993 – 1660 Von Poztupimi zur Nebenresidenz

Schenkungsurkunde vom 3. Juli 993 (© Landeshauptstadt Potsdam)
Schenkungsurkunde vom 3. Juli 993 (© Landeshauptstadt Potsdam)
Schenkungsurkunde vom 3. Juli 993 (© Landeshauptstadt Potsdam)

Auf einer Urkunde von 3. Juli 993 wurde Potsdam zum ersten Mal schriftlich erwähnt: Der dreizehnjährige König des ostfränkisch-deutschen Reiches und spätere Kaiser Otto III. schenkte seiner Tante, der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, den Ort "Poztupimi". Diese slawische Ansiedlung mitsamt einer ersten Burganlage wird im Bereich der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Heilig-Geist-Kirche vermutet. Die Bedeutung Potsdams beruhte auf seiner Lage und damit der Beherrschung des Flussübergangs, denn die Havel war ein wichtiger Verkehrsweg zwischen den großen Burganlagen in Spandau, Köpenick und Brandenburg, die als mittelalterliche Städte erste Zentren für Handel und Gewerbe bildeten.

Unter der Herrschaft des Markgrafen Albrecht der Bär entstand Mitte des 12. Jahrhunderts Nahe der slawischen Burg eine weitere Burganlage, in deren Schutz auf dem Gebiet des heutigen Alten Marktes eine dicht bebaute Siedlung wuchs. Aus dem 13. Jahrhundert sind eine Pfarrkirche (auf dem Gelände der heutigen Nikolaikirche) und eine Pfarrschule überliefert. Geschützt wurde die Siedlung über Jahrhunderte durch einen Holz-Erde-Wall und ein Grabensystem, eine Stadtmauer aus Stein erhielt Potsdam erst im 18. Jahrhundert. Neben der Fischerei sind auch Tuchmacher, Töpfer, Wollweber, Schuhmacher, Fleischer, Schmiede und Zimmerleute als Gewerbetreibende in der Stadt ansässig.

König Sigismund übertrug 1411 die Verwaltung der Mark Brandenburg an Friedrich VI., Graf von Hohenzollern, und verlieh ihm 1415 schließlich die erbliche Würde des Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Damit setzte er die Grundlage für den späteren Aufstieg des Hauses Hohenzollern in Brandenburg und Preußen. Der neue Kurfürst bestätigte 1416 die Privilegien der Stadt Potsdam und bewilligte den Bau einer Brücke sowie die Erhebung von Brückenzoll.

Dennoch war Potsdam offenbar nur eine der kleineren brandenburgischen Städte. Nach zwei verheerenden Bränden 1536 und 1550 wurden insgesamt nur 194 Feuerstellen gezählt. Bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges lebten nicht mehr als 1.500 bis 2.000 Menschen in der Stadt, die schließlich 1614 von den Hohenzollern an die Familie von Hake verpfändet wurde. Deren Misswirtschaft und vor allem der 1618 beginnende Dreißigjährige Krieg, der Potsdam ab 1626 heimsuchte, fügten der Stadt großen Schaden zu. Für viele Jahre waren Plünderungen, Zwangsdienste und andere Kriegsübel von kaiserlichen, schwedischen und sächsischen Truppen an der Tagesordnung. Hinzu kamen mehrere Pestepidemien, eine besonders schlimme im Jahr 1631 mit mindestens 308 Pestopfern. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 leben nur noch etwa 700 Menschen in Potsdam.

Selbst zwölf Jahre später waren von 198 Häusern der Vorkriegszeit immer noch 119 verwüstet. Gerade einmal 50 Häuser galten als „zutragend“, also Steuern zahlend, und 29 waren völlig verarmt, als der seit 1640 regierende Kurfürst Friedrich Wilhelm Potsdam zu seiner Nebenresidenz erwählte und das Amt von der Familie Hake zurückkaufte. Kurz darauf wurde mit dem Bau des repräsentativen Stadtschlosses am Alten Markt und dem Ausbau der Stadt begonnen.

Autor: Dr. Johannes Leicht (Geschichtslotsen)

Downloads