Internetverbindung zum Rathaus abgeschaltet / Zahlungsverkehr gewährleistet
Pressemitteilung Nr. 640 vom 30.12.2022

Eingeschränkter Service nach Hinweisen auf IT-Angriff

Rathaus Potsdam, nah (Foto: Landeshauptstadt Potsdam/ Frank Daenzer)
Rathaus Potsdam, nah (Foto: Landeshauptstadt Potsdam/ Frank Daenzer)
Rathaus Potsdam, nah (Foto: Landeshauptstadt Potsdam/ Frank Daenzer)

Die Landeshauptstadt Potsdam hat nach dem Abschalten der Internetverbindung aus Sicherheitsgründen einen Verwaltungsstab unter Leitung von Oberbürgermeister Mike Schubert eingerichtet. „Die Abschaltung erfolgte präventiv, weil wir seitens der Sicherheitsbehörden des Landes ernstzunehmende Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff auf die Potsdamer ITInfrastruktur bekommen haben. Ich bin der Empfehlung der IT-Verantwortlichen gefolgt, die Daten der Stadt durch eine präventive Abschaltung der Internetverbindung, also dem Eingang in die Systeme der Verwaltung, zu schützen. Es ging darum, Szenarien wie in anderen deutschen Städten nach Cyberattacken zu verhindern. Dabei haben uns augenscheinlich auch die Erfahrungen und Vorkehrungen geholfen, die wir nach dem Angriff vor zwei Jahren aufgesetzt haben. Nun gilt es zügig, unsere Systeme zu überprüfen, wenn nötig Sicherheitsstandards zu erweitern und dann die Online-Erreichbarkeit wiederherzustellen“, sagt Oberbürgermeister Mike Schubert.

Bei der Bewältigung der Lage greift der Verwaltungsstab auf die Ausweich- und Bypassszenarien zurück, die im Zuge des Citrix-Angriffs im Jahr 2020 erarbeitet wurden. Zudem kann bei den Untersuchungen und Prüfungen auf die damaligen Dokumentationen zurückgegriffen werden, was eine bessere Ausgangsbedingung als beim letzten großen Angriffsversuch ist.

Zunächst jedoch ist keine Kommunikation per E-Mail mit der Stadtverwaltung möglich, auch die Internetverbindung bleibt offline. Der Bürgerservice der Landeshauptstadt Potsdam ist nur eingeschränkt nutzbar. Die vereinbarten Termine können gewährleistet werden, nicht möglich sind unter anderem die An- und Abmeldung von Fahrzeugen, die Bestellung eines ExpressReisepasses und die Ausstellung eines Führungszeugnisses. Auch die Urkundenstelle des Standesamtes, die Volkshochschulanmeldung und das Portal Maerker und Maerker Plus stehen nicht zur Verfügung. Zudem kann im Bürgerservice aktuell nur eingeschränkt mit Karte gezahlt werden.

Telefone und Fax stehen weiter ohne Probleme zur Verfügung. Bei Fragen stehen die Behördennummer 115 sowie die zentrale Nummer 0331 2890 zur Verfügung, dort werden die Anruferinnen und Anrufer an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet.

„Es ist nicht nur kriminell, sondern asozial in so schweren Zeiten in denen Bürger von der Beantragung und Auszahlung von Wohngeld und Sozialleistungen abhängig sind, dazu nötige IT-Systeme zu attackieren. Dass die Digitalisierung unsere Welt verändert, spüren wir alle jeden Tag. Es braucht im Netz genauso viel Regeln und Schutz wie in der realen Welt. Das fängt beim Schutz gegen eine verrohte Unkultur des politischen Umgangs in den sozialen Medien an und geht bis zu Attacken auf die Daseinsvorsorge und Verwaltungen um staatliches Handeln zu schädigen oder Daten zu stehlen. Das ist vor allem eine Aufgabe der Sicherheitsbehörden. In diesem Fall hat die Zusammenarbeit zwischen den Landesbehörden und der Stadt Potsdam nach jetzigem Stand gut funktioniert“, erklärte Oberbürgermeister Mike Schubert.

Hintergrund

Die Landeshauptstadt Potsdam hat am Donnerstagabend die Internetverbindung der Verwaltung abgeschaltet. Die Stadt wurde über einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf die IT-Strukturen und Daten durch die Sicherheitsbehörden des Landes Brandenburg informiert. Am Nachmittag wurde zudem ein mögliches Angriffsszenario auf eine externe Schnittstelle festgestellt. Nach Rücksprache der IT-Verantwortlichen mit dem Land und den brandenburgischen Sicherheitsbehörden hat Oberbürgermeister Mike Schubert entschieden, in einem ersten Schritt die Internetverbindungen offline zu stellen und die Systeme zu überprüfen, Sicherheitsstandards anzupassen und dann wieder online zu gehen. Mit dem Abschalten der Systeme haben wir Szenarien wie in anderen deutschen Städten nach Cyberattacken verhindert. Die Stadt ist aktuell dabei, die Systeme so auszurichten, dass ab Anfang Januar möglichst mit Ausweichlösungen die Arbeitsfähigkeit für Fachverfahren, insbesondere für die Sozialverfahren, aufrechterhalten werden kann. Um die Systeme gegen externe Angriffe zu stärken werden IT-Sicherheitsfirmen und IT-Forensiker beauftragt, um die IT-Spezialisten der Verwaltung bei ihrer Arbeit zu unterstützen.