Potsdamer M100 Medienpreis an Alexei Navalny und seine Stiftung FBK verliehen

M100 Media Award wird durch Oberbürgermeister Mike Schubert und Christian Lindner an Alexej Nawalny bzw seinen Vertrauten Leoonid Wolkow verliehen. Foto: Ulf Büschleb/M100
Der Potsdamer Medienpreis M100 ist am Mittwochabend, 6. Oktober 2021, an den russischen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny und seine Stiftung FBK (Anti-Corruption Foundation) verliehen worden. Den Preis für den seit Januar 2021 inhaftierten Nawalny hat sein engster Mitarbeiter und Vertrauter Leonid Wolkow von Christian Lindner (FDP) und Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) entgegen genommen. Mit der Wahl Nawalnys setzt der Beirat des M100 Sanssouci Colloquiums unter Vorsitz von Schubert ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Verteidigung europäischer Werte durch eine unabhängige Opposition und Zivilgesellschaft, faire Justizverfahren und das Recht auf Ausübung grundlegender Menschenrechte.
Die Preisvergabe dient auch als Symbol für fast 400 politische Gefangene in Russland, für ermordete Politiker und Journalisten und für den Kampf gegen zunehmenden Autokratismus in Europa. 
Oberbürgermeister Mike Schubert beim M100 Media Award 2021 neben Leonid Wolkow und Christian Lindner im Schlosstheater Neues Palais. Foto: Ulf Büschleb/M100

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner steht gemeinsam mit Leonid Wolkow und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert vor einer Pressewand von M100 und der Preisverleihung. Foto: LHP/jab
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner steht gemeinsam mit Leonid Wolkow und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert vor einer Pressewand von M100 und der Preisverleihung. Foto: LHP/jab
M100 Medienpreis 2021 für Alexei Nvalny: Christian Lindner und Mike Schubert haben den Preis stellvertretend für den inhaftierten russischen Politiker an seinen Vertrauten Leonid Volkov übergeben. Foto: LHP/jab
In seiner Begrüßungsrede zu Beginn der Verleihung des M100 Media Award betonte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert die Bedeutung der Verteidigung der Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft. „Demokratische Resilienz spielt nicht erst seit der Corona-Pandemie eine Rolle“, so Schubert. „In einer sich immer mehr individualisierenden Gesellschaft ist die Frage der Stärkung des Wertes der Gemeinschaft, heute wieder mehr denn je von Bedeutung, wenn wir nicht zuschauen wollen, wie unsere Gesellschaft sich in eine Horde von Individualisten atomisiert.“ Bei aller Pluralität der Meinungen „muss die Toleranz ihre Begrenzung finden in der Abwehr menschen- und demokratiefeindlicher Aussagen. Voraussetzung eines demokratischen Gemeinwesens ist der Schutz von Menschen- und Grundrechten und die Bejahung der Demokratie als Gesellschaftsform. Und dazu müssen alle Gewalten aus meiner Sicht Ihren Beitrag leisten.“ Die gesamte Rede finden Sie als pdf im Downloadbereich.

Der M100 Media Award wird seit 2005 jährlich im Rahmen der internationalen Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium an Persönlichkeiten vergeben, die sich für Demokratie, europäische Verständigung und Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Bisherige Preisträger sind unter anderem Bob Geldof, Hans-Dietrich Genscher, der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, Vitali Klitschko, „The Standing Man“ Erdem Gündüz, das französische Satiremagazin Charlie Hebdo, der italienische Schriftsteller Roberto Saviano, der Journalist Deniz Yücel, die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon sowie der ungarische Journalist Szabolcs Dull.

Im Vorfeld der Preisverleihung haben rund 100 internationale Vertreter*innen aus Medien, Politik und Wissenschaft diskutiert, welchen Herausforderungen Medien und Demokratie in einer Zeit der scheinbar „immerwährenden Krisen“ gegenüberstehen und wie sie mit dieser Verantwortung umgehen.

Die internationale Medienkonferenz: M100 Sanssouci Colloquium (online)

Eröffnet wurde die rein digitale Konferenz in diesem Jahr von dem amerikanischen Soziologen, Architektur- und Designtheoretiker Benjamin H. Bratton, Professor für Bildende Kunst an der University of California, San Diego, mit seinem Vortrag "The Revenge of The Real: Politics for a Post-Pandemic World".
In drei anschließenden parallelen Strategischen Roundtable Diskussionen ging es um Führerschaft in (Post-)Corona Zeiten, um Europas Bereitschaft und Rolle in einer sich verändernden Weltordnung und um Wissenschaft und Journalismus in gefährlichen Zeiten. 

M100 Sanssouci Colloquium 2021, Sprecher: Saad Mohseni. (Bild: Livestream-Screenshot)
M100 Sanssouci Colloquium 2021, Sprecher: Saad Mohseni. (Bild: Livestream-Screenshot)
M100 Sanssouci Colloquium 2021, Sprecher: Saad Mohseni. (Bild: Livestream-Screenshot)

Special Talk: "The Totalitarian Temptation" (vor Ort im Schlosstheater im Neuen Palais und online)

Saad Mohseni, afghanisch-australischer Medienunternehmer und Mitbegründer und Vorsitzender der MOBY Group, Dr. Claudia Major, Leiterin der Abteilung Internationale Sicherheit bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), und Dr. Can Dündar, türkischer Top-Journalist und Chefredakteur von Özgurüz, diskutierten über den Zustand der Demokratie und Gründe für den aufstrebenden Totalitarismus in der Welt.
Moderation: Ali Aslan
Eingeleitet wird die Diskussion mit einer Keynote von Prof. Dr. Andreas Reckwitz, zum Thema "Resilience in late Modernity".

Der Talk wird live gestreamt auf www.m100potsdam.org

 

M100 ist eine Initiative von Potsdam Media International e.V., die in konzeptioneller Zusammenarbeit mit dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM) stattfindet und von der Stadt Potsdam hauptfinanziert wird.
Weitere Förderer sind das Medienboard Berlin-Brandenburg, das Auswärtige Amt, das National Endowment for Democracy (NED) und die Friedrich Naumann Stiftung.
Kooperationspartner: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), Reporter ohne Grenzen (RoG), Human Rights Watch (HRW), der Verband Deutscher Zeitungsverleger (VDZ) und MediaTenor.
Sponsoren: Medienlabor, Telekom, Bundesverband der Freien Berufe (BFB).

 

Weitere Informationen: www.m100potsdam.org

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