Voltaire und Lessing in Potsdam

Am Marquisat - ein verschwundenes barockenes Anwesen Potsdams

Das Foto zeigt Säulen-Fragmente des ehemaligen Stadtschlosses mit den Portraits von Voltaire und Lessing auf Bronzeplatten. Rechts davon ein Buch aus Bronze, links ein bronzenes Tintenfass mit Feder - jeweils auf Stein-Fragmenten des ehemaligen Stadtschlosses.
Das Foto zeigt Säulen-Fragmente des ehemaligen Stadtschlosses mit den Portraits von Voltaire und Lessing auf Bronzeplatten. Rechts davon ein Buch aus Bronze, links ein bronzenes Tintenfass mit Feder - jeweils auf Stein-Fragmenten des ehemaligen Stadtschlosses.
Voltaire-Lessing-Ehrung | Foto: Tobias Büloff | 2020

Das Kunstwerk mit Porträts des französischen Philosophen Voltaire und des deutschen Schriftstellers Gotthold Ephraim Lessing schuf der Künstler Rainer Sperl. Die Anlage erinnert an zwei der berühmtesten europäischen Dichter und Aufklärer des 18. Jahrhunderts, die in Potsdam gewirkt haben und nimmt Bezug auf das sogenannte Marquisat.

Im vierteiligen Kunstwerk aus Sandstein mit Fragmenten des ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses verweisen Tintenfass und Feder auf Voltaire, das Buch aus Bronze auf Lessing. In einem der Baufragmente ist der Text mit Bezug auf Voltaire und Lessing eingemeißelt: In Potsdam vollendete 1751 Voltaire sein Werk „Le Siècle de Louis XIV.“, regte er Lessing zu dem Trauerspiel Miss Sara Sampson an.

Das Marquisat war ein gartenkünstlerisches Anwesen des 18. Jahrhunderts an der Neustädter Havelbucht. Es erhielt seine Bezeichnung nach dem französischen Schriftsteller und Philosophen Marquis d’Argens, der am Hof des preußischen Königs Friedrich II. tätig war. Das ländliche Anwesen bestand aus einem Land- und Gartenhaus auf einem zwei Hektar großen Grundstück mit Fontainenbecken und Obstbaumbestand.

Es wurde von den Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, einer Nebenlinie der brandenburgisch-preußischen Hohenzollern, angelegt.

1748 erwarb König Friedrich II. das Anwesen aus dem Besitz seiner Verwandten. Unmittelbar nach dem Verkauf übertrug er es seinem Kammerherren Marquis d‘Argens als Eigentum.

In dessen Abwesenheit wohnte Voltaire 1751 für ein halbes Jahr im Landhaus. Der französische Philosoph – einer der einflussreisten Gelehrten seiner Zeit – war der Einladung des preußischen Königs gefolgt und lebte seit 1750 in Potsdam. Im Landhaus des Kammerherrn beendete er sein Werk „Das Zeitalter Ludwig XIV“. Voltaire nannte das Anwesen „Marquisat“.

1755 arbeitete der Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing in einem nicht näher bezeichneten Potsdamer Gartenhaus an seinem Trauerspiel „Miss Sara Sampson“, vermutlich im Marquisat.

Das historische Marquisat-Areal haben nacheinander erb-, verkaufs- und teilungsbedingt zahlreiche Eigentümer umgenutzt, meist zu Wohn- und Gewerbezwecken.

Bereits seit 1847 war das Grundstück geteilt worden, womit die eigentliche Grundstücksgeschichte des Marquisats endete. Die Grundstücksgrenze verlief mitten durch das Wohnhaus. Eine Hälfte wich im 19. Jahrhundert einem Neubau als Mietshaus. Am verbliebenen barocken Wohngebäude wurden 1929 zwei Gedenktafeln zur Würdigung von Lessing und Voltaire angebracht. Im Zuge der Neubebauung der Neustädter Havelbucht ab 1978 erfolgte der Abriss der noch verbliebenen Gebäudeteile des Marquisats.

Adresse: 
Breite Straße 28
14467 Potsdam
Deutschland