Kaiserbahnhof

Kaiserbahnhof (© Untere Denkmalschutzbehörde)
Kaiserbahnhof (© Untere Denkmalschutzbehörde)
Kaiserbahnhof (© Untere Denkmalschutzbehörde)

1846 wurde die Eisenbahnlinie Berlin-Potsdam nach Magdeburg verlängert. Die südlich vom Neuen Palais nahe der Fasanerie geführte Trasse hatte an der Zufahrtsstraße vom Wildpark zum Neuen Palais einen Bahnhof erhalten, der vor allem für die Ankunft der königlichen Familie und ihrer Gäste, aber auch für Ausflügler aus Berlin und Potsdam gedacht war.

Das im italienischen Villenstil errichtete Gebäude diente auch als Gaststätte und erhielt einen von Peter Joseph Lenné entworfenen Garten. Nach einer Verbreiterung der Gleisanlagen wurde 1868 an getrennten Standorten für die Bedürfnisse des preußischen Hofes eine nicht mehr erhaltene grazile Einstiegshalle und für die Ausflügler das heute noch erhaltene Bahnhofsgebäude erbaut.

Unter Kaiser Wilhelm II. legte Oberhofbaurat Ernst von Ihne 1904 die ersten Entwürfe für ein neues kaiserliches Bahnhofsgebäude im Stil eines englischen Cottages vor. Nach mehrjähriger Bauzeit wurde das neue Gebäude 1909 in Betrieb genommen. Alle Reisen, die Wilhelm II. bis zum Ende des 1. Weltkrieges unternahm, trat er von diesem Bahnhof an. Am 19. April 1921 hielt hier anlässlich der Beisetzung von Kaiserin Auguste Viktoria zum letzten Mal ein Sonderzug.

Die Teilung des Baukomplexes in ein repräsentatives Empfangsgebäude und eine Bahnsteighalle ist eine charakteristische Gestaltungsweise im Bahnhofsbau. Blickfang bildet hier das kaiserliche Empfangsgebäude, das durch seine kleinteiligen Formen in bewusstem Kontrast zur angrenzenden Bahnsteighalle steht. Trotz dieser Unterscheidung bilden beide Gebäudeteile eine harmonische Einheit, die auf dem rhythmischen Gestaltungsprinzip des Höhenwechsels beruht. Die Bahnsteighalle liegt auf dem 5 m höheren Bahndamm, der im Zuge der Ausbauten ab 1906 höher gelegt wurde. Der Höhenunterschied wurde durch die zentrale, dem Kaiser vorbehaltene Treppe im Kaisersaal überbrückt. Ein weiterer Knotenpunkt, der sog. Kaisertunnel, stellt unter dem Bahndamm eine ebenerdige Verbindung zum Wildpark her.

Nach 1952 war das Gebäude im Besitz der Deutschen Reichsbahn der DDR und wurde unterschiedlich genutzt, zuletzt als Lagerraum. Nachdem es 1977 wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde, konnte der Bahnhof 2005 nach einer umfassenden Restaurierung wiedereröffnet werden. Untergeschoss und Nebengebäude werden als Akademie der Deutschen Bahn genutzt. In der restaurierten Halle finden Empfänge statt, sie ist nicht öffentlich zugänglich.

Adresse: 
Kaiserbahnhof
Am Neuen Palais
Ecke Geschwister-Scholl-Straße
14469 Potsdam
Deutschland