Landeshauptstadt plant Verkauf der Halle oder Umbau zu Schule und Jugendklub
Pressemitteilung Nr. 20 vom 12.01.2015

Machbarkeitsstudie Nachnutzung Biosphärenhalle vorgestellt

Biospähre im Volkspark (© Entwicklungsträger Bornstedter Feld GmbH)
Biospähre im Volkspark (© Entwicklungsträger Bornstedter Feld GmbH)
Biosphäre im Volkspark (© Entwicklungsträger Bornstedter Feld GmbH)

Die Biosphärenhalle der Landeshauptstadt Potsdam soll ab dem Jahr 2018 eine neue, attraktive Nutzung erhalten. Entsprechende Ergebnisse einer Machbarkeitsuntersuchung zur Zukunft der Halle haben Matthias Klipp, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, sowie die Geschäftsführer der Entwicklungsträger Bornstedter Feld GmbH Horst Müller-Zinsius und Bert Nicke am Montag gemeinsam mit Frank Barkow vom Architekturbüro Barkow und Leibinger vorgestellt. Favorisiert werden laut Studie zwei Varianten der künftigen Entwicklung der Halle, in der seit dem Ende der Bundesgartenschau eine künstliche Tropenwelt untergebracht ist: Ein Interessenbekundungsverfahren zum möglichen Verkauf beziehungsweise die Entwicklung eines Haus-in-Haus-Konzeptes mit Gesamtschule, Sporthalle und Jugendfreizeiteinrichtung.

„Die Studie zeigt uns einen Weg, wie die Halle erhalten und der Standort auch zukünftig  attraktiv gestaltet werden kann“, sagte Matthias Klipp, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt der Landeshauptstadt. „Wir werden nun die Stadtverordneten im Hauptausschuss und die Bürgerinnen und Bürger in einer öffentlichen Veranstaltung im Februar über die Ergebnisse der Studie informieren“, so der Beigeordnete weiter. Die Stadtverwaltung hat den Stadtverordneten die Machbarkeitsstudie am heutigen Montag vorgelegt und schlägt nun entsprechend den Ergebnissen vor, ein Interessenbekundungsverfahren zum Verkauf der Halle durchzuführen. Zugleich soll die Realisierbarkeit zum Bau einer Schule mit Sporthalle und Jugendfreizeiteinrichtung innerhalb der Halle weiter untersucht werden.

Dafür soll noch in diesem Jahr über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden. Angefordert werden unter anderem ein Nutzungskonzept, die Verpflichtung zum Erhalt des Baukörpers für mindestens 15 Jahre sowie der Ausschluss von Groß- und Einzelhandel als Nutzung. Gewünscht ist zudem ein Konzept, das verträglich mit den nahen Wohngebieten ist. Nach Vorlage des Ergebnisses Ende des Jahres wird das Konzept als Variante mit dem Haus-In-Haus-Konzept einer Schule mit Sporthalle verglichen.

Bert Nicke, Geschäftsführer der Entwicklungsträgers Bornstedter Feld GmbH, sagte: „Das Bauwerk hat für den Volkspark und das gesamte Bornstedter Feld eine zentrale Bedeutung. Daher wollen wir eine behutsame Umnutzung der Halle durchführen. Mit den Vorschlägen ist ein Weg gefunden worden, die ohnehin im Bornstedter Feld erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen und die Nachnutzung der Halle konzeptionell und wirtschaftlich miteinander zu verbinden. Eine nachhaltige Nutzung des Hauses kann somit gelingen.“

Die Machbarkeitsstudie – Variantenuntersuchung zur Nachnutzung der Biosphäre ist im Auftrag der Landeshauptstadt durch das Ingenieurbüro „Drees & Sommer“, die Wirtschaftsprüfer „Domus Revision AG“ sowie das Architektur- und Planungsbüro der Biosphären-Halle „Barkow Leibinger“ erstellt worden. Zu untersuchen waren die folgenden fünf Varianten:
1. Tropenhalle erhalten und modernisieren
2. Verkauf an private Investoren mit der Bindung, dass architektonisch bedeutsame Haus mindestens 15 Jahre zu erhalten und ohne kommunale Zuschüsse zu betreiben
3. Das Haus mit sozialer Infrastruktur wie Kita, Jugend- und Senioreneinrichtungen umzubauen
4. Umbau zum Haus-in-Haus-Konzept mit Gesamtschule, Sporthalle und Jugendfreizeit
5. Abriss der Halle und Verkauf der Flächen.

Hintergrund der Überlegungen ist der seit Jahren defizitäre Betrieb der Tropenhalle, derzeit müssen jährlich mehr als 1,5 Millionen Euro Zuschuss an die städtische Betriebsgesellschaft überwiesen werden. In der Studie wird empfohlen, drei Varianten vorerst nicht weiter zu verfolgen: Dazu gehört die Variante Abriss ebenso wie die Variante der Fortführung des Betriebes als Tropenhalle. Letzteres würde Modernisierungskosten von 7,4 Millionen Euro sowie jährliche Zuschüsse von mehr als 1,5 Millionen Euro von der Landeshauptstadt bedeuten. Auch von der Integration allein sozialer Infrastruktur wie Kindertagesstätte und Seniorenfreizeit in die Halle wird abgeraten.

Die Biosphäre Potsdam ist eine künstliche Tropenwelt in der Landeshauptstadt Potsdam und befindet sich im Volkspark. Die Halle wurde während der Bundesgartenschau als Blumenhalle genutzt und nach Umbau im September 2002 als Biosphäre eröffnet. Der Bau kostete 29 Millionen Euro und wurde mit 21,5 Millionen Euro Fördermitteln unterstützt. Betrieben wurde die Halle ursprünglich durch eine private Gesellschaft, die allerdings Insolvenz angemeldet hat. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, kaufte die Pro Potsdam GmbH im Auftrag der Landeshauptstadt die Gesellschaftsanteile im Jahr 2007 und sicherte somit den Betrieb der Einrichtung. Ausschreibungen mit dem Ziel, neue Betreiber für die Halle zu finden, die keine öffentlichen Zuschüsse für den Betrieb benötigen, mussten ergebnislos beendet werden. Daher sichert die Stadt den Betrieb der Halle mit derzeit mehr als 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Die Halle muss bis zum Ende der Fördermittelbindung im Jahr 2017 als Halle mit überregionaler touristischer Attraktivität betrieben werden. Erst nach Ablauf der Bindefrist kann die Halle anders genutzt werden. Den Weg dafür haben die Stadtverordneten mit dem Beschluss zur Untersuchung der künftigen Nutzungsmöglichkeiten beschritten. Die Ergebnisse liegen nun vor.