Wilhelm Kann

Famile Kann um 1922
Famile Kann um 1922
Famile Kann um 1922

Wilhelm Kann war der letzte Jude, der in Potsdam noch offiziell jüdisches Leben repräsentierte, bis er am 22. Juni 1943 deportiert wurde. Danach galt die Stadt als „judenrein".
Sein preußisches Pflichtgefühl kostete ihm am 4. Januar 1944 in Theresienstadt das Leben.

Wilhelm Kann wurde am 17. November 1880 in Potsdam in eine großbürgerliche Familie hineingeboren. Sein Vater war Eigentümer eines seit 1842 existierenden und angesehenen Bankgeschäftes in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße 113. Er selbst blieb als Bankier letztlich glücklos. Ab 1933 übernahm er Handelsvertretungen und arbeitete für die Synagogengemeinde und die Reichsvereinigung der Juden. So widmete er seine Tatkraft vor allem dem jüdischen Leben.

Er lebte am Ende ganz allein in einer ungeheizten Dachgeschosswohnung seines Elternhauses. Die sehr spärliche Einrichtung wurde, genau wie sein Restvermögen, eingezogen und am 9. September 1943 versteigert. Am 18. Juni 1943 wurde Wilhelm Kann als angeblicher Auswanderer „polizeilich abgemeldet".

Allen vier Kindern gelang die Emigration. Dadurch überdauert auch sein Name: Enkelsohn Michael Kann wurde Regisseur, Darsteller und auch Drehbuchautor. Er setzt sich in seinen Filmen vor allem mit dem Thema der Judenverfolgung auseinander. Das Filmmuseum Potsdam zeigt in seiner Dauerausstellung in Verbindung mit dem Wirken Michael Kanns als DEFA-Regisseur eine erschütternde letzte Postkarte an die Kinderfrau der Familie, Anna Groß.

Adresse: 
Stolperstein für Wilhelm Kann
Friedrich-Ebertstraße 113
14467 Potsdam
Deutschland