Oberbürgermeisterin Noosha Aubel hat heute gemeinsam mit dem Bereich Statistik und Wahlen und der Fachbereichsleiterin Verwaltungsservice, Katrin Petermann, die neue kleinräumige Bevölkerungsprognose für die Landeshauptstadt Potsdam 2025 bis 2040 vorgestellt. Die Einwohnerzahl Potsdams wird demnach bis Ende des Jahres 2040 um rund 12.300 Personen auf etwas mehr als 200.000 steigen. Das entspricht einem moderaten Wachstum von 6,6 Prozent innerhalb des Prognosehorizontes. „Die neue kleinräumige Bevölkerungsprognose ist eine Handlungsanweisung. Die Ergebnisse zeigen: Potsdam wächst weiter, aber deutlich moderater und allein durch Zuzug. Dabei verläuft die Entwicklung in den einzelnen Altersgruppen nicht nur wellenartig, sondern lokal auch sehr unterschiedlich. Für uns ist die Prognose Grundlage, die Fachplanungen wie beispielsweise die Integrierte Kita- und Schulentwicklungsplanung anzupassen“, sagte Oberbürgermeisterin Noosha Aubel.
Moderateres Wachstum
Die vorliegende Bevölkerungsprognose wurde auf Grundlage der Einwohnerzahl vom 31. Dezember 2024 (187 820 Personen) berechnet und berücksichtigt die aktuellsten Trends der Einwohnerentwicklung. Die maßgeblichen Veränderungen betreffen insbesondere die Anzahl der Geburten sowie die Außenzuwanderung, die im verwendeten Analysezeitraum der Vorjahre ab 2021 in der Landeshauptstadt Potsdam deutlich niedriger ausgefallen sind als zuvor. Das Wachstum Potsdams wird somit deutlich geringer ausfallen, als es noch die zuletzt erstellte Bevölkerungsvorausberechnung vorgesehen hatte: Die Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2020 prognostizierte mit den damals getroffenen Annahmen ein Wachstum Potsdams auf fast 218 000 Einwohner im Jahr 2040.
Negative natürliche Bevölkerungsentwicklung verstärkt sich
Seit 2020 verzeichnet Potsdam eine negative natürliche Bevölkerungsentwicklung, also weniger Geburten als Sterbefälle, während diese zuvor fast 20 Jahre lang positiv ausgefallen war. Die Anzahl der Gestorbenen wird bis zum Prognoseende im Jahr 2040 konstant höher sein als die Anzahl der Lebendgeborenen. Dass es eine solche Entwicklung geben wird, zeichnete sich schon in den 2016 und 2020 berechneten Bevölkerungsprognosen ab. Hauptgrund für das Absinken der Geburten war die zu erwartende Abnahme der Elterngenerationen, verursacht durch die extrem gesunkenen Geburtenzahlen zu Beginn der 1990er-Jahre. Gleichzeitig steigt demographisch bedingt die Zahl der Sterbefälle.
Allerdings fällt die negative natürliche Bevölkerungsentwicklung zukünftig noch stärker aus als bisher angenommen, was an der seit 2022 stark eingebrochenen Fruchtbarkeitsrate liegt, die zu noch weniger Geburten führt. Während die zusammengefasste Geburtenziffer (TFR = Total Fertility Rate, eine Kennzahl, die angibt, wie viele Lebendgeborene eine Frau im gebärfähigen Alter durchschnittlich zur Welt bringt) in den Jahren 2016 und 2017 noch bei mehr als 1,5 Kindern pro Frau lag, wies die TFR 2024 nur noch 1,08 Lebendgeborene pro Frau aus. Zurzeit ist von einer nur langsamen Erholung der Geburtenziffer auszugehen. Die Annahmen der neuen Bevölkerungsprognose weisen darauf hin, dass erst 2035 wieder ein Wert von 1,3 erreicht wird, der dann bis zum Prognoseende stabil bleibt, was mit steigenden Geburtenzahlen einhergehen wird.
Wachstum durch Wanderung von außen schwächt ab
Das künftige Wachstum der Potsdamer Bevölkerung wird, wie in den vergangenen Jahren, durch einen positiven Außenwanderungssaldo verursacht, auch wenn dieser nicht mehr so hoch ausfallen wird. Seit Ende der 2010er-Jahre ist der Außenwanderungssaldo rückläufig, was an gesunkenen Zuzügen bei vergleichsweise stabilen Wegzugszahlen liegt.
Einfluss der Neubautätigkeit
Anhand der vorhandenen Flächenpotenziale ging die zu erwartende Anzahl der Neubaubeziehenden in die Prognoseberechnung ein. Kurzfristig (2025 bis 2027) könnten rund 4 100 Personen eine Neubauwohnung beziehen, mittelfristig (2028 bis 2031) stünden Wohnungsneubaupotenziale für 9 900 Personen und langfristig (2032 bis 2040) für 14 500 Personen zur Verfügung. Eine besondere Rolle kommt dem Entwicklungsgebiet Krampnitz mit Neubauwohnungen für rund 10 400 Personen zu. Dabei wird der stärkste Zuzug zu Beginn bis Mitte der 2030er-Jahre erwartet. Die Anzahl der Fertigstellungen im Wohnungsneubau hat nicht nur Einfluss auf die innerstädtische Wanderung, sondern auch auf die Außenzuwanderung. So erhöht sich in Jahren, in denen viele Neubauwohnungen fertiggestellt werden, die Zahl der nach Potsdam zuziehenden Personen. Demnach wird die Stadt zu Beginn der 2030er-Jahre das stärkste Wachstum im Prognoseverlauf verzeichnen.
Unterschiedliche Entwicklungen in den Altersgruppen
Die Bevölkerungszunahme der Stadt geht gleichzeitig mit Veränderungen der demographischen Struktur der Bevölkerung Potsdams einher. Das Durchschnittsalter der Potsdamer Bevölkerung erhöht sich von 43,3 Jahre im Jahr 2024 um fast zwei Jahre auf 45,2 Jahre im Jahr 2040. Für die einzelnen Altersgruppen werden bis 2040 sehr unterschiedliche Entwicklungen prognostiziert. Die Zahl der Einwohner, die 65 Jahre oder älter sind, wird sich stark erhöhen (+22,1 Prozent von rund 38 100 auf 46 500 Personen). Die Zahl der Hochaltrigen (80 Jahre und älter) steigt nach einem leichten Absinken bis 2028 von 13 750 langfristig auf 15 400 Personen (+12,0 Prozent). Vergleichsweise stark wächst die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 19 bis unter 26 Jahren (+2 100 Personen bzw. +13,8 Prozent) bis zum Jahr 2040. Vergrößern wird sich auch die Gruppe der Jugendlichen im Alter von 12 bis unter 19 Jahren, allerdings nur bis zum Jahr 2031 (+ 1 370 bzw. +10,6 Prozent ggü. 2024). Anschließend werden schwächere Jahrgänge dieser Altersgruppe wirksam, sodass diese wieder um 2 500 Jugendliche schrumpfen wird (-17,6 Prozent ggü. 2031). Die Anzahl der Kinder im Alter von 6 bis unter 12 Jahren wird bis zum Jahr 2034 abnehmen (-2 600 Kinder bzw. -22,1 Prozent), erst danach wird ihre Zahl wieder leicht bis zum Prognoseende steigen (+320 Kinder bzw. +3,5 Prozent ggü. 2034). Auch die Zahl der jüngsten Einwohner Potsdams unter 6 Jahren wird sich bis 2028 im Vergleich zum Basisjahr 2024 um rund 1 430 Kinder reduzieren (-14,6 Prozent). Erst danach wird Ihre Anzahl wieder steigen, sodass diese Altersgruppe im Jahr 2040 nahezu den Ausgangsbestand des Jahres 2024 erreichen wird (+1 340 Kinder bzw. + 16,0 Prozent ggü. 2028).
Planungsräume nehmen unterschiedliche Entwicklungen
Diese Beobachtungen gelten für die Gesamtstadt Potsdam, während die Bevölkerungsentwicklung kleinräumig auf Ebene der 19 Potsdamer Planungsräume sowohl insgesamt als auch in den einzelnen Alterskorridoren unterschiedlich verlaufen wird. So gibt es neben Planungsräumen, die im Prognosezeitraum insbesondere durch Neubautätigkeit Einwohnergewinne verbuchen (z. B. Potsdam West; Drewitz; Alt Drewitz, Kirchsteigfeld; Hauptbahnhof, Brauhausberg, Templiner und Teltower Vorstadt) auch Planungsräume, die Einwohnerverluste verzeichnen werden. Dazu gehören u. a. Bornstedt sowie die Brandenburger Vorstadt. Die Einwohnerentwicklung verläuft bei vielen Planungsräumen nicht linear in eine positive oder negative Richtung. So können Phasen von Einwohnergewinn und -verlust sowie Stagnation in unterschiedlichen Reihenfolgen während des Prognoseverlaufs stattfinden.
Aussagekraft der Bevölkerungsprognose
Der Bereich Statistik und Wahlen weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der kleinräumigen Bevölkerungsprognose nicht um eine Vorhersage, sondern um eine sogenannte Wenn-Dann-Aussage handelt. Aufgrund einer Vielzahl gesamtgesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer und demographischer Einflussfaktoren sind die Unsicherheiten der langfristigen Bevölkerungsentwicklung insgesamt als sehr hoch einzuschätzen. Insbesondere die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass sich mehrere Trends und Krisen, die nicht vorhersehbar waren, überlagern können. Alle Prognosezahlen werden unterjährig mit der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung abgeglichen.