22.03.2005
Pressemitteilung Nr. 139 vom 22.03.2005

"KOHLDAMPF und BOMBENTRICHTER - Potsdam 1945 - Tag um Tag" - Sonderausstellung im Potsdam-Museum -

Der Alltag in Potsdam im schicksalsschweren Jahr 1945 steht im Mittelpunkt einer neuen Sonderausstellung des Potsdam-Museums. Im Museumshaus im Holländischen Viertel werden vom 24. März bis 4. September Objekte aus den Beständen des Museums aber vor allem auch Schenkungen und Leihgaben aus Potsdam die Geschichte bisweilen aus einer sehr privaten Sicht beleuchten.

Zugleich spiegeln sich in der Ausstellung die großen Ereignisse in der Stadt wider: Der Bombenangriff vom 14. April 1945, anschließende Kampfhandlungen, die das Stadtbild endgültig zerstörten, das Ende des zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, der Beginn der sowjetischen Besatzung, die Potsdamer Konferenz oder die Neueinrichtung der Verwaltungsstrukturen.

Für viele Menschen zogen sich Hunger und Leid durch das gesamte Jahr 1945. Nur mit viel Phantasie und Überlebenswillen konnte die katastrophale Ernährungssituation überstanden werden. Lebensmittelbezugsscheine oder Kochanleitungen für alles, was in der Umgebung essbar erschien, sind in der Ausstellung zu sehen. Auch den Alltag der Kinder lässt die Ausstellung nicht aus. Trotz Notsituation entstand so manches Kinderspielzeug und die Schule unterlag zwar weitreichendem Wandel, musste aber trotzdem weitergehen.

Persönliche Berichte und detaillierte Fakten belegen die Wohnungsnot in Potsdam 1945. Tausende von Flüchtlingen strömten durch die Stadt, ausgebombte Familien suchten Unterkunft und zusätzlich mussten viele ihre Häuser für den Bedarf der sowjetischen Besatzungsmacht räumen. Erstmals zeigt das Museum eine originalgetreue Rekonstruktion einer Behelfsbaracke als Notunterkunft für ausgebombte Familien.

„ Es ist höchste Zeit, sich jetzt noch einmal mit dem Jahr 1945 zu beschäftigen“ sagt Dr. Edeltraud Volkmann-Block vom Potsdam-Museum. Als Kuratorin sammelte sie Ausstellungsstücke und Lebensgeschichten vor allem von noch lebenden Zeitzeugen und deren Erben. So manche Träne floss selbst nach 60 Jahren, als Menschen im Potsdam-Museum von ihren Erlebnissen rund um das Jahr 1945 berichteten.

Die Ausstellung will ein Bild schaffen von der tatsächlich erlebten und gefühlten Geschichte unserer Stadt, beleuchtet kleinteilig Privates aber auch Auswirkungen der großen Politik. Erinnerungen an Not und Leid aber auch an Lebenswille und Menschlichkeit sollen zugleich als Mahnung und Hinweis für die heutige Zeit verstanden werden.

Potsdam 1945 - Persönliche Aufzeichnungen und Erinnerungen
- Begleitbuch zur Ausstellung -

Parallel zur Ausstellung „Kohldampf und Bombentrichter. Potsdam 1945 – Tag um Tag “ bringt das Potsdam-Museum ein Begleitbuch heraus. Persönliche Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen beispielsweise einer 12-jährigen Schülerin, des Küsters der katholischen Gemeinde oder der Oberin des städtischen Krankenhauses Babelsberg wurden hier in einer Auswahl zusammengestellt und sollen die visuellen Eindrücke aus der Ausstellung ergänzen und vertiefen.

Sie zeigen, wie unterschiedlich das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 auch in Potsdam empfunden wurde. Für die einen war es die Befreiung von Verfolgung und Krieg, für die anderen eine Niederlage und der Zusammenbruch ihrer Weltsicht. Die meisten jedoch waren mit dem von Zerstörung und Not geprägten Alltag beschäftigt.

Aus ihrer ganz privaten Sichtweise beleuchten die zusammengestellten Berichte das Leben in Potsdam 1945. Eine unbekannte Potsdamerin schildert beispielsweise die dramatischen Apriltage zwischen dem Bombenangriff und der militärischen Einnahme der Stadt durch sowjetische Truppen und zieht trotz aller Schrecken folgendes Fazit: „... Abschied überall ! Und doch musste man sich zum Leben zurückfinden." Während Paul Iskraut, damals 88-jähriger Pfarrer a.D. besonders bemerkte wie stark gerade die Kinder in dieser schwierigen Zeit gelitten haben, zeichnet der aus Pommern stammende Günter Keppler mit seinen Erlebnissen von den Schrecken der Flucht und von der schwierigen Aufnahme als Flüchtling in Potsdam ein eindrucksvolles Bild dieser Zeit.

Das Begleitbuch ist gleichzeitig ein neue Ausgabe der Schriftenreihe des Potsdam-Museums, die interessierten Bürgern und Gästen der Stadt eine zusätzliche Handreichung zum Verständnis der Geschichte bieten will.

Das Buch ist für 9,- € im Museum erhältlich.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Mi., 13. April, Vortrag: Hans-Werner Mihan
18 Uhr „Der Luftangriff auf Potsdam am 14.04.1945“

Do., 28. April, Vortrag: Kurt Arlt
18 Uhr „Potsdam 1945 – die sowjetische Garnison entsteht“

So., 8. Mai, Internationaler Museumstag
Sonderführungen 15 und 17 Uhr
Hofcafé, ab 20 Uhr Filmabend

Do., 12. Mai, Lesung: Christiane Dietzl
18 Uhr aus ihrem Buch „Wen der Eisvogel ruft“

Do., 26. Mai, Vortrag: Dr. Friedhild den Toom
18 Uhr „Schlösser in der Stunde Null“

Do.,16. Juni, Vortrag: Dr. Klaus Arlt
18 Uhr „Wie ein 11-jähriger in Babelsberg das Jahr 1945 erlebte“

Do., 14. Juli, Vortrag: Thomas Wernicke
18 Uhr „Die Reorganisation der Potsdamer Verwaltung nach dem 2. Mai 1945“

Do., 4. August, Kartoffelfest in der Benkertstraße 3
ab 17 Uhr

Do., 25. August, Vortrag: Dr. Christina Emmerich-Focke
18 Uhr „Zerstörung und Wiederaufbau in Potsdam 1945“


Öffnungszeiten: 24. März bis 4. September 2005, täglich außer Montag, 10:00 bis 18:00 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene 4 €, Kinder bis 12 Jahren frei, Jugendliche von 13-18 Jahren 2 €, Partnerkarte 6 € (zwei Personen), dienstags bis freitags 12 bis 14 Uhr 50% Ermäßigung

Führungen für Gruppen ab 6 bis 20 Personen auf Anfrage 2,50 € pro Person zuzüglich zum Eintrittspreis, Reservierungen unter Telefon: +49 331 289-6803 Fax: +49 331 289-6808; Potsdam-Museum, Benkertstraße 3, 14467 Potsdam.

Alle genannten Veranstaltungen finden im Museumshaus Benkertstrasse 3 statt.
Einzige Ausnahme: 26. Mai, Vortrag Dr. Friedhild den Toom in den größeren Räumen des Urania Verein „Wilhelm Foerster“ Potsdam e.V., Gutenbergstraße 71/72, Hinterhaus