Pressemitteilung Nr. 720 vom 08.12.2009

Umbenennung: „Köhlerplatz“

-Oberbürgermeister ruft zur Teilnahme an Veranstaltung auf-


Am Donnerstag um 14:00 Uhr wird in feierlicher Form der Zimmerplatz in „Köhlerplatz" umbenannt. Oberbürgermeister Jann Jakobs, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Potsdam Peter Schüler und ein Vertreter der Opferverbände halten ein Grußwort. Anschließend wird das Schild „Köhlerplatz" enthüllt. Erwin Köhler, ehemaliger Potsdamer Bürgermeister, wurde mit seiner Frau Charlotte vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und unschuldig zum Tode verurteilt. Am Donnerstag sind es dreiundsechzig Jahre, die seit der Wahl Erwin Köhlers zum Bürgermeister der Stadt Potsdam durch die Abgeordneten der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung, vergangen sind. „Die Enthüllung des Straßenschildes mit den Namen des Ehepaares Erwin und Charlotte Köhler wird dazu beitragen, diesen mutigen Demokraten den Platz in der Stadtgeschichte zuzuweisen, der Ihnen gebührt", so Oberbürgermeister Jann Jakobs. Er ruft alle interessierten Potsdamerinnen und Potsdam auf, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Zur Lebensgeschichte Köhlers:

Fünf Jahre nach der Wahl Erwin Köhlers zum Bürgermeister der Stadt Potsdam wurden er und seine Ehefrau im berüchtigten Botyrka - Gefängnis in Moskau getötet. Sie wurden nur 49 bzw. 43 Jahre alt. Vorausgegangen war diesem Gewaltakt die Verhaftung des Ehepaares im Frühjahr 1950.

Es war die Zeit der „Säuberungen" in den Blockparteien, der brutalen Abrechnung der SED mit ihren innenpolitischen Gegnern. 1950 stand für die Kommunisten die Liquidierung selbstbewusster bürgerlicher Politiker auf der Tagesordnung
Gegner waren der Maschinenbauingenieur und seine Ehefrau bereits am 02. 11. 1945 durch den Eintritt in die CDU geworden. Sein Engagement führte dazu, das er im April 1946 zum Kreisvorsitzenden und geschäftsführendes Mitglied des Landesvorstandes Brandenburg gewählt wurde.
Vom Januar bis Dezember 1946 war er ehrenamtlicher Stadtrat in Potsdam. Nach den Kommunalwahlen im Oktober wurde er zum Bürgermeister gewählt. Am 02. 03. 1950 sah sich Erwin Köhler auf Grund von Repressalien gezwungen von diesem Amt zurückzutreten.

Am 28. 03. 1950 wurde Erwin Köhler am frühen Morgen gemeinsam mit seiner ältesten Tochter, damals 17 Jahre alt, verhaftet. Wenig später wurde auch seine Frau festgenommen. Die vier Kinder, die Tochter wurde wieder freigelassen, haben ihre Eltern nie wieder gesehen.
Das Ehepaar wurde in das Gefängnis in der Lindenstraße gebracht. Am 02. 12. 1950 wurde ihnen der Prozeß gemacht. Unter der fälschlichen Anklage der „Spionage für den französischen Geheimdienst" und der „Konterrevolutionären Agitation und Propaganda" wurden sie zum Tode verurteilt und in die Sowjetunion deportiert.

Dem Sohn des Ehepaares Jürgen Köhler gelang es 1992 die Rehabilierung seiner Eltern durch die russische Staatsanwaltschaft zu erreichen.