18 Wandflächen - Glasmosaik auf Betonplatten, H ca. 300 cm, B 330 cm

Glasmosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos", Fritz Eisel, 1972

In der Erdgeschosszone eines ehemaligen Bürogebäudes an der Breiten Straße zeugt noch heute ein Glasmosaik von den Errungenschaften und Visionen des Sozialismus. Der Maler, Grafiker und Zeichner Fritz Eisel (1929-2010) gestaltete den 18-teiligen Zyklus zwischen 1969 und 1972. Das Eckhaus war Bestandteil des Gebäudekomplexes des VEB Maschinelles Rechnen des Bezirkes Potsdam, welcher aus einem zweigeschossigen Gebäude für Großrechner und jenem fünfgeschossigen Bürogebäude bestand. Dieser Komplex befand sich zudem auf dem historischen
Standort der 1968 gesprengten Potsdamer Garnisonskirche.

Der Künstler bediente mit seiner Darstellung die für diese Zeit typische Gestaltungsweise von Außenwänden mit Mosaiken oder Kacheln und erfüllte somit die kulturpolitischen Ideologievorgaben der Partei. Der Bilderzyklus thematisiert das seinerzeit hochaktuelle Schlagwort von der wissenschaftlich-technischen Revolution in der DDR. Diese prophezeite den ideologischen und technologischen Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus. Damit einher ging die Forcierung der Synthese von Architektur und bildender Kunst an öffentlichen Gebäuden. Letztendlich wurde mithilfe dieser Darstellungsform versucht, politische Botschaften zu vermitteln, idealisierte Gesellschaftsbilder zu propagieren und Fortschrittsutopien zu illustrieren.

Das Wandmosaik am Bürogebäude verkündet von diesen propagandistischen Zielen. Auf einer Länge von 70 Metern wird das Erdgeschoss an drei Seiten mit großformatigen Wandmosaiken geschmückt. An der Süd- und Westseite finden sich Darstellungen mit Raketen, Düsenfliegern und einer Radaranlage, die auf die Verteidigung des Landes anspielen. Der stilisierte Weltraum mit Sojus-Raumschiff und sowjetischem Kosmonauten kann als ein Statement dafür verstanden werden, von welchem Gesellschaftssystem der Kosmos erobert wird. Moderne Landmaschinen verdeutlichen den Fortschritt in der Landwirtschaft und elektronische Armaturen verweisen auf die Datenverarbeitung, die die Wissenschaft und Produktion der DDR revolutionieren sollte. Als Grundlage dieser Fortschrittseuphorie dienten das marxsche Gesetz von der Ökonomie der Zeit sowie die Gleichung E=mc² von Albert Einstein (Nordseite).

Fritz Eisel schuf mit dem Mosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos" eine plakative aber allgemein verständliche Darstellung, die für die Fortschrittseuphorie der damaligen sozialistischen Gesellschaft typisch war und deren Selbstverständnis einprägsam verdeutlicht.

Adresse: 
Glasmosaik "Der Mensch bezwingt den Kosmos"
Breite Straße 5
14467 Potsdam
Deutschland