Ausstellung

VISTA POINT. RE-CONNECTING NATURE

Das Bild zeigt das Kunstverein KunstHaus Potsdam (© Bernd Hiepe 2015)
Das Bild zeigt das Kunstverein KunstHaus Potsdam (© Bernd Hiepe 2015)
Kunstverein KunstHaus Potsdam (© Bernd Hiepe 2015)
Das Bild zeigt die Fotografie "Family Portraits XI" aus dem Jahr 2019. (© Inka & Niclas, Courtesy Dorothée Nilsson Gallery)
Das Bild zeigt die Fotografie "Family Portraits XI" aus dem Jahr 2019. (© Inka & Niclas, Courtesy Dorothée Nilsson Gallery)
Family Portraits XI, 2019 (© Inka & Niclas, Courtesy Dorothée Nilsson Gallery)

Der Kunstverein KunstHaus Potsdam e.V. zeigt vom 13. September bis 25. Oktober 2020 die Ausstellung VISTA POINT. RE-CONNECTING NATURE. Ausgestellt werden Fotos junger Künstler aus Skandinavien und Island.

Die Sehnsucht des Menschen nach Landschaft und Natur zeigt sich einmal mehr in diesen von Corona und drohendem Klimawandel geprägten Zeiten. Landschaft lockt immer - mit schönsten Aussichten: Vista Point lauten die vielversprechenden Signale entlang internationaler Reiserouten. Sie verweisen auf ausgewählte Aussichtspunkte, unvergessliche Naturansichten und grandiose Panoramen. Zielsicher leiten sie die Reisenden, wecken Seh(n)süchte und wollen festgehalten werden. Ob mit einer Fotografie oder mit laufender Kamera erfasst: Das fotografische Bild ist und bleibt Träger und Archiv von Erinnerung. Mit ihrer berühmten Fotoserie „Vista Point“ unterläuft das schwedische Künstlerpaar Inka & Niclas alle mit dem Titel evozierten Erwartungen und damit tradierten Sehgewohnheiten. Zielsicher irritieren die beiden mit präzisen Bildstörungen in genau jenem Moment, dem die Fotografie Dauer verleiht. Gleißendes Licht, dunkle Rauchwolken, zarte Nebel, geheimnisvolles Glühen und andere strahlend helle, undurchdringlich dunkle oder stark farbige Erscheinungen setzen sich ins Bild und verwandeln Natur und den Menschen in ihr in traumgleiche Bilder, die sich umso tiefer in unsere Netzhaut einbrennen. Sind hier Fehlstellen, Fehlbelichtungen, schwarze Löcher, Energieströme, mystische Zeichen eingefangen? Mit analogen, performativen Aktionen und Installationen werden Bilder erzeugt, die so real wie artifiziell anmuten. Sie dokumentieren einerseits den Akt des Fotografierens als Moment physischer Erfahrung und fordern andererseits aktives Sehen und Hinterfragen des Gesehenen.

Hier wie in den anderen ausgewählten Arbeiten, die im Licht des Nordens, in Schweden und Island, entstanden, werden Mensch und Natur in sowohl geheimnisvolle als auch direkte Beziehungen gesetzt, um nicht zuletzt (bildnerische) Realität auszuloten und neu zu verhandeln. Essentielles Thema des in Schweden beheimatete Künstler Johan Österholm ist das Licht. In seinen experimentellen Arbeiten kombiniert er astronomische Beobachtungen mit dokumentarischem Archivmaterial. Er belichtet und belebt historische Negative, Seiten aus antiken Astronomiebüchern oder Glas alter Laternen und Gewächshäuser. Der Künstler ist überzeugt vom alchemistischen Potenzial des Mondlichts und nutzt dieses nächtliche Natur-Licht, um fotografische Prozesse zu aktivieren. So werden beispielsweise mit Silbergelatine beschichtete Glasscherben aus verlassenen Gewächshäusern als einstige Sonnenlichtsammler in Mondscheinsammler verwandelt.

Die Isländerin Anna Rún Tryggvadóttir erforscht mit ihren Videoarbeiten und kinetischen Objekten naturnahe Prozesse und zyklische Verläufe. Ihre Arbeiten spüren elementaren Formen, geschichtsträchtigen mythischen Orten und seismographischen Bewegungen der Erde nach. Sie legen Verschiebungen und Verwerfungen als Metaphern und Bestandteile unseres Lebens und der Verbindung zur Natur offen und stellen Fragen nach dem Raum zwischen gewachsener Natur und von Menschenhand Konstruiertem.

Die in Frankreich lebende, mit Schweden eng verbundene Künstlerin Margot Wallard arbeitet seit 2012 an ihrem vielschichtigen fotografischen Werk „Natten“, das den Nachtseiten menschlicher Existenz und Gefährdung nachspürt. Ihre Bilder führen in der Auseinandersetzung mit Tod und Trauer und dem nachhaltigen Prozess der Verarbeitung die Analogien von Natur und menschlichem Sein vor Augen. Eindrücklich, poetisch und erschreckend schön oder abstoßend zeigt sie Bilder von toten Tieren, schmelzenden Eisschollen, warmem Licht in eiskalter Winterlandschaft – Natur als Zufluchtsort und Behausung für Mensch und Tier. Naturnahe Prozesse, elementare Kreisläufe, die Suche nach Geborgenheit inmitten universeller Gefährdungen und die wechselseitige Verbindung von Mensch und Natur sind umfassende Bezugspunkte in allen in der Ausstellung Vista Point. Re-Connecting Nature gezeigten fotobasierten Werken.

Die Präsentation führt gleichermaßen seismographisch und dokumentarisch Mensch und Natur als unverbrüchliche Partner im Bild und als Bildgeber zusammen. Mit ihren Werken setzen die Künstlerinnen und Künstler Impulse für alle Sinne und folgen leise leuchtend der längst tradierten Beziehung von Mensch und Natur.

Veranstaltungen:

Sonntag, 13. September 2020, 17 Uhr
Eröffnung der Ausstellung VISTA POINT. Es sprechen: Dr. Birgit Möckel, Vorsitzende Kunstverein KunstHaus Potsdam Nina Katarina Karlsson, Botschaftsrätin für kulturelle Fragen, Schwedische Botschaft, Berlin Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, Frankfurt am Main

Sonntag, 18. Oktober 2020, 16 Uhr
Vortrag von Barbara Hofmann-Johnson, Direktorin, Museum für Photographie Braunschweig

Sonntag, 25. Oktober 2020, 12-17 Uhr
Finissage und Ausstellungsrundgang

Bei allen Veranstaltungen gelten die aktuellen Corona-Regelungen.

Adresse: 
Kunstverein KunstHaus Potsdam e.V.
Ulanenweg 9
14469 Potsdam
Deutschland