Kolumne der Woche: Erfolgreiche Reise nach Sansibar

Oberbürgermeister Jann Jakobs und Khatib Abdulrahman Khatib aus Sansibar nach der Unterschrift unter den Städtepartnerschaftsvertrag. Foto: LHP/Isabell Sommer
Oberbürgermeister Jann Jakobs und Khatib Abdulrahman Khatib aus Sansibar nach der Unterschrift unter den Städtepartnerschaftsvertrag. Foto: LHP/Isabell Sommer
Oberbürgermeister Jann Jakobs und Khatib Abdulrahman Khatib aus Sansibar nach der Unterschrift unter den Städtepartnerschaftsvertrag. Foto: LHP/Isabell Sommer

16. Juli 2017

Liebe Potsdamerinnen und Potsdamer,

niemand wünscht sich wirklich, von anderen dahin geschickt zu werden, wo der Pfeffer wächst. So wie es ein altes Sprichwort sagt. Mir hat es dagegen in der vergangenen Woche zusammen mit unserer elfköpfigen Potsdamer Delegation gefallen. Das Programm auf der Gewürz- und Pfefferinsel Sansibar, dort, wo der Queen-Sänger Freddie Mercury einst geboren wurde, war großartig. Wir haben die Städtepartnerschaft ein zweites Mal unterzeichnet nach der ersten Unterschrift unter den Vertrag im April in Potsdam und die Zusammenarbeit mit Sansibar auf vielen Gebieten weiter intensiviert. Es war ein sehr erfolgreicher Aufenthalt – zumal das Verhältnis zu meinem Amtskollegen Khatib Abdulrahman Khatib nicht besser sein könnte.

Auf Sansibar wächst alles: Pfeffer, Vanille, Nelken oder Muskatnuss. Die Insel liegt im Indischen Ozean vor der Ostküste Tansanias. Auf Plantagen werden die Gewürze gezüchtet und in die ganze Welt verschifft. Der Export ist neben dem Tourismus die Haupteinnahmequelle Sansibars. Ansonsten aber sind viele Dinge auf der Pfefferinsel entwicklungsfähig. Die Landeshauptstadt Potsdam hat auf dem Gebiet des Klimaschutzes mit der Klimapartnerschaft aber schon im Jahr 2014 eine erste Zusammenarbeit vereinbart.

Die afrikanische Stadt hat zahlreiche Probleme, die auch aus dem Klimawandel resultieren. Beispielhaft seien die Küstenerosion und die flächenhafte Bodendegradation durch häufigere Starkregenereignisse sowie der Meeresspiegelanstieg, der mit Überflutungen verbunden ist sowie die Grundwassergefährdung durch Seewasserintrusion (Versalzung) genannt. Insbesondere am Mnazi Mmoja Ground, dem zentralen Veranstaltungsort und die öffentliche Sportfläche für Fußball und Cricket, konnte der Klimawandel erlebt werden. Dort ist es zu einer offensichtlichen Fehlfunktion durch Verschlammung gekommen, zudem ist der zusätzliche mechanische Flutschutz über die historische Mauer wegen deren Zerstörung durch Wellenschlag kaum noch gewährleistet.

Durch das gemeinsame Klimaschutzprojekt wurde der Mnazi Mmoja Ground inzwischen nutzbar gemacht durch den Einbau einer Drainage und damit Trockenlegung des Bodens. Die Bewohnerinnen und Bewohner pflanzten selbst reihum Bäume und stellten Bäume auf. Die Fläche wird nun zum Beispiel als Aufenthaltsort und als Bolzplatz genutzt.

Unter Leitung von Steffen Tervooren von der Unteren Naturschutzbehörde wurde in einem mehrstündigen Workshop konkretisiert, wie die Städtepartnerschaft inhaltlich außer zum Klimaschutz weiter anhand verschiedener Projekte entwickelt wird. Gemeinsam mit zehn Vertreterinnen und Vertretern der Kommunalverwaltung von Sansibar wurden zu den ausgewählten Topics wie Umwelt und Klima, Leben und Bauen im UNESCO-Weltkulturerbe, Gesundheitsversorgung und Filmförderung Arbeitsgruppen gebildet. Beide Verwaltungen haben dafür konkrete Ansprechpartner benannt, die sich nun gemeinsam auf Ziele bis Ende dieses Jahres verständigen wollen.

Ich freue mich auch sehr darüber, dass die Schulpartnerschaft mit der Bruno-H.-Bürgel-Schule fortgesetzt wird. Ich denke, dass wir da in den nächsten Jahren beiderseitig weitere Impulse setzen können. Zudem stand der Besuch der Siedlung Kikwajuni, einer DDR-Plattenbausiedlung aus den 1960er-Jahren, auf dem Programm. Trotz des schwierigen baulichen Zustands hängen die Bewohner sehr an dieser Siedlung. Die Gartenstadt Drewitz gilt hier als Vorbild und könnte Patin für eine mögliche Sanierung sein. Kati Anton von der Bürgervertretung Drewitz und ihr sansibarischer Partner unterzeichneten mit weiteren Vertretern des Quartiers einen Letter of Intent, der zunächst fünf gemeinsame Ziele für die weitere enge Zusammenarbeit enthält.

Insgesamt war es eine gelungene Reise, mit vielen interessanten Gesprächspartner, wichtigen Kontakten und Anregungen – sogar einem spannenden Fußballspiel! - sowie vertiefenden Zusammenkünften. Bauen wir darauf auf und leben wir diese Städtepartnerschaft!

Ihr

Jann Jakobs