OBM-Dialog im TV

Vortrag & Diskussion

Potsdam lebt vom Miteinander und einem konstruktiven Dialog, auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten. Am 9. Juli 2020 beantwortete Oberbürgermeister Mike Schubert und weitere Experten in einer einstündigen Livesendung bei Hauptstadt.TV. Unter dem Titel "Im Dialog mit dem Oberbürgermeister" wurden Bürgerfragen zu den Themen Stadtkanal, Staudenhof sowie Quartiersentwicklung „Am Kanal“ besprochen.

Die Beantwortung der Fragen, die in der Sendung nicht geklärt werden konnten, können Sie hier nachlesen:

Wie soll der neue Kanal aussehen?
Die Wiedergewinnung des Stadtkanals ist eine städtebauliche Herkulesaufgabe. Damit diese ein Erfolg werden kann, muss der neue Kanal eine zeitgemäße Nutzung und eine ansprechende Gestalt erhalten. Diese soll die historische Form weder voraussetzen noch eine teilweise historische Rekonstruktion an geeigneten Stellen ausschließen.
Zu beiden Fragen wird es eine umfangreiche Bürgerbeteiligung geben.

Wie kann Gestank vermieden werden?
Der alte Kanal wurde insbesondere wegen seines unangenehmen Geruchs zugeschüttet. Dies lag zum einen darin, dass entgegen der ursprünglichen Nutzung Abwasser und Fäkalien in das Gewässereingeleitet wurden, zum anderen wies der Kanal faktisch keine Fließgeschwindigkeit auf. Durch eine verschmutzungsarme Nutzung und moderne Ingenieurtechnik wird ein neuer Kanal eine hervorragende Wasserqualität aufweisen und zukünftig nicht durch unangenehme Gerüche auffallen.

Muss der Kanal zwingend mit Wasser gefüllt werden?
Grundsätzlich sind die Gestalt und die Nutzung offen.
Allerdings steigert die Wiederherstellung eines Wasserlaufes die Aufenthaltsqualität deutlich, sie verbessert das Stadtbild und wirkt kühlend auf die Umgebung, sodass die Stadtverwaltung diesen Ansatz verfolgt.
Darüber hinaus sind auf Basis des Wasserlaufs zahlreiche Nutzungen möglich, die in der Potsdamer Innenstadt einmalig wären.
Eine Flutung des Kanals verhindert überdies keinen Promenadencharakter, sondern begünstigt ihn. Der Kanal wird ein grünes Band im Herzen historischen Mitte erschaffen.

Was kostet die Wiedergewinnung des Kanals?
Die genauen Kosten der Wiedergewinnung des Stadtkanals können derzeit nicht beziffert werden. Sie sind abhängig von der Bauweise, der Nutzung und den Baupreisen zum Zeitpunkt der Arbeiten.
Klar ist, dass mit den Baumaßnahmen hohe Kosten einhergehen werden. Deshalb wird die Realisierung viel Zeit in Anspruch nehmen und die Landeshauptstadt Potsdam wird auch auf private Spenden und Fördermittel angewiesen sein.

Was passiert mit dem Autoverkehr und den Gewerbetreibenden?
Mit der Wiedergewinnung des Stadtkanals werden auch Veränderungen des derzeitigen Verkehrsraumes einhergehen. Allerdings heißt dies nicht, Verkehrsformen gegeneinander auszuspielen.
Mit dem Kanal soll der historische Promenadencharakter in die Straße zurückkehren. Das geht nur über eine Verminderung des Autoverkehrs sowie eine Stärkung des Öffentlichen Nah- sowie des Fuß- und Radverkehrs. Für die Anwohner*innen und Gewerbetreibenden soll es auch in Zukunft möglich sein, ihre Wohnungen oder Geschäfte mit dem Auto zu erreichen und in unmittelbarer Nähe zu parken.
Darüber hinaus wird das Wohnumfeld erheblich aufgewertet und die zusätzlichen Passanten dürften das Geschäft vor Ort beleben.

Werden die Mieten nach der Aufwertung steigen?
Ein großer Teil der Wohnungen am geplanten Kanalverlauf befindet sich im Eigentum der städtischen ProPotsdam oder von Genossenschaften. Die Qualitätsverbesserungen im öffentlichen Raum werden deshalb nicht zu Mietpreisexplosionen führen. Die ProPotsdam plant sogar mehr preisgebundenen Wohnraum zu schaffen als bisher.

Welche Einschränkungen wird es für die Anwohner geben?
Die Stadtverwaltung ist sich der schwierigen Situation der Anwohnerinnen und Anwohner zwischen der Straße „Am Kanal“ und Freundschaftsinsel bewusst. Die Bauarbeiten der vergangenen Jahre waren mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und beträchtlichem Lärm verbunden.
Bei sämtlichen Baumaßnahmen werden alle Möglichkeiten zur Minimierung der Belastungen in Betracht gezogen. Ohne Einschränkungen wird es jedoch nicht gehen.

Was passiert mit dem Staudenhof?
Das Moratorium, das heißt die bauliche Veränderungssperre, ist noch bis Ende 2022 gültig. Bis dahin muss eine Entscheidung über die Zukunft des Staudenhofes getroffen werden.
Die Stadtverwaltung wird die öffentliche Diskussion hierüber in Kürze neu beginnen und verschiedene Optionen mit ihren Konsequenzen vorstellen.
Letztendlich muss die Stadtverordnetenversammlung eine abgewogene Entscheidung treffen.

Was passiert mit den Bewohnern des Staudenhofs, sollte der Standort saniert oder neugebaut werden?
Der preisgünstige Wohnraum im Staudenhof wird in jedem Fall erhalten bleiben. Dies gilt unabhängig von der Frage, ob das bestehende Gebäude saniert oder ein neues errichtet wird.

Bleiben die Linden am Alten Markt erhalten?
Die Stadtverwaltung ist stets um den Erhalt des öffentlichen Grüns bemüht und ist insbesondere angesichts des Klimawandels sensibel, wenn Baumfällungen diskutiert werden.
Es werden deshalb im Zuge aller geplanten Maßnahmen sämtliche Möglichkeiten geprüft, um die Bäume und Blühstreifen zu erhalten.

Laufen im Staudenhof zum Jahr 2021 die Bindungen für mehr als 2.000 Wohnungen aus?
Die Zahl an belegungs- und mietpreisgebundenen Wohnungen in den Stadtteilen Nördliche und Südliche Innenstadt war in den Jahren 2018 und 2019 stabil. Diese Entwicklung wird sich auch in 2020 fortsetzen.

Sendung verpasst? Hier können Sie die Aufzeichnung vom 9. Juli noch einmal schauen:

 

Stadtkanal

Die Geschichte des Potsdamer Stadtkanals beginnt vor 350 Jahren. Die ursprünglichen Entwässerungsgräben wurden über die Jahrhunderte begradigt, befestigt und immer weiter ausgebaut. Der Kanal diente zur Entwässerung von Grundstücken und war ein wichtiger Transportweg. In den 1960er Jahren wurde das Kanalbett zugeschüttet. Erst nach der Wende begann die Freilegung und Wiederherstellung. So konnte anlässlich der Bundesgartenschau 2001 der Stadtkanal in der Yorkstraße eröffnet werden. Zwischen 2009 und 2011 wurde der Bereich an der Kellertorbrücke rekonstruiert. Großen Anteil an der Wiederherstellung der beiden Abschnitte haben verschiedene Privatinitiativen. Auch Oberbürgermeister Mike Schubert will sich für die Wiederherstellung des Potsdamer Stadtkanals engagieren.

Staudenhof

Seit Jahren sorgt der Staudenhof am Alten Markt für Streit in der Stadtpolitik. Dabei geht es um Abriss und Neubau oder Erhalt und Sanierung. Während im direkten Umfeld die Potsdamer Mitte nach historischen Vorbild neu entsteht - bleibt der Plattenbau im Schatten der Nikolaikirche vorerst erhalten. Vor 100 Jahren stand an gleicher Stelle das Palazzo Giulio Capra. Das Wohn- und Geschäftshaus wurde, wie viele Bauten in der Potsdamer Innenstadt, 1945 zerstört. Erst 1979 entstand das heutige Gebäude. Der Plattenbau bietet Wohnraum in bester Lage. Hier leben rund 200 Menschen, darunter 33 Geflüchtete. Doch der Staudenhof ist nicht nur ein reiner Wohnblock: im Quartierstreff im Erdgeschoss hat sich in den letzten Jahren ein soziokulturelles Zentrum entwickelt, von dem die gesamte Nachbarschaft profitiert. Eine Entscheidung über den Staudenhof trifft die Stadtverordnetenversammlung spätestens 2022.
 

Quartiersentwicklung "Am Kanal"

Direkt neben Staudenhof und Nikolaikirche liegt eines der beliebtesten Wohnquartiere Potsdams. Verschiedene städtische Wohnungsgesellschaft ermöglichen hier günstige Mieten in Innenstadtlage. In den nächsten Jahren wird das Quartier weiterentwickelt mit dem Ziel einer städtebaulichen Aufwertung des Areals. Gleichzeitig soll erschwinglicher Wohnraum erhalten bleiben und neu geschaffen werden. Von der städtebaulichen Weiterentwicklung des Quartiers sollen auch die ansässigen Geschäfte profitieren. Ziel ist es, die Ladenzeile „Am Kanal“ in eine attraktive Flaniermeile umzuwandeln. Die ansässigen Händler und Bewohner sollen mit einem umfangreichen Beteiligungsprozess bei der Weiterentwicklung des Quartiers mit einbezogen werden. Die Wiederherstellung des Stadtkanals am nördlichen Rand des Areals könnte dabei helfen die Aufenthaltsqualität für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Besucherinnen und Besucher deutlich zu steigern.