Zerstörung und Entstehung, Körper und Krise

Potsdamer Tanztage

Das Foto zeigt eine stehende Tänzerin und einen hockenden Tänzer.
Das Foto zeigt eine stehende Tänzerin und einen hockenden Tänzer.
Ginevra Panzetti, Enrico Ticconi - Harleking (Foto: Dieter Hartwig)
Das Foto zeigt zwei Tänzer und eine Tänzerin, die sich zur Musik eines Akkordeonspielers bewegen.
Das Foto zeigt zwei Tänzer und eine Tänzerin, die sich zur Musik eines Akkordeonspielers bewegen.
Michiel Vandervelde - The Goldberg Variations (Foto: Tom Callemin)
Das Foto zeigt die Tänzerin, wie sie, die Beine in der Luft, sich auf einen Holztisch abstützt.
Das Foto zeigt die Tänzerin, wie sie, die Beine in der Luft, sich auf einen Holztisch abstützt.
Anna Konjetzk - Move More Morph It (Foto: Franz Kimmel)
Bühne
Disco & Party & Tanz
Musik
Nightlife

Die diesjährige Ausgabe der Potsdamer Tanztage vom 5. bis 16. August 2020 ist eine Gesamtchoreografie: tanzen mit der Unsicherheit, spielen mit den Regelungen, die wechselnden Rhythmen des Möglichen spüren und sich von der neuen Musik tragen lassen. Dabei sind Spontaneität und die Freude über das, was machbar ist, untrennbare Partner der Kreativität geworden.
 
Nach der Absage der Potsdamer Tanztage im Mai, die das 30. Jubiläum hätten sein sollen, lädt die fabrik Potsdam im August zu einer neuen Version des Festivals ein: Eine intimere Ausgabe, da das große Jubiläum jetzt für Mai 2021 geplant ist, ein anderes Festival also, wie ein Neuanfang geprägt von Improvisation und eingerahmt vom Sommer.
 
Das enge Korsett des Distanzgebots ist ein Ansporn, ungewöhnliche Formen zu suchen: im Freien, im Gehen, in Kleingruppen und auf der Leinwand. Dabei wird es deutlich, wie kreativ und vielfältig der Tanz und die Performance als Ausdrucksformen Emotionen wortlos aufgreifen, die Bühne neu erfinden und den Zeiten der Improvisation eine Stimme geben – oder besser verkörpern – können.
 
Auszug aus dem Programm:

Michiel Vandervelde (Brüssel): The Goldberg Variations (Deutschlandpremiere)
1986 prägte Steve Paxton mit seinem berühmten Solo The Goldberg Variations auf der Musik von Bach den Postmodernen Tanz durch ein neues Verständnis von Bewegung: Improvisationen, Alltagsbewegungen und Spontanität eröffneten dem Tanz neue Ausdrucksmöglichkeiten. Wie wird Kunst von dem soziopolitischen Kontext beeinflusst? Wo stehen wir heute? In seinem neuesten Stück spinnt Michiel Vandevelde einen Faden zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Krisen und Kreativität.
 
Ginevra Panzetti, Enrico Ticconi (Turin/Berlin): Harleking
Harleking ist ein Dämon mit mehreren Identitäten. Sein Körperausdruck ähnelt dem des Harlekins aus der Commedia dell’Arte – ein schlauer Diener, den ein unstillbarer Hunger antreibt. Es kann alles passieren und zugleich wieder verschwimmen. Harleking erinnert an Grotesken, alte Wanddekorationen mit monströsen Gestalten, die sich mit eleganten ornamentalen Spiralen vermischen.
 
Yoann Bourgeois (Grenoble): Fugue / Trampoline
Fugue/Trampoline, Zirkus und Poesie zugleich, ist ein spektakulärer kleiner Tanz für einen Mann und ein Objekt, komponiert auf der Musik von Phillip Glass Metamorphosis n°2. Yoann Bourgeois spielt in Kontrapunkt mit der Leere, den Gesetzen der Schwerkraft und der Schwerelosigkeit. Dabeu findet er einen schwindelerregenden und sensiblen Gang neu, bis er den Schwebepunkt findet, einen Moment der absoluten Gegenwart, wenn der Sturz noch nicht begonnen hat und sich für die Spiele der Schwerkraft öffnet. Yoann Bourgeois ist Ko-Leiter des CCN2 – Centre chorégraphique national de Grenoble
 
Deufert&plischke (Berlin): Lieber Tanz / Briefe an den Tanz
Die fabrik Potsdam startet mit dem Künstlerzwilling deufert&plischke ein mehrmonatiges Projekt bis Frühjahr 2021, das den Tanz und das 30. Jubiläum der fabrik feiert. Lieber Tanz / Briefe an den Tanz lädt Menschen unterschiedlicher Herkunft und Erfahrungen, Jung und Alt, Tanzerfahrene und -Novizen ein, Tanzerinnerungen auszutauschen, Lieblingsbewegungen zu (er)finden, zu tanzen und Briefe an den Tanz zu schreiben! Mit einem Workshop und anschließendem Ball sind Auftakt eines Projektes, in dem in Potsdam und Brandenburg Briefe an den Tanz geschrieben und Lieblingsbewegungen gesammelt werden. Bis ins Frühjahr 2021 initiiert die fabrik Workshops und Begegnungen, in denen Tanzerfahrungen ausgetauscht werden, diskutiert, gelacht, getanzt und geschrieben wird und so manch bedeutende*r Wegbegleiter*in der fabrik zur Sprache oder zum Tanzen kommen wird.
 
explore dance – Tanz für junges Publikum
Im Rahmen des Festivals werden zwei Produktionen für junges Publikum aus dem Programm explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum gezeigt. Die Choreograf*innen Lee Méir und André Lewski sowie Anna Konjetzky laden mit ihren Stücken Familien, Kinder und Jugendliche ein, Tanz zu sehen und zu erleben, in anderen Räumen zu erfahren und miteinander in Austausch zu kommen.

explore dance / Lee Méir & André Lewski: von hier nach dort (6+) (Uraufführung)
In jedem Abschied steckt ein kleiner Tod. Was bedeutet es eigentlich, sich zu verabschieden? Von jemandem oder den vielen kleinen und großen Dingen, aus denen man herauswächst? Begeben wir uns auf eine Abschiedsreise, ein lebenslustiges Abenteuer voller Tanz, Musik, Basteln und Bauen, um das Wunder des Lebens gemeinsam zu feiern. In von hier nach dort begleiten die Performer*innen die großen und kleinen Besucher*innen, um mit Fantasie und Mut dem großen Unbekannten zu begegnen.

explore dance / Anna Konjetzky: Move More Morph It (8+)
Wer, wie und was kann ich sein? Ein Körper vertont sich selbst und liefert damit den Soundtrack für eine Reise durch verschiedene Identitäten, Selbstentwürfe und phantastische Figuren. Große Effekte und feine Töne tricksen dabei die Wahrnehmung aus und wecken die Neugier auf einen kreativen Umgang mit Zuschreibungen.

Workshops
Das Workshopprogramm richtet sich an Profitänzer*innen, Tanzaffine, Familien, Jugendliche und Kinder und bietet in seiner kompakten und vielfältigen Form unterschiedliche Möglichkeiten der Begegnung (in kleinen, intimen Gruppen), des körperlichen wie künstlerischen Austauschs und den Einblick in choreographische Arbeitsweisen. Alle sind herzlich eingeladen zeitgenössische Tanzstile und – techniken (neu) zu entdecken und zu erfahren!
Workshops u.a. mit Adi Weinberg, Lea Martini, Jonathan Burrows & Matteo Fargion, Anna Nowicka, Odile Seitz, Lukas Schapp und deufert&plischke.