1990 - Neuanfang

Trägerschaft der Welterberstätte, rot: Landeshauptstadt Potsdam, grün: SPSG, gelb: Bezirksämter Berlin Spandau und Steglitz-Zehlendorf (Grundlage: Verschönerungsplan von Potsdam und Umgebung, Peter Joseph Lenné, Lithographie von G. Koeber, 1833)
Trägerschaft der Welterberstätte, rot: Landeshauptstadt Potsdam, grün: SPSG, gelb: Bezirksämter Berlin Spandau und Steglitz-Zehlendorf (Grundlage: Verschönerungsplan von Potsdam und Umgebung, Peter Joseph Lenné, Lithographie von G. Koeber, 1833)
Trägerschaft der Welterberstätte, rot: Landeshauptstadt Potsdam, grün: SPSG, gelb: Bezirksämter Berlin Spandau und Steglitz-Zehlendorf (Grundlage: Verschönerungsplan von Potsdam und Umgebung, Peter Joseph Lenné, Lithographie von G. Koeber, 1833)
Buga-Maskottchen Froschkönig Fritz (© Ulf Böttcher)
Buga-Maskottchen Froschkönig Fritz (© Ulf Böttcher)
Buga-Maskottchen Froschkönig Fritz (© Ulf Böttcher)

Nachdem die letzte demokratisch gewählte Stadtverordnetenversammlung auf Veranlassung der Nationalsozialisten am 28. Dezember 1933 ein letztes Mal tagte, fand sich 57 Jahre später am 30. Mai 1990 erneut eine demokratisch gewählte Stadtverordnetenversammlung zu ihrer ersten Sitzung zusammen.

Dem 12. Dezember 1990, dem Tag der Unterschutzstellung von großen Teilen der Potsdamer Kulturlandschaft unter das UNESCO Welterbe, ging der Beschluss der Potsdamer Stadtverordneten voraus, sich der "Wiederannäherung an die historische Stadtsilhouette Potsdams" zu widmen. Damit war auch der Weg frei, durch Krieg oder Nachkrieg zerstörte "gebaute Geschichte" wieder auferstehen zu lassen. Diesen Faden aufgreifend, haben einzelne Fraktionen oder Stadtverordnete, Bürger und Initiativen über die folgenden Jahre hinweg immer wieder in Potsdam die Rekonstruktion "gebauter Geschichte" gefordert und den Erhalt der Kulturlandschaft verteidigt.

Zunächst galt es städtebauliche Fehlentwicklungen aus der DDR-Ära zu stoppen und den Erhalt der historischen Bausubstanz zu sichern. Gleichzeitig plante und errichtete zwischen 1991 und 1997 ein privater Bauträger in Zusammenarbeit mit der Stadt Potsdam am südöstlichen Stadtrand am Kirchsteigfeld ein Wohngebiet mit 2.500 Wohnungen, um der enormen Wohnungsnachfrage gerecht werden zu können. Wohnungen in der Innenstadt waren dagegen durch Verfall, Leerstand und ungeklärte Eigentumsverhältnisse nach wie vor Mangelware. Im Sommer 1993 gleichen weite Teile der Potsdamer Innenstadt einem verwahrlosten Abrissviertel.

Nach offiziellen Angaben standen 1993 in Potsdam 1.450 Wohnungen leer, inoffiziell waren es mehr als 4.000. In rund 20 Gebäuden hatten etwa 200 bis 300 junge Hausbesetzer ihre Quartiere aufgeschlagen und probten unter dem Motto "Hausbesetzungen sind kein Problem, sondern die Lösung" alternative Wohnformen. Nachdem erste Häuser an ihre ursprünglichen Besitzer rückübertragen wurden, standen Räumungen von besetzten Häusern in Aussicht.

1993, im Jahr des 1000jährigen Gründungsjubiläums Potsdams, kam es im September bei der Räumung eines Hauses in der Gutenbergstraße zu ersten Krawallen und zu Festnahmen durch die Polizei. Im Februar und im März 1994 eskalierte die Situation bei weiteren Hausräumungen, es kam in beiden Fällen zu regelrechten Straßenschlachten. Im Ergebnis der geklärten Eigentumsverhältnisse und der fortschreitenden Sanierungen verschwanden in den Folgejahren nach und nach besetzte Häuser aus dem Potsdamer Stadtbild, in wenigen Fällen konnten die Besetzer Mietverträge mit dem Eigentümer aushandeln.

Als städtebauliches Großprojekt wurde von 1992 bis 1999 die Neugestaltung des Potsdamer Hauptbahnhofes unter dem Namen „Potsdam Center“ geplant und realisiert. Das Projekt war durch seine überdimensionierten Baumassen von Anfang an umstritten, die UNESCO drohte, Potsdam auf die "rote Liste" der "Welterbestätten" zu setzen. Schließlich führte diese Entwicklung zur deutlichen Reduzierung der Baumassen und der Beschränkung des Projektes auf eine Einkaufspassage und reduzierte Büroflächen am Bahnhof.

Wichtigstes Verkehrsprojekt für Potsdam nach dem Fall der Mauer war die Wiedereröffnung der seit dem Mauerbau unterbrochenen S-Bahn-Verbindung nach Berlin im April 1992. Als touristisches Ziel für Besucher aus aller Welt empfehlen sich die Schlösser und Gärten um so mehr, nachdem die Särge König Friedrich II. und König Friedrich Wilhelm I. am 17.August 1991 zurückkehrten. In den 1990er Jahren besuchten Queen Elisabeth II. (1992) und der US-Präsident Bill Clinton (1998) Sanssouci.

Mit der Eröffnung der Bundesgartenschau (BUGA) im April 2001 wurde nicht nur das mehr als 250 Jahre lang militärisch genutzte "Bornstedter Feld" in einen Park verwandelt, sondern auch die ganze Stadt in die Gartenschau einbezogen. Heute bildet das ehemalige Gartenschauareal einen eigenen Stadtteil mit einem zentral gelegenen Volkspark, in dem rund 7.000 Menschen leben.

Seit 2003 gehören die Ortsteile Marquardt, Uetz-Paaren, Fahrland, Neu Fahrland, Satzkorn, Golm und Groß Glienicke zu Potsdam. Die Stadt ist auch damit größer und schöner geworden.