In der Karl-Marx-Straße in Babelsberg wurden heute zwei neue Stolpersteine verlegt. Die Steine erinnern an Dr. Ernst Michaelis und seine Ehefrau Katharina, geborene Pickardt. Dr. Ernst Michaelis wirkte als Kinderarzt im heutigen Babelsberg und wurde 1942 aufgrund seiner jüdischen Herkunft in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Katharina Michaelis beging Selbstmord.
Die Stolpersteine initiierte die Geschichtswerkstatt Rotes Nowawes e.V. Sie recherchierten das Schicksal des Ehepaars und nahmen Kontakt zu Nachfahren auf. Zur Stolpersteinverlegung reiste eigens eine Großnichte der Familie Michaelis, Lydia Tichauer aus London, an.
„Jeder Stolperstein erinnert an einen Menschen – an ein Leben voller Hoffnungen, Beziehungen und eines Alltags, der gewaltsam zerstört wurde. Auch Dr. Ernst Michaelis und Katharina Michaelis waren Teil unserer Stadt, bis sie ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Indem wir ihre Namen sichtbar machen, holen wir sie symbolisch zurück in unsere Mitte. Denn es ist unsere gemeinsame Aufgabe, ihr Leben und ihr Leid nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und aus ihrem Schicksal Verantwortung für unser heutiges Handeln zu übernehmen“, sagt Oberbürgermeisterin Noosha Aubel, die bei der Verlegung der Stolpersteine vor Ort war.
1996 rief der Kölner Künstler Gunter Demnig das Erinnerungsprojekt ins Leben. Seither sind in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern mehr als 120.000 Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus, vor allem an Menschen jüdischer Herkunft.
In Potsdam werden die Messingtafeln auf Betonwürfeln seit 2008 verlegt. Inzwischen gibt es rund 80 Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet. Mit jeder Verlegung sind intensive Recherchen verbunden: Potsdamer Schülerinnen und Schüler sowie Geschichtsinteressierte arbeiten die Biografien der Opfer auf und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.
Das Stolpersteinprojekt wird über Spenden finanziert. Engagierte Bürgerinnen und Bürger reinigen regelmäßig die Steine und sorgen dafür, dass die Inschriften sichtbar bleiben.