Familie Kauf

Stolperstein Emil Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Emil Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Emil Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Pauline Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Pauline Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Pauline Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Clara Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Clara Kauf (Foto: Christian Michelides)
Stolperstein Clara Kauf (Foto: Christian Michelides)
Pauline und Emil Kauf vor ihrem Haus Karl-Marx-Straße 8 (Foto: Privat)
Pauline und Emil Kauf vor ihrem Haus Karl-Marx-Straße 8 (Foto: Privat)
Pauline und Emil Kauf vor ihrem Haus Karl-Marx-Straße 8 (Foto: Privat)

Der am 1. Mai 1863 in Samter (Posen) geborene Emil Kauf war mit der zwei Jahre jüngeren Pauline Mosheim verheiratet. Am 30. August 1897 wurde Tochter Clara geboren. Seit 1889 findet man Emil Kauf in Berliner Adressbüchern, anfänglich allgemein als „Handelsmann" verzeichnet. 1902 begründete er die eigene Firma für die Anfertigung von Damenmänteln, die bis 1926 in der Kronenstraße 37 ihren Sitz hatte. Sie gehörte zum damals weltberühmten Berliner Mode- und Textilzentrum um den Hausvogteiplatz. Einkäufer, Vertreter, Modeateliers, Zwischenmeister, spezialisierte Produzenten, Großhändler sowie alle wichtigen Unternehmerverbände und Branchenorganisationen für Deutschland befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Umzug der Firma über die Jerusalemer Straße in die Charlottenstraße 64 dokumentierte den geschäftlichen Aufstieg. Die Unternehmerfamilie erwarb 1912 in der Villenkolonie Neubabelsberg von dem Schriftsteller J. Ritterhaus das Grundstück Kaiserstraße 8 (später Straße der SA, heute Karl-Marx-Straße). In der reizvollen Umgebung mit S-Bahn-Anbindung wurde die seit ihrer Geburt gelähmte Tochter von der Mutter und einer Pflegerin betreut.

Während der NS-Zeit änderte sich ihr Leben schlagartig. Auf der Grundlage der "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben" wurde Emil Kauf zur Auflösung der Traditionsfirma gezwungen und systematisch beraubt. Das Vermögen wurde in amtlichen Vordrucken aufgelistet und Wertgegenstände mussten abgeliefert werden. Sondersteuern wie die "Judenvermögensabgabe" wurden erhoben, zahlreiche Verbote bestimmten den Alltag.

Am 17. November 1941 wurde die Familie gezwungen, das Haus samt Grundstück zu verkaufen. Auswanderungsbemühungen scheiterten am fortgeschrittenen Alter der Eheleute. Zuletzt im "Alters- und Siechenheim der Reichsvereinigung" in der damaligen Bergstraße 1 (heute Spitzweggasse) in Potsdam-Babelsberg untergebracht, wurden sie am 17. November 1942 zur Unterschrift unter einen "Heimeinkaufvertrag" für Theresienstadt genötigt, der ihnen angeblich für ihr restliches Vermögen auf Lebenszeit Gemeinschaftsunterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung garantieren sollte. Mit dem Transport vom 13. Januar 1943 erreichten die Kaufs Theresienstadt, wo beide im Juni 1943 verstarben. Das Todesdatum von Clara Kauf ist mit 27. Februar 1943 vermerkt.

Adresse: 
Karl-Marx-Straße 8
14482 Potsdam
Deutschland