Text: Natalie Gommert

Nattwerder, das kleine Schweizer Kolonistendorf

Kirche Nattwerder (© Schweizer Kolonistendorf Nattwerder e.V.)
Kirche Nattwerder (© Schweizer Kolonistendorf Nattwerder e.V.)
Kirche Nattwerder (© Schweizer Kolonistendorf Nattwerder e.V.)

Nattwerder ist ein echter Geheimtipp für jeden, der das besondere Potsdamer Landleben sucht. Das "Natte Werder“ (nasse Insel) geht auf die Bemühungen des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zurück, nach dem 30jährigen Krieg Kolonisten zu gewinnen, die mithelfen, das entvölkerte Land wieder zu beleben. Er bietet ihnen für diesen Zweck zahlreiche Privilegien und Glaubensfreiheit. Insgesamt 14 Familien aus Bern (101 Menschen mit Knechten und Mägden) kommen am 16. Juni 1685 nach Nattwerder. Vorausgegangen sind zähe Verhandlungen zwischen dem Rat zu Bern und dem Großen Kurfürsten. Die Bedingungen in Nattwerder sind jämmerlich. Die „Nasse Insel“ im Golmer Luch ist alles andere als ideal, um hier zu siedeln. Viele der Familien ziehen weiter. Nattwerder liegt im Nordwesten Potsdams zwischen Töplitz und Golm, unmittelbar an der Wublitz, einem Nebenarm der Havel. Die Schweizer Kolonisten müssen das Golmer Luch trocken legen. Für die deutsch-reformierte Kolonistengemeinde lässt der Große Kurfürst auf eigene Kosten eine Kirche in Nattwerder errichten, die am 16. November 1690 eingeweiht wird. Sie ist bis heute vollständig erhalten. Die Kirche hat im Westen einen niedrigen, quadratischen Turm mit ziegelgedecktem Pyramidendach. Die Empore und die Holzkanzel sind noch aus Erbauungszeit. Die Ostempore über dem Altartisch wird 1797 für eine kleine Orgel errichtet. 1996 baut die Potsdamer Orgelbauwerkstatt Schuke in das historische Gehäuse ein Instrument mit acht Registern ein. Wie einst drehen sich Sonne und Mond bei Cymbelklang am restaurierten Prospekt. Auf dem Friedhof gleich neben der Kirche befinden sich Grabstätten von Schweizer Familien. Auf den Grabsteinen sind die Namen Dortschy, Kiener, Schweingruber und Garmatter finden. Heute hat der Ort etwa 40 Einwohner, darunter auch  Nachfahren der Berner Einwanderer. Nattwerder ist inzwischen ein Flächendenkmal. Die ursprüngliche Anlage des Ortes durch die Schweizer Kolonisten Ende des 17. Jahrhunderts ist voll erkennbar, obwohl die vier Höfe 1867 abbrannten und nur in den Grundmaßen wieder aufgebaut wurden. Spätere Wohnbauten beschränken sich auf Einzelgebäude und sind nicht an prominenter Stelle errichtet. Nattwerder ist eine Gemeinde des Kreises Osthavelland, bevor sie am 1. April 1939 nach  Potsdam umgegliedert wird. Am 25. Juli 1952 kommt sie als Ortsteil zur Gemeinde Grube. Seit dem 26. Oktober 2013 gehört Nattwerder als Ortsteil von Grube zu Potsdam.  Die Kirchengemeinde Nattwerder gehört kirchlich zum Pfarrbereich Töplitz (Stadt Werder (Havel), Landkreis Potsdam-Mittelmark).

Sommerkonzerte und Wanderwege

Im Sommer finden in der Kirche die Sommerkonzerte statt. Die Kirche bietet sich auch als Ausgangsort für lange Spaziergänge, von hier aus gibt es einen Rundweg um die Wublitz. Der Weg führt über eine Holzbrücke auf die Insel Töplitz und geht von Leest und Grube wieder nach Nattwerder. Nattwerder ist ein idealer Ort für ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen, der Fußweg von Grube nach Nattwerder dauert etwa 20 Minuten. Je nach Zeit und Kraftreserven bieten sich lange Spaziergänge oder auch ausgedehnte Wanderungen an. Auch mit Fahrrad und auf dem Wasser ist Nattwerder lohnendes Ausflugsziel.

Adresse: 
Nattwerder
Dorfstraße
14469 Potsdam
Deutschland