Gedenken an Max Dortu

Gedenken an Max Dortu: Pete Heuer, Noosha Aubel und Dr. Jörg Kwapis (v.l.) am 31. Juli 2022, dem 173. Todestag des 1848er-Revolutionärs. Foto: LHP/jab
Gedenken an Max Dortu: Pete Heuer, Noosha Aubel und Dr. Jörg Kwapis (v.l.) am 31. Juli 2022, dem 173. Todestag des 1848er-Revolutionärs. Foto: LHP/jab
Gedenken an Max Dortu: Pete Heuer, Noosha Aubel und Dr. Jörg Kwapis (v.l.) am 31. Juli 2022, dem 173. Todestag des 1848er-Revolutionärs. Foto: LHP/jab

Anlässlich des 173. Todestages Maximilian Dortus fand am Sonntag eine Gedenkveranstaltung der Landeshauptstadt Potsdam in Kooperation mit dem Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V.. statt. Auf der Gedenkveranstaltung haben die Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, Noosha Aubel, und Dr. Jörg Kwapis vom Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen gesprochen. Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Pete Heuer, sowie Stadtverordnete aus zahlreichen Fraktionen haben ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen. Die Beigeordnete Noosha Aubel sagte: „Eine der großen Lehren der 1848er Revolution lautet: Es bedarf Courage, Zielstrebigkeit, Risikobereitschaft und Standhaftigkeit, um Veränderungen herbeizuführen. Das zeichnete Max Dortu aus, und das macht ihn zu einem Vorbild für all jene, die nach Freiheit und Demokratie streben und die die erkämpfte und gewonnene Freiheit und Demokratie verteidigen gegen Despoten, Kriegstreiber, Populisten und Nationalisten.“

Am 31. Juli 1849 wurde der Potsdamer Revolutionär Max Dortu in Wiehre bei Freiburg standrechtlich erschossen. Max Dortu gehört zu den populärsten Freiheitskämpfern der Revolution von 1848/ 49 und wurde in Potsdam geboren. In der Stadt erinnert die Dortustraße an die Familie des Freiheitskämpfers und die Grundschule „Max Dortu“ an den Revolutionär. Der Max-Dortu-Preis für Zivilcourage und gelebte Demokratie ist ebenso dem Potsdamer Revolutionär verpflichtet, der zum dritten Mal im September 2022 verliehen wird.

Die Rede der Beigeordneten im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Kwapis, sehr geehrter Herr Heuer, sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrte Damen und Herren,

was wäre eigentlich gewesen, wenn die Revolution von 1848 geglückt wäre? Was wäre passiert, wenn sich die Forderungen der 48er nach Freiheit, Bürgerrechten, Pressefreiheit, Mitbestimmung und nationaler Einheit erfüllt hätten? Wahrscheinlich, würden wir heute an diesem 31. Juli hier stehen und den Errungenschaften der Revolution, als Voraussetzung für ein friedliche und demokratische Entwicklung, gedenken. Denn der Potsdamer Revolutionär Max Dortu, an dessen Geburtshaus wir stehen, wäre dabei eine der zentralen Figuren gewesen. Bekanntlich verlief die Geschichte anders. Die Revolution wurde niedergeschlagen und Max Dortu wurde heute vor 173 Jahren auf einem Friedhof in Wiehre bei Freiburg standrechtlich für seine Teilnahme an der Revolution erschossen. In den deutschen Staaten wurden die wenigen liberalen Errungenschaften wieder abgeschafft und die Revolutionär*innen verfolgt.

Würden wir dennoch an Max Dortu erinnern? Im besten Fall: ja. Denn die Männer und Frauen, die damals buchstäblich auf die Barrikaden gegangen sind, hatten sich für ein großes Menschheitsprojekt stark gemacht: für die Freiheit. Wäre die Revolution von 1848 geglückt, wir hätten wohl heute allen Grund, freudig daran zu erinnern. Im schlechtesten Fall würden wir uns heute gar nicht mehr an Max Dortu erinnern. Sein Einsatz im Aufbruch in die Freiheit wäre nämlich vielleicht in der folgenden politischen Entwicklung gänzlich aufgegangen, wenn er nicht zu den führenden Männern der politischen Neuordnung gehört hätte. Und bedenken wir: Positives verblasst in der Erinnerung viel schneller als Negatives.

Nun könnten Sie einwenden: Ist es nicht müßig, darüber zu sinnieren, was passiert wäre, wenn? Die Geschichte nahm nun einmal den Verlauf, den sie nahm. Mir geht es hier und heute jedoch darum, den Blick auf die Optionen zu lenken, die die Männer und Frauen damals hatten. Eine geglückte 1848er Revolution hätte Deutschland als Nationalstaat ein demokratisches Regierungssystem verliehen, in dem Frauen allerdings noch keine Mitsprache gehabt hätten, obwohl so viele Frauen auf den Straßen ihre Forderungen zum Ausdruck brachten. Das Frauenwahlrecht wurde erst 80 Jahre später eingeführt.

Max Dortu und die Revolutionäre von 1848/49 mussten sich in ihrer Zeit die Frage stellen: Sollen wir die politischen und sozialen Missstände akzeptieren oder wollen wir uns gegen die herrschende Ordnung auflehnen? Wollen wir so weiterleben oder wollen wir Veränderungen? Gehen wir das Risiko ein, Veränderungen herbeizuführen, die auch große Gefahren in sich bürgen?

Max Dortu und die Revolutionäre entschieden sich für den Kampf für Freiheit, Demokratie und Bürgerrechte. Konsequent und ohne Wenn und Aber. Sie scheiterten. Ihre Ideen lebten weiter, wurde jedoch später verwirklicht. Die Parallelen von damals zu heute sind - ich denke, das wird mehr als deutlich - größer denn je. Auch heute braucht es mutige Menschen, die gegen Tyrannei aufstehen und für Freiheit und Menschenrechte kämpfen. Die Menschen des arabischen Frühlings wagten den Aufbruch in die Freiheit, die Menschen in Belarus drängten nach Veränderung, die Menschen in der Ukraine wollen ihre errungene Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung verteidigen. Dieser Mut wurde bislang blutig und mit Waffengewalt niedergeschlagen. Nur einige Beispiele im Kampf um demokratische Werte weltweit. Aber auch in unserer demokratischen Gesellschaft brauchen wir Menschen, die täglich die Werte unserer Gesellschaft verteidigen. Demokratie, Freiheit, Bürgerechte, die wir so schätzen, sind nicht naturgegeben, sie müssen verteidigt und weiterentwickelt werden.

Meine Damen und Herren, eine der großen Lehren der 1848er Revolution lautet: Es bedarf Courage, Zielstrebigkeit, Risikobereitschaft und Standhaftigkeit, um Veränderungen herbeizuführen. Das zeichnete Max Dortu aus, und das macht ihn zu einem Vorbild für all jene, die nach Freiheit und Demokratie streben und die die erkämpfte und gewonnene Freiheit und Demokratie verteidigen gegen Despoten, Kriegstreiber, Populisten und Nationalisten.

Deshalb lohnt es sich an Max Dortu und die 48er Revolutionäre zu erinnern. ihnen zu gedenken, ist eine Verpflichtung für Demokrat*innen. Vielen Dank