eingeladen, die Punkte zu bespielen, auch um die Identität und Auseinandersetzung mit dem Ufer weiter zu stärken. So dient Kunst hier nicht als Dekoration, sondern als Instrument, um Beziehungen zwischen Ort, Erinnerung, Ökologie und Gemeinschaft zu aktivieren.

Die Realisierungsteile A und C setzen diese Strategie durch subtile landschaftliche Eingriffe fort, die darauf abzielen, die bereits vorhandenen Vegetationsstrukturen und Nutzungsfunktionen (z.B. Aufenthalt, Freizeit, etc.) zu stärken und einladende Räume für Erholung, Lernen und ökologisches Bewusstsein zu schaffen. Jeder Eingriff enthält als pädagogische Komponente taktile Handläufe und Infoboards als integriertes Informationssystem, das den Besucher:innen die Geschichte, lokalen Ökosysteme und die an jenem Standort heimischen Arten näherbringt.
Realisierungsteil A als nördlicher Auftakt zum Ufergelände setzt die unterschiedlichen landschaftlichen Muster und Vegetationsbestände in Szene. Sie werden über neue Wege miteinander verbunden. Lichte Wiesenflächen für Aufenthalt und Freizeit gehen über in dichtere Wäldchen, vielfältige Uferlandschaften und neue Erlebnispunkte durch zwei Steganlagen, die den Blick in die weite Umgebung unterstützen. Im Raum verteilte Holzdecks laden zum Verweilen ein. Die nördliche Wegeverbindung in Richtung Babelsberpark wird aufgegriffen. Die Wegezugänge werden mit naturnahen und begleitenden Blumenwiesenflächen akzentuiert. Bestehende Oberflächen an den Wegen werden erhalten und mit auflösenden (Tritt-)Steinsetzungen erweitert, ohne großflächig zu versiegeln. Die Mauerblumen durchziehen das Ufergelände und werden punktuell zum Durchschreiten unterbrochen. Die bestehende Uferlandschaft sowie die gewachsenen (Pflanzen-) Strukturen stellen einen ökologisch und räumlich äußerst wertvollen Bestand dar. Daher werden die natürlichen Gegebenheiten in ihrer charakteristischen Ausprägung konsequent erhalten und im Sinne der Renaturierung nicht angetastet.
Realisierungsteil C behält seinen Charakter als lebendiger Ort, der Freizeit, Landschaft und Erholung fusioniert. Am der oben liegenden Zuwegung entlang des Straßengrüns lenkt ein Holzbalkon den ersten Blick auf das Ufer und den Griebnitzsee. Die Treppenanlage bleibt erhalten, lediglich der Handlauf wird gemäß des Gestaltungsprinzipes erneuert und im warmen orange einen Farbakzent setzen. Die beidseitig liegenden Geländeflächen werden als Wildblumenwiesen neu konzipiert, wobei zwei Mähkorridore und subtile Holzelemente im westlichen Geländeverlauf zum Verweilen einladen. Am Uferweg eröffnet sich die neue Steganlage, die linear hinaus aufs Wasser führt und mit einem orthogonalen Kopf neue Blicke und Aufenthaltsbereiche schafft. Am rechten Kopfende befindet sich die Schiffsanlegestelle, am linken Kopfende sind Sitzstufen mit Blick auf die Uferzone integriert. Anschließende und geschliffene Ufersteine zeigen einen sanften Übergang ins Wasser.
Am rechten Ufer bzw. Stegverlauf ist eine Ein- und Ausstiegshilfe für Kanus integriert. Diese können dann weiter über eine parallel zur Treppenmauer verlaufende Wanne einfach an die Straße gezogen werden. Die Mauerblumen werden als Element ebenso integriert, wobei der Verlauf über den Steg oder bei Wege mit einer farbigen Schattierung akzentuiert wird.

Die Gestaltung folgt dem Prinzip eines sensiblen Weiterbauens im Bestand: Vorhandene Oberflächenstrukturen werden weitestgehend erhalten und sollen dann erneuert werden, wenn funktionale Anpassungen erforderlich sind. Neue Oberflächen, auch im Sinne einer möglichen mittel- bis langfristigen Uferwegerweiterung, sollen sich an den Gestaltungsprinzipien des Entwurfs orientieren. Dabei wird auf wassergebundene Wegedecken mit Natursteinpflaster in organische Formen und Verlegeart gesetzt. Großflächige Baumrodungen werden keine vorgenommen, die Entwürfe respektieren den vorhandenen Vegetations- und Baumbestand und ermöglichen ein natürliches Wachstum. Neue Pflanzstrukturen enthalten Saaten für Wiesen- und Blumenwiesenflächen sowie die Staudengewächse der „Mauerblume“. Hierbei wird auf vier Arten gesetzt, die über die Saison im Blühverlauf aneinander anschließen: Lynchis flos-cuculi (März-April), Iris siberica (Mai-Juni), Lythrum salicaria (Juli-August) und Scabiosa columbaria (September-Oktober).
Das Beleuchtungskonzept setzt an wenigen Punkten neue Beleuchtungskörper ein, und bindet bei den Leuchtmitteln einen Rot-Filter ein, die nachtaktive Lebewesen (z.B. Fledermäuse, Insekten, Kleintiere) ungestört lässt und gleichzeitig für Menschen eine sensible Orientierung und ein angenehmes Lichtempfinden ermöglicht.

Aufgrund der vorgesehenen minimalinvasiven Interventionen bleiben die Gesamtkosten des Projekts auf einem vergleichsweise moderaten Niveau. Den größten Kostenanteil bilden die Stegkonstruktionen. In der Kalkulation wird davon ausgegangen, dass die bestehenden Strukturen – insbesondere Oberflächen und Treppenanlagen – weitestmöglich erhalten und lediglich abschnittsweise beziehungsweise punktuell erneuert werden.

IDEENTEIL / Jedes Uferweg-Ende innerhalb des Entwurfs wird zu einem neuen Ort, den Griebnitzsee zu erleben. Unterschiedliche räumliche Situationen erzeugen eigenständige Typologien, in denen das Wege-Ende in einen Loop mit ortsspezifischen Fokuspunkten transformiert wird. Der Entwurf respektiert bewusst bestehende Eigentumsverhältnisse sowie die Privatsphäre der Anwohnenden und versteht diese als wesentlichen Bestandteil der sozialen und historischen Realität des Ortes. Dadurch entstehen neue Formen des Zusammenlebens zwischen öffentlichem Raum, ökologischen Systemen und privatem Leben. Die Interventionen und neuen Erlebnisorte zeigen, wie fragmentierte Abschnitte des Uferwegs nicht als Unterbrechungen, sondern als vielfältige räumliche Erfahrungen, Potenziale und Anziehungspunkte neu gedacht werden können. Besucher:innen erleben den Uferweg als eine Abfolge von Entdeckungen statt als eine durchgehende Promenade. Jedes transformierte Uferwegende schafft eine eigene Begegnung mit dem Griebnitzsee. Visuelle Verbindungen über unzugängliche Bereiche hinweg erhalten die mentale Kontinuität des Ufers, während die Interventionen dazu einladen, sich zu verlangsamen und mit den ökologischen und historischen Schichten des Ortes auseinanderzusetzen. Alle Interventionen bleiben vom zentralen Pier aus sichtbar und werden dadurch Teil eines zusammenhängenden räumlichen Netzwerks entlang des Ufers.

Typologie A reagiert auf eine Situation, in der die Kontinuität des Uferwegs durch ein Privatgrundstück unterbrochen wird. Anstelle einer physischen Durchwegung schafft die Intervention eine visuelle Verbindung – eine „visuelle Brücke“ –, die den öffentlichen Blick über das Privatgrundstück hinweg auf die Fortsetzung des Uferwegs auf der gegenüberliegenden Seite lenkt. Die Intervention arbeitet mit gerahmten Blickbeziehungen, Orientierungselementen und räumlicher Führung, die die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Landschaft, die Wasseroberfläche und die Fortsetzung des Uferwegs richten – nicht auf das Privatgrundstück selbst. Auf diese Weise respektiert der Entwurf das Bedürfnis der Anwohnenden nach Privatsphäre.
Typologie B schafft einen Fokuspunkt, der der Biodiversität des Uferökosystems gewidmet ist. Eine Struktur auf niedrigen Stelzen schwebt behutsam über dem Gelände und ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, den Lebensraum des Ufers zu beobachten, ohne ihn zu beeinträchtigen. Dank der natürlichen Geländeneigung bleibt die Intervention barrierearm und mit minimalem Eingriff in die Landschaft zugänglich. Gleichzeitig bewahrt das steiler ansteigende Gelände zum angrenzenden Privatgrundstück hin die visuelle Trennung und schützt die Privatsphäre der Anwohnenden.
Typologie C setzt eine Intervention am Endpunkt des Uferwegs, die sich auf die Relikte der Berliner Mauer und das angrenzende Wasserökosystem konzentriert. Der Weg führt die Besucherinnen und Besucher direkt zu den erhaltenen Mauerfragmenten, die heute von Pflanzen und Tieren besiedelt werden, und transformiert sie zu einem räumlichen Ort der Reflexion und des historischen Bewusstseins. Gleichzeitig erweitert sich die Intervention auf die Wasserfläche und ermöglicht eine direkte Auseinandersetzung mit dem aquatischen Ökosystem sowie den ökologischen Bedingungen des Uferraums.
Die natürliche Geländeneigung zu den angrenzenden Privatgrundstücken bewahrt die visuelle Trennung und schützt die Privatsphäre der Anwohnenden.
Bei Typologie D bleiben isolierte Abschnitte des Uferwegs ausschließlich Tieren zugänglich. Die Intervention ist hier nicht für die Nutzung von Personen vorgesehen, sondern dient ausschließlich der Förderung der Biodiversität und der Schaffung geschützter Rückzugsräume für Flora und Fauna. Die Struktur funktioniert als habitatartige Intervention, ähnlich einem Vogelnest, und schafft Nist-, Schutz- und Ruheorte für Vögel, Insekten und andere Arten entlang des Ufers.