Kontext
Das südliche Ufer des Griebnitzsees zählt zu den herausragenden Lagen in Potsdam-Babelsberg und dem Berliner Umland. Charakteristisch ist die Topografie, durch die das Gelände vom Straßenniveau teilweise steil zum Wasser abfällt und abwechslungsreiche Ufersituationen erzeugt. Der alte Baumbestand und die zum Teil dichte Vegetationsstrukturen geben dem Ufer einen gefassten und grünen Charakter.
Der Griebnitzsee ist Teil eines übergeordneten Gewässersystems und wird sowohl für die Binnenschifffahrt als auch für Freizeitaktivitäten wie Kajak-, Kanu- oder Stand-Up-Paddling genutzt. Durch die unmittelbare Nähe zum Wasser besitzt das Gebiet ein hohes Naherholungspotenzial und eine besondere Bedeutung für die wohnortnahe Freiraumversorgung. Die bestehende Villenbebauung in direkter Gewässerlage sowie die angrenzenden Gartenanlagen prägen bis heute das Bild eines hochwertigen, historisch gewachsenen Wohngebiets von architektonischer und gartendenkmalpflegerischer Bedeutung. Besondere historische Bedeutung erhält der Ort durch die deutsche Teilung. Mit dem Bau der Berliner Mauer verlief die deutsch-deutsche Grenze mitten durch den See, wodurch das südliche Ufer über Jahrzehnte zum Grenz- und Sperrgebiet wurde. Der noch teilweise erhaltene Postenweg sowie einzelne Relikte der Grenzinfrastruktur erinnern bis heute an diese Vergangenheit und sind Teil des Berliner Mauerwegs.
Die Uferzone ist heute allerdings nur eingeschränkt erlebbar. Durch den Rückerwerb zahlreicher Ufergrundstücke durch ehemalige EigentümerInnen und Rechtsnachfolgende setzte ab Mitte der 1990er Jahre eine weitreichende Privatisierung der Uferflächen ein. Zahlreiche Grundstücke wurden eingefriedet, wodurch der Verlauf des Uferwegs bis heute fragmentiert bleibt und ein durchgehender öffentlicher Zugang zum Wasser nicht möglich ist. Zusätzlich erschweren die topografischen Bedingungen sowie die dichte Vegetation die Zugänglichkeit des Ufers.
Konzept
Das Konzept verfolgt den Ansatz, die bereits öffentlich zugänglichen Räume am Griebnitzsee aufzuwerten und gleichzeitig die Grundlage für eine langfristig durchgehende Erschließung entlang des Uferwegs zu schaffen. Der Uferraum wird dabei als zusammenhängende und zukünftig durchgehend erlebbare Grün- und Freiraumverbindung verstanden.
Dafür wird ein Konzept in drei Entwicklungsphasen vorgeschlagen. Die erste Phase aktiviert die bereits vorhandenen öffentlichen Räume und Wasserzugänge entlang des Ufers. Dazu zählen der Uferpark, der Panoramasteg und der Uferbalkon sowie die Zugänge am Bergweg, am Hiroshima-Nagasaki-Platz und an der Stubenrauchstraße. Auch wenn die einzelnen Uferabschnitte weiterhin fragmentiert bleiben, werden sie bereits in dieser Phase als eigenständige Aufenthaltsorte qualifiziert. Aussichtsbalkone, Stege und Stufen am Wasser sowie Informations- und Orientierungselemente machen die bestehenden Sackgassen zu attraktiven Zielen entlang des Ufers.
Die zweite Phase sieht vor, die kleineren Zwischenräume zwischen den bestehenden öffentlichen Flächen zu schließen. Dadurch entstehen erste zusammenhängende Uferspangen, die an beiden Enden des Uferwegs bereits großzügige und zusammenhängende Wasserzugänge ermöglichen. Die dritte Phase beinhaltet die langfristige Herstellung einer durchgehenden Wegebeziehung entlang des südlichen Ufers des Griebnitzsees. Ziel ist ein zusammenhängender Uferweg, der die unterschiedlichen Freiräume miteinander verbindet und das Wasser dauerhaft öffentlich erlebbar macht.
Der Uferweg wird dabei in intensive und extensive Abschnitte gegliedert. Die Realisierungsbereiche bilden die intensiven Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität und direktem Zugang zum Wasser. Hier befinden sich Aufenthaltsflächen, Aussichtspunkte, Stege sowie Anlegestellen für Wasserwandernde. Sie markieren Eingangsbereiche des Uferwegs und fungieren als Treffpunkte sowie vertikale Verbindungen zwischen Straßenraum und Uferraum. Die extensiven Abschnitte im Bereich des Ideenteils verlaufen entlang der bestehenden Uferbereiche und der angrenzenden Wohnbebauung. Sie sind durch einen ruhigen und landschaftlich geprägten Charakter bestimmt und dienen vorwiegend der Bewegung am Wasser.
Die Wegeflächen entlang des Ufers sind ausschließlich dem Fußverkehr vorbehalten und ordnen sich sensibel in den bestehenden Garten- und Landschaftsraum sowie die Bestandsbebauung ein. Die Parkeingänge und Platzflächen erhalten eine angemessene Beleuchtung. Besonderer Bedeutung wird der Schaffung neuer hochwertiger Freiraumelemente und dem Aufenthalt am Wasser beigemessen sowie die Implementierung eines ineinandergreifenden Leitsystems. So wird das südliche Ufer des Griebnitzsee seiner Bedeutung als Treffpunkt und Ausflugsziel ebenso wie seiner historischen Bedeutung gerecht und verbindet diese miteinander.
Uferpark
Der Uferpark wird als landschaftlich geprägter Freiraum weiterentwickelt. Von der Wasserstraße aus führt eine Entréefläche in den Park und bindet den bestehenden Postenweg an. Im ersten Abschnitt wird der Postenweg zugunsten einer barrierearmen Erschließung mit einer maximalen Steigung von 10 % neu gestaltet und verläuft zukünftig in sanfteren Bewegungen entlang der Böschung. Längs des Weges entstehen vier Aufweitungen sowie ein Aussichtsbalkon mit Blick auf den Griebnitzsee. Von dort führen Stege hinunter zum Wasser und bilden Wasserbalkone und Aufenthaltsbereiche am Ufer aus. Diese dienen als Aussichtspunkte, Aufenthaltsorte sowie teilweise als Anlegestellen für Wasserwandernde.
Ergänzend zum Postenweg führt vom Entrée eine neue Rampe direkt hinunter zum Griebnitzsee. Der abschließende Wasserbalkon schafft eine neue Platzfläche am Ufer und bildet gleichzeitig den zukünftigen Anschluss an den weiterführenden Uferweg in Richtung Schlosspark Babelsberg. Zwischen Wasserbalkon und Postenweg verläuft der Uferpfad durch die bestehende Grünfläche und verbindet die einzelnen Aufenthaltsbereiche innerhalb des Parks miteinander.
Panoramasteg
Ein Entrée leitet von der Virchowstraße auf den neuen Panoramasteg.
Der bestehende Treppenanlage wird behutsam weiterentwickelt und um eine zusätzliche Plattform ergänzt: Auf halber Höhe entsteht ein neuer Aussichtsbalkon, der zukünftig als Anschluss für den durchgehenden Postenweg dient und weite Ausblicke über den Griebnitzsee ermöglicht. Von dort aus wird der Panoramasteg über den heutigen Endpunkt hinaus bis an das Ufer verlängert. Am Griebnitzsee entsteht ein neuer Aufenthaltsbereich mit Wasserbalkon, Sitzstufen und einer Anlegestelle für Wasserwandernde. Dadurch wird der bestehende Zugang zum Wasser gestärkt und um einen zusätzlichen Aufenthaltsort direkt am Ufer ergänzt.
Uferbalkon
Der Uferbalkon erfährt eine umfassende freiräumliche Aufwertung und wird als zentraler Aufenthalts- und Eingangsbereich am S-Bahnhof Griebnitzsee entwickelt. Entlang der Rudolf-Breitscheid-Straße entsteht eine neue Platzfläche mit Panoramablick über den See. Ein begrüntes Sitzplateau bildet einen Aufenthalts- und Treffpunkt am Eingang zum Uferweg. Vom Plateau ausgehend werden Sitzstufen in den Hang integriert. Die bestehende Treppenanlage bleibt erhalten und führt hinunter ans Ufer.
Am Ufer aktiviert eine neue Platzfläche den Uferbereich. Großzügige Sitzstufen schaffen neue Aufenthaltsmöglichkeiten und führen direkt ans Wasser. Dafür entfallen die bestehenden Beetflächen, die Bestandsmauer wird zugunsten der neuen Platzfläche angepasst und in Richtung Wasser versetzt. Die Anschlüsse des Postenwegs werden an die neue Situation angebunden und in das Gesamtkonzept integriert. Die bestehende Spundwand wird auf Höhe des Wasserbalkons instandgesetzt. Östlich des Anlegers reicht eine Liegewiese bis ans Wasser. Hier sorgt ein Uferbereich aus natürlichen Uferbausteinen für die nötige Befestigung.
Uferweg
Der bestehende Postenweg wird als Uferweg beibehalten und gestalterisch eingebunden. Asphaltflächen werden dabei geschützt und in intensiven Abschnitten des Uferwegs durch ein begleitendes Band ergänzt. In Bereichen ohne bestehenden Asphaltweg oder in schon transformierten Abschnitten wird der Uferweg aus wassergebundener Decke hergestellt. Extensive Abschnitte des Uferwegs können ebenfalls punktuell durch das begleitende Band ergänzt werden und Aufenthaltsbereiche sowie Informationselemente anbieten. Dies muss mit den Anwohnenden abgestimmt werden.
Leitsystem
Für das Leitsystem wurde eine eigene Produktfamilie entwickelt. Sie besteht aus verschiedenen Informations- und Interaktionselementen. Klassische Informations- und Grafikelemente werden so mit digitalen Formaten wie Augmented Reality zu einer abwechslungsreichen und informativen Leitsystem kombiniert.
Elemente des Leitsystems sind an den historischen Orten, den Entrées in den intensiven Parkbereichen sowie an noch bestehenden Sackgassen vorzufinden. So wird auch der Weg in einen noch nicht weiterführenden Uferabschnitt belohnt. Ein den Postenweg begleitendes Band nimmt die Elemente des Leitsystems auf. Aufweitungen des Bandes bieten zudem die Möglichkeit Sitzelemente mit Informationselementen zu kombinieren. Die Tafeln und Stehlen integrieren sich in das bestehende Informationssystem Mauerweg. In Farbgebung und Materialität setzen sie aber ebenso eigene Akzente.
Vegetation / Uferbereich
Bestehende Biotope wie Schilfgürtel, Ufergehölze und der Altbaumbestand werden geschützt und in die Planung integriert. Neben der Sicherung des bestehenden Baumbestandes werden punktuell klimaresiliente und standortgerechte Bäume gepflanzt. Anfallendes Oberflächenwasser wird in die Vegetationsflächen entwässert.
Wirtschaftlichkeit
Das Freiraumkonzept verfolgt das Ziel eines dauerhaft wirtschaftlichen Betriebs durch eine robuste, pflegeleichte Gestaltung und den gezielten Einsatz langlebiger und regional verfügbarer Materialien. Zudem werden Typisierung und Vorfertigung genutzt, um Baukosten zu optimieren und gleichzeitig einen hohen Standard zu gewährleisten. Die Konzeption der Pflanzflächen ermöglicht eine extensive Pflege mit reduzierter Mahd und geringerem Ressourceneinsatz.
Die Baukosten für die Kostengruppe 540 Baukonstruktionen in Außenanlagen wurden in der Kostenaufstellung ergänzt. Der Kostenrahmen scheint für die gewünschten Umsetzungen nicht ausreichend. Vor allem die umfassenden Sanierungsmaßnahmen des Uferschutzes als auch die hochwertigen Einbauten überschreiten die vorgegebenen Kostenrahmen.
Die Steganlagen müssen extern mit einem Wasserbauingenieur abgestimmt und kalkuliert werden. Zusätzliche Kosten sind zu erwarten.
Angesichts der Komplexität des Vorhabens und der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind weitere Preissteigerungen nicht auszuschließen. Eine fortlaufende Kostenkontrolle während der weiteren Planung ist daher unerlässlich.
Beurteilungstext
Das Preisgericht begrüßt das ebenso zurückhaltende wie schlüssige Gestaltungskonzept. Der Entwurf löst die Erschließung des Geländes mit einer Vielzahl kleinteiliger, sensibel gesetzter Gestaltungselemente. Hierzu zählen unter anderem zurückhaltend gestaltete, teilweise kleine und unauffällig in den Uferbereich integrierte Stege im Teil A. Die Erschließungswege fügen sich behutsam in den Landschaftsraum ein.
Der neu gestaltete Wasserbalkon/Zugang erweitert gekonnt den Aufenthaltsbereich in unmittelbarer Wassernähe im Teil A. Vereinzelt werden standortgerechte Bäume gepflanzt.
Der ehemalige Kolonnenweg der Grenztruppen dient als Erschließungsachse und wird durch ein begleitendes Betonplattenband ergänzt, das zu Informationselementen aufgeweitet wird. Dies wird ausdrücklich begrüßt, da der Kolonnenweg als authentisches historisches Zeugnis erhalten, gestalterisch behutsam inszeniert und zugleich seine Geschichte vermittelt wird. Die unterschiedlich dimensionierten Informationselemente sind gestalterisch schlüssig entwickelt, ermöglichen verschiedene Formen der Informationsvermittlung und fügen sich angemessen zurückhaltend in das Umfeld ein.
Das Preisgericht begrüßt die gleichermaßen ruhige wie qualitätvolle Gestaltung. Mit Liegewiesen und Plätzen entstehen attraktive Aufenthaltsbereiche. Kontrovers diskutiert wird das fehlende Angebot für Kinder und Jugendliche.
Die Materialität der Möblierung wird begrüßt. Kritisch bewertet wird jedoch, dass nahezu ausschließlich Einzelsitze vorgesehen sind. Insgesamt wird mit dem Entwurf die künftig zu erwartende Besuchervielfalt mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen scheinbar nur bedingt berücksichtigt.
Die Barrierearmut ist gegeben, wobei die bisher geplanten 10 Prozent Steigung in einzelnen Bereichen die für Barrierefreiheit zulässigen 6 Prozent deutlich überschreiten.
Positiv hervorgehoben wird im Ideenteil die Erweiterung der Spundwand um Habitatsstrukturen beziehungsweise ökologische Funktionen. Kritisch gesehen wird jedoch die stark vereinfachende Perspektivdarstellung, die eine belastbare Beurteilung des Vorschlags erschwert.
Die Herstellungskosten überschreiten den vorgegebenen Kostenrahmen deutlich. Demgegenüber ist zu erwarten, dass sich die Pflege- und Unterhaltungskosten im wirtschaftlichen Rahmen bewegen. Der Entwurf erscheint grundsätzlich ohne größere bauliche Schwierigkeiten umsetzbar. Ausgenommen hiervon ist der Aussichtsbalkon im Realisierungsbereich B, da dieser teilweise außerhalb der verfügbaren Grundstücksfläche liegt.