Von Jörg Näthe, Leitender Inselgärtner von 1981 - 2013

Die Kunstwerke auf der Freundschaftsinsel

Die Freundschaftsinsel in Potsdam, bekannt als ein einzigartiges Gartendenkmal, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem unverwechselbaren Kleinod für die Präsentation zahlreicher    Kunstwerke im öffentlichen Raum entwickelt. Im Jahre 1941 eröffneten Staudenschau und -sichtungsgarten auf der Freundschaftsinsel. Mit Ausnahme eines großen Reiterstandbildes auf der Südspitze gab es zu diesem Zeitpunkt keine Kunstwerke. Beim Wiederaufbau in den 50er Jahren war die Großplastik längst verschwunden.

Wie und wann kam die Kunst auf die Freundschaftsinsel?

Eine Bronzeplastik des Bildhauers Hans Klakow, sollte 1964 im Kontext der 7. Bezirkskunstausstellung, welche im Marstall stattfand, auf der nahegelegenen Insel ausgestellt werden. Die Kindergruppe war eigentlich für die damals noch im Bau befindliche Ladenstraße am Kanal bestimmt, wo sie noch heute zu finden ist.

Durch einen Irrtum wurde diese in Lauchhammer gegossene Plastik jedoch nach Berlin geschickt und fand erst später ihren vorübergehenden Platz auf der Freundschaftsinsel. Den extra aufgemauerten Sockel an der Wasserachse schmückten zunächst ersatzweise als Leihgabe Klakows "Pelikane“.

Diese erste Bronzeplastik fand derart viel Zuspruch bei den Besuchern, dass der damalige Gewerkschaftsbund einen weiteren Abguss erwarb und als Schenkung der Stadt übergab.

Ab 1965 gab es die Idee auf der Freundschaftsinsel zukünftig Ausstellungen unter dem Titel "Wasser, Blumen und Plastik“ stattfinden zu lassen.

Die erste große Ausstellung dieser Art wurde 1966 im Rahmen der 8. Arbeiterfestspiele in Potsdam als „Plastik im Freien“ mit 70 Arbeiten von 35 Künstlern organisiert. Von Anfang Juni bis Ende August sahen 50.000 Besucher die Schau. Als junge Künstler waren u.a. Bildhauer wie Werner Stötzer und Wieland Förster vertreten. Beide zählten später zu den renommiertesten Vertretern  ihrer Bildhauergeneration.

Nach dem Abbau der Ausstellung gab es Eingaben von Bürgern und die Stadtverordneten reagierten auf die entfachte Kunsteuphorie mit dem Beschluss, die Freundschaftsinsel in einen Ausstellungsgarten für Plastiken umzuwandeln. Für den Ankauf von zwei weiteren Plastiken wurden 8.000 Mark zur Verfügung gestellt. Eine der beiden dürfte das "Paar unter dem Regenschirm“ von Jürgen von Woyski gewesen sein. Von da an wuchs der Bestand auf der Insel kontinuierlich an.

Während der Umgestaltung zu den 10. Weltfestspielen der Jugend 1973 bekamen viele der vorhandenen Plastiken einen neuen Standort. Das "Pony“ von Drake und das "Tanzpaar“ von Hunzinger z.B. in den neuen Gartenteilen um Spielplatz und Freilichtbühne. Als weitere Bereicherung kamen die Keramik-Wände von Hedwig Bollhagen und Egon Wrobel sowie die "Floralen Gitter“ von Christian Roehl im neuen Rosengarten hinzu.

Zum 100. Geburtstag von Karl Förster 1974 wurde die Einweihung eines Denkmals für diesen Ehrenbürger Potsdams zu einem großen Ereignis. Unzählige Verehrer des großen Gärtners aus Ost und West versammelten sich am 9. März vor der Skulptur aus schwedischem Nirosta-Stahl und waren beeindruckt von der künstlerischen Gestaltung bzw. deren Modernität Das Denkmal wurde zum Wahrzeichen der Freundschaftsinsel und das Foerster-Zitat "Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere“, ausgewählt von seiner Frau Eva, wurde zum Leitspruch für viele.

Ohne Pomp und Presse wurde 1976 Margit Middels "Schönheit des Menschen in der Natur“ am Eingang zur Langen Brücke aufgestellt, neben dem Foersterdenkmal die einzige Auftragsarbeit für die Freundschaftsinsel.

Ein "Kormoran“ als kleine Kunststeinfigur war das letzte zu DDR-Zeiten angekaufte Kunstwerk und fand seinen Platz an der Wasserachse. Das Letzte war in diesem Fall das Erste, welches in der Wendezeit 1989 gestohlen wurde. Der Vandalismus in den folgenden Jahren forderte auch von den Plastiken seinen Tribut. So wurden Anfang der 90er Jahre viele Kunstobjekte beschädigt, darunter der "Gärtnerjunge“ und das "Tanzpaar“.

Abhilfe brachte die Sanierung der Gartenanlage zur BUGA 2001, in die auch alle Plastiken und sonstigen Kunstwerke einbezogen waren. Alle erhielten eine Reinigung und eine schützende Oberflächenbehandlung und manche einen neuen besseren Standort. Neu dazu kamen Horst Misch´s "Jugend“ sowie "Fisch“ und "Vogel“ im Kräutergarten.

Das Gartendenkmal Freundschaftsinsel verfügt damit über eine bedeutende Sammlung von überwiegend aus DDR-Zeiten stammenden Kunstwerken, die zu einem  festen Bestandteil wurden, den Ort prägen und sich großer Beliebtheit erfreuen.

Von Jörg Näthe, Leitender Inselgärtner von 1981 - 2013

Adresse: 
Freundschaftsinsel
Lange Brücke
14467 Potsdam
Deutschland