6. Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis an Dr. Rebekka Wiemann, LL.M. (Harvard)

Dr. Rebekka Wiemann (© Archiv)
Dr. Rebekka Wiemann (© Archiv)
Dr. Rebekka Wiemann (© Archiv)

Oberbürgermeister Jann Jakobs verlieh im Rahmen des Einsteintages der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 30. November 2012 den 6. Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis an Dr. Rebekka Wiemann, LL.M. (Master of Laws, Harvard). Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
Dr. Rebekka Wiemann wurde für ihre hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Rechtswissenschaften ausgezeichnet. An der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam hat sie in ihrer Arbeit "Sexuelle Orientierung im Völker- und Europarecht - Zwischen kulturellem Relativismus und Universalismus" umfassend die Rechtsstellung homosexueller Personen nach Völkerrecht sowie im Recht der Europäischen Union analysiert.

Nach Ansicht ihres Doktorvaters, Prof. Dr. Andreas Zimmermann, LL.M. (Harvard), "schließt die Arbeit von Frau Wiemann in herausragender Art und Weise eine beträchtliche Forschungslücke. Die Arbeit erfüllt auch wegen ihrer eminenten gesellschaftpolitischen Bedeutung in geradezu idealer Weise die Voraussetzungen des Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preises. Als Leiter des Menschenrechts-zentrums der Universität Potsdam begrüße ich die Auszeichnung von Frau Rebekka Wiemann besonders".

Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs zeigte sich davon überzeugt, dass die Jury die richtige Arbeit ausgewählt hat: "Ich bin sehr beeindruckt, mit welchem Einsatz und welcher Ausdauer sich Rebekka Wiemann mit dieser Thematik beschäftigt hat. Das wissenschaftliche Niveau ist - genau wie in den Vorjahren - sehr hoch". Der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, Ph.D., gratulierte Frau Wiemann zu dieser besonderen Auszeichnung: "Natürlich freut es mich, wenn unsere Bemühungen um Qualität und Qualitätsmanagement in der Doktorandenausbildung solche Früchte tragen. Frau Wiemanns Arbeit ist des Preises in jeder Hinsicht würdig." Prof. Dr. Hartmut Bauer, Dekan der Juristischen Fakultät an der Universität Potsdam, freute sich darüber, dass erstmals eine von der Juristischen Fakultät eingereichte Arbeit ausgezeichnet worden ist: "Diese heute ausgezeichnete Dissertation ist Beleg für die Qualität wissenschaftlicher Arbeit an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam und für die Attraktivität unseres Forschungsumfelds. Die Arbeit belegt, dass die Universität Potsdam und ihre Juristische Fakultät bei der wissenschaftlichen Bearbeitung aktueller Fragen gerade auch im völker- und europarechtlichen Bereich eine Betreuung bieten, durch die hervorragende Leistungen erbracht werden".

Rebekka Wiemann wurde 1982 in Wuppertal geboren. Sie absolvierte das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Passau, der Universidad de Concepción, in der Stadt Concepción in Chile, sowie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 2009 nahm sie die Arbeit an ihrer Promotion auf, die sie im Herbst 2011 abgeschlossen hat. Die Disputation fand im Jahr 2012 an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam statt. Frau Wiemann hat das Promotionsverfahren mit „summa cum laude" abgeschlossen. Die Veröffentlichung der Dissertation in der Schriftenreihe des Menschenrechtszentrums der Universität Potsdam im Berliner Wissenschaftsverlag steht kurz bevor. Während der Promotion war Frau Wiemann als Visiting Researcher an der Harvard Law School (Cambridge, MA, USA) eingeschrieben und nahm im Folgejahr am LL.M.-Programm der Harvard Law School teil und hat einen LL.M.-Titel der Harvard Law School erworben. Nach ihrem LL.M.-Studium war sie bei den Vereinten Nationen in Genf tätig. Frau Wiemann erfuhr telefonisch von Oberbürgermeister Jann Jakobs von der Auszeichnung an ihrem momentanen Arbeitsplatz, dem Juristischen Dienst des Generalsekretariats des Rates der Europäischen Union. "Dieser Anruf war eine wunderbare Überraschung! Die Auszeichnung würdigt meine bisherige Arbeit und ist Anreiz für die nun folgenden Aufgaben".

Die eingereichten zehn Arbeiten wurden von einer Jury unter Vorsitz von Oberbürgermeister Jann Jakobs gesichtet und bewertet. Der Jury gehörten Prof. Dr. Rolf Emmermann, ehem. Deutsches Helmholtz Zentrum GFZ, Prof. Dr. Heinz Kleger von der Universität Potsdam/Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Prof. Dr. Reinhold Kliegl von der Universität Potsdam/Institut für Psychologie, Prof. Dr. Reinhard Lipowsky vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Prof. Dr. Bernd Müller-Röber von der Universität Potsdam/Institut für Biochemie und Biologie und Prof. Dr. Susan Neiman vom Einsteinforum an. Herr Prof. Dr. Kleger, der die Laudatio halten wird, berichtet aus der Jurysitzung: "Wir Juroren waren uns einig, dass Frau Wiemann ein relevantes Thema auf hohem wissenschaftlichen Niveau bearbeitet hat. Sie hat dies sehr detailliert dargestellt und mit philosophischer Tiefe verbunden. Daraus entstand eine spannende Zeitgeschichte seit den 90er Jahren".

 

Hintergrundinformationen

 

Die von Prof. Dr. Andreas Zimmermann, LL.M. (Harvard) betreute Arbeit zu dem nach wie vor rechtspolitisch und gesellschaftlich in vielen Staaten Europas und der Welt umstrittenen Thema untersucht umfassend die Rechtsstellung homosexueller Menschen im Völker- und Europarecht. Die weit ausgreifende Arbeit analysiert dabei nicht nur Fragen des Menschenrechtsschutzes, sondern untersucht auch vielfältige weitere Rechtsgebiete wie etwa das Völkerstrafrecht, das internationale Beamtenrecht oder das internationale Flüchtlingsrecht.

Die Verfasserin zeigt dabei in einem weiten Bogen strukturelle Entwicklungsschritte auf, die heutzutage auf europarechtlicher, aber zunehmend auch auf der völkerrechtlichen Ebene die Gleichberechtigung von Homosexuellen sicherzustellen versuchen.

Insgesamt schließt die Arbeit in herausragender Art und Weise eine beträchtliche Forschungslücke. Frau Wiemann ist es gelungen, mit ihrer hervorragend recherchierten, übersichtlich gestalteten und interessant zu lesenden Arbeit einen erheblichen Beitrag zum rechtswissenschaftlichen Verständnis aller Fragen im Zusammenhang mit sexueller Orientierung im Völker- und Europarecht zu leisten und zugleich einen wesentlichen Impuls auch für die rechtspolitische Diskussion in Europa aber auch darüber hinaus zu liefern.

Mit der Arbeit von Frau Wiemann liegt erstmalig für den deutschen Sprachraum, aber auch darüber hinaus, eine Gesamtdarstellung des Themas vor, von der zu erwarten ist, dass sie in vielfältiger Weise ihren Niederschlag in Wissenschaft und Praxis finden wird.

Die 29-jährige Preisträgerin legte bereits während ihres Studiums und des anschließenden Referendariats einen klaren Schwerpunkt auf das Europa- und Völkerrecht. Sie hat beide Staatsexamina mit herausragendem Erfolg absolviert.

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