Garnisonkirche

Das Foto zeigt im Vordergrund die Baustelle des Garnisonkirchturms und im Hintergrund die IHK Potsdam.
Das Foto zeigt im Vordergrund die Baustelle des Garnisonkirchturms und im Hintergrund die IHK Potsdam.
Der entstehende Garnisonkirchturm.(Foto: Soeren Strache/dpa)

Zukunftsprojekt mit besten Aussichten

Das Bild zeigt den Eingang des Garnisonskirchturms.
Das Bild zeigt den Eingang des Garnisonskirchturms.
Eingang des Garnisonskirchturms.(Foto: Soeren Strache/dpa)

Je sichtbarer der entstehende Garnisonkirchturm im Potsdamer Stadtbild wird, desto größer die Neugier auf das Gesamtprojekt. Regelmäßige Baustellenführungen bieten deshalb einen fabelhaften Überblick über Baugeschehen und Zielstellung.

Neben schon jetzt himmlischen Aussichten von dem fast fertiggestellten Turmsockel in etwa 18 m Höhe, bietet auch die 8 m hohe Kapelle im Herzen des Gebäudes einen spannenden ersten Eindruck von der Vielfältigkeit dieses Baudenkmals. Mit insgesamt etwa 2,3 Millionen Ziegelsteinen wird der Turm mit seinem bis zu 3,50 m dicken Mauerwerk in traditioneller Bauweise wieder aufgebaut. Lediglich die Treppenhäuser und Geschossdecken sind aus Beton beziehungsweise Stahlbeton. Derzeit werden die letzten Rundbögen über den Fenstern geschlossen und Blütenranken sowie Schlusssteine aus Sandstein eingemauert. Gewaltige Steinmetzwerke, die in aufwendiger Technik mit dem wachsenden Mauerwerk statisch verankert werden. Der riesige Baukran dreht sich  voll im Zeitplan und kann mit Baufortschritt bis zu einer Hakenhöhe von über 80 m verlängert werden.

Der innovative Planungsentwurf der Architekten Hilmer, Sattler und Albrecht bildet eine perfekte Symbiose aus Rekonstruktion und moderner Funktionalität: Während die äußere Architektur dem barocken Vorgängerbau von 1735 folgt, entspricht die innere Gestaltung modernen Raumanforderungen. Vier monolithische, 7 Meter dicke Pfeiler bildeten ursprünglich den Turmsockel, der in der heutigen Konzeption „aufgebrochen“ ist und die Gestaltung von vier Vollgeschossen mit 1200 qm Nutzungsfläche ermöglicht. Wichtiger Raum für den Bildungsauftrag, der mit dem Wiederaufbau des Turmes verbunden ist.

Aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte deutscher Staatswerdung ist die Garnisonkirche wie kein anderes Gebäude als Erinnerungs- und Lernort prädestiniert. Ob als „Militärkirche“ des preußischen Hohenzollernstaates, nationales Walhalla, Manifestation der NS-Machtergreifung oder zerstörungswürdige Ruine ungeliebter Geschichte. Mit ihr verbinden sich so gegensätzliche Begriffspaare wie Macht und Verantwortung, Hochmut und Fall, Widerstand und Anpassung. Die Garnisonkirche ist mehr denn je ein hochaufgeladenes Symbol. Sie spiegelt unsere Widersprüchlichkeit und konfrontiert uns mit der Ambivalenz, die für unser Menschsein kennzeichnend ist. Schwarz oder weiß geht hier nicht oder wie es der Journalist Justin Huggler 2017 in der englischen Zeitung „The Telegraph“ formulierte: „This place is not meant to be easy“ (Dieser Ort macht es einem nicht leicht).

Als eine Art interaktives Labor soll dieser Erinnerungsort bald geschichtliche Fenster öffnen, die im Kontext zu Themen unserer heutigen Lebenswelt stehen. Soll die wichtige Verbindung von Geschichte und Gegenwartsgestaltung erfahrbar werden. Sollen Neugier geweckt, zum Mitmachen eingeladen und Überraschungen geboten werden.

Zudem wird ein Dialograum entstehen, für die gemeinsame Arbeit zu Fragen unserer geschichtlichen DNA, Kontinuität und Identität, Erinnerung und Zukunftsverantwortung. Ein Raum der Begegnung im Geiste überzeugter Toleranz, gemeinschaftlicher Verständigung und offener Debattenkultur.

Die Kapelle im Turmsockel wird geistlich-spiritueller Mittelpunkt des Turmes. Sie wird allen Konfessionen offenstehen. Sie ist Kirche mitten in der Stadt. Mitten im Stadtgespräch. Mitten unter den Menschen. Als Mitglied der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry gilt dabei das Thema Versöhnung als maßgebender Bezugspunkt.

Ein Ort für alle wird entstehen – ideell und faktisch. Ein Kirchturm ohne Hindernisse. Inklusion steht nämlich ganz vorne auf der Agenda: Zum architektonischen Konzept gehören Fahrstühle bis zur barrierefreien Besucherterrasse sowie kontrastierende Farben und  Brailleschrift. Darüber hinaus ist ein Outdoor-Tastmodell für die Baustelle geplant, das die räumlichen Dimensionen und einzelne architektonische Besonderheiten erkennbar macht. Maßnahmen für die Anpassung an die Bedürfnisse Hör- und Sehgeschädigter sowie spezielle Schulungen des Personals zu Themen wie „Sensibilisierung im Umgang mit Menschen mit Einschränkungen“ und „bauliche Zugänglichkeit“ sind ebenfalls vorgesehen.

Da wir unseren Gästen ein besonderes Baustellenerlebnis ermöglichen möchten - und zwar allen Gästen -, wurde inzwischen ein Baustellenaufzug installiert, der auch für Führungen genutzt werden kann. Rollstuhlfahrer oder Besucher mit körperlichen Einschränkungen haben damit bald auch die Möglichkeit, das eindrucksvolle Baugeschehen von oben zu betrachten.

Schon jetzt verfügt die benachbarte Nagelkreuzkapelle mit Ausstellung und Infodesk über einen Zugang per Rollstuhlrampe, breitere Türen und eine Behindertentoilette. Die barrierefreie Teilhabe gilt auch für alle unsere Veranstaltungen, Bildungsformate sowie Gottesdienste und Friedensgebete.

Dr. Stephanie Hochberg
Stiftung Garnisonkirche Potsdam
Wiederaufbau des Turmes als Lern- und Erinnerungsort
Nagelkreuzkapelle – Forum für Frieden und Versöhnung
Anschrift: Breite Straße 4, 14467 Potsdam
Telefon: (03 31) 201 18 30

Öffnungszeiten: Nagelkreuzkapelle, Di bis So 11-17 Uhr
Baustellenführungen: jeden 1. und 3. Samstag im Monat um 11 h
kostenfreie Teilnahme, Gruppen mit Voranmeldung

Adresse: 
Garnisonkirche Potsdam
Breite Straße 7
14467 Potsdam
Deutschland